2.200 Michaelsberg und Habichtsbuckel

 

Verordnung des Regierungspräsidiums Karlsruhe über das Natur- und Landschaftsschutzgebiet "Michaelsberg und Habichtsbuckel" vom 2. April 1996 (GBl. v. 07.06.1996, S. 382).

 

Auf Grund der §§ 21, 58 Abs. 2 des Naturschutzgesetzes (NatSchG) in der Fassung vom 29. März 1995 (GBl. S. 385) wird verordnet:

 

Allgemeine Vorschriften

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

 

Die in § 2 näher bezeichneten Flächen auf dem Gebiet der Stadt Bruchsal, Gemarkungen Bruchsal und Untergrombach, werden zum Natur- und Landschaftsschutzgebiet erklärt. Das Natur- und Landschaftsschutzgebiet führt die Bezeichnung "Michaelsberg und Habichts­
buckel".

 

§ 2 Schutzgegenstand

 

(1) Das Natur- und Landschaftsschutzgebiet hat eine Größe von rund 52 ha. Davon entfallen auf das Naturschutzgebiet rund 50 ha, auf das Landschaftsschutzgebiet rund 2 ha.

 

(2) Das Naturschutzgebiet besteht aus fünf Teilgebieten:

1.            Erweiterungsfläche zum bestehenden Naturschutzgebiet "Kaiserberg". Sie befindet sich westlich der Kapelle am Michaelsberg sowie südlich und östlich des bestehenden Naturschutzgebiets (rund 6,6 ha).

2.            des Michaelsbergs und erstrecken sich bis in die Talklinge im Übergangsbereich zum Eichelberg (rund 30,6 ha).

3.            Hohlweg am Lärmenfeuer. Geschützt wird die westliche Böschung dieses Zufahrtswegs zur Michaelskapelle (rund 0,7 ha).

4.            Aufschluß am Rummler. Der Steinbruch mit angrenzenden Streuobstwiesen befindet sich am Südhang des Michaelsbergs (rund 2,6 ha).

5.            Gewann Weiertal und Teile des Gewanns Habichtsbuckel. Sie befinden sich südlich des Grombachs zwischen Unter- und Obergrombach (rund 10 ha).

 

(3) Das Landschaftsschutzgebiet umfaßt Teile des Gewanns Habichtsbuckel. Im Südwesten wird es umgrenzt von dem Weg Flst.-Nr. 5166. Die südöstliche Grenze stellt die Wegböschung entlang der Flst.-Nrn. 5233 und 5260 dar. Die nordöstliche Grenze befindet sich entlang der Steilböschung auf Flst.-Nr. 5233, die nordwestliche entlang der Böschung, die die Hochfläche begrenzt (Flst.-Nr. 5245).

 

(4) Die Grenzen des Natur- und Landschaftsschutzgebietes sind in einer Übersichtskarte im Maßstab 1:25000 mit durchgezogener roter Linie (Naturschutzgebiet) und mit durchgezogener grüner Linie (Landschaftsschutzgebiet) sowie in vier Detailkarten im Maßstab 1:5000 und in sechs Detailkarten im Maßstab 1:2500 mit durchgezogener roter, grau angeschummerter Linie (Naturschutzgebiet) und mit durchgezogener grüner, flächig schwarz punktierter Linie (Landschaftsschutzgebiet) eingetragen. Die genaue Grenzziehung ist den Detailkarten zu entnehmen. Die Karten sind Bestandteil dieser Verordnung. Die Verordnung mit Karten wird beim Regierungspräsidium Karlsruhe, beim Landratsamt Karlsruhe und bei der Großen Kreisstadt Bruchsal auf die Dauer von zwei Wochen, beginnend am Tag nach Verkündung dieser Verordnung im Gesetzblatt, zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt.

 

(5) Die Verordnung mit Karten ist nach Ablauf der Auslegungsfrist bei den in Absatz 4 Satz 3 bezeichneten Stellen zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten niedergelegt.

 

NATURSCHUTZGEBIET

§ 3 Schutzzweck

 

Schutzzweck des Naturschutzgebietes ist die Erhaltung, Pflege und Entwicklung der mosaikartig, kleinflächig gegliederten Landschaft im Bereich des Michaelsbergs und des Habichtsbuckels als bedeutende Lebensräume seltener, zum Teil spezialisierter und gefährdeter Tier- und Pflanzenarten in ihren Lebensgemeinschaften:

·               der Bereich südlich und östlich des bestehenden Naturschutzgebiets "Kaiserberg" mit seinen Halbtrockenrasen und Wiesengesellschaften und den darin vorkommenden charakteristischen Pflanzengesellschaften, Schmetterlingen, Wildbienen und Reptilien;

·               der Bereich Grund und Hinterer Berg mit seinen extensiv genutzten Streuobst- und Magerwiesen, Halbtrockenrasen, Hohlwegen und Talklingen und den darin vorkommenden charakteristischen Pflanzengesellschaften, Insekten und Vögeln;

·               der Hohlweg am Lärmenfeuer mit seiner Böschung als Lebensraum zahlreicher spezialisierter Pflanzenarten und Insekten;

·               der Aufschluß am Rummler mit seinem gut ausgebildeten, seltenen Aufschluß des unteren Hauptmuschelkalks sowie den angrenzenden Streuobstwiesen als Lebensraum von Vögeln und Pflanzengesellschaften;

·               der Bereich Weiertal und Habichtsbuckel mit seinen Streuobst- und Magerwiesen, Halbtrockenrasen und Hohlwegen und den darin vorkommenden Pflanzengesellschaften, Vögeln und Insekten.

 

§ 4 Verbote

 

(1) In dem Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung oder Veränderung im Schutzgebiet oder seines Naturhaushalts oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen oder führen können, insbesondere die in den Absätzen 2 bis 6 genannten Handlungen.

 

(2) Zum Schutz von Tieren und Pflanzen ist es verboten:

1.            Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

2.            Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut-, Wohn- oder Zufluchtstätten dieser Tiere zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

3.            Hunde frei laufen zu lassen.

 

(3) Verboten ist es, bauliche Maßnahmen durchzuführen und vergleichbare Eingriffe vorzunehmen, wie:

1.            bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen;

2.            Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen

3.            anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

4.            fließende oder stehende Gewässer anzulegen, zu beseitigen oder zu verändern sowie Entwässerungs- oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt verändern;

5.            Plakate, Bild- oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen, mit Ausnahme behördlich zugelassener Beschilderungen.

 

(4) Bei der Nutzung der Grundstücke ist es verboten:

1.            die Bodengestalt zu verändern, insbesondere durch Auffüllungen oder Abgrabungen;

2.            die Art der bisherigen Grundstücksnutzung entgegen dem Schutzzweck zu ändern;

3.            neu aufzuforsten oder Christbaum- und Schmuckreisigkulturen und Vorratspflanzungen von Sträuchern und Bäumen anzulegen;

4.            Dauergrünland oder Dauerbrache umzubrechen;

5.            Pflanzenschutzmittel oder Düngemittel zu verwenden;

6.            die Wiesen auf den Flächen Flurstück Nrn. 5170, 5254-5258, 5356, 5357 und 5365 vor dem 15. Oktober zu mähen;

7.            die Flächen im Gewann Grund mit den Flurstück Nrn.1150-1553, 1554/1, 1554/2, 1555, 1556, 1557/1 sowie die Wiese Flurstück Nr 2318/1 vor dem 15. Juli zu mähen. Anzustreben ist eine kleinflächige Mahd zur Sicherung wertvoller Vegetationsbestände;

8.            die verbleibenden Flächen vor dem 15. Juni zu mähen.

 

(5) Insbesondere bei Erholung, Freizeit und Sport ist es verboten:

1.            die Wege zu verlassen;

2.            die Wege zu befahren; zulässig sind Fahrräder auf Wegen über zwei Meter Breite und Krankenfahrstühle;

3.            zu reiten, außer auf besonders ausgewiesenen Wegen;

4.            zu zelten, zu lagern, Wohnwagen oder Verkaufsstände aufzustellen oder Kraftfahrzeuge abzustellen;

5.            Luftfahrzeuge, insbesondere Luftsportgeräte und Flugmodelle zu betreiben.

 

(6) Weiter ist es verboten:

1.            Abfälle oder sonstige Gegenstände zu hinterlassen oder zu lagern;

2.            Feuer anzumachen oder zu unterhalten;

3.            Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen.

 

§ 5 Zulässige Handlungen

 

(1) Die Verbote des § 4 gelten nicht für die:

1.            ordnungsgemäße landwirtschaftliche Bodennutzung in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang mit der Maßgabe, daß
a) die Bodengestalt nicht verändert wird;
b) durch Entwässerungs- oder andere Maßnahmen der Wasserhaushalt nicht verändert wird;
c) Dauergrünland oder Dauerbrache nicht umgebrochen wird;
d) Pflanzenschutzmittel nur auf intensiv genutzten landwirtschaftlichen Flächen unter Beachtung der Pflanzenschutzanwendungsverordnung verwendet werden;
e) Bäume, Hecken, Gebüsche sowie Böschungen nicht beseitigt oder zerstört werden;
f) der vorhandene Obstbaumbestand erhalten bleibt; die Entfernung einzelner abgängiger Bäume ist bei Neupflanzung von entsprechenden Obsthochbäumen zulässig;
g) die Wiesen nicht vor den in § 4 Abs. 4 Nr. 6, 7 und 8 genannten Terminen gemäht werden;
das Recht, die landwirtschaftliche Nutzung wieder aufzunehmen, die auf Grund vertraglicher Bewirtschaftungsbeschränkungen oder der Teilnahme an einem Extensivierungs- oder Stillegungsprogramm zeitweise eingeschränkt oder aufgegeben war, bleibt unberührt;

2.            ordnungsgemäße Ausübung der Jagd.

 

(2) Unberührt bleibt auch die Unterhaltung und Instandsetzung rechtmäßigerweise bestehender Einrichtungen.

 

SCHLUSSVORSCHRIFTEN

 

§ 10 Schutz- und Pflegemaßnahmen

 

Schutz- und Pflegemaßnahmen werden durch die höhere Naturschutzbehörde in einem Pflegeplan oder durch Einzelanordnung festgelegt. §§ 4, 7 und 8 dieser Verordnung sind insoweit nicht anzuwenden.

 

§ 11 Befreiungen

 

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann nach § 63 NatSchG Befreiung erteilt werden

 

§ 12 Ordnungswidrigkeiten

 

Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer vorsätzlich oder fahrlässig

1.            im Naturschutzgebiet nach § 4 dieser Verordnung verbotene Handlungen vornimmt,

2.            im Landschaftsschutzgebiet nach § 7 dieser Verordnung ohne vorherige Erlaubnis Handlungen vornimmt.

 

§ 13 Inkrafttreten

 

(1) Diese Verordnung tritt am Tage nach Ablauf der Auslegungsfrist in Kraft.

 

(2) Gleichzeitig treten für den Geltungsbereich des Natur- und Landschaftsschutzgebietes folgende Verordnungen des Landratsamtes Karlsruhe außer Kraft:

1.            Verordnung über das Landschaftsschutzgebiet "Michaelsberg-Eichelberg" vom 29. Januar 1975.

2.            Verordnung über das flächenhafte Naturdenkmal "Aufschluß am Rummler" (2. kreisweite Sammelverordnung vom 9. Dezember 1987).

3.            Verordnung über das flächenhafte Naturdenkmal "Habichtsbuckel" vom 15. September 1994.

 

Karlsruhe, 2. April 1996

Hämmerle