2.205 Sauerwiesen-Fuchsloch

 

Verordnung des Regierungspräsidiums Karlsruhe über das Naturschutzgebiet "Sauerwiesen-Fuchsloch" (Große Kreisstadt Wiesloch, Gemeinde Dielheim; Rhein-Neckar-Kreis) vom 18. Dezember 1996 (GBl. v. 21.02.1997, S. 47).

 

Aufgrund von §§ 21 und 58 Abs. 2 des Naturschutzgesetzes (NatSchG) in der Fassung vom 29. März 1995 (GBl. S. 385) wird verordnet:

 

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

 

Die in § 2 näher bezeichneten Flächen auf dem Gebiet der Großen Kreisstadt Wiesloch und der Gemeinde Dielheim werden zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung "Sauerwiesen-Fuchsloch".

 

§ 2 Schutzgegenstand

 

(1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von rund 61 ha. Es umfaßt im wesentlichen die von Südosten nach Nordwesten auf einer Strecke von ca. 1,2 km verlaufende Leimbachaue einschließlich der umgebenden, hügligen Wiesen- und Waldlandschaften zwischen den Ortsrandlagen von Dielheim und Wiesloch. Die an die L 612 und an den Leimbach angrenzenden Gewanne in östlicher und westlicher Richtung sind überwiegend Bestandteil des Schutzgebietes. Das Schutzgebiet umfaßt ganz oder teilweise auf der Gemarkung Wiesloch die Gewanne "Bachäcker", "Sinsheimer Höhe", "Welschkornbuckel", "Sauerwiesen", und auf der Gemarkung Dielheim die Gewanne "Eckertsbruch", "Vorerlenwiesen", "Kleines Feld", "Fuchsberg" und "Eckertsberg",

 

(2) Die Grenzen des Naturschutzgebietes sind in einer Übersichtskarte im Maßstab 1:25000 mit durchgezogener roter Linie sowie in einer Detailkarte im Maßstab 1:2500 mit durchgezogener roter, grau angeschummerter Linie eingetragen. Die Karten sind Bestandteile dieser Verordnung. Die Verordnung mit Karten wird beim Regierungspräsidium Karlsruhe, beim Landratsamt Rhein-Neckar-Kreis in Heidelberg und bei der Verwaltungsgemeinschaft Wiesloch in Wiesloch auf die Dauer von zwei Wochen, beginnend am Tag nach Verkündung dieser Verordnung im Gesetzblatt, zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt.

 

(3) Die Verordnung mit Karten ist nach Ablauf der Auslegungsfrist bei den in Absatz 2 Satz 3 bezeichneten Stellen zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten niedergelegt.

 

§ 3 Schutzzweck

 

Schutzzweck des Naturschutzgebietes ist:

1.            die Erhaltung und Förderung der naturnahen Standorte der Talaue und ihrer Randbereiche
- als Grundlage für die spezielle und vielfältige Feuchtgebietsvegetation (Erlen-Bruchwald, Feuchtwiesen, Röhrichte und Seggenbestände) sowie der trockenen Hänge mit einem Mosaik aus Halbtrockenrasen, Streuobstwiesen, Hecken, Wäldern und Rainen (Lößböschungen),
- als vielfältige Lebensräume, der darauf angewiesenen seltenen und gefährdeten Tierarten wie Teichrohrsänger und Wendehals und Pflanzenarten wie Helmknabenkraut;

2.            die Erhaltung und Förderung der hydrologischen Funktion der Aue;

3.            die Erhaltung eines regional bedeutsamen Landschaftsbildes.

 

§ 4 Verbote

 

(1) In dem Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung oder Veränderung im Schutzgebiet oder seines Naturhaushalts oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen oder führen können, insbesondere die in den Absätzen 2 bis 6 genannten Handlungen.

 

(2) Zum Schutz von Tieren und Pflanzen ist es verboten:

1.            Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

2.            Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut-, Wohn- oder Zufluchtstätten dieser Tiere zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

3.            Hunde frei laufen zu lassen.

 

(3) Verboten ist es, bauliche Maßnahmen durchzuführen und vergleichbare Eingriffe vorzunehmen, wie:

1.            bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen;

2.            Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

3.            fließende oder stehende Gewässer anzulegen, zu beseitigen oder zu verändern sowie Entwässerungs- oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt verändern;

4.            Plakate, Bild- oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen, mit Ausnahme behördlich zugelassener Beschilderungen.

 

(4) Bei der Nutzung der Grundstücke ist es verboten:

1.            die Bodengestalt zu verändern, insbesondere durch Auffüllungen oder Abgrabungen;

2.            die Art der bisherigen Grundstücksnutzung entgegen dem Schutzzweck zu ändern;

3.            neu aufzuforsten oder Christbaum- und Schmuckreisigkulturen und Vorratspflanzungen von Sträuchern und Bäumen anzulegen;

4.            Dauergrünland oder Dauerbrache umzubrechen;

5.            Pflanzenschutzmittel oder Düngemittel zu verwenden;

6.            Koppel- und Pferchhaltung zu betreiben.

 

(5) Insbesondere bei Erholung, Freizeit und Sport ist es verboten:

1.            die Wege zu verlassen;

2.            die Wege zu befahren; zulässig sind Fahrräder auf Wegen über zwei Meter Breite und Krankenfahrstühle;

3.            zu reiten;

4.            zu zelten, zu lagern, Wohnwagen oder Verkaufsstände aufzustellen oder Kraftfahrzeuge abzustellen;

5.            Luftfahrzeuge, insbesondere Luftsportgeräte und Flugmodelle zu starten und zu landen;

6.            Wasserflächen zu nutzen.

 

(6) Weiter ist es verboten:

1.            Abfälle oder sonstige Gegenstände zu hinterlassen oder zu lagern;

2.            Feuer anzumachen oder zu unterhalten;

3.            Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen.

 

§ 5 Zulässige Handlungen

 

(1) Die Verbote des § 4 gelten nicht für die:

1.            ordnungsgemäße landwirtschaftliche Bodennutzung in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang mit der Maßgabe, daß
a) die Bodengestalt nicht verändert wird;
b) durch Entwässerungs- oder andere Maßnahmen der Wasserhaushalt nicht verändert wird;
c) Dauergrünland oder Dauerbrache nicht umgebrochen wird;
d) Pflanzenschutzmittel nur auf Ackerflächen unter Beachtung der Pflanzenschutzanwendungsverordnung verwendet werden; auf Grünlandflächen ist eine punktuelle Ampfer- und Brennesselbekämpfung zulässig;
e) Bäume, Hecken, Gebüsche sowie Böschungen nicht beseitigt oder zerstört werden;
f) Koppel- und Pferchhaltung nur für Rinder und Schafe zulässig ist;
das Recht, die landwirtschaftliche Nutzung wieder aufzunehmen, die auf Grund vertraglicher Bewirtschaftungsbeschränkungen oder der Teilnahme an einem Extensivierungs- oder Stillegungsprogramm zeitweise eingeschränkt oder aufgegeben war, bleibt unberührt;

2.            ordnungsgemäße Ausübung der forstwirtschaftlichen Bodennutzung in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang mit der Maßgabe, daß
a) Erlen-Bruchwälder und Erlen-Eschenwälder erhalten und gefördert und kleinflächig verjüngt werden; bei waldbaulich erforderlichen Pflanzungen dürfen nur Erlen oder Erlen-Eschenbestände begründet werden;
b) Altholzbestände möglichst langfristig erhalten sowie ungleichaltrige und strukturreiche Bestände standortheimischer Laubgehölze gefördert und abgestufte Waldränder entwickelt werden, keine Düngungen oder sonstige Meliorationsmaßnahmen durchgeführt sowie einige Tothölzer und Baumstubben am Standort belassen werden;

3.            ordnungsgemäße Ausübung der Jagd mit der Maßgabe, daß
a) Hochsitze nur landschaftsgerecht, aus naturbelassenen Rundhölzern und außerhalb von trittempfindlichen Bereichen errichtet werden;
b) keine Wildäcker und keine Futterstellen, Ablenkungsfütterungen und Kirrungen nur mit Zustimmung der höheren Naturschutzbehörde angelegt werden;

4.            ordnungsgemäße Ausübung der Fischerei mit der Maßgabe, daß die Befischung des Leimbachs auf der Gemarkung Dielheim rechtsseitig (östlich) und auf der Gemarkung Wiesloch linksseitig (westlich) ganzjährig ruht wie in der Schutzgebietskarte ausgewiesen;

5.            Maßnahmen zur Vorsorge gegen die Gefahren aus dem Altbergbau bzw. zur Beseitigung von Gefahren, die im Einvernehmen mit der höheren Naturschutzbehörde erfolgen;

6.            behördlich angeordnete oder zugelassene Schutz- und Pflegemaßnahmen;

7.            für den Bau einer Entlastungsstraße zugunsten von Altwiesloch bzw. Dielheim im Zuge der L 612, soweit er durch Planfeststellungsbeschluß festgestellt wird.

 

(2) Unberührt bleibt auch die sonstige bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke und Gewässer sowie der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung.

 

§ 6 Befreiungen

 

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann nach § 63 NatSchG Befreiung erteilt werden.

 

§ 7 Ordnungswidrigkeiten

 

Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer vorsätzlich oder fahrlässig nach § 4 dieser Verordnung verbotene Handlungen vornimmt.

 

§ 8 Inkrafttreten

 

Diese Verordnung tritt am Tage nach Ablauf der Auslegungsfrist in Kraft.

 

Karlsruhe, 18. Dez. 1996

Hämmerle