2.169 Hesel-, Brand- und Kohlmisse

 

Verordnung des Regierungspräsidiums Karlsruhe über das Naturschutzgebiet "Hesel-, Brand- und Kohlmisse" (Gemeinde Oberreichenbach, Gemarkung Würzbach, Landkreis Calw) vom 10. Dezember 1993 (GBl. v. 11.02.1994, S. 59).

Aufgrund der §§ 21, 58 und 64 des Naturschutzgesetzes vom 21. Oktober 1975 (GBl. S. 654), zuletzt geändert durch das Biotopschutzgesetz vom 19. November 1991 (GBl. S. 701), wird verordnet:

 

 

Allgemeine Vorschriften

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

 

Die in § 2 näher bezeichneten Flächen auf dem Gebiet der Gemeinde Oberreichenbach werden zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung "He­sel-, Brand- und Kohlmisse".

 

§ 2 Schutzgegenstand

 

(1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von rd. 196 ha. Die Grenze des Naturschutzgebietes verläuft etwa auf den Wegen bzw. Grundstücken mit folgenden Straßennamen bzw. Flurstücksnummern ( die genaue Grenzziehung ist den Detailkarten zu entnehmen):

·               von Nordosten nach Südosten entlang der Heimenhardtstraße und der Kreisstraße 4325; von Südwesten nach Nordwesten entlang der Gemarkungsgrenze Würzbach-Agenbach, dem Überzwercher Weg, dem Bechersträßchen, dem Willi-Heusel-Weg, den Flurstücken 299, 294/1, 294/2, 354, 355, 292, 509, 507 und 463.

 

(2) Die Grenzen des Naturschutzgebietes sind in einer Übersichtskarte im Maßstab 1:25000 mit durchgezogener roter Linie sowie in fünf Detailkarten im Maßstab 1:2500 mit durchgezogener roter, grau angeschummerter Linie eingetragen. Die Karten sind Bestandteil der Verordnung. Die Verordnung mit Karten wird beim Regierungspräsidium Karlsruhe und beim Landratsamt Calw auf die Dauer von zwei Wochen, beginnend am Tag nach Verkündung dieser Verordnung im Gesetzblatt, zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt.

 

(3) Die Verordnung mit Karten ist nach Ablauf der Auslegungsfrist bei den in Absatz 2 Satz 3 bezeichneten Stelle zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten niedergelegt.

 

§ 3 Schutzzweck

 

Schutzzweck des Naturschutzgebietes ist die Erhaltung, Entwicklung und Pflege der schon seit Jahrhunderten vom Menschen geprägten, reich strukturierten Wälder und Waldmoore der "Östlichen Schwarzwald-Randplatten". Die missigen und vermoorten Bereiche dienen als Lebensraum typischer, seltener und spezialisierter Tier- und Pflanzenarten. Geschützt werden sollen insbesondere die verschiedenen Torfmoose, Tüpfelfarne, Süß- und Sauergräser, Heidekrautgewächse, Kleinsäuger, Vögel, Amphibien, Reptilien, Insekten- und Spinnentiere. Schutzzweck ist ferner die Fortsetzung der kulturhistorischen Streunutzung auf einer gemeindeeigenen Fläche von 1 ha im Forstdistrikt VII (Missen), Abteilung 4 (Neubronnenmisse), Standorteinheit: devastierter, wechselfeuchter, lehmig-sandiger Boden (nach forstlicher Standortkarte für Gemeindewald Oberreichenbach, Stand 1989).

 

§ 4 Verbote

 

(1) In dem Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung oder Veränderung im Schutzgebiet oder seines Naturhaushaltes oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen oder führen können.

 

(2) Insbesondere ist verboten:

1.            bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen;

2.            Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

3.            die Bodengestalt zu verändern, insbesondere durch Auffüllungen oder Abgrabungen;

4.            fließende oder stehende Gewässer anzulegen, zu beseitigen oder zu verändern sowie Entwässerungs- oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt verändern;

5.            Abfälle oder sonstige Gegenstände zu hinterlassen oder zu lagern;

6.            Plakate, Bild- oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen, mit Ausnahme behördlich zugelassener Beschilderungen;

7.            Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

8.            Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut-, Wohn- oder Zufluchtstätten dieser Tiere zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

9.            zu zelten, zu lagern, Wohnwagen oder Verkaufsstände aufzustellen;

10.        Feuer anzumachen oder zu unterhalten;

11.        Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen;

12.        die Wege zu verlassen;

13.        die Wege zu befahren; zulässig sind Fahrräder und Krankenfahrstühle;

14.        Luftfahrzeuge, insbesondere Flugmodelle und Luftsportgeräte zu betreiben;

15.        Dauergrünland oder Dauerbrache umzubrechen;

16.        Pflanzenschutzmittel oder Düngemittel zu verwenden;

17.        zu reiten, außer auf besonders ausgewiesenen Wegen;

18.        Hunde frei laufen zu lassen.

 

§ 5 Zulässige Handlungen

 

(1) Die Verbote des § 4 gelten nicht für die

1.            ordnungsgemäße forstwirtschaftliche Nutzung im Privatwald;

2.            ordnungsgemäße forstwirtschaftliche Nutzung im Gemeindewald mit der Maßgabe, daß standortgemäße heimische Gehölze eingebracht werden, die Altholzbestände möglichst langfristig erhalten sowie lichte Bestände aus Kiefer und Tanne angestrebt werden und möglichst natürlich verjüngt wird, keine Düngung, Kalkung oder sonstigen Meliorationsmaßnahmen auf den missigen bzw. vermoorten Bereichen durchgeführt werden und die vorhandenen Entwässerungsgräben nicht mehr geöffnet sowie keine sonstigen Entwässerungsmaßnahmen ergriffen werden.
Auf die Schonwalderklärung der Forstdirektion Karlsruhe vom 15. Juli 1985 für die Heselmiss wird hingewiesen (der Schonwald wird weiterhin als Streunutzfläche bewirtschaftet);

3.            ordnungsgemäße Ausübung der Jagd mit der Maßgabe, daß
a) keine Futterstellen und Wildäcker eingerichtet werden;
b) Kirrplätze und zusätzliche Hochsitze nur außer halb von Missen oder vermoorter Lagen (siehe forstliche Standortkarte, Stand 1980), errichtet werden. Sollte in einem begründeten Ausnahmefall Bedarf nach einer weiteren Ansitzleiter in einer "nassen Misse" bestehen, ist der Standort im Einvernehmen mit der höheren Naturschutzbehörde zu bestimmen. Jagdgebrauchshunde sind an der Leine zu führen, außer bei Treib- und Drückjagden und im Rahmen von Nachsuchen.

 

(2) Unberührt bleibt auch die sonstige bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke und Gewässer sowie der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung.

 

Schlußvorschriften

§ 6 Schutz- und Pflegemaßnahmen

 

Schutz- und Pflegemaßnahmen werden durch die höhere Naturschutzbehörde in einem Pflegeplan oder durch Einzelanordnung festgelegt. § 4 dieser Verordnung ist insoweit nicht anzuwenden.

 

§ 7 Befreiungen

 

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann nach § 63 NatSchG Befreiung erteilt werden.

 

§ 8 Ordnungswidrigkeiten

 

Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer vorsätzlich oder fahrlässig im Naturschutzgebiet nach § 4 dieser Verordnung verbotene Handlungen vornimmt.

 

§ 9 Inkrafttreten

 

(1) Diese Verordnung tritt am Tage nach Ablauf der Auslegungsfrist in Kraft.

(2) Soweit sie dieser Verordnung widerspricht, tritt die Verordnung des Landratsamtes Calw über das Landschaftsschutzgebiet "Großes und Kleines Enztal mit Seitentälern" vom 24. Mai 1978 außer Kraft.

 

Karlsruhe, den 10. Dezember 1993

Dr. Miltner

 

 

 

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