2.166 Haiterbacher Heckengäu (6 Teilgebiete)

 

Verordnung des Regierungspräsidiums Karlsruhe über das Naturschutzgebiet "Haiterbacher Heckengäu"(Gemarkung Haiterbach, Landkreis Calw) vom 21. Juli 1993

Aufgrund der §§ 21, 58 und 64 des Naturschutzgesetzes (NatSchG) vom 21. Oktober 1975 (GBl. S. 654), zuletzt geändert durch das Biotopschutzgesetz vom 19. November 1991 (GBl. S. 701), wird verordnet:

 

Allgemeine Vorschriften

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

 

Die in § 2 näher bezeichneten Flächen auf dem Gebiet der Stadt Haiterbach, Landkreis Calw werden zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung "Haiterbacher Heckengäu".

 

§ 2 Schutzgegenstand

 

(1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von rd. 138 ha. Es besteht aus sechs einzelnen Naturschutzgebieten, die auf den folgenden Gewannen, bzw. Teilen von Gewannen liegen:

1.            NSG "Lange Morgen" (2,6 ha)
Lange Morgen, Rammental;

2.            NSG "Tannäcker" (24,2 ha) Tann, Bergen, Tannäcker;

3.            NSG "Stauchbachtal" (32,7 ha)
Stauchwiesen, Nordhalde, Wiesenwald, Breitwiesen, Bösinger Steig, Marquardswald;

4.            NSG "Staudach" (50,1 ha)
Vorderes Staudach, Hinteres Staudach, Hintere Tell, Hinter dem Staudach, Hinter Staudach, Schellenbühl, Taläcker, Eichenwäldle;

5.            NSG "Ganzenrain" (23,5 ha)
Ganzenrain, Steigäcker, Vordere Altheimer Steige, Hintere Altheimer Steige, Eichenwäldle;

6.            NSG "Wolfshalde" (4,6 ha)
Wolfshalde, Rammental.

 

(2) Die Grenzen des Naturschutzgebietes sind in einer Übersichtskarte im Maßstab 1:25000 mit durchgezogener roter Linie und in neun Detailkarten im Maßstab 1:2500 mit durchgezogener roter, grau angeschummerter Linie eingetragen. Die Karten sind Bestandteil der Verordnung. Die Verordnung mit Karten wird beim Regierungspräsidium Karlsruhe und beim Landratsamt Calw auf die Dauer von zwei Wochen, beginnend am Tag nach Verkündung dieser Verordnung im Gesetzblatt, zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt.

 

(3) Die Verordnung mit Karten ist nach Ablauf der Auslegungsfrist bei den in Absatz 2 Satz 3 bezeichneten Stellen zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten niedergelegt.

 

§ 3 Schutzzweck

 

Schutzzweck des Naturschutzgebietes ist die Erhaltung, Entwicklung und Pflege der naturnahen, reichstrukturierten Landschaft des Heckengäus bei Haiterbach. Das Gebiet wird geprägt durch seine abwechslungsreiche, kleingliedrige Struktur mit Streuobstwiesen, Nadel- und Laubmischwäldern. Hecken, Feld- und bachbegleitenden Gehölzen, Steinriegeln, Seggenrieden, verschiedenen feuchtnassen bis trokenen Wiesentypen, Weiden, Äckern und Quellfluren. Diese alte Kulturlandschaft, insbesondere die Trockengebietstypen und wechselfeuchten Biotope, bietet einer Vielzahl von gefährdeten und seltenen Tier- und Pflanzenarten wie z. B. Orchideen, Säugetieren, Vögeln, Reptilien, Schmetterlingen, Käfern und Wildbienen einen idealen Lebensraum.

 

§ 4 Verbote

 

(1) In dem Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des Schutzgebietes oder seiner Bestandteile, zu einer nachhaltigen Störung oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen können.

 

(2) Insbesondere ist verboten:

1.            bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils gültigen Fassung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen;

2.            Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

3.            Steine, Kies, Sand, Lehm oder andere Bodenbestandteile abzubauen, zu entnehmen oder einzubringen oder die Bodengestalt auf andere Weise zu verändern;

4.            Entwässerungs- oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt des Gebietes verändern;

5.            Ablagerungen jeder Art und jeden Umfangs vorzunehmen;

6.            Plakate, Bild- oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen, mit Ausnahme behördlich zugelassener Beschilderungen;

7.            Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

8.            Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut-, Wohn- oder Zufluchtstätten dieser Tiere zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

9.            die Art der bisherigen Grundstücksnutzung zu ändern;

10.        zu zelten, zu lagern, Wohnwagen, sonstige Fahrzeuge oder Verkaufsstände aufzustellen;

11.        außerhalb von eingerichteten und gekennzeichneten Feuerstellen Feuer anzumachen oder zu unterhalten;

12.        ohne zwingenden Grund Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen;

13.        die Wege zu verlassen;

14.        die Wege zu befahren; zulässig sind Fahrräder und Krankenfahrstühle;

15.        Flugmodelle, Luftsportgeräte oder Drachen zu betreiben;

16.        Dauergrünland oder Brachland umzubrechen;

17.        Pflanzenschutzmittel oder Düngemittel zu verwenden;

18.        zu reiten, außer auf besonders ausgewiesenen Wegen;

19.        Hunde frei laufen zu lassen.

 

§ 5 Zulässige Handlungen

 

(1) Die Verbote des § 4 gelten nicht für die:

1.            ordnungsgemäße landwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang mit der Maßgabe, daß
a) die Bodengestalt nicht verändert wird;
b) durch Entwässerungs- oder andere Maßnahmen der Wasserhaushalt des Gebietes nicht verändert  wird;
c) Dauergrünland oder Brachland nicht umgebrochen wird;
d) Pflanzenschutzmittel nur auf intensiv genutzten landwirtschaftlichen Flächen unter Beachtung der Pflanzenschutzanwendungsverordnung in der jeweils gültigen Fassung verwendet werden;
e) landschaftsbestimmende Bäume, Hecken, Gebüsche sowie Böschungen nicht beseitigt, zerstört oder geändert werden (abgängige Bäume können durch entsprechende Neupflanzungen ersetzt werden); Flächen, die auf der Grundlage von Bewilligungen oder Verträgen vorübergehend stillgelegt oder extensiviert waren, dürfen in die zuletzt ausgeübte Nutzung zurückgeführt werden;

2.            ordnungsgemäße Ausübung der forstwirtschaftlichen Nutzung mit der Maßgabe, daß nur standortgemäße, heimische Gehölze gepflanzt werden, Altholzinseln gefördert und einzelne sonnenexponierte Tothölzer erhalten werden sowie auf Ausstockungen von Fichtenaufforstungen im Einvernehmen mit der Forstverwaltung hingewirkt wird (bei Privatwald nur nach Zustimmung der Eigentümer) und die ursprünglich natürliche Waldgesellschaft sukzessive im Bereich des Waldes wiederherzustellen ist;

3.            ordnungsgemäße Ausübung der Jagd mit der Maßgabe, daß keine weiteren Wildäcker und Fütterungsplätze angelegt werden, Jagdkanzeln und Hochsitze nur im Wald oder am Waldrand in herkömmlicher Holzbauweise errichtet werden (nicht jedoch innerhalb von Trocken- und Feuchtbiotopen) und Hunde nur bei Treibjagden und zur gezielten Nachsuche freigelassen werden. Kirrungen von Schalenwild werden außerhalb von besonders geschützten Biotopen (vgl. § 24a NatSchG) unter Vermeidung von Eutrophierungen zugelassen;

4.            ordnungsgemäße Ausübung der Fischerei.

 

(2) Unberührt bleibt auch die sonstige bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke, Gewässer, Straßen und Wege sowie der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung.

 

§ 6 Schutz- und Pflegemaßnahmen

 

Schutz- und Pflegemaßnahmen werden durch die höhere Naturschutzbehörde in einem Pflegeplan oder durch Einzelanordnung festgelegt. § 4 dieser Verordnung ist insoweit nicht anzuwenden.

 

§ 7 Befreiungen

 

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann nach § 63 NatSchG von der höheren Naturschutzbehörde Befreiung erteilt werden.

 

§ 8 Ordnungswidrigkeiten

 

Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer vorsätzlich oder fahrlässig im Naturschutzgebiet nach § 4 dieser Verordnung verbotene Handlungen vornimmt.

 

§ 9 Inkrafttreten

 

Diese Verordnung tritt am Tage nach Ablauf der Auslegungsfrist in Kraft.

 

Karlsruhe, den 21. Juli 1993

Dr. Miltner