2.197 Sandgrube im Dreispitz-Mörsch

 

Verordnung des Regierungspräsidiums Karlsruhe über das Naturschutzgebiet »Sandgrube im Dreispitz-Mörsch« in Rheinstetten, Landkreis Karlsruhe vom 17. August 1995 (GBl. v. 13.12.1995, S. 820).

 

Auf Grund der §§ 21, 58 und 64 des Naturschutzgesetzes (NatSchG) in der Fassung vom 29.März 1995 (GBl. S. 385) und der §§ 22 und 33 des Landesjagdgesetzes (LJagdG) vom 20. Dezember 1978 (GBl. 1979 S. 12) wird verordnet:

 

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

 

Die in § 2 näher bezeichnete Fläche auf dein Gebiet der Gemeinde Rheinstetten, Gemarkung Mörsch, wird zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung »Sandgrube im Dreispitz-Mörsch«.

 

§ 2 Schutzgegenstand

 

(1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von rund 34 ha. Es wird im wesentlichen begrenzt im Westen durch den parallel zur Bundesbahnlinie Karlsruhe-Rastatt verlaufenden Flurweg, im Süden durch die L 566, im Osten durch die Abteilungsgrenze 34/33 des Forchheimer Gemeindewaldes und im Norden durch die Gemarkungsgrenze zwischen Forchheim und Mörsch. Es umfaßt auf dem Gebiet der Gemeinde Rheinstetten, Gemarkung Mörsch, die Grundstücke Flst. Nrn. 3897, 3896 (tw), 3819/3 (tw) und 2458/9.

 

(2) Die Grenzen des Schutzgebietes sind in einer Übersichtskarte im Maßstab 1:5000 mit durchgezogener roter Linie und in einer Detailkarte im Maßstab 1:2500 mit durchgezogener roter, grau angeschummerter Linie eingetragen. Die Karten sind Bestandteil der Verordnung. Die Verordnung mit Karten wird beim Regierungspräsidium Karlsruhe und beim Landratsamt Karlsruhe auf die Dauer von zwei Wochen, beginnend am Tag nach Verkündung dieser Verordnung im Gesetzblatt, zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt.

 

(3) Die Verordnung mit Karten ist nach Ablauf der Auslegungsfrist bei den in Absatz 2 Satz 3 bezeichneten Stellen zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten niedergelegt.

 

§ 3 Schutzzweck

 

Schutzzweck ist:

1.            die Sicherung der Sandgruben als Pionierstandorte vom feuchten bis hin zum extrem trockenen Bereich;

2.            die Sicherung und Förderung der Sukzessionsstadien der Vegetation auf den verschiedenen Standorten;

3.            die Sicherung und Förderung der Strukturvielfalt der Topographie und Morphologie der Sandgruben, ihrer Steilböschungen und Bodenerhebungen als Lebensraum der an diese extremen Standorte angepaßten Tier- und Pflanzenwelt, vor allem spezialisierter und gefährdeter Vogel- und Insektenarten sowie Filzkräuter.

 

§ 4 Verbote

 

(1) In dem Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des Schutzgebietes oder seiner Bestandteile, zu einer nachhaltigen Störung oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen können.

 

(2) Insbesondere ist verboten:

1.            bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils gültigen Fassung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen;

2.            Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

3.            die Bodengestalt zu verändern;

4.            fließende oder stehende Gewässer zu schaffen, zu beseitigen, zu verändern sowie Entwässerungs- oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt des Gebietes verändern;

5.            Abfälle oder sonstige Gegenstände zu lagern;

6.            Plakate, Bild- oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen;

7.            Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

8.            Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut-, Wohn- oder Zufluchtstätten dieser Tiere zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

9.            die Art der bisherigen Grundstücksnutzung zu ändern;

10.        Veranstaltungen durchzuführen, zu zelten, zu lagern, Wohnwagen, sonstige Fahrzeuge oder Verkaufsstände aufzustellen;

11.        Feuer anzumachen oder zu unterhalten;

12.        ohne zwingenden Grund Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen;

13.        die gekennzeichneten Wege zu verlassen;

14.        die Wege mit Fahrzeugen aller Art, ausgenommen Fahrräder ohne Hilfsmotor und Krankenfahrstühle, zu befahren;

15.        Flugmodelle im oder über dem Gelände zu betreiben;

16.        Gehölze, Hecken und Sträucher zu beseitigen, zu zerstören oder zu ändern;

17.        zu reiten;

18.        Hunde frei laufen zu lassen.

 

§ 5 Zulässige Handlungen

 

(1) Die Verbote des § 4 gelten nicht:

1.            für die ordnungsgemäße forstwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang;

2.            für die ordnungsgemäße Ausübung der Jagd mit der Maßgabe, daß
a) außerhalb des Waldbereiches keine Hochsitze bzw. Jagdkanzeln errichtet werden dürfen; im Waldrandbereich ist die Errichtung von Ansitzleitern zulässig;
b) keine Futterstellen bzw. Kirrplätze eingerichtet oder unterhalten werden;
c) keine Wildäcker angelegt werden;
d) die Wasservogeljagd nur auf die Stockente zulässig ist;
e) die Brutgebiete gefährdeter Vogelarten (Rohbodenstandorte und Hangbereiche) in der Zeit vom 15.Februar bis 15. August nicht betreten werden; ausgenommen ist ein Nachsuchen krankgeschossener oder schwerkranker Tiere;

3.            für den Ausbau der L 566 und den Bau der Bahnunterführung, soweit dies durch einen Planfeststellungsbeschluß festgestellt wird.

 

(2) Unberührt bleibt die sonstige bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke, Gewässer, Straßen, Wege und Bahnanlagen sowie der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung.

 

§ 6 Schutz- und Pflegemaßnahmen

 

Schutz- und Pflegemaßnahmen werden von der höheren Naturschutzbehörde in einem Pflegeplan oder durch Einzelanordnung festgelegt. § 4 ist insoweit nicht anzuwenden.

 

§ 7 Befreiungen

 

\Ion den Vorschriften dieser Verordnung kann nach § 63 NatSchG Befreiung erteilt werden.

 

§ 8 Ordnungswidrigkeiten

 

(1) Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig eine der nach § 4 dieser Verordnung verbotenen Handlungen vornimmt.

 

(2) Ordnungswidrig im Sinne des § 33 Abs.2 Nr. 4 LJagdG handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig entgegen § 4 in Verbindung mit § 5 Nr. 2 dieser Verordnung die Jagd ausübt.

 

§ 9 Inkrafttreten

 

Diese Verordnung tritt am Tagt,. nach Ablauf der Auslegungsfrist in Kraft.

 

KARLSRUHE, den 17. August 1995

HÄMMERLE