2.188 Schmalzmisse

 

Verordnung des Regierungspräsidiums Karlsruhe über das Naturschutzgebiet "Schmalzmisse" (Stadt Altensteig, Gemeinde Simmersfeld, Landkreis Calw) vom 29. Mai 1995 (GBl. v. 25.07.1995, S. 534).

 

Auf Grund der §§ 21, 58 und 64 des Naturschutzgesetzes (NatSchG) vom 21. Oktober 1975 (GBl. S. 654), zuletzt geändert durch das Gesetz vom 7. Februar 1994 (GBl. S. 73), wird verordnet:

 

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

 

Die in § 2 näher bezeichneten Flächen auf dem Gebiet der Stadt Altensteig, Gemarkung Überberg, und der Gemeinde Simmersfeld, Gemarkung Ettmannsweiler, Landkreis Calw, werden zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung "Schmalzmisse".

 

§ 2 Schutzgegenstand

 

(1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von rund 48 ha. Es liegt südlich der Landesstraße 351, östlich der Kreisstraße 4334, nördlich der Gemarkungsgrenze Beuren / Ettmannsweiler und Beuren / Überberg sowie westlich des Gewannes Langfeld (die genaue Grenzziehung ist den Detailkarten zu entnehmen).

 

(2) Die Grenzen des Naturschutzgebietes sind in einer Übersichtskarte im Maßstab 1:25000 mit durchgezogener roter Linie sowie in zwei Detailkarten im Maßstab 1:2500 mit durchgezogener roter, grau angeschummerter Linie eingetragen. Die Karten sind Bestandteil dieser Verordnung. Die Verordnung mit Karten wird beim Regierungspräsidium Karlsruhe und beim Landratsamt Calw auf die Dauer von zwei Wochen, beginnend am Tag nach Verkündung dieser Verordnung im Gesetzblatt, zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt.

 

(3) Die Verordnung mit Karten ist nach Ablauf der Auslegungsfrist bei den in Absatz 2 Satz 3 bezeichneten Stellen zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten niedergelegt.

 

§ 3 Schutzzweck

 

Schutzzweck des Naturschutzgebietes ist die Erhaltung, Entwicklung und Pflege der schon seit Jahrhunderten vom Menschen geprägten, reich strukturierten, lichten Kiefern-/Tannen-/Eichen-(Buchen)-Bestände sowie der Waldmoore der "Enz-Nagold-Missen".

 

Schutzzweck ist ferner die Sicherung der geologischen, klimatischen und hydrologischen Verhältnisse sowie die Erhaltung der vernäßten oder missigen bzw. trockenen, flechtenreichen Waldbestände als Lebensraum typischer, seltener und spezialisierter Tier- und Pflanzenarten. Geschützt werden sollen insbesondere die verschiedenen rentier- und Becherflechten, Torfmoose, Sauergräser, Heidekrautgewächse, Spinnentiere und Insekten, Reptilien, Amphibien und Vögel.

 

§ 4 Verbote

 

(1) In dem Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung oder Veränderung im Schutzgebiet oder seines Naturhaushalts oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen oder führen können.

 

(2) Insbesondere ist verboten:

1.            bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen;

2.            Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

3.            die Bodengestalt zu verändern, insbesondere durch Auffüllungen oder Abgrabungen;

4.            fließende oder stehende Gewässer anzulegen, zu beseitigen oder zu verändern sowie Entwässerungs- oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt verändern;

5.            Abfälle oder sonstige Gegenstände zu hinterlassen oder zu lagern;

6.            Plakate, Bild- oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen mit Ausnahme behördlich zugelassener Beschilderungen;

7.            Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

8.            Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut-, Wohn- oder Zufluchtstätten dieser Tiere zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

9.            die Art der bisherigen Grundstücksnutzung entgegen dem Schutzzweck zu ändern;

10.        zu zelten, zu lagern, Wohnwagen oder Verkaufsstände aufzustellen oder Kraftfahrzeuge abzustellen;

11.        Feuer anzumachen oder zu unterhalten;

12.        Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen;

13.        die Wege zu verlassen;

14.        die Wege zu befahren; zulässig sind Fahrräder und Krankenfahrstühle;

15.        Luftfahrzeuge, insbesondere Luftsportgeräte und Flugmodelle zu betreiben;

16.        Dauergrünland umzubrechen;

17.        Pflanzenschutzmittel oder Düngemittel zu verwenden;

18.        zu reiten, außer auf besonders ausgewiesenen Wegen;

19.        Hunde frei laufen zu lassen.

 

§ 5 Zulässige Handlungen

 

(1) Die Verbote des § 4 gelten nicht für die

1.            ordnungsgemäße Ausübung der forstwirtschaftlichen Bodennutzung in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang mit der Maßgabe, daß die Altholzbestände möglichst langfristig erhalten sowie lichte, ungleichaltrige und strukturreiche Bestände (insbesondere aus Kiefer) gefördert werden und natürlich verjüngt wird. Darüber hinaus sollen keine Düngung, Kalkung oder sonstige Meliorationsmaßnahmen durchgeführt werden. Die vorhandenen Entwässerungsgräben sollen nicht mehr geöffnet sowie keine sonstigen Entwässerungsmaßnahmen ergriffen werden (mit Ausnahme der drei forstwirtschaftlich genutzten Hauptwege).Totholz und Baumstubben sollen am Standort belassen und Forstwege künftig nur mit saurem mineralischen Material befestigt werden;

2.            ordnungsgemäße Ausübung der Jagd mit der Maßgabe, daß
a) Hochsitze nur landschaftsgerecht, aus naturbelassenen Rundhölzern und außerhalb von vernäßten, missigen Bereichen bzw. flechten- oder torfmoosreichen Kiefernbeständen errichtet werden;
b) keine Futterstellen, Wildäcker oder andere Wildäsungsflächen eingerichtet werden;
c) Kirr- und Luderplätze nicht innerhalb oder direkt angrenzend an vernäßte, missige Bereiche sowie flechten- oder torfmoosreiche Kiefernbestände errichtet werden; sie sind nur mit Kleinstmengen zulässig;
d) Hunde nur bei Treib- und Drückjagden und zur Nachsuche freigelassen werden dürfen.

 

(2) Unberührt bleibt auch die sonstige bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke sowie der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung.

 

§ 6 Schutz- und Pflegemaßnahmen

 

Schutz- und Pflegemaßnahmen werden durch die höhere Naturschutzbehörde in einem Pflegeplan oder durch Einzelanordnung festgelegt. § 4 dieser Verordnung ist insoweit nicht anzuwenden.

 

§ 7 Befreiungen

 

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann nach § 63 NatSchG Befreiung erteilt werden.

 

§ 8 Ordnungswidrigkeiten

 

Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer vorsätzlich oder fahrlässig nach § 4 dieser Verordnung verbotene Handlungen vornimmt.

 

§ 9  Inkrafttreten

 

Diese Verordnung tritt am Tage nach Ablauf der Auslegungsfrist in Kraft.

 

Karlsruhe, 29. Mai 1995

gez.: Hämmerle