2.159 Heiligkreuz und Schloßberg

 

Verordnung des Regierungspräsidiums Karlsruhe über das Naturschutzgebiet "Heiligkreuz und Schloßberg" (Gemarkung Nagold, Landkreis Calw) vom 29. Dezember 1992.

 

Aufgrund von §§ 21, 58 und 64 des Naturschutzgesetzes (NatSchG) vom 21. Oktober 1975 (GBl. S. 654), zuletzt geändert durch das Biotopschutzgesetz vom 19. November 1991 (GBl. S. 701), und der §§ 22 und 33 des Landesjagdgesetzes (LJagdG) in der Fassung vom 20. Dezember 1978 (GBl. 1979 S. 12) wird verordnet:

 

 

Allgemeine Vorschriften

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

 

Die in § 2 näher bezeichneten Flächen auf dem Gebiet der großen Kreisstadt Nagold werden zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung "Heiligkreuz und Schloßberg".

 

§ 2 Schutzgegenstand

 

(1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von rund 67 ha. Es umfaßt nach dem derzeit gültigen Kartenstand auf dem Gebiet der Stadt Nagold jene Grundstücke, die von folgender Grenzlinie grob umschlossen werden und in den Verordnungskarten parzellenscharf eingetragen sind: von Süden über Osten nach Norden entlang des Weges "Am Schloßberg", weiter entlang dem Vic. Weg Nr.3 (Rohrdorfer Steige), bis FW Nr. 4080/1, anschließend FW 2 (Flst. Nr.4390/2); von Norden nach Süden des Schutzgebietes ab FW 2 bis "Gürtelweg" (Flst. Nr. 4211/2), über "Hinterburgweg", Altensteiger Straße (B 28) bis zum Weg am Schloßberg.

 

(2) Die Grenzen des Naturschutzgebietes sind in einer Übersichtskarte im Maßstab 1:25000 mit durchgezogener roter Linie und in vier Detailkarten im Maßstab 1:2500 mit durchgezogener roter, grau angeschummerter Linie eingetragen. Die Karten sind Bestandteil der Verordnung. Die Verordnung mit Karten wird beim Regierungspräsidium Karlsruhe, beim Landratsamt Calw und bei der Stadt Nagold auf die Dauer von zwei Wochen, beginnend am Tag nach Verkündung dieser Verordnung im Gesetzblatt, zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt.

 

(3) Die Verordnung mit Karten ist nach Ablauf der Auslegungsfrist bei den in Absatz 2 Satz 3 bezeichneten Stellen zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten niedergelegt.

 

§ 3 Schutzzweck

 

Schutzzweck ist die Erhaltung, Entwicklung und Pflege des bestockten Bereiches vom Schloßberg sowie der Offenlandbereiche des "Heiligkreuz und Schloßberges" mit den vielfältigen Trockengebietstypen als Lebensraum typischer, spezialisierter Tier- und Pflanzenarten. Geschützt werden sollen insbesondere im Waldbereich die Hohltaube, der Schwarzspecht, die verschiedenen Orchideenarten sowie der Rotblaue Steinsame und in den Offenlandbereichen der Neuntöter, die Dorngrasmücke und die Klappergrasmücke. Weiterhin sollen standortheimische Gehölze möglichst lange erhalten werden. Insbesondere im Schonwald, dem vorderen Teil des Schloßbergwaldes, ist eine dauerhafte Erhaltung der naturnahen Laubholzbestockung bzw. deren Wiederherstellung mit einem geringen Nadelholzanteil (weniger als zehn vom Hundert) anzustreben. Dasselbe gilt für die Erhaltung und Förderung extensiver Offenlandbereiche im Umfeld des Waldes.

 

§ 4 Verbote

 

(1) In dem Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zur Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des Schutzgebietes oder seiner Bestandteile, zu einer nachhaltigen Störung oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen können.

 

(2) Insbesondere ist verboten:

1.      bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils gültigen Fassung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen;

2.      Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

3.      Steine, Lehm oder andere Bodenbestandteile abzubauen, zu entnehmen oder einzubringen oder die Bodengestalt auf andere Weise zu verändern;

4.      Entwässerungs- oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt des Gebietes verändern;

5.      Abfälle oder sonstige Gegenstände zu lagern;

6.      Plakate, Bild- oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen mit Ausnahme behördlich zugelassener Beschilderungen;

7.      Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

8.      Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut-, Wohn- oder Zufluchtstätten dieser Tiere zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

9.      die Art der bisherigen Grundstücksnutzung zu ändern;

10.  zu zelten, zu lagern, Wohnwagen, sonstige Fahrzeuge oder Verkaufsstände aufzustellen;

11.  außerhalb von eingerichteten und gekennzeichneten Feuerstellen Feuer anzumachen oder zu unterhalten;

12.  ohne zwingenden Grund Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen;

13.  die Wege zu verlassen;

14.  die Wege zu befahren; zulässig sind Fahrräder und Krankenfahrstühle;

15.  Flugmodelle, Luftsportgeräte oder Drachen zu betreiben;

16.  Dauergrünland oder Brachland umzubrechen;

17.  Pflanzenschutzmittel oder Düngemittel zu verwenden;

18.  zu reiten, außer auf besonders ausgewiesenen Wegen;

19.  Hunde frei laufen zu lassen;

20.  Weihnachtsbaumkulturen, Schmuckreisigkulturen und Vorratspflanzungen von Sträuchern und Bäumen anzulegen.

 

§ 5 Zulässige Handlungen

 

(1) Die Verbote des § 4 gelten nicht für die:

1.      ordnungsgemäße landwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang mit der Maßgabe, daß
a) die Bodengestalt nicht verändert wird;
b) durch Entwässerungs- oder andere Maßnahmen der Wasserhaushalt des Gebietes nicht verändert wird;
c) Dauergrünland oder Brachland nicht umgebrochen wird;
d) Pflanzenschutzmittel nur auf intensiv genutzten landwirtschaftlichen Flächen unter Beachtung der Pflanzenschutzanwendungsverordnung in der jeweils gültigen Fassung verwendet werden;
e) Bäume, Hecken, Gebüsche sowie Böschungen nicht beseitigt, zerstört oder geändert werden (abgängige Bäume können durch entsprechende Neupflanzungen ersetzt werden); Flächen, die auf der Grundlage von Bewilligungen oder Verträgen vorübergehend stillgelegt oder extensiviert waren, dürfen in die zuletzt ausgeübte Nutzung zurückgeführt werden;

2.      ordnungsgemäße Ausübung der Forstwirtschaft in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang, im Schonwaldbereich nach Maßgabe der Schonwalderklärung der Forstdirektion Karlsruhe vom 24. Juli 1990, die unter einzelstammweiser Nutzung der Laubholzalthölzer, natürlicher Verjüngung des vorhandenen Baumartenspetrums und möglichst langfristigem Erhalt einzelner exponierter Laubholzbestockung bzw. deren Wiederherstellung mit einem geringen Nadelholzanteil festschreibt;

3.      ordnungsgemäße Ausübung der Jagd mit der Maßgabe, daß in Trocken- und Feuchtbiotopen keine Fütterungs- und Kirrplätze sowie Wildäcker angelegt werden, Ansitzeinrichtungen im Wald oder am Waldrand außerhalb von Trocken- und Feuchtbiotopen landschaftsgerecht und in einfacher Holzbauweise errichtet werden und Hunde nur bei Treib- und Drückjagden und zur gezielten Nachsuche freigelassen werden dürfen;

4.      denkmalpflegerischen Maßnahmen, die vom Regierungspräsidium Karlsruhe gestattet werden.

 

(2) Unberührt bleibt auch die sonstige bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke, Gewässer, Straßen und Wege sowie der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung.

 

Schlußvorschriften

 

§ 6 Schutz- und Pflegemaßnahmen

 

Schutz- und Pflegemaßnahmen werden durch die höhere Naturschutzbehörde in einem Pflegeplan oder durch Einzelanordnung festgelegt. § 4 dieser Verordnung ist insoweit nicht anzuwenden.

 

§ 7 Befreiungen

 

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann nach § 63 NatSchG Befreiung erteilt werden.

 

§ 8 Ordnungswidrigkeiten

 

(1) Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig eine nach § 4 dieser Verordnung verbotene Handlung vornimmt.

 

(2) Ordnungswidrig im Sinne des § 33 Abs. 2 Nr. 4 LJagdG handelt, wer im Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig entgegen § 4 in Verbindung mit § 5 Abs. 1 Nr. 3 dieser Verordnung die Jagd ausübt.

 

§ 9 Inkrafttreten

 

(1) Diese Verordnung tritt am Tage nach Ablauf der Auslegungsfrist in Kraft.

 

(2) Soweit sie dieser Verordnung widerspricht, tritt die Verordnung des Landratsamtes Calw über das Landschaftsschutzgebiet "Nagoldtal" vom 24. November 1971 außer Kraft.

 

Karlsruhe, den 29. Dezember 1992

Dr. Miltner

 

Änderungen:

 

Verordnung des Regierungspräsidiums Karlsruhe zur Änderung

der Verordnung über das Naturschutzgebiet

»Heiligkreuz und Schloßberg« Vom 26. September 2005

 

Auf Grund von §§ 21 und 58 Abs.2 des Naturschutzgesetzes (NatSchG)in der

Fassung vom 29. März 1995 (GBl. S. 385) wird verordnet:

Artikel 1

Die Verordnung des Regierungspräsidiums Karlsruhe über das Naturschutzgebiet

»Heiligkreuz und Schloßberg« vom 29.pezember 1992 (GBI. vom 16.Februar

1993, S. 11) wird wie folgt geändert:

§ 2 erhält folgende Fassung:

1.  Absatz 11autet wie folgt:

»Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von rund 66,1 ha. Es umfasst auf dem

Gebiet der Stadt Nagold jene Grundstücke, die von folgender Grenzlinie grob

umschlossen werden und in den Verordnungskarten parzellenscharf eingetragen

sind: von Süden oberhalb (nördlich bis westlich) des Weges »Am Schloßberg«;

weiter im Osten entlang der Gemeindeverbindungsstraße (Rohrdorfer Steige,

Flst.-Nr.4198) bis Flst.- Nr. 4148; weiter in südlicher Richtung entlang des Feld-

Weges Flst.- 4148 und durch den östlichen Randbereich des Flst.-Nr.4142 bis

zum Feldweg Flst.- Nr. 4145, weiter zunächst in südwestlicher Richtung entlang

des Feldweges Flst.-Nr. 4145, dann in nördlicher Richtung entlang des  Feldweges

Flst.- Nr. 4147 bis zum Feldweg Flst.- Nr. 4125/2 und diesen in westlicher  Richtung

folgend; im Westen entlang des Feldweges Flst.-Nr. 4390/2 sowie des Flurstücke

4211/1 und 4350 (diese einschließend) bis zum Weg“ Am Schlossberg“. Nicht

Bestandteil des Naturschutzgebietes sind im Inneren die Burganlage Hohennagold,

im Norden die Flst.-Nrn. 4139, 4152 und die Flst.- Nr 4142 mit Ausnahme eines

schmalen Geländestreifens entlang der östlichen Flurstückgrenze (ehemals

Flst.- Nr 4143), im Nordosten das Flurstück Nr. 3971/2sowie die Flurstücke

am südlichen und südöstlichen Schlossbergfuß oberhalb (nördlich bis westlich)

des Weges „Am Schlossberg“, ausgenommen Flst.- Nr. 4250/1

2.  Absatz 2 Satz 1 lautet wie folgt:

     „ Die Grenzen des Naturschutzgebietes sind in einer Übersichtkarte im Maßstab

      1:10 000 mit rot punktierter Fläche und in zwei Detailkarten im Maßstab 1:2 500

      mit durchgezogener roter Linie eingetragen.“

Artikel 2

1.  Diese Verordnung mit Karten wird beim Regierungspräsidium Karlsruhe, Karl-

      Friedrich-Str. 17 in Karlsruhe, bei Landratsamt Calw, Außenstelle Wildberg,

      Klosterhof  1 in Wildberg und bei der Stadt Nagold , Burgstr. 10 in Nagold auf die

      Dauer von zwei Wochen, beginnend am Tag nach der Verkündung dieser Verord-

      nung im Gesetzblatt, zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während  der

      Sprechzeiten öffentlich ausgelegt.

2.   Die Verordnung mit Karten ist nach Ablauf der Auslegungsfrist bei den in Artikel

      2 Nr. 1 bezeichneten Stellen zur kostenlosen Einsicht durch jedermann währen

      der Sprechzeiten niedergelegt.

3.  Diese Verordnung tritt am Tage nach Ablauf der Auslegungsfrist in Kraft.

     Karlsruhe, den 26. September 2005

     Dr. Kühner

Verkündungshinweis:

     Gemäß § 60a NatschG ist eine Verletzung der in § 59 NatschG genannten Verfahrens-

      und Formvorschriften nur beachtlich, wenn sie innerhalb eines Jahres nach Erlass

      Der Verordnung beim Regierungspräsidium Karlsruhe schriftlich geltend gemacht wird;

      Der Sachverhalt, der die Verletzung begründen soll, ist darzulegen.