2.183 Landschaft um den Heppenstein

 

Verordnung des Regierungspräsdiums Karlsruhe über das Natur- und Landschaftsschutzgebiet "Landschaft um den Heppenstein" (Stadt Mosbach, Gemeinde Elztal, Neckar-Odenwald-Kreis) vom 16. Dezember 1994 (GBl. v. 28.02.1995, S. 252).

 

Aufgrund der §§ 21, 58 und 64 des Naturschutzgesetzes vom 21. Oktober 1975 (GBl. S. 654), zuletzt geändert durch das Gesetz vom 7. Februar 1994 (GBl. S. 73), wird verordnet:

 

Allgemeine Vorschriften

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

 

Die in § 2 näher bezeichneten Flächen auf dem Gebiet der Stadt Mosbach, Gemarkung Mosbach und der Gemeinde Elztal, Gemarkung Neckarburken werden zum Natur- und Landschaftsschutzgebiet erklärt. Es besteht aus drei Naturschutzgebieten und einem Landschaftsschutzgebiet und führt die Bezeichnung "Landschaft um den Heppenstein".

 

§ 2 Schutzgegenstand

 

(1) Das Natur- und Landschaftsschutzgebiet hat eine Größe von rund 256 ha (48 ha Naturschutzgebiete; 208 ha Landschaftsschutzgebiet). Es wird im wesentlichen wie folgt begrenzt: im Osten durch die Gewanne Grabenflur, Trienzrain und Erlenklinge, im Süden von der Bahnlinie Mosbach-Osterburken, im Westen von der Landesstraße L 525 und im Norden durch den Hummelwiesenweg im Gemeindewald Distrikt Bürgerwald.

 

(2) Das Naturschutzgebiet "Orchideenwiese" hat eine Größe von rund 12 ha. Es umfaßt auf Gemarkung Neckarburken, Gewann Zimmerplatz, die Grundstücke Flst.Nr. 780, 787, 789 und 790 bis 802 und Teile des Flurstückes Nr. 2954 im Gemeindewald Elztal Distrikt I Bürgerwald.

 

(3) Das Naturschutzgebiet "Heppenstein" hat eine Größe von rund 32 ha. Es umfaßt Teile des Gemeindewaldes Elztal Distrikt Bürgerwald mit dem Flurstück Nr. 2954 sowie Teile des Gemeindewaldes Mosbach Distrikt "Kleine Hasbach" mit den Flurstücken Nr. 3658/1 und 3659.

 

(4) Das Naturschutzgebiet "Roteberg" hat eine Größe von rund 4 ha. Es umfaßt Teile der Gewanne Roteberg und Oberer Weinberg nördlich der Bahnlinie Mosbach-Osterburken.

 

(5) Das Landschaftsschutzgebiet "Klingengrabental" hat eine Größe von rund 208 ha. Es umfaßt die innerhalb der Abgrenzung nach Absatz 1 gelegenen Flächen, soweit sie nicht Naturschutzgebiet sind.

 

(6) Die Grenzen des Schutzgebietes sind in einer Übersichtskarte im Maßstab 1:25000 mit durchgezogener roter Linie (Naturschutzgebiet) und mit durchgezogener grüner Linie (Landschaftsschutzgebiet) und in sechs Detailkarten im Maßstab 1:2500 mit durchgezogener roter, grau angeschummerter Linie (Naturschutzgebiet) und mit durchgezogener grüner, abgesetzt grau angeschummerter Linie (Landschaftsschutzgebiet) eingetragen. Die Karten sind Bestandteil der Verordnung. Die Verordnung mit Karten wird beim Regierungspräsidium Karlsruhe in Karlsruhe, beim Landratsamt Neckar-Odenwald-Kreis in Mosbach und beim Bürgermeisteramt Mosbach in Mosbach auf die Dauer von zwei Wochen, beginnend am Tag nach Verkündung dieser Verordnung im Gesetzblatt, zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt.

 

(7) die Verordnung mit Karten ist nach Ablauf der Auslegungsfrist bei den in Absatz 6 Satz 3 bezeichneten Stellen zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten niedergelegt.

 

Naturschutzgebiet

§ 3 Schutzzweck

 

Schutzzweck der Naturschutzgebiete ist die Erhaltung biologisch wertvoller und seltener Lebensräume von hoher ökologischer Bedeutung im Übergangsbereich von Odenwald zum Bauland, insbesondere

·               die Erhaltung einer Vegetationsdecke, die infolge historischer Weide-, Streu- und Wegenutzung entstanden ist,

·               die Pflege und Entwicklung des Mosaiks aus lückigen Kiefernbeständen und den seltenen, für den Naturraum einzigartigen Pflanzengesellschaften der Pfeifengras-Halbtrockenrasen,

·               die Erhaltung der wärmeliebenden Strauchgesellschaften, extensiv genutzten Obstwiesen und Halbtrockenrasen der Steillagen im Gewann Roteberg und Oberer Weinberg, um die auf diese besonderen Biotope angewiesenen Tier- und Pflanzenarten zu erhalten und zu fördern sowie die zahlreichen bedrohten Pflanzen, Vögel und Amphibien zu schützen.

 

§ 4 Verbote

 

(1) In dem Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des Schutzgebietes oder seiner Bestandteile, zu einer nachhaltigen Störung oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen können.

 

(2) Insbesondere ist verboten:

1.            bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen;

2.            Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

3.            Steine, Kies, Sand, Lehm oder andere Bodenbestandteile abzubauen, zu entnehmen oder einzubringen oder die Bodengestalt auf andere Weise zu verändern;

4.            fließende oder stehende Gewässer anzulegen, zu beseitigen oder zu verändern sowie Entwässerungs- oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt verändern;

5.            Abfälle oder sonstige Gegenstände zu hinterlassen oder zu lagern;

6.            Plakate, Bild- oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen mit Ausnahme behördlich zugelassener Beschilderungen;

7.            Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

8.            Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut-, Wohn- oder Zufluchtstätten dieser Tiere zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

9.            die Art der bisherigen Grundstücksnutzung entgegen dem Schutzzweck zu ändern;

10.        zu zelten, zu lagern, Wohnwagen, sonstige Fahrzeuge oder Verkaufsstände aufzustellen;

11.        Feuer anzumachen oder zu unterhalten;

12.        Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen;

13.        die Wege zu verlassen;

14.        die Wege zu befahren; zulässig sind Fahrräder und Krankenfahrstühle;

15.        Flugmodelle, Luftsportgeräte oder Drachen zu betreiben;

16.        Dauergrünland oder Dauerbrache umzubrechen;

17.        Pflanzenschutzmittel oder Düngemittel zu verwenden;

18.        zu reiten, außer auf der Römerstraße im Naturschutzgebiet "Heppenstein";

19.        Hunde frei laufen zu lassen;

20.        Erholungs- oder Freizeiteinrichtungen einzubringen;

21.        Schafe in den Naturschutzgebieten "Heppenstein" und "Orchideenweise" zu pferchen.

 

§ 5 Zulässige Handlungen

 

(1) Die Verbote des § 4 gelten nicht für die

1.            ordnungsgemäße landwirtschaftliche Bodennutzung in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang mit der Maßgabe, daß
a) die Bodengestalt durch Auffüllung oder Abgrabungen nicht verändert wird;
b) durch Entwässerungs- oder andere Maßnahmen der Wasserhaushalt nicht verändert wird;
c) Dauergrünland oder Dauerbrache nicht umgebrochen wird;
d) Pflanzenschutzmittel nur auf Ackerland unter Beachtung der Pflanzenschutzanwendungsverordnung verwendet werden;
e) Bäume, Hecken, Gebüsche sowie Böschungen nicht beseitigt oder zerstört werden;
f) Schafe in den Naturschutzgebieten "Heppenstein" und "Orchideenwiese" nicht gepfercht werden; das Recht, die landwirtschaftliche Nutzung wieder aufzunehmen, die aufgrund vertraglicher Bewirtschaftungsbeschränkungen oder der Teilnahme an einem Extensivierungs- oder Stillegungsprogramm zeitweise eingeschränkt oder aufgegeben war, bleibt unberührt;

2.            ordnungsgemäße forstwirtschaftliche Bodennutzung in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang mit der Maßgabe, daß
a) die vorhandenen offenen und lückigen Waldbereiche entsprechend dem Schutzzweck erhalten und gefördert werden;
b) Schädigungen der Pfeifengras-Halbtrockenrasen durch Holzlagerung oder Holzbringung zu vermeiden sind;

3.            ordnungsgemäße Ausübung der Jagd mit der Maßgabe, daß
a) keine zusätzlichen Jagdkanzeln errichtet werden; Ansitzleitern dürfen nur in der Zeit vom 1. Oktober bis 31. März errichtet werden;
b) keine Futterstellen eingerichtet werden;

4.            ordnungsgemäße Ausübung der Fischerei in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang.

 

(2) Unberührt bleibt auch die sonstige bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke und Gewässer sowie der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung.

 

Landschaftsschutzgebiet

§ 6 Schutzzweck

 

Schutzzweck des Landschaftsschutzgebietes ist

1.            die Erhaltung und Entwicklung des Klingengrabentals und seiner Höhenzüge als charakteristisches Seitental der Elz mit seiner vielfältig gegliederten Flur, seinen vielfältig strukturierten Waldbereichen zur Sicherung des ökologisch notwendigen Ergänzungsraumes für die seltenen Pflanzen und Tiere der Naturschutzgebiete,

2.            die Funktion als Pufferzone für die Naturschutzgebiete, insbesondere zur Sicherung der seltenen Pflanzengesellschaften vor Eutrophierung und Siedlungsdruck,

3.            die Funktion als ökologisches Vernetzungselement und Genreservoir für die isoliert liegenden Naturschutzgebiete.

 

§ 7 Verbote

 

In dem Landschaftsschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die den Charakter des Gebietes verändern oder dem Schutzzweck zuwiderlaufen, insbesondere, wenn dadurch

1.            der Naturhaushalt geschädigt;

2.            die Nutzungsfähigkeit der Naturgüter nachhaltig gestört;

3.            eine geschützte Flächennutzung auf Dauer geändert oder

4.            das Landschaftsbild nachhaltig geändert oder die natürliche Eigenart der Landschaft auf andere Weise beeinträchtigt wird.

 

§ 8 Erlaubnisvorbehalt

 

(1) Handlungen, die den Charakter des Landschaftsschutzgebietes verändern oder dem Schutzzweck zuwiderlaufen können, bedürfen der schriftlichen Erlaubnis der unteren Naturschutzbehörde.

 

(2) Der Erlaubnis bedarf es insbesondere:

1.            bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen;

2.            Straßen, Wegen, Plätze oder andere Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

3.            Stätten für Sport und Spiel, einschließlich Motorsportanlagen anzulegen oder zu verändern;

4.            Steine, Kies, Sand, Lehm oder andere Bodenbestandteile abzubauen, zu entnehmen oder einzubringen oder die Bodengestalt auf andere Weise zu verändern;

5.            fließende oder stehende Gewässer anzulegen, zu beseitigen oder zu ändern;

6.            Gegenstände zu lagern, soweit sie nicht zur zulässigen Nutzung des Grundstücks erforderlich sind;

7.            Plakate, Bild- oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen, mit Ausnahme behördlich zugelassener Beschilderungen;

8.            die Art der bisherigen Grundstücksnutzung wesentlich zu ändern;

9.            zu zelten, zu lagern, Wohnwagen oder Verkaufsstände aufzustellen;

10.        Motorsport sowie motorgetriebene Schlitten zu betreiben;

11.        Dauergrünland oder Dauerbrache umzubrechen;

12.        Pflanzenschutzmittel oder Dünger zu verwenden;

13.        Bäume, Hecken, Gebüsche sowie Böschungen zu beseitigen oder zu zerstören;

14.        hochstämmige Obstbäume zu beseitigen, es sei denn, sie werden durch andere hochstämmige Obstbäume ersetzt.

 

(3) Die Erlaubnis ist zu erteilen, wenn die Handlung Wirkungen der in § 7 genannten Art nicht zur Folge hat oder solche Wirkungen durch Auflagen oder Bedingungen abgewendet werden können. Sie kann mit Auflagen, Bedingungen, befristet oder widerruflich erteilt werden, wenn dadurch erreicht werden kann, daß die Wirkungen der Handlung dem Schutzzweck nur unwesentlich zuwiderlaufen.

 

(4) Die Erlaubnis wird durch eine nach anderen Vorschriften notwendige Gestattung ersetzt, wenn diese mit Zustimmung der unteren Naturschutzbehörde ergangen ist.

 

§ 9 Zulässige Handlungen

 

(1) Die Verbote und Erlaubnisvorbehalte der §§ 7 und 8 gelten nicht für die

1.            ordnungsgemäße landwirtschaftliche Bodennutzung mit der Maßgabe, daß
a) die Bodengestalt nicht durch Auffüllungen oder Abgrabungen verändert wird;
b) Dauergrünland oder Dauerbrache nicht umgebrochen wird;
c) wesentliche Landschaftsbestandteile wie Bäume, Hecken, Gebüsche sowie Böschungen nicht beseitigt oder zerstört werden;
d) abgängige, hochstämmige Obstbäume nur entfernt werden dürfen, wenn sie durch andere hochstämmige Obstbäume ersetzt werden; das Recht, die landwirtschaftliche Nutzung wieder aufzunehmen, die aufgrund vertraglicher Bewirtschaftungsbeschränkungen oder der Teilnahme an einem Extensivierungs- oder Stillegungsprogramm zeitweise eingeschränkt oder aufgegeben war, bleibt unberührt;

2.            ordnungsgemäße forstwirtschaftliche Nutzung;

3.            ordnungsgemäße Ausübung der Jagd.

 

(2) Unberührt bleibt auch die Unterhaltung und Instandsetzung rechtmäßigerweise bestehender Einrichtungen.

 

Schlußvorschriften

§ 10 Schutz- und Pflegemaßnahmen

 

Schutz- und Pflegemaßnahmen werden durch die höhere Naturschutzbehörde in einem Pflegeplan oder durch Einzelanordnung festgelegt. §§ 3,7 und 8 dieser Verordnung sind insoweit nicht anzuwenden.

 

§ 11 Befreiungen

 

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann nach § 63 NatSchG im Naturschutzgebiet von der höheren Naturschutzbehörde, im Landschaftsschutzgebiet von der unteren Naturschutzbehörde Befreiung erteilt werden.

 

§ 12 Ordnungswidrigkeiten

 

Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer vorsätzlich oder fahrlässig

1.            im Naturschutzgebiet nach § 4 dieser Verordnung verbotene Handlungen vornimmt,

2.            im Landschaftsschutzgebiet nach § 7 dieser Verordnung verbotene Handlungen vornimmt,

3.            im Landschaftsschutzgebiet entgegen § 8 dieser Verordnung ohne vorherige schriftliche Erlaubnis Handlungen vornimmt.

 

§ 13 Inkrafttreten

 

(1) Diese Verordnung tritt am Tage nach Ablauf der Auslegungsfrist in Kraft.

 

(2) Gleichzeitig treten im Geltungsbereich dieser Verordnung folgende Verordnungen außer Kraft:

·               Verordnung zum Schutze von Landschaftsteilen im Bereich des Hasbachtales, Gemarkungen Mosbach und Lohrbach, Kreis Mosbach vom 8. Mai 1940

·               Verordnung des Landratsamtes Neckar-Odenwald-Kreis über das Landschaftsschutzgebiet "Elzbachtal" vom 13. Juni 1991

·               Verordnung über das "Naturschutzgebiet Reliktföhrenwald auf dem Heppenstein" in den Gemarkungen Mos bach und Neckarburken, Landkreis Mosbach vom 26. Januar 1940.

 

Karlsruhe, den 16. Dezember 1994

Hämmerle