2.202 Elsenzaue-Hollmuthang

 

Verordnung des Regierungspräsidiums Karlsruhe über das Naturschutzgebiet "Elsenzaue-Hollmuthang" (Stadt Neckargemünd, Gemeinde Bammental, Rhein-Neckar-Kreis) vom 4. Juli 1996 (GBl. v. 31.08.1996, S. 547).

Aufgrund von §§ 21 und 58 Abs. 2 des Naturschutzgesetzes (NatSchG) in der Fassung vom 29. März 1995 (GBl. S. 385) wird verordnet:

 

Allgemeine Vorschriften

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

 

Die in § 2 näher bezeichneten Flächen auf dem Gebiet der Stadt Neckargemünd und der Gemeinde Bammental werden zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung "Elsenzaue-Hollmuthhang".

 

§ 2 Schutzgegenstand

 

(1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von rund 61 ha. Es umfaßt den Unterlauf der Elsenz auf einer Fließstrecke von ca. 3,2 km, ihre Aue und Teile der westlichen Flanke des Hollmuthügels. Im wesentlichen wird es wie folgt umgrenzt:

·               Im Norden von der Bebauung der Stadt Neckargemünd und im Süden von den Ackerflächen des Gewannes "Neuer Wolfsbuckel". Die östliche Grenze ist der Viehweideweg. Im Westen endet das Schutzgebiet an der Bundesstraße B 45 unter Aussparung der bebauten Bereiche Kriegs- und Walkmühle sowie der Kläranlage.

 

(2) Die Grenzen des Naturschutzgebietes sind in Übersichtskarten im Maßstab 1:25000 bzw. 1:5000 mit durch Landratsamt Rhein-Neckar-Kreis in Heidelberg auf die Dauer von zwei Wochen, beginnend am Tag nach Verkündigung dieser Verordnung im Gesetzblatt, zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt.

 

(3) Die Verordnung mit Karten ist nach Ablauf der Auslegungsfrist bei den in Absatz 2 Satz 3 bezeichneten Stellen zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten niedergelegt.

 

§ 3 Schutzzweck

 

Schutzzweck des Naturschutzgebietes ist:

1.            die Erhaltung und Förderung
 a) des natürlichen Bachlaufes der Elsenz mit Steilufern, Prall- und Gleithängen,
 b) des bachbegleitenden Silberweiden-Erlen-Galeriewaldes mit vorgelagerten Gebüschen, Heckenzügen und Hochstaudenfluren,
 c) der Auewiesen und Auewälder,
 d) der ausgedehnten Hang- und Obstwiesen, als vernetzte Lebensräume der auf Bachufer, Feuchtgebiete, Wiesen, Hochstaudenfluren und Hecken angewiesenen Tier- und Pflanzenarten;

2.            die Beruhigung der Lebensräume störempfindlicher und gefährdeter Vogelarten wie Eisvogel, Habicht, Neuntöter, Feldschwirl und Pirol;

3.            die Erhaltung und Förderung der hydrologischen Funktion der Aue;

4.            die Erhaltung eines regional bedeutsamen Landschaftsbildes.

 

§ 4 Verbote

 

(1) In dem Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung oder Veränderung im Schutzgebiet oder seines Naturhaushalts oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen oder führen können.

 

(2) Insbesondere ist verboten:

1.            bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen;

2.            Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

3.            die Bodengestalt zu verändern, insbesondere durch Auffüllungen oder Abgrabungen;

4.            fließende oder stehende Gewässer anzulegen, zu beseitigen oder zu verändern sowie Entwässerungs- oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt verändern;

5.            Abfälle oder sonstige Gegenstände zu hinterlassen oder zu lagern;

6.            Plakate, Bild- oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen, mit Ausnahme behördlich zugelassener Beschilderungen;

7.            Pflanzen, Pflanzenteile und nicht standortheimische Gehölze einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören, einzelne abgängige Obstbäume dürfen durch Neupflanzungen von Hochstämmen ersetzt werden;

8.            Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut-, Wohn- oder Zufluchtstätten dieser Tiere zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

9.            die Art der bisherigen Grundstücksnutzung entgegen dem Schutzzweck zu ändern;

10.        zu zelten, zu lagern, Wohnwagen oder Verkaufsstände aufzustellen oder Kraftfahrzeuge abzustellen;

11.        Feuer anzumachen oder zu unterhalten;

12.        Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen;

13.        die Wege in der Zeit vom 15. März bis 15. August zu verlassen; ganzjährig zulässig bleibt die Begehung der Verbindungspfade Kriegsmühle - Walkmühle und Josef-Werner-Straße - Hollmutwald;

14.        die Wege zu befahren; zulässig sind Fahrräder und Krankenfahrstühle;

15.        Luftfahrzeuge, insbesondere Luftsportgeräte und Flugmodelle zu starten und zu landen;

16.        die Elsenz mit Wasserfahrzeugen zu befahren; zulässig bleibt das Befahren mit nichtmotorisierten Wasserfahrzeugen in der Zeit vom 15. August bis 15. März;

17.        Dauergrünland oder Dauerbrache umzubrechen;

18.        Pflanzenschutzmittel oder Düngemittel zu verwenden;

19.        zu reiten, außer auf besonders ausgewiesenen Wegen;

20.        zu pferchen oder eine Koppelhaltung durchzuführen;

21.        Hunde unangeleint mitzuführen.

 

§ 5 Zulässige Handlungen

 

(1) Die Verbote des § 4 gelten nicht für die

1.            ordnungsgemäße landwirtschaftliche Bodennutzung in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang mit der Maßgabe, daß
a) die Bodengestalt nicht verändert wird;
b) durch Entwässerungs- oder andere Maßnahmen der Wasserhaushalt nicht verändert wird;
c) Dauergrünland oder Dauerbrache nicht umgebrochen wird;
d) Wiesen nicht vor der Hochblüte des Glatthafers gemäht und nicht nach dem 1. Mai gedüngt werden; Ausnahmen hiervon kann die höhere Naturschutzbehörde zulassen;
e) Pflanzenschutzmittel nur auf Ackerflächen verwendet werden;
f) Bäume, Hecken, Gebüsche sowie Böschungen nicht beseitigt oder zerstört werden;
g) das Recht, die landwirtschaftliche Nutzung wieder aufzunehmen, die aufgrund vertraglicher Bewirtschaftungsbeschränkungen oder der Teilnahme an einem Extensivierungs- oder Stillegungsprogramm zeitweise eingeschränkt oder aufgegeben war, unberührt bleibt;
h) keine Koppelhaltung durchgeführt wird; zulässig bleibt die Wanderschäferei;

2.            ordnungsgemäße Ausübung der forstwirtschaftlichen Bodennutzung mit der Maßgabe, daß das Pflanzen nicht standortheimischer Gehölze unterbleibt;

3.            ordnungsgemäße Ausübung der Jagd mit der Maßgabe, daß
a) Hochsitze nur landschaftsgerecht, aus naturbelassenen Hölzern und außerhalb von tritt empfindlichen Bereichen errichtet werden;
b) keine Futterstellen eingerichtet werden;

4.            ordnungsgemäße Ausübung der Fischerei mit der Maßgabe, daß in den in der Verordnungskarte markierten Bereichen die Fischerei vom 15. März bis 15. August ruht.

 

(2) Unberührt bleiben auch die sonstige bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke und Gewässer sowie der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung mit der Maßgabe, daß Gewässerunterhaltungsmaßnahmen schonend und unter Berücksichtigung des Schutzzweckes der Verordnung durchgeführt werden.

 

§ 6 Schutz- und Pflegemaßnahmen

 

Schutz- und Pflegemaßnahmen werden durch die höhere Naturschutzbehörde in einem Pflegeplan oder durch Einzelanordnung festgelegt. § 4 dieser Verordnung ist insoweit nicht anzuwenden.

 

§ 7 Befreiungen

 

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann nach § 63 NatSchG Befreiung erteilt werden.

 

§ 8 Ordnungswidrigkeiten

 

Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer vorsätzlich oder fahrlässig nach § 4 dieser Verordnung verbotene Handlungen vornimmt.

 

§ 9 Inkrafttreten

 

Diese Verordnung tritt am Tage nach Ablauf der Auslegungsfrist in Kraft.

 

Karlsruhe, 4. Juli 1996

Hämmerle