2.155 Ehemaliger Buntsandsteinbruch an der Neckarhalde

 

Verordnung des Regierungspräsidiums Karlsruhe über das Naturschutzgebiet "Ehemaliger Buntsandsteinbruch an der Neckarhalde" (Stadt Heidelberg) vom 19. Oktober 1992 (GBl. v. 15.12.1992, S. 753).

 

Aufgrund der §§ 21, 58 und 64 des Naturschutzgesetzes (NatSchG) vom 21. Oktober 1975 (GBl. S. 654), zuletzt geändert durch das Biotopschutzgesetz vom 19. November 1991 (GBl. S. 701), und der §§ 22 und 33 des Landesjagdgesetzes (LJagdG) vom 20. Dezember 1978 (GBl. 1979 S. 12) wird verordnet:

 

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

 

Die in § 2 näher bezeichneten Flächen auf dem Gebiet der Stadt Heidelberg werden zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung "Ehemaliger Buntsandsteinbruch an der Neckarhalde".

 

§ 2 Schutzgegenstand

 

(1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von rd. 12 ha. Es liegt am rechten unteren Neckarhang etwa 2 km flußaufwärts vom alten Ortskern Ziegelhausen, im Staatswald Distrikt Kameralwald und umfaßt einen stillgelegten Buntsandsteinbruch mit dessen Randbereichen. Es ist ein Teil des Grundstücks Flst. Nr. 51074 der Gemarkung Heidelberg-Ziegelhausen.

 

(2) Die Grenzen des Schutzgebietes sind in zwei Übersichtskarten im Maßstab 1:25000 und 1:5000 mit durchgezogener roter Linie sowie in einer Detailkarte im Maßstab 1:2000 mit durchgezogener roter, grau angeschummerter Linie eingetragen. Die Karten sind Bestandteil der Verordnung. Die Verordnung mit Karten wird beim Regierungspräsidium Karlsruhe und bei der Stadt Heidelberg auf die Dauer von zwei Wochen, beginnend am Tag nach Verkündung dieser Verordnung im Gesetzblatt, zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt.

 

(3) Die Verordnung mit Karten ist nach Ablauf der Auslegungsfrist bei den in Absatz 2 Satz 3 bezeichneten Stellen zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten niedergelegt.

 

§ 3 Schutzzweck

 

Schutzzweck ist:

1.            die Erhaltung eines seit 90 Jahren stilliegenden Steinbruchs mit seinen Felswänden, Schutt- und Blockhalden, der den geologischen Aufbau des Buntsandsteins offenlegt;

2.            die Erhaltung eines Steinbruchs als kulturgeschichtlich bedeutsamer Ort der Gewinnung und Bearbeitung von Bausteinen für historische Bauten Heidelbergs;

3.            die Erhaltung von naturnahen, teilweise aus stark vom Menschen geprägten Wald- und Geländeformen hervorgegangenen Vorwaldgesellschaften mit alten Resten eines Buchen-Eichenwaldes und seltenen Moosen- und Flechten, die sich sowohl in ihrer ökologischen Struktur als auch durch ihren Tier- und Pflanzenreichtum deutlich von der Umgebung abheben;

4.            die Erhaltung der Struktur eines teilweise aus historischen Waldwirtschaftsformen, teilweise aus spontaner Wiederbewaldung auf natürliche Weise entstandenen Waldes, der mit hohem Totholzanteil höhlenbewohnenden Säugern und Vögeln und mit hohem Weichholzanteil Holz und Laub nutzenden Insekten vielfältigen Lebensraum bietet;

5.            die Erhaltung und Förderung unterschiedlicher Stadien der Vegetationsentwicklung auf Abraumhalden, Steinbruchbermen, Felsvorsprüngen und Terrassen von Steinbruchwänden als Objekt der wissenschaftlichen Erforschung von Verlauf und Dynamik der Wiederbewaldung auf Buntsandstein;

1.            die Offenhaltung bzw. Freistellung der durch den Steinbruchbetrieb entstandenen Felswände dort, wo diese nach Exposition und Felsstruktur Möglichkeiten für die (Wieder-) Besiedlung dieses Lebensraumes durch höhlen- und felsbrütende, gefährdete Fledermaus- und Vogelarten oder andere Arten bieten.

 

§ 4 Verbote

 

(1) In dem Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des Schutzgebietes oder seiner Bestandteile, zu einer nachhaltigen Störung oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen können.

 

(2) Insbesondere ist verboten:

1.            bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils gültigen Fassung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen;

2.            Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

3.            die Bodengestalt zu verändern;

4.            Entwässerungs- oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt des Gebietes verändern;

5.            Abfälle oder sonstige Gegenstände zu lagern;

6.            Plakate, Bild- oder Schrifttafeln aufzustellen;

7.             oder anzubringen mit Ausnahme behördlich zugelassener Beschilderungen;

8.            Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

9.            Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut-, Wohn- oder Zufluchtstätten dieser Tiere zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

10.        die Art der bisherigen Grundstücksnutzung zu ändern;

11.        zu zelten, zu lagern, Wohnwagen, sonstige Fahrzeuge oder Verkaufsstände aufzustellen;

12.        außerhalb von eingerichteten und gekennzeichneten Feuerstellen Feuer anzumachen oder zu unterhalten; 12. ohne zwingenden Grund Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen;

13.        die Wege zu verlassen;

14.        zu klettern;

15.        Hunde frei laufen zu lassen;

16.        Pflanzenbehandlungsmittel anzuwenden, zu kalken oder zu düngen.

 

§ 5 Zulässige Handlungen

 

(1) Die Verbote des § 4 gelten nicht für:

1.            die ordnungsgemäße Ausübung der Forstwirtschaft in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang mit der Maßgabe, daß
 a) forstliche Maßnahmen innerhalb des ehemaligen Bruchgebietes der Erhaltung der vorhandenen Waldbestände dienen;
 b) in den Randbereichen Walderhaltungs- und Umformungsmaßnahmen zu Gunsten einer natürlichen Laubbaumvegetation betrieben werden;

2.            die ordnungsgemäße Ausübung der Jagd mit der Maßgabe, daß
 a) notwendige jagdliche Einrichtungen nur in der Zeit vom 01.09. bis 28.02 in landschaftsgerechter Form errichtet werden;
 b) bis auf Drückjagden auf Schalenwild keine Gesellschaftsjagden durchgeführt werden;

3.            das Klettern in der Zeit vom 1.8. - 31.1. nördlich der auf der Detailkarte im Maßstab 1:2000 eingetragenen Klettergrenze.

 

(2) Unberührt bleibt auch die sonstige bisher rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung.

 

§ 6 Schutz- und Pflegemaßnahmen

 

Schutz- und Pflegemaßnahmen werden durch die höhere Naturschutzbehörde in einem Pflegeplan oder durch Einzelanordnung festgelegt.

 

§ 7 Befreiungen

 

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann nach § 63 NatSchG Befreiung erteilt werden.

 

§ 8 Ordnungswidrigkeiten

 

(1) Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer vorsätzlich oder fahrlässig nach § 4 dieser Verordnung verbotene Handlungen vornimmt.

 

(2) Ordnungswidrig im Sinne des § 33 Abs. 2 Nr. 4 LJagdG handelt, wer vorsätzlich oder fahrlässig entgegen § 4 in Verbindung mit § 5 Abs. 1 Nr. 2 dieser Verordnung die Jagd ausübt.

 

§ 9 Inkrafttreten

 

(1) Diese Verordnung tritt am Tage nach Ablauf der Auslegungsfrist in Kraft.

 

(2) Gleichzeitig tritt für den Geltungsbereich des Naturschutzgebietes die Verordnung des Badischen Bezirksamtes Heidelberg über das Naturdenkmal "Ehemalige Sandsteinbrüche am Felsenberg", Gemarkung Heidelberg-Ziegelhausen, vom 20.07.1938 (Volksgemeinschaft" Heidelberg vom 23.07.1938) außer Kraft.

 

Karlsruhe, den 19. Oktober 1992

Regierungspräsidium Karlsruhe

Dr. Miltner