2.192 Alte Ziegelei Höpfingen

 

Verordnung des Regierungspräsidiums Karlsruhe über das Naturschutzgebiet "Alte Ziegelei Höpfingen" (Gemeinden Hardheim und Höpfingen, Neckar-Odenwald-Kreis) vom 21. Sep­tember 1995 (GBl. v. 07.11.1995, S. 753).

 

Auf Grund der §§ 21, 58 und 64 des Naturschutzgesetzes (NatSchG) in der Fassung vom 29. März 1995 (GBl. S. 386) wird verordnet:

 

Allgemeine Vorschriften

 

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

 

Die in § 2 näher bezeichneten Flächen auf dem Gebiet der Gemeinden Hardheim und Höpfingen werden zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung "Alte Ziegelei Höpfingen".

 

§ 2 Schutzgegenstand

 

(1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von 5,3 ha. Es umfaßt das Flurstück Nr. 11848 auf Gemarkung Hardheim und Flurstück Nr. 17086 auf Gemarkung Höpfingen.

 

(2) Die Grenzen des Naturschutzgebietes sind je in einer Übersichtskarte im Maßstab 1:25000 und 1:5000 mit durchgezogener roter Linie sowie in einer Detailkarte im Maßstab 1:2500 mit durchgezogener roter, grau angeschummerter Linie eingetragen. Die Karten sind Bestandteil dieser Verordnung. Die Verordnung mit Karten wird beim Regierungspräsidium Karlsruhe in Karlsruhe, bei dem Landratsamt Neckar-Odenwald-Kreis in Mosbach und beim Gemeindeverwaltungsverband Hardheim / Walldürn in Walldürn auf die Dauer von zwei Wochen, beginnend am Tag nach Verkündung dieser Verordnung im Gesetzblatt, zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt.

 

(3) Die Verordnung mit Karten ist nach Ablauf der Auslegungsfrist bei den in Absatz 2 Satz 3 bezeichneten Stellen zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten niedergelegt.

 

§ 3 Schutzzweck

 

Schutzzweck des Naturschutzgebietes ist die Erhaltung und Entwicklung eines biologisch vielfältigen Lebensraumes innerhalb einer intensiv genutzten Kulturlandschaft, insbesondere

1.            die Erhaltung und Entwicklung des reich strukturierten Komplexes von Biotopen innerhalb des ehemaligen Lehmgrubenareals mit seinen unterschiedlichen Standorten, die von extrem nährstoffarmen und trockenen Flächen über wechselfeuchte und feuchte Bereiche bis hin zu Stillgewässern reichen;

2.            die Erhaltung und Entwicklung der daraus resultierenden reichhaltigen Pflanzendecke mit Gebüschen, Hecken, Baumgruppen und Relikten von Halbtrockenrasen und

3.            die Erhaltung und Entwicklung seltener und gefährdeter Arten, insbesondere der Amphibien- und Libellenfauna, die hier Laichmöglichkeiten und weitere Teillebensräume finden.

 

§ 4 Verbote

 

(1) In dem Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung oder Veränderung im Schutzgebiet oder seines Naturhaushalts oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen oder führen können.

 

(2) Insbesondere ist verboten:

1.            bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen;

2.            Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

3.            die Bodengestalt zu verändern, insbesondere durch Auffüllungen oder Abgrabungen;

4.            fließende oder stehende Gewässer anzulegen, zu beseitigen oder zu verändern sowie Entwässerungs- oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt verändern;

5.            Abfälle oder sonstige Gegenstände zu hinterlassen oder zu lagern;

6.            Plakate, Bild- oder Schrifttafeln oder sonstige Gegenstände aufzustellen oder anzubringen mit Ausnahme behördlich zugelassener Beschilderungen;

7.            Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

8.            Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut-, Wohn- oder Zufluchtstätten dieser Tiere zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

9.            die Art der bisherigen Grundstücksnutzung entgegen dem Schutzzweck zu ändern;

10.        zu zelten, zu lagern, Wohnwagen oder Verkaufsstände aufzustellen oder Kraftfahrzeuge abzustellen;

11.        Feuer anzumachen oder zu unterhalten;

12.        Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen;

13.        die Wege und Pfade zu verlassen;

14.        die Wege und Pfade zu befahren;

15.        Luftfahrzeuge, insbesondere Luftsportgeräte oder Flugmodelle zu betreiben;

16.        Dauergrünland oder Dauerbrache umzubrechen;

17.        Pflanzenschutzmittel oder Düngemittel zu verwenden;

18.        zu reiten;

19.        Hunde frei laufen zu lassen;

20.        zu baden sowie das Gewässer mit Wasserfahrzeugen aller Art einschließlich Modellboote zu befahren.

 

§ 5 Zulässige Handlungen

 

(1) Die Verbote des § 4 gelten nicht für die

1.            ordnungsgemäße Ausübung der Jagd mit der Maßgabe, daß
a) Hochsitze nur landschaftsgerecht, aus naturbelassenen Rundhölzern und außerhalb von trittempfindlichen Bereichen errichtet werden;
b) keine Wildäcker, Futterstellen und Kirrungen angelegt werden;
c) keine Tiere eingebracht werden;

2.            ordnungsgemäße Ausübung der Fischerei mit der Maßgabe, daß ein Besatz nur bei Bedarf unter Rücksichtnahme auf die Amphibienpopulation erfolgt;

3.            Aufstellung von Kunstwerken im Einvernehmen mit der höheren Naturschutzbehörde;

4.            Umzäunung des Grundstücks sowie die Anlage von Wegen im Einvernehmen mit der höheren Naturschutzbehörde.

 

(2) Unberührt bleibt auch die sonstige bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke und Gewässer sowie der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung.

 

§ 6 Schutz- und Pflegemaßnahmen

 

Schutz- und Pflegemaßnahmen werden durch die höhere Naturschutzbehörde in einem Pflegeplan oder durch Einzelanordnung festgelegt. § 4 dieser Verordnung ist insoweit nicht anzuwenden.

 

§ 7  Befreiungen

 

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann nach § 63 NatSchG Befreiung erteilt werden.

 

§ 8 Ordnungswidrigkeiten

 

Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer vorsätzlich oder fahrlässig nach § 4 dieser Verordnung verbotene Handlungen vornimmt.

 

§ 9 Inkrafttreten

 

Diese Verordnung tritt am Tage nach Ablauf der Auslegungsfrist in Kraft.

 

Karlsruhe, 21. September 1995

Regierungspräsidium Karlsruhe

G. Hämmerle