2.190 Dallauer Tal

 

Verordnung des Regierungspräsidiums Karlsruhe über das Natur- und Landschafts­schutzgebiet "Dallauer Tal" (Gemeinde Elztal, Neckar-Odenwald-Kreis) vom 17. August 1995 (GBl. v. 29.09.1995, S. 719).

 

Aufgrund der §§ 21, 58 und 64 des Naturschutzgesetzes (NatSchG) in der Fassung vom 29. März 1995 (GBl. S. 386) wird verordnet:

 

Allgemeine Vorschriften

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

 

Die in § 2 näher bezeichneten Flächen auf dem Gebiet der Gemarkungen Dallau und Auerbach der Gemeinde Elztal werden zum Natur- und Landschaftsschutzgebiet erklärt. Das Natur- und Landschaftsschutzgebiet führt die Bezeichnung "Dallauer Tal".

 

§ 2 Schutzgegenstand

 

(1) Das Natur- und Landschaftsschutzgebiet hat eine Größe von rund 153 ha. Es umfaßt im wesentlichen das östlich Dallau liegende Talsystem von Luttenbach- und Kehlklinge, einschließlich der Talflanken bis zu den Hochflächen.

Im wesentlichen wird das Schutzgebiet begrenzt im Westen und Nordwesten durch den Ortsrand von Dallau, im Norden und Osten durch den Auerbacher Weg, im Südosten durch die Römerstraße und im Südwesten durch die Kreisstraße K 3949.

 

(2) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von rund 102 ha. Es umfaßt folgende Gewanne und Waldgebiete ganz oder teilweise: Talrainäcker Urnberg, Hohe Urnberg, Höhe, Klappern Tatsche, Tal, Tal Tatsche, Unterer Wetzstein Luttenbach, Tal Luttenbach Untere Wetzstein, Wetzsteinrain, Oberer Wetzstein, Wetzstein, Hohberg Wetzstein, Hohberg, Tal Köhl und Gemeindewalddistrikt XIII Hasenpfad.

 

(3) Das Landschaftsschutzgebiet hat eine Größe von rund 51 ha. Es umfaßt folgende Gewanne und Waldgebiete, soweit sie nicht Naturschutzgebiet sind, ganz oder teilweise: Talrain, Tal, 1. Tal, 1. Notterfeld, 2. Notterfeld, Wilde Sauäcker, Hohberg, Fuchsloch, Hackberg, Tal Köhl, Baumgärtle.

 

(4) Die Grenzen des Natur- und Landschaftsschutzgebietes sind in je einer Übersichtskarte im Maßstab 1:25000 bzw. 1:5000 mit durchgezogener roter Linie (Naturschutzgebiet) und mit durchgezogener grüner Linie (Landschaftsschutzgebiet) sowie in vier Detailkarten im Maßstab 1:2500 mit durchgezogener roter, grau angeschummerter Linie (Naturschutzgebiet) und mit durchgezogener grüner, flächig schwarz punktierter Linie (Landschaftsschutzgebiet) eingetragen. Die Karten sind Bestandteil der Verordnung. Die Verordnung mit Karten wird beim Regierungspräsidium Karlsruhe in Karlsruhe und beim Landratsamt Neckar-Odenwald-Kreis in Mosbach auf die Dauer von zwei Wochen, beginnend am Tag nach Verkündung dieser Verordnung im Gesetzblatt, zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt.

 

(5) Die Verordnung mit Karten ist nach Ablauf der Auslegungsfrist bei den in Absatz 4 Satz 3 bezeichneten Stellen zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten niedergelegt.

 

Naturschutzgebiet

§ 3 Schutzzweck

 

Schutzzweck des Naturschutzgebietes ist die Erhaltung und Entwicklung biologisch vielfältiger Lebensräume der extensiven Kulturlandschaft des "Dallauer Tals" mit hoher ökologischer Bedeutung, insbesondere

1.            die Erhaltung und Entwicklung des reichstrukturierten Mosaiks von unterschiedlich fortgeschrittenen Sukzessionsstadien innerhalb des Talsystems: Grünland, Hecken, Stufenraine, Streuobstbestände sowie Saum- und Waldelemente,

2.            die Erhaltung und Entwicklung der traditionell extensiv bewirtschafteten Halbtrockenrasen mit ihrer charakteristischen, seltenen Fauna und Flora sowie der Schaumkalkbänke und der offenen Felsgrusflächen,

3.            die Erhaltung und Entwicklung eines standortheimischen Mischwaldes samt seiner Krautvegetation und hohem Totholzanteil,

4.            die Bewirtschaftung der Salbei-Glatthaferwiesen der flacheren Hangbereiche und der Fuchsschwanz-Glatthaferwiesen der Talsohle in traditioneller Weise sowie die Erhaltung und Förderung der Streuobstwiesen, Baumreihen und Einzelbäume, um die auf diese vielfältigen Biotope angewiesenen Tier- und Pflanzenarten zu erhalten und zu fördern sowie die zahlreichen vom Aussterben bedrohten Arten, insbesondere der Insekten, der Vögel und der Orchideen, zu schützen.

 

§ 4 Verbote

 

(1) In dem Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des Schutzgebietes oder seiner Bestandteile, zu einer nachhaltigen Störung oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen können.

 

(2) Insbesondere ist es verboten:

1.            bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen;

2.            Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

3.            Steine, Kies, Sand, Lehm oder andere Bodenbestandteile abzubauen, zu entnehmen oder einzubringen oder die Bodengestalt auf andere Weise zu verändern;

4.            Entwässerungs- oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt des Gebietes verändern;

5.            Abfälle oder sonstige Gegenstände zu hinterlassen oder zu lagern;

6.            Plakate, Bild- oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen, mit Ausnahme behördlich zugelassener Beschilderungen;

7.            Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

8.            Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven,Eier oder Nester oder sonstige Brut-, Wohn- oder Zufluchtstätten dieser Tiere zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

9.            die Art der bisherigen Grundstücksnutzung entgegen dem Schutzzweck zu ändern;

10.        zu baden, zu zelten, zu lagern, Wohnwagen sonstige Fahrzeuge oder Verkaufsstände aufzustellen;

11.        Feuer zu machen oder zu unterhalten;

12.        Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen;

13.        die Wege zu verlassen;

14.        die Wege mit Fahrzeugen aller Art zu befahren, ausgenommen Fahrräder und Krankenfahrstühle;

15.        Flugsport, auch mit Modellflugzeugen, sowie Boote aller Art zu betreiben;

16.        Dauergrünland oder Dauerbrache umzubrechen;

17.        Pflanzenbehandlungsmittel oder Dünger zu verwenden;

18.        zu reiten;

19.        Hunde frei laufen zu lassen;

20.        Schmuckreisigkulturen oder Vorratspflanzungen von Bäumen oder Sträuchern anzulegen;

21.        Schafe an den Hängen der Gewanne Tal Luttenbach, Wetzensteinrain und Tal Köhl zu pferchen oder in Koppeln zu halten.

 

§ 5 Zulässige Handlungen

 

(1) Die Verbote des § 4 gelten nicht für die

1.            ordnungsgemäße landwirtschaftliche Bodennutzung in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang mit der Maßgabe, daß
a) die Bodengestalt nicht durch Auffüllungen oder Abgrabungen verändert wird;
b) durch Entwässerungs- oder andere Maßnahmen der Wasserhaushalt nicht verändert wird;
c) Dauergrünland oder Dauerbrache nicht umgebrochen wird;
d) Pflanzenschutzmittel nur auf Ackerland unter Beachtung der Pflanzenschutzanwendungsverordnung verwendet werden;
e) Bäume, Hecken, Gebüsche sowie Böschungen nicht beseitigt oder zerstört werden;
f) Schafe an den Hängen der Gewanne Tal Luttenbach, Wetzensteinrain und Tal Köhl nicht gepfercht und nicht in Koppeln gehalten werden;
g) Schmuckreisigkulturen oder Vorratspflanzungen von Bäumen oder Sträuchern nicht angelegt werden;
h) Abfälle oder sonstige Gegenstände, insbesondere Schnittgut oder Wirtschaftsdünger an den Hängen der Gewanne Tal Luttenbach, Wetzensteinrain, Tal Köhl, Hohe Urnberg, Klappern Tatsche, Unterer Wetzenstein und Luttenbach nicht gelagert werden; das Recht, die landwirtschaftliche Nutzung wieder aufzunehmen, die aufgrund vertraglicher Bewirtschaftungsbeschränkungen oder der Teilnahme an einem Extensivierungs- oder Stillegungsprogramm zeitweise eingeschränkt oder aufgegeben war, bleibt unberührt;

2.            ordnungsgemäße Ausübung der forstwirtschaftlichen Bodennutzung in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang mit der Maßgabe, daß
a) Laubholzmischbestände aus standortheimischen Baumarten anzustreben sind und einzelne tote oder absterbende Bäume in den Beständen zu belassen sind;
b) die Anlage neuer forstwirtschaftlicher Wege im Einvernehmen mit der höheren Naturschutzbehörde erfolgt;

3.            ordnungsgemäße Ausübung der Jagd mit der Maßgabe, daß
a) Futterstellen und Kirrungen auf den Halbtrockenrasen der Gewanne Luttenbachklinge und Kehlklinge unterbleiben;
b) Hochsitze oder Jagdkanzeln nur in der Zeit vom 1. September bis 31. März aus naturbelassenen Rundhölzern errichtet werden.

 

(2) Unberührt bleibt auch die sonstige bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke und Gewässer sowie der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung.

 

Landschaftsschutzgebiet

§ 6 Schutzzweck

 

Schutzzweck des Landschaftsschutzgebietes ist

1.            die Sicherung und Entwicklung des ökologisch notwendigen Ergänzungsraumes für das Naturschutzgebiet und seiner Tier- und Pflanzenwelt, insbesondere durch die Erhaltung und Entwicklung von Teilbereichen eines charakteristischen Seitentalsystems der Elz;

2.            die Funktion als Pufferzone für das Naturschutzgebiet gegen Siedlungsdruck, Eutrophierung und Staubimmissionen, insbesondere durch die Erhaltung und Entwicklung dieser Kulturlandschaft mit ihrer an standörtlichen Gegebenheiten orientierten Bodennutzung.

 

§ 7 Verbote im Landschaftsschutzgebiet

 

In dem Landschaftsschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die den Charakter des Gebietes verändern oder dem besonderen Schutzzweck zuwiderlaufen, insbesondere wenn dadurch

1.            der Naturhaushalt geschädigt,

2.            die Nutzungsfähigkeit der Naturgüter nachhaltig gestört,

3.            eine geschützte Flächennutzung auf Dauer geändert oder

4.            das Landschaftsbild nachteilig geändert oder die natürliche Eigenart der Landschaft auf andere Weise beeinträchtigt wird.

 

§ 8 Erlaubnisvorbehalt

 

(1) Handlungen, die den Charakter des Landschaftsschutzgebietes verändern oder dem besonderen Schutzzweck zuwiderlaufen können, bedürfen der schriftlichen Erlaubnis der unteren Naturschutzbehörde.

 

(2) Der Erlaubnis bedarf es insbesondere:

1.            bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils gültigen Fassung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen;

2.            Straßen, Wege, Plätze oder andere Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

3.            Stätten für Sport und Spiel, einschließlich Motorsportanlagen, anzulegen oder zu verändern;

4.            Steine, Kies, Sand, Lehm oder andere Bodenbestandteile abzubauen, zu entnehmen oder einzubringen oder die Bodengestalt auf andere Weise zu verändern;

5.            fließende oder stehende Gewässer anzulegen, zu beseitigen oder zu ändern;

6.            Gegenstände zu lagern, soweit sie nicht zur zulässigen Nutzung des Grundstücks erforderlich sind;

7.            Plakate, Bild- oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen, mit Ausnahme behördlich zugelassener Beschilderungen;

8.            die Art der bisherigen Grundstücksnutzung wesentlich zu ändern, insbesondere Kleingärten anzulegen;

9.            zu zelten, zu lagern, Wohnwagen oder Verkaufsstände aufzustellen;

10.        Motorsport sowie motorgetriebene Schlitten zu betreiben;

11.        Dauergrünland oder Dauerbrache umzubrechen;

12.        Pflanzenschutzmittel oder Dünger zu verwenden;

13.        Bäume, Hecken, Gebüsche sowie Böschungen zu beseitigen oder zu zerstören, hochstämmige Obstbäume dürfen beseitigt werden, wenn sie durch andere hochstämmige Obstbäume ersetzt werden;

14.        standortfremde Gehölze einschließlich Christbaumkulturen oder Ballenware anzupflanzen.

 

(3) Die Erlaubnis ist zu erteilen, wenn die Handlung Wirkungen der in § 7 Abs. 1 genannten Art nicht zur Folge hat oder solche Wirkungen durch Auflagen oder Bedingungen abgewendet werden können. Sie kann mit Auflagen oder unter Bedingungen, befristet oder widerruflich, erteilt werden, wenn dadurch erreicht werden kann, daß die Wirkungen der Handlungen dem Schutzzweck nur unwesentlich zuwiderlaufen.

 

(4) Die Erlaubnis wird durch eine nach anderen Vorschriften notwendige Gestattung ersetzt, wenn diese mit Zustimmung der unteren Naturschutzbehörde ergangen ist.

 

§ 9 Zulässige Handlungen im Landschaftsschutzgebiet

 

(1) Die Verbote und Erlaubnisvorbehalte der §§ 7 und 8 gelten nicht für

1.            die ordnungsgemäße landwirtschaftliche Bodennutzung mit der Maßgabe, daß
a) die Bodengestalt nicht durch Auffüllung oder Abgrabung verändert wird;
b) Dauergrünland nicht umgebrochen wird;
c) wesentliche Landschaftsbestandteile wie Bäume, Hecken, Gebüsche oder Feldgehölze nicht beseitigt oder zerstört werden;
d) standortfremde Gehölze sowie Christbaumkulturen und Ballenware nicht angepflanzt werden;
e) abgängige, hochstämmige Obstbäume nur entfernt werden, wenn sie durch andere hochstämmige Obst bäume ersetzt werden; das Recht, die landwirtschaftliche Nutzung wieder aufzunehmen, die aufgrund vertraglicher Bewirtschaftungsbeschränkungen oder der Teilnahme an einem Extensivierungs- oder Stillegungsprogramm zeitweise eingeschränkt oder aufgegeben war, bleibt unberührt;

2.            die ordnungsgemäße forstwirtschaftliche Nutzung;

3.            die ordnungsgemäße Ausübung der Jagd mit der Maßgabe, daß Hochsitze aus naturbelassenen Rundhölzern errichtet werden.

 

(2) Unberührt bleibt auch die Unterhaltung und Instandsetzung rechmäßigerweise bestehender Einrichtungen.

 

Schlußteil

§ 10 Schutz- und Pflegemaßnahmen

 

Schutz- und Pflegemaßnahmen werden durch die höhere Naturschutzbehörde in einem Pflegeplan oder durch Einzelanordnung festgelegt. §§ 4,7 und 8 dieser Verordnung sind insoweit nicht anzuwenden.

 

§ 11 Befreiungen

 

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann nach § 63 NatSchG im Naturschutzgebiet von der höheren Naturschutzbehörde, im Landschaftsschutzgebiet von der unteren Naturschutzbehörde Befreiung erteilt werden.

 

§ 12 Ordnungswidrigkeiten

 

Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer vorsätzlich oder fahrlässig

1.            im Naturschutzgebiet eine der nach § 4 dieser Verordnung verbotenen Handlungen vornimmt,

2.            im Landschaftsschutzgebiet
 a) entgegen § 7 dieser Verordnung Handlungen vornimmt, die dem Charakter des Gebietes oder dem besonderen Schutzzweck zuwiderlaufen;
 b) entgegen § 8 dieser Verordnung ohne vorherige schriftliche Erlaubnis Handlungen vornimmt, die den Charakter des Gebietes verändern oder dem besonderen Schutzzweck zuwiderlaufen können.

 

§ 13 Inkrafttreten

 

Diese Verordnung tritt am Tage nach Ablauf der Auslegungsfrist in Kraft.

 

Karlsruhe, den 17. August 1995

Hämmerle