2.193 Rheinknie Alter Kopfgrund

 

Verordnung des Regierungspräsidiums Karlsruhe über das Naturschutzgebiet "Rheinknie Alter Kopfgrund" (Gemeinde Rheinmünster und Stadt Lichtenau, Landkreis Rastatt) vom 14. Dezember 1995 (GBl. v. 09.02.1996, S. 84).

 

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

 

Die in § 2 näher bezeichneten Flächen auf dem Gebiet der Gemeinde Rheinmünster (Gemarkung Greffern) und der Stadt Lichtenau (Gemarkungen Grauelsbaum und Ulm) werden zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung "Rheinknie Alter Kopfgrund".

 

§ 2 Schutzgegenstand

 

(1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von rund 227 ha. Es wird im wesentlichen begrenzt im Westen durch die K 3744 und weiter im Norden durch die Gemeindeverbindungsstraße Richtung Greffern, im Nordosten durch eine Linie, die ausgehend von dieser Straße auf Höhe von etwa Rhein-km 320,6 den Grefferner Baggersee quert und die Wald-Feldgrenze des Grundstückes Flst.-Nr. 1661/2 der Gemarkung Greffern bis zur L 85 aufnimmt, weiter durch die L 85 und den innerhalb des Naturschutzgebietes liegenden Hochwasserdamm bis zum Gewann Hasengarten auf Gemarkung Ulm, im Süden durch die Grenze zwischen den Grundstücken Flst.-Nrn. 126 und 126/1 (Kanal) bzw. 126/3 (Baggersee) der Gemarkung Grauelsbaum und weiter durch eine Linie über den Baggersee zum Hochwasserdamm im Gewann Hasengarten auf Gemarkung Ulm.

 

(2) Die Grenzen des Naturschutzgebietes sind in einer Übersichtskarte im Maßstab 1:25000, in einer Übersichtskarte im Maßstab 1:5000 und in sechs Detailkarten im Maßstab 1:2500 mit durchgezogener roter, grau angeschummerter Linie eingetragen. Die Karten sind Bestandteil dieser Verordnung. Die Verordnung mit Karten wird beim Regierungspräsidium Karlsruhe und beim Landratsamt Rastatt auf die Dauer von zwei Wochen, beginnend am Tag nach Verkündung dieser Verordnung im Gesetzblatt, zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt.

 

(3) Die Verordnung mit Karten ist nach Ablauf der Auslegungsfrist bei den in Absatz 2 Satz 3 bezeichneten Stellen zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten niedergelegt.

 

§ 3 Schutzzweck

 

Schutzzweck des durch Wälder, Altrheine, Schluten und andere Kleingewässer geprägten Naturschutzgebiets ist

·               die Erhaltung und die Entwicklung natürlich zonierter Auwaldbestände der Hart- und Weichholzaue mit naturnaher Artenzusammensetzung sowie der Silberweidenbestände am Altrheinzug;

·               die Erhaltung und die Entwicklung der Standorte von Wasserpflanzen, Röhricht- und Verlandungsgesellschaften sowie der Feuchtwiesen, einem Kalkniedermoor und kleinen Trockenrasen mit wertvollen Orchideenbeständen;

·               die Erhaltung und die Entwicklung als bedeutendes Brut-, Laich-, Nahrungs- und Überwinterungsgebiet zahlreicher, zum Teil gefährdeter oder vom Aussterben bedrohter Tierarten, vor allem Vögel, Amphibien, Schmetterlinge, Käfer und Libellen sowie einer Graureiherkolonie;

·               die Verbesserung des Wasserregimes und damit die Förderung der Wasser- und Wasserwechselzonenvegetation und der hier lebenden Fauna.

 

§ 4 Verbote

 

(1) In dem Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung oder Veränderung im Schutzgebiet oder seines Naturhaushalts oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen oder führen können, insbesondere die in den Absätzen 2 bis 6 genannten Handlungen.

 

(2) Zum Schutz von Tieren und Pflanzen ist es verboten:

1.            Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

2.            Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut-, Wohn- oder Zufluchtstätten dieser Tiere zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

3.            Hunde frei laufen zu lassen.

 

(3) Verboten ist es, bauliche Maßnahmen durchzuführen und vergleichbare Eingriffe vorzunehmen, wie:

1.            bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen;

2.            Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

3.            fließende oder stehende Gewässer anzulegen, zu beseitigen oder zu verändern sowie Entwässerungs- oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt verändern;

4.            Plakate, Bild- oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen, mit Ausnahme behördlich zugelassener Beschilderungen.

 

(4) Bei der Nutzung der Grundstücke ist es verboten:

1.            die Bodengestalt zu verändern, insbesondere durch Auffüllungen oder Abgrabungen;

2.            die Art der bisherigen Grundstücksnutzungen entgegen dem Schutzzweck zu ändern;

3.            Dauergrünland oder Dauerbrache umzubrechen;

4.            Pflanzenschutzmittel oder Düngemittel zu verwenden.

 

(5) Insbesondere bei Erholung, Freizeit und Sport ist es verboten:

1.            das Gebiet abseits befestigter Wege zu betreten oder zu befahren;

2.            die Wege zu befahren; zulässig sind Fahrräder auf befestigten Wegen und Krankenfahrstühle;

3.            zu reiten;

4.            zu zelten, zu lagern, Veranstaltungen durchzuführen, Wohnwagen oder Verkaufsstände aufzustellen sowie Kraftfahrzeuge abzustellen;

5.            zu baden, Modellboote zu betreiben oder die Wasserflächen zu befahren;

6.            Luftfahrzeuge, insbesondere Luftsportgeräte und Flugmodelle zu starten oder zu landen.

 

(6) Weiter ist es verboten:

1.            Abfälle oder sonstige Gegenstände zu hinterlassen oder zu lagern;

2.            Feuer anzumachen oder zu unterhalten;

3.            Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen.

 

§ 5 Zulässige Handlungen

 

(1) Die Verbote des § 4 gelten nicht für die

1.            ordnungsgemäße landwirtschaftliche Bodennutzung in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang mit der Maßgabe, daß
a) die Bodengestalt nicht verändert wird;
b) durch Entwässerungs- oder andere Maßnahmen der Wasserhaushalt nicht verändert wird;
c) Dauergrünland oder Dauerbrache nicht umgebrochen wird;
d) Pflanzenschutzmittel nur auf Ackerflächen unter Beachtung der Pflanzenschutzanwendungsverordnung verwendet werden;
das Recht, die landwirtschaftliche Nutzung wieder aufzunehmen, die auf Grund vertraglicher Bewirtschaftungsbeschränkungen oder der Teilnahme an einem Extensivierungs- oder Stillegungsprogramm zeitweise eingeschränkt oder aufgegeben war, bleibt unberührt;

2.            ordnungsgemäße forstwirtschaftliche Bodennutzung in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang mit der Maßgabe, daß
a) der Wald langfristig in voller Ausdehnung einen in Struktur und Artenzusammensetzung naturnahen Aufbau erhält und die Verjüngung kleinflächig erfolgt;
b) entlang der Gewässer ein bis zu 20 m breiter standörtlicher Weidensaum ausgebildet wird;

3.            ordnungsgemäße Ausübung der Jagd mit der Maßgabe, daß
a) Hochsitze nur in einfacher Bauweise, landschaftsgerecht, aus naturbelassenen Hölzern und nur in der Zeit vom 1. September bis 28. Februar errichtet werden;
b) keine Futterstellen oder Wildäcker eingerichtet werden, keine Kirrungen für Wasserwild erfolgen und keine Entenbrutkörbe aufgestellt werden; zulässig bleiben Ablenkungsfütterungen für Schwarzwild im Einvernehmen mit der höheren Naturschutzbehörde;
c) für die natürliche Verjüngung des Waldes tragbare Wildbestände angestrebt werden, insbesondere Rehwild so bejagt wird, daß vorkommende Auebaumarten ohne Schutz natürlich verjüngt werden können;
d) die Jagd auf Wasserwild mit Ausnahme der Stockente ruht;

4.            ordnungsgemäße Ausübung der Berufsfischerei;

5.            ordnungsgemäße Ausübung der Sportfischerei mit der Maßgabe, daß nur von den in der Karte gekennzeichneten Ufern aus und in dem in der Karte eingetragenen Zeitraum geangelt wird; zulässig ist auch das Angeln vom Boot aus in der Zeit vom 1. Juli bis 28. Februar im Grefferner Baggersee;

6.            Errichtung des Hochwasserpolders Söllingen /Greffern, soweit diese in einem Planfeststellungsverfahren festgestellt wird.

 

(2) Unberührt bleibt auch die sonstige bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke und Gewässer sowie der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung.

 

§ 6 Schutz- und Pflegemaßnahmen

 

Schutz- und Pflegemaßnahmen werden in einem Pflegeplan oder durch Einzelanordnung festgelegt. § 4 dieser Verordnung ist insoweit nicht anzuwenden.

 

§ 7 Befreiungen

 

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann nach § 63 NatSchG Befreiung erteilt werden.

 

 

§ 8 Ordnungswidrigkeiten

 

(1) Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer vorsätzlich oder fahrlässig nach § 4 dieser Verordnung verbotene Handlungen vornimmt.

 

(2) Ordnungswidrig im Sinne des § 33 Abs. 2 Nr. 4 LJagdG handelt, wer im Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig entgegen § 4 in Verbindung mit § 5 Abs. 1 Nr. 3 dieser Verordnung die Jagd ausübt.

 

§ 9 Inkrafttreten

 

Diese Verordnung tritt am Tage nach Ablauf der Auslegungsfrist in Kraft.

 

Karlsruhe, 14. Dezember 1995

gez.: Hämmerle