2.179 Sotten

 

Verordnung des Regierungspräsidiums Karlsruhe über das Naturschutzgebiet "Sotten" (Stadt Neckargemünd, Gemarkung Mückenloch, Rhein-Neckar-Kreis) vom 15. Juli 1994 (GBl. v. 07.09.1994, S. 441).

 

Aufgrund der §§ 21, 58 und 64 des Naturschutzgesetzes (NatSchG) vom 21. Oktober 1975 (GBl. S. 654), zuletzt geändert durch das Gesetz vom 7. Februar 1994 (GBl. S. 73), wird verordnet:

 

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

 

Die in § 2 näher bezeichnete Fläche auf dem Gebiet der Stadt Neckargemünd, Gemarkung Mückenloch wird zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung "Sotten".

 

§ 2 Schutzgegenstand

 

(1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von rund 18 ha. Es umfaßt die Wiesenflächen und Waldränder in den Gewannen "Sotten" und "Schützengräben". Im wesentlichen wird es wie folgt umgrenzt:

·               Im Nordwesten und Nordosten durch befestigte Waldwege, im Südosten durch einen Waldweg und die südöstliche Grenze der Flst.-Nrn. 3957, 3906 - 3909 und 3914. Im Südwesten gehört ein 30 m breiter Waldstreifen des Gemeindewaldes Distr. I Lautenberg parallel des Waldweges zum Schutzgebiet.

 

(2) Die Grenzen des Naturschutzgebietes sind in zwei Übersichtskarten im Maßstab 1:25000 / 5000 mit durchgezogener roter Linie sowie in einer Detailkarte im Maßstab 1:2500 mit durchgezogener roter, grau angeschummerter Linie eingetragen. Die Karten sind Bestandteil dieser Verordnung. Die Verordnung mit Karten wird beim Regierungspräsidium Karlsruhe und beim Landratsamt Rhein-Neckar-Kreis in Heidelberg auf die Dauer von zwei Wochen, beginnend am Tag nach Verkündung dieser Verordnung im Gesetzblatt, zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt.

 

(3) Die Verordnung mit Karten ist nach Ablauf der Auslegungsfrist bei den in Absatz 2 Satz 3 bezeichneten Stellen zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten niedergelegt.

 

§ 3 Schutzzweck

 

Schutzzweck ist die Sicherung und Entwicklung

1.            einer in ihrer ursprünglichen Anlage erhaltenen Rodungsinsel,

2.            des Landschaftsbildes eines waldumschlossenen Wiesentals,

3.            aquatischer, amphibischer und terrestrischer Lebensräume und Lebensgemeinschaften in Quellen, Fließgewässern, Waldrändern, Feldgehölzen und Wäldern sowie auf Wiesen und extensiv genutzten Ackerflächen sowie

4.            eines regional bedeutsamen Rastgebietes für Zugvögel.

 

§ 4 Verbote

 

(1) In dem Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung oder Veränderung im Schutzgebiet oder seines Naturhaushalts oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen oder führen können.

 

(2) Insbesondere ist verboten:

1.            bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen;

2.            Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

3.            die Bodengestalt zu verändern, insbesondere durch Auffüllungen oder Abgrabungen;

4.            fließende oder stehende Gewässer anzulegen, zu beseitigen oder zu verändern sowie Entwässerungs- oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt verändern;

5.            Abfälle oder sonstige Gegenstände zu hinterlassen oder zu lagern;

6.            Plakate, Bild- oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen mit Ausnahme behördlich zugelassener Beschilderungen;

7.            Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

8.            Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut-, Wohn- oder Zufluchtsstätten dieser Tiere zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

9.            die Art der bisherigen Grundstücksnutzung entgegen dem Schutzzweck zu ändern;

10.        zu zelten, zu lagern, Wohnwagen oder Verkaufsstände aufzustellen oder Kraftfahrzeuge abzustellen;

11.        Feuer anzumachen oder zu unterhalten;

12.        Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen;

13.        die Wege zu verlassen;

14.        Flugmodelle oder Modellboote zu betreiben und Schlittschuh zu laufen;

15.        Luftfahrzeuge, insbesondere Heißluftballone, Luftsportgeräte und Flugmodelle zu betreiben;

16.        Dauergrünland oder Dauerbrache umzubrechen;

17.        Pflanzenschutzmittel oder Düngemittel zu verwenden;

18.        zu reiten;

19.        Hunde in das Gebiet zu lassen;

20.        Gehölze und Hecken zu zerstören oder zu ändern.

 

§ 5 Zulässige Handlungen

 

(1) Die Verbote des § 4 gelten nicht für die

1.            ordnungsgemäße landwirtschaftliche Bodennutzung in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang mit der Maßgabe, daß
a) die Bodengestalt nicht verändert wird;
b) durch Entwässerungs- oder andere Maßnahmen der Wasserhaushalt nicht verändert wird;
c) Dauergrünland oder Dauerbrache nicht umgebrochen wird;
d) keine Pflanzenschutzmittel verwendet werden;
e) entlang der Waldränder, Feldgehölze und Feuchtgebiete 10 m breite Altgrasstreifen von der Nutzung ausgespart bleiben;
f) Gehölze und Hecken nicht zerstört oder geändert werden. Das Recht, die landwirtschaftliche Nutzung wieder aufzunehmen, die auf Grund vertraglicher Bewirtschaftungsbeschränkungen oder der Teilnahme an einem Extensivierungs- oder Stillegungsprogramm zeitweise eingeschränkt oder aufgegeben war, bleibt unberührt;

2.            ordnungsgemäße Ausübung der forstwirtschaftlichen Bodennutzung in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang mit der Maßgabe, daß
a) der Aufbau eines gestuften Waldrandes im Rahmen der Forsteinrichtungsplanung angestrebt wird;
b) nur standortgemäße, heimische Gehölze gepflanzt werden;

3.            ordnungsgemäße Ausübung der Jagd mit der Maßgabe, daß
a) Kirrungen nur im Wald und am Waldrand erfolgen;
b) die Errichtung weiterer Hochsitze und Jagdkanzeln unterbleibt und Ansitzleitern nur in herkömmlicher Holzbauweise errichtet werden;
c) keine Futterstellen und Wildäcker angelegt werden.

 

(2) Unberührt bleibt auch die sonstige bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke und Gewässer sowie der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung.

 

§ 6 Schutz- und Pflegemaßnahmen

 

Schutz- und Pflegemaßnahmen werden durch die höhere Naturschutzbehörde in einem Pflegeplan oder durch Einzelanordnung festgelegt. § 4 dieser Verordnung ist insoweit nicht anzuwenden.

 

§ 7 Befreiungen

 

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann nach § 63 NatSchG Befreiung erteilt werden.

 

§ 8 Ordnungswidrigkeiten

 

Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig nach § 4 dieser Verordnung verbotene Handlungen vornimmt.

 

§ 9 Inkrafttreten

 

(1) Diese Verordnung tritt am Tage nach Ablauf der Auslegungsfrist in Kraft.

(2) Für den Geltungsbereich dieser Verordnung tritt gleichzeitig die Verordnung des Präsidenten des Landesbezirks Baden zum Schutze von Landschaftsteilen in den Landkreisen Heidelberg und Mosbach "Neckartal I" vom 13. März 1951 (Amtsbl. Landesbezirk Baden vom 27. März 1951 S. 70) außer Kraft.

 

Karlsruhe, 15. Juli 1994

Regierungspräsidium Karlsruhe

gez.: Dr. Miltner

 

 

 

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