2.194 Brünnbachtal

 

Verordnung des Regierungspräsidiums Karlsruhe über das Naturschutzgebiet "Brünnbachtal" (Stadt Adelsheim, Neckar-Odenwald-Kreis) vom 21. Dezember 1995 (GBl. v. 09.02.1996, S. 87).

 

Auf Grund der §§ 21, 58 und 64 des Naturschutzgesetzes (NatSchG) in der Fassung vom 29. März 1995 (GBl. S. 385) wird verordnet:

 

 Allgemeine Vorschriften

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

 

Die in § 2 näher bezeichneten Flächen auf dem Gebiet der Stadt Adelsheim werden zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung "Brünnbachtal".

 

§ 2 Schutzgegenstand

 

(1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von rund 132 ha. Es wird im wesentlichen begrenzt:

·               im Osten und Nordosten durch die Bebauung von Adelsheim, die Gewanne Heidelberg, Lange Steinmauer, Steinacker links;

·               im Süden durch die Gemeindeverbindungsstraße Adelsheim-Hergenstadt bis hin zur Abzweigung nach Wemmershof im Gewann Kastanienbaum; im Westen durch die Verbindungsstraße nach Wemmershof entlang der Gewanne Lange Hecke, Breitenäcker, Unterhalb des Hofes, Linsenäcker bis zur Bebauung des Weilers Wemmershof; im Norden durch die Gewanne Linsenäcker, Wingertssteige rechts vom Wemmershöferweg, durch die Hangkante nördlich des Gewanns Brünnbachweg und durch das Gewann Wingertssteige gegen Krückerwald.

 

(2) Die Grenzen des Naturschutzgebietes sind in je einer Übersichtskarte im Maßstab 1:25000 und 1:5000 mit durchgezogener roter Linie sowie in einer Detailkarte im Maßstab 1:2500 mit durchgezogener roter, grau angeschummerter Linie eingetragen. Die Karten sind Bestandteil dieser Verordnung. Die Verordnung mit Karten wird beim Regierungspräsidium Karlsruhe und beim Landratsamt Neckar-Odenwald-Kreis in Mosbach auf die Dauer von zwei Wochen, beginnend am Tag nach Verkündung dieser Verordnung im Gesetzblatt, zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt.

 

(3) Die Verordnung mit Karten ist nach Ablauf der Auslegungsfrist bei den in Absatz 2 Satz 3 bezeichneten Stellen zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten niedergelegt.

 

§ 3 Schutzzweck

 

Schutzzweck des Naturschutzgebietes ist die Erhaltung und die Förderung der vielfältigen Tallandschaft um den Brünnbach östlich von Adelsheim mitsamt ihrer geschützten und bedrohten Tier- und Pflanzenwelt, insbesondere die Erhaltung und Entwicklung - der naturnahen und vorwiegend standortheimischen Waldgesellschaft am Brünnbachberg und am Kindsweinberg;

·               der artenreichen Halbtrockenrasen und der wärmeliebenden Saumgesellschaften sowie deren Tierwelt;

·               des vielfältig verzahnten Mosaiks an wärme- und trockenheitsliebenden Wald-, Gebüsch- und Saumgesellschaften, Halbtrockenrasen und Steinriegeln und der damit verbundenen hohen Biotopvielfalt;

·               der einzigartigen Vorkommen des Leberblümchens;

·               des weitgehend naturnahen Bachverlaufs mit seinen typischen Ausbildungen und den an ihn angepaßten Tier und Pflanzengesellschaften;

·               des Grünlands der Talaue und ihrer Hänge;

·               der durch Hecken, Feldgehölze und Streuobstbestände reich strukturierte Kulturlandschaft im Süden, die einen charakteristischen Ausschnitt des Baulandes von besonderer Schönheit darstellt.

 

§ 4 Verbote

 

(1) In dem Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung oder Veränderung im Schutzgebiet oder seines Naturhaushalts oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen oder führen können, insbesondere die in den Absätzen 2 bis 6 genannten Handlungen.

 

(2) Zum Schutz von Tieren und Pflanzen ist es verboten:

1.            Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

2.            Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut-, Wohn- oder Zufluchtstätten dieser Tiere zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

3.            Hunde frei laufen zu lassen.

 

(3) Verboten ist es, bauliche Maßnahmen durchzuführen und vergleichbare Eingriffe vorzunehmen, wie:

1.            bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen; Vorhaben in den Gewannen Linsenäcker, Unterhalb des Hofes und Breitenäcker, die einem landwirtschaftlichen Betrieb dienen, bleiben unberührt;

2.            Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

3.            fließende oder stehende Gewässer anzulegen, zu beseitigen oder zu verändern sowie Entwässerungs- oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt verändern;

4.            Plakate, Bild- oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen, mit Ausnahme behördlich zugelassener Beschilderungen.

 

(4) Bei der Nutzung der Grundstücke ist es verboten,

1.            die Bodengestalt zu verändern, insbesondere durch Auffüllungen oder Abgrabungen;

2.            die Art der bisherigen Grundstücksnutzung entgegen dem Schutzzweck zu ändern;

3.            neu aufzuforsten oder Christbaum- und Schmuckreisigkulturen und Vorratspflanzungen von Sträuchern und Bäumen anzulegen;

4.            Dauergrünland oder Dauerbrache umzubrechen;

5.            Pflanzenschutzmittel oder Düngemittel zu verwenden.

 

(5) Insbesondere bei Erholung, Freizeit und Sport ist es verboten:

1.            die Wege zu verlassen;

2.            die Wege zu befahren; zulässig sind Fahrräder auf Wegen über zwei Meter Breite und Krankenfahrstühle;

3.            zu reiten, außer auf besonders ausgewiesenen Wegen;

4.            zu zelten, zu lagern, Wohnwagen oder Verkaufsstände aufzustellen oder Kraftfahrzeuge abzustellen;

5.            Luftfahrzeuge und Flugmodelle zu starten und zu landen.

 

(6) Weiter ist es verboten:

1.            Abfälle oder sonstige Gegenstände zu hinterlassen oder zu lagern;

2.            Feuer anzumachen oder zu unterhalten;

3.            Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen;

4.            Schafe an den Hängen der Gewanne Brünnbachberg, Kindsweinberg und in der Talaue zu pferchen.

 

§ 5 Zulässige Handlungen

 

(1) Die Verbote des § 4 gelten nicht für die

1.            ordnungsgemäße landwirtschaftliche Bodennutzung in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang mit der Maßgabe, daß
a) die Bodengestalt nicht verändert wird;
b) durch Entwässerungs- oder andere Maßnahmen der Wasserhaushalt nicht verändert wird;
c) Dauergrünland oder Dauerbrache nicht umgebrochen wird, die Nutzungsänderung von Grünland zu Weideland ist nur mit Zustimmung der höheren Naturschutzbehörde zulässig;
d) Pflanzenschutzmittel nur auf Ackerflächen unter Beachtung der Pflanzenschutzanwendungsverordnung verwendet werden;
e) Bäume, Hecken, Gebüsche sowie Böschungen nicht beseitigt oder zerstört werden;
f) Schafe an den Hängen der Gewanne Brünnbachberg, Kindsweinberg und in der Talaue nicht gepfercht werden;
g) Schmuckreisigkulturen oder Vorratspflanzungen von Bäumen oder Sträuchern nicht angelegt werden; das Recht, die landwirtschaftliche Nutzung wieder aufzunehmen, die auf Grund vertraglicher Bewirtschaftungsbeschränkungen oder der Teilnahme an einem Extensivierungs- oder Stillegungsprogramm zeitweise eingeschränkt oder aufgegeben war, bleibt unberührt;

2.            ordnungsgemäße Ausübung der forstwirtschaftlichen Bodennutzung in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang mit der Maßgabe, daß bei Durchforstung und Verjüngung der Bestände tote oder absterbende Bäume in den Beständen belassen werden und standortheimische Laubhölzer gefördert und gepflanzt werden mit dem Ziel eines laubholzreichen Mischwaldes mit
a) überwiegend Eichenanteil in den Gewannen Kindsweinberg, Brünnbachberg, Brünnbachberg (W) und Hintere Brünnbach und
b) überwiegend Buchenanteil in den Gewannen Klingender Busch, Heimlichwegsäcker, Kastanienbaum und Heldenrain;

3.            ordnungsgemäße Ausübung der Jagd mit der Maßgabe, daß
a) Hochsitze nur landschaftsgerecht, aus naturbelassenen Rundhölzern und außerhalb von trittempfindlichen Bereichen errichtet werden;
b) keine Futterstellen eingerichtet werden;

4.            ordnungsgemäße Ausübung der Fischerei in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang;

5.            die Verlegung von Wasser- und Abwasserleitungen zum Wemmershof im Einvernehmen mit der höheren Naturschutzbehörde.

 

(2) Unberührt bleibt auch die sonstige bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke und Gewässer sowie der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung.

 

§ 6 Schutz- und Pflegemaßnahmen

 

Schutz- und Pflegemaßnahmen werden durch die höhere Naturschutzbehörde in einem Pflegeplan oder durch Einzelanordnung festgelegt. § 4 dieser Verordnung ist insoweit nicht anzuwenden.

 

§ 7 Befreiungen

 

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann nach § 63 NatSchG Befreiung erteilt werden.

 

§ 8 Ordnungswidrigkeiten

 

(1) Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer vorsätzlich oder fahrlässig nach § 4 dieser Verordnung verbotene Handlungen vornimmt.

 

(2) Ordnungswidrig im Sinne des § 33 Abs. 2 Nr. 4 LJagdG handelt, wer im Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig entgegen § 4 in Verbindung mit § 5 Abs. 1 Nr. 3 dieser Verordnung die Jagd ausübt.

 

§ 9 Inkrafttreten

 

(1) Diese Verordnung tritt am Tage nach Ablauf der Auslegungsfrist in Kraft.

 

(2) Gleichzeitig tritt im Geltungsbereich dieser Verordnung die Verordnung des Landratsamtes Neckar-Odenwald-Kreis über das Landschaftsschutzgebiet "Brünnbachberg" vom 05.09.1956 außer Kraft.

 

Karlsruhe, 21. Dez. 1995

Regierungspräsidium Karlsruhe

gez.: G. Hämmerle