2.157 Im oberen Haubruch

 

Verordnung des Regierungspräsidiums Karlsruhe über das Naturschutzgebiet "Im oberen Haubruch"(Gemeinde Kraichtal, Landkreis Karlsruhe) vom 22. Dezember 1992 (GBl. v. 16.02.1993, S. 67).

 

Aufgrund der §§ 21, 58 und 64 des Naturschutzgesetzes (NatSchG) vom 21. Oktober 1975 (GBl. S. 654), zuletzt geändert durch das Biotopschutzgesetz vom 19. November 1991 (GBl. S. 701), und der §§ 22 und 33 des Landesjagdgesetzes (LJagdG) in der Fassung vom 20. Dezember 1978 (GBl. 1979 S. 12), wird verordnet:

 

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

 

Die in § 2 näher bezeichneten Flächen auf dem Gebiet der Stadt Kraichtal, Gemarkung Münzesheim, werden zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung "Im oberen Haubruch".

 

§ 2 Schutzgegenstand

 

(1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von rund 5 ha. Es wird im wesentlichen begrenzt im Westen durch den Feldweg 9497, im Süden durch den Feldweg 9623, im Osten durch den begleitenden Erdweg entlang des Haubruchgrabens sowie den Weg Nr. 9478 entlang der Fischteichanlage und im Norden durch den Feldweg 9477. Es umfaßt Pufferstreifen entlang des Haubruchgrabens und entlang der zuführenden Gräben.

 

(2) Die Grenzen des Schutzgebietes sind in 2 Übersichtskarten im Maßstab 1:25000 sowie 1:5000 mit durchgezogener roter Linie und in 2 Detailkarten im Maßstab 1:2500 mit durchgezogener roter, grau angeschummerter Linie eingetragen. Die Karten sind Bestandteil der Verordnung. Die Verordnung mit Karten wird beim Regierungspräsidium Karlsruhe und beim Landratsamt Karlsruhe auf die Dauer von zwei Wochen, beginnend am Tag nach Verkündung dieser Verordnung im Gesetzblatt, zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt.

 

(3) Die Verordnung mit Karten ist nach Ablauf der Auslegungsfrist bei den in Absatz 2 Satz 3 bezeichneten Stellen zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten niedergelegt.

 

§ 3 Schutzzweck

 

Schutzzweck ist die Erhaltung und Förderung: von Feuchtgebieten, Quellbereichen und in Sukzession befindlichen Fischteichen mit entsprechenden Pufferzonen; der spezifischen Pflanzengesellschaften, insbesondere der Schilf- und Röhrichtbestände; der auf diese Lebensräume angewiesenen Tierarten, insbesondere Reptilien, Amphibien, Libellen und Vögel.

 

§ 4 Verbote

 

(1) In dem Naturschutzgebiet sind alle Handlungen ver boten, die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des Schutzgebietes oder seiner Bestandteile, zu einer nachhaltigen Störung oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen können.

 

(2) Insbesondere ist verboten:

1.            bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils gültigen Fassung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen;

2.            Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

3.            Steine, Kies, Sand, Lehm oder andere Bodenbestandteile abzubauen, zu entnehmen oder einzubringen oder die Bodengestalt auf andere Weise zu verändern;

4.            Entwässerungs- oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt des Gebietes verändern;

5.            Abfälle oder sonstige Gegenstände zu lagern;

6.            Plakate, Bild- oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen mit Ausnahme behördlich zugelassener Beschilderungen;

7.            Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

8.            Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige BrutWohn- oder Zufluchtstätten dieser Tiere zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

9.            die Art der bisherigen Grundstücksnutzung zu ändern;

10.        Veranstaltungen durchzuführen, zu zelten, zu lagern, Wohnwagen, sonstige Fahrzeuge oder Verkaufsstände aufzustellen;

11.        Feuer anzumachen oder zu unterhalten;

12.        ohne zwingenden Grund Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen;

13.        die gekennzeichneten Wege zu verlassen;

14.        die gekennzeichneten Wege mit Fahrzeugen aller Art - ausgenommen Fahrräder ohne Hilfsmotor und Krankenfahrstühle - zu befahren;

15.        Flugmodelle, Luftsportgeräte, Drachen oder Modellboote zu betreiben;

16.        Dauergrünland zur Neueinsaat oder zu Ackerland umzubrechen;

17.        außerhalb von Ackerland Pflanzenbehandlungs- oder Düngemittel zu verwenden;

18.        Gehölze, Hecken oder Sträucher zu beseitigen, zu zerstören oder zu ändern;

19.        zu reiten;

20.        Hunde frei laufen zu lassen.

 

§ 5 Zulässige Handlungen

 

(1) Die Verbote des § 4 gelten nicht für die

1.            ordnungsgemäße landwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang mit der Maßgabe, daß
a) die Bodengestalt nicht verändert wird;
b) Entwässerungs- oder andere Maßnahmen unterbleiben, die den Wasserhaushalt des Gebietes verändern;
c) Dauergrünland nicht zur Neueinsaat oder zu Ackerland umgebrochen wird;
d) Gehölze, Hecken oder Sträucher nicht beseitigt, zerstört oder geändert werden;
e) außerhalb von Ackerland weder Pflanzenbehandlungs- noch Düngemittel verwendet werden;
f) der erste Schnitt nicht vor dem 15.06. eines jeden Jahres erfolgt;

2.            ordnungsgemäße Ausübung der Forstwirtschaft in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang;

3.            ordnungsgemäße Ausübung der Jagd mit der Maßgabe, daß
a) jagdliche Einrichtungen nicht erstellt werden dürfen;
b) keine Entenbruthilfen angebracht werden;
c) keine Fütterungen und Kirrungen erfolgen;

4.            ordnungsgemäße Ausübung der Fischerei in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang.

 

(2) Unberührt bleiben auch die sonstige bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke, Gewässer, Straßen und Wege sowie der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung.

 

§ 6  Schutz- und Pflegemaßnahmen

 

Schutz- und Pflegemaßnahmen werden von der höheren Naturschutzbehörde in einem Pflegeplan oder durch Einzelanordnung festgelegt. § 4 dieser Verordnung ist insoweit nicht anzuwenden.

 

§ 7 Befreiungen

 

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann nach § 63 NatSchG Befreiung erteilt werden.

 

§ 8 Ordnungswidrigkeiten

 

(1) Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig eine der nach § 4 dieser Verordnung verbotenen Handlungen vornimmt.

 

(2) Ordnungswidrig im Sinne des § 33 Abs. 2 Nr. 4 LJagdG handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig entgegen § 4 i. V. m. § 5 Nr. 3 dieser Verordnung die Jagd ausübt.

 

§ 9 Inkrafttreten

 

(1) Diese Verordnung tritt am Tage nach Ablauf der Auslegungsfrist in Kraft.

 

(2) Gleichzeitig tritt für den Geltungsbereich des Naturschutzgebietes die Verordnung des Landratsamtes Karlsruhe über das Landschaftsschutzgebiet "Kraichgau" vom 3. Juni 1987 (Mitteilungsblatt Kraichtal vom 02.07.1987) außer Kraft.

 

Karlsruhe, den 22. Dez. 1992

Dr. Miltner