2.165 Seelachwiesen

 

Verordnung des Regierungspräsidiums Karlsruhe über das Naturschutzgebiet "Seelachwiesen" Gemeinde Kürnbach, Landkreis Karlsruhe vom 27. April 1993 (GBl. v. 30.06.1993, S. 345).

 

Aufgrund der §§ 21, 58 und 64 des Naturschutzgesetzes (NatSchG) vom 21. Oktober 1975 (GBl. S. 654), geändert durch das Biotopschutzgesetz vom 19. November 1991 (GBl. S. 701), wird verordnet:

 

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

 

Die in § 2 näher bezeichnete Fläche auf dem Gebiet der Gemeinde Kürnbach wird zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung "Seelachwiesen".

 

§ 2 Schutzgegenstand

 

(1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von rund 21 ha. Es wird im wesentlichen begrenzt im Norden durch den Feldweg Nr. 10745 und den Waldrandweg zum Staatswald Distrikt Sommerhälde, im Osten durch den Waldrandweg zum Staatswald Distrikt Sommerhälde, im Süden und Westen durch die Landkreisgrenze und den Unteren Seelachweg, durch die Waldrandzone des Gemeindewald Distrikt Winterseelach und durch einen Stufenrain im Gewann "Unter der Rohrhälde".

 

(2) Die Grenzen des Schutzgebietes sind in einer Übersichtskarte im Maßstab 1:25000 mit durchgezogener roter Linie und in 3 Detailkarten im Maßstab 1:2500 mit durchgezogener roter, grau angeschummerter Linie eingetragen. Die Karten sind Bestandteil der Verordnung. Die Verordnung mit Karten wird beim Regierungspräsidium Karlsruhe und beim Landratsamt Karlsruhe auf die Dauer von zwei Wochen, beginnend am Tag nach Verkündung dieser Verordnung im Gesetzblatt, zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt.

 

(3) Die Verordnung mit Karten ist nach Ablauf der Auslegungsfrist bei den in Absatz 2 Satz 3 bezeichneten Stellen zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten niedergelegt.

 

§ 3 Schutzzweck

 

Schutzzweck ist die Sicherung des Seelachtals mit seinen im Wald liegenden Quellbereichen und angrenzenden, von Feuchtigkeit geprägten Waldflächen sowie des schmalen, feuchten Wiesentals als Lebensraum von an Feuchtigkeit gebundenen und zum Teil seltenen und gefährdeten Tier- und Pflanzenarten, insbesondere Amphibien, Vögeln, Libellen und Schmetterlinge.

 

§ 4 Verbote

 

(1) In dem Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Vereinbarung des Schutzgebietes oder seiner Bestandteile, zu einer nachhaltigen Störung oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen können.

 

(2) Insbesondere ist verboten:

1.            bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils gültigen Fassung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen;

2.            Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

3.            die Bodengestalt zu verändern;

4.            fließende oder stehende Gewässer zu schaffen, zu beseitigen, zu verändern sowie Entwässerungs- oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt des Gebietes verändern;

5.            Abfälle oder sonstige Gegenstände zu lagern;

6.            Plakate, Bild- oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen mit Ausnahme behördlich zugelassener Beschilderungen;

7.            Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

8.            Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut-, Wohn- oder Zufluchtstätten dieser Tiere zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

9.            die Art der bisherigen Grundstücksnutzung zu ändern;

10.        zu zelten, zu lagern, Wohnwagen, sonstige Fahrzeuge oder Verkaufsstände aufzustellen;

11.        Feuer anzumachen oder zu unterhalten;

12.        die Wege zu verlassen;

13.        ohne zwingenden Grund Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen;

14.        die Wege mit Fahrzeugen aller Art zu befahren, ausgenommen Fahrräder ohne Hilfsmotor und Krankenfahrstühle;

15.        Flugmodelle oder Modellboote zu betreiben;

16.        Dauergrünland umzubrechen;

17.        Pflanzenschutz- oder Düngemittel zu verwenden;

18.        zu reiten;

19.        Hunde frei laufen zu lassen.

 

§ 5 Zulässige Handlungen

 

§ 4 gilt nicht:

1.            für die ordnungsmäßige Ausübung der Jagd mit der Maßgabe, daß
a) keine zusätzlichen Hochsitze bzw. Jagdkanzeln errichtet werden; die Errichtung von Ansitzleitern (auch mit einfacher Überdachung) in landschaftsgerechter Bauweise bleibt zulässig;
b) Tiere nicht eingebracht werden;
c) keine Entenbruthilfen errichtet werden;
d) Fütterungen unterbleiben;

2.            für die ordnungsmäßige Ausübung der Fischerei mit der Maßgabe, daß der Fischbesatz an die natürliche Nahrungsbasis angepaßt wird und keine Zufütterung erfolgt;

3.            für die ordnungsmäßige landwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang mit der Maßgabe, daß
a) die Bodengestalt und die Art der bisherigen Grundstücksnutzung nicht verändert wird, Dauergrünland nicht umgebrochen wird, durch Entwässerungen oder andere Maßnahmen der Wasserhaushalt des Gebietes nicht verändert wird Pflanzenschutzmittel nur auf intensiv genutzten landwirtschaftlichen Flächen unter Beachtung der Pflanzenschutzanwendungsverordnung in der jeweils gültigen Fassung verwendet sowie Bäume, Hecken, Gebüsche und Böschungen nicht beseitigt oder zerstört werden;
b) der 1. Schnitt nicht vor dem 15.6. erfolgt; ausgenommen hiervon sind die Flurstücke Nr. 6894, 10758, 10762 und 10763;
c) nur der 1. Aufwuchs gedüngt werden darf;
d) der vorhandene Obstbaumbestand erhalten bleibt; die Entnahme einzelner abgängiger Bäume bleibt bei entsprechenden Nachpflanzungen von Obsthochstämmen zulässig;

4.            für die ordnungsmäßige forstwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang mit der Maßgabe, daß
a) eine Verjüngung kleinflächig erfolgt, standortheimische Baumarten ausgewählt werden sowie Kahlhiebe auf einer Fläche von mehr als 0,5 ha ausgeschlossen sind;
b) eine Waldtraufzone von 30 m Tiefe dauerwaldartig erhalten wird;

5.            für die sonstige bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke, Gewässer, Straßen und Wege sowie der rechtmäßig bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung;

6.            für Pflegemaßnahmen, die von der höheren Naturschutzbehörde zugelassen werden.

 

§ 6 Schutz- und Pflegemaßnahmen

 

Schutz- und Pflegemaßnahmen werden von der höheren Naturschutzbehörde in einem Pflegeplan oder durch Einzelanordnung festgelegt.

 

§ 7 Befreiung

 

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann nach § 63 NatSchG Befreiung erteilt werden.

 

§ 8 Ordnungswidrigkeiten

 

Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig eine der nach § 4 dieser Verordnung verbotenen Handlungen vornimmt.

 

§ 9 Inkrafttreten

 

(1) Diese Verordnung tritt am Tage nach Ablauf der Auslegungsfrist in Kraft.

 

(2) Gleichzeitig tritt für den Geltungsbereich dieser Verordnung die Verordnung des Landratsamtes Karlsruhe über das Landschaftsschutzgebiet "Ravensburg und Alter Berg" vom 19. Juli 1990 sowie die Sammelverordnung über die flächenhaften Naturdenkmale "Unter der Rohrhälde" und "Unter der Sommerhälde" vom 20. Dezember 1988 außer Kraft.

 

Karlsruhe, den 27. April 1993

Dr. Miltner