2.208 Unteres Schwarzbachtal

 

Verordnung des Regierungspräsidiums Karlsruhe über das Naturschutzgebiet »Unteres Schwarzbachtal« (Gemeinden Meckesheim, Zuzenhausen und Eschelbronn, Rhein-Neckar-Kreis) vom 30. Juli 1997 (GBl. v. 26.09.1997, S. 391).

 

Auf Grund der §§ 21 und 58 Abs. 2 des Naturschutzgesetzes (NatSchG) in der Fassung vom 29. März 1995 (GBI. S. 385) wird verordnet:

 

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

 

Die in § 2 näher bezeichneten Flächen auf' dem Gebiet der Gemeinden Meckesheim, Zuzenhausen und Eschelbronn werden zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung »Unteres Schwarzbachtal«.

 

§ 2 Schutzgegenstand

 

(1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von rund 40 ha. Es umfaßt im wesentlichen Flußlauf, Aue und Teile der nordwestlichen Talflanke des Schwarzbaches auf einer Fließstrecke von 1,8 km. Das Naturschutzgebiet liegt nördlich und südlich der Gemeindeverbindungsstraße Meckesheim - Eschelbronn, die Straße ist nicht Schutzgebiet. Die Elsenz ist zwischen Eisenbahnbrücke und Schwarzbachmündung auf einer Strecke von 200 m Teil des Naturschutzgebietes, ihr linkes Ufer bildet die Westgrenze des Gebietes. Im Norden zählt das Gewann »Ober dem Schwarzig« zum Naturschutzgebiet. Im Osten begrenzt die Bahntrasse das Naturschutzgebiet, im Süden der »Langheckenweg«.

 

Etwa 14 ha des Schutzgebietes sind Teil der Gemarkung von Zuzenhausen bzw. der Gewanne »Hamen«, »Langhecke«, »Schwarzach« und »Wässerungsbuckel«. Etwa 23 ha gehören zur Gemarkung Meckesheim bzw. den Gewannen »Tiefenwinkel«, »Schwarzig«, »Obere Schwarzig« und »Ober dem Schwarzig«. Zur Gemeinde Eschelbronn zählt ein 2,5 ha großes Teilgebiet mit den Gewannen »Untere Ferrenwiesen« und »Untere Wässerung«.

 

(2) Die Grenzen des Naturschutzgebietes sind in Übersichtskarten im Maßstab 1:25000 und 1:5000 mit durchgezogener roter Linie sowie in einer Detailkarte im Maßstab 1:2500 mit durchgezogener roter, grau angeschummerter Linie eingetragen. Die Karten sind Bestandteil dieser Verordnung. Die Verordnung mit Karten wird beim Regierungspräsidium Karlsruhe, beim Landratsamt Rhein-Neckar-Kreis in Heidelberg und bei der Verwaltungsgemeinschaft Große Kreisstadt Sinsheim auf die Dauer von zwei Wochen, beginnend am Tag nach Verkündung dieser Verordnung im Gesetzblatt, zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt.

 

(3) Die Verordnung mit Karten ist nach Ablauf der Auslegungsfrist bei den in Absatz 2 Satz 3 bezeichneten Stellen zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten niedergelegt.

 

§ 3 Schutzzweck

 

Schutzzweck des Naturschutzgebietes ist:

 

1.            die Erhaltung und Förderung
a) des natürlichen Bachlaufes des Schwarzbaches mit seinen Steilufern, Prall- und Gleithängen und einem extensiv genutzten Gewässerrandstreifen,
b) des bachbegleitenden Silberweiden-Erlenwaldes mit seinen vorgelagerten Gebüschen und Hochstaudenfluren,
c) der Auewiesen und Auewälder,
d) der Quellbereiche, Wiesen, Halbtrockenrasen, Gebüsche, Gehölze und Obstbäume des Hanges »Ober dem Schwarzig«,
als vernetzte Lebensräume der auf Bachufer, Feuchtgebiete, Wiesen, Hochstaudenfluren, Hecken und Wälder angewiesenen Tier- und Pflanzenarten;

2.            die Beruhigung der Lebensräume besonders störempfindlicher und stark gefährdeter Vogelarten;

3.            die Erhaltung und Förderung der hydrologischen Funktion der Aue;

4.            die Erhaltung eines bedeutsamen und typischen Landschaftsbildes.

 

§ 4 Verbote

 

(1) In dem Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung oder Veränderung im Schutzgebiet oder seines Naturhaushalts oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen oder führen können, insbesondere die in den Absätzen 2 bis 6 genannten Handlungen.

 

(2) Zum Schutz von Tieren und Pflanzen ist es verboten:

1.            Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

2.            Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut-, Wohn- oder Zufluchtstätten dieser Tiere zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

3.            Hunde frei laufen zu lassen.

 

(3) Verboten ist es, bauliche Maßnahmen durchzuführen und vergleichbare Eingriffe vorzunehmen, wie:

1.            bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen;

2.            Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

3.            fließende oder stehende Gewässer anzulegen, zu beseitigen oder zu verändern sowie Entwässerungs- oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt verändern;

4.            Plakate, Bild- oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen, mit Ausnahme behördlich zugelassener Beschilderungen.

 

(4) Bei der Nutzung der Grundstücke ist es verboten:

1.            die Bodengestalt zu verändern, insbesondere durch Auffüllungen oder Abgrabungen;

2.            die Art der bisherigen Grundstücksnutzung entgegen dem Schutzzweck zu ändern;

3.            neu aufzuforsten oder Christbaum- und Schmuckreisigkulturen und Vorratspflanzungen von Sträuchern und Bäumen anzulegen;

4.            Dauergrünland oder Dauerbrache umzubrechen;

5.            Pflanzenschutzmittel oder Düngemittel zu verwenden;

6.            den Gewässerrandstreifen ackerbaulich zu nutzen;

7.            Koppeln oder Pferche zu betreiben.

 

(5) Insbesondere bei Erholung, Freizeit und Sport ist es verboten:

1.            die Wege in der Zeit vom 15. März bis 15. August zu verlassen;

2.            die Wege zu befahren; zulässig sind Fahrräder auf Wegen über zwei Meter Breite und Krankenfahrstühle;

3.            zu reiten, außer auf besonders ausgewiesenen Wegen;

4.            zu zelten, Wohnwagen oder Verkaufsstände aufzustellen oder Kraftfahrzeuge abzustellen;

5.            Luftfahrzeuge, insbesondere Luftsportgeräte und Flugmodelle zu starten und zu landen;

6.            die Wasserflächen des Schwarzbaches zu nutzen, zulässig bleibt das Befahren mit nicht motorbetriebenen Wasserfahrzeugen in der Zeit vom 15. August bis 15. März.

 

(6) Weiter ist es verboten:

1.            Abfälle oder sonstige Gegenstände zu hinterlassen oder zu lagen;

2.            Feuer anzumachen oder zu unterhalten;

3.            Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen.

 

§ 5 Zulässige Handlungen

 

(1) Die Verbote des § 4 gelten nicht für die:

1.            ordnungsgemäße landwirtschaftliche Bodennutzung in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang mit der Maßgabe, daß
a) die Bodengestalt nicht verändert wird;
b) durch Entwässerungs- oder andere Maßnahmen der Wasserhaushalt nicht verändert wird;
c) Dauergrünland oder Dauerbrache nicht umgebrochen wird;
d) Pflanzenschutzmittel nur auf Ackerflächen unter Beachtung der Pflanzenschutzanwendungsverordnung verwendet werden; die punktuelle Ampferbekämpfung auf Grünlandflächen bleibt zulässig;
e) Bäume, Hecken, Gebüsche sowie Böschungen nicht beseitigt oder zerstört werden;
f) angestrebt wird, die ackerbauliche Nutzung im Gewässerrandstreifen in Dauergrünlandnutzung zu überführen; hierzu sollen Extensivierungsverträge abgeschlossen werden; die ackerbauliche Nutzung kann von der höheren Naturschutzbehörde durch Einzelanordnung ausgeschlossen werden; in diesem Fall ist Entschädigung in Anlehnung an § 47 NatSchG zu gewähren;
g) Wiesen nicht nach dem 1. Mai eines Jahres gedüngt werden und der erste Schnitt nicht vor der Hochblüte des Glatthafers erfolgt; Ausnahmen hiervon kann die höhere Naturschutzbehörde im Einvernehmen mit der Landwirtschaftsverwaltung zulassen;
h) die Koppelhaltung und das Pferchen unterbleiben; zulässig bleibt das Pferchen von Schafen auf Ackerflächen;
das Recht, die landwirtschaftliche Nutzung wieder aufzunehmen, die auf Grund vertraglicher Wirtschaftsbeschränkungen oder der Teilnahme an einem Extensivierungs- oder Stillegungsprogramm zeitweise eingeschränkt oder aufgegeben war, bleibt unberührt;

2.            ordnungsgemäße Ausführung der forstwirtschaftlichen Bodennutzung in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang mit der Maßgabe, daß nur standortheimische Gehölze gepflanzt werden;

3.            ordnungsgemäße Ausübung der Jagd mit der Maßgabe, daß
a) Hochsitze nur landschaftsgerecht, aus naturbelassenen Rundhölzern und außerhalb von trittempfindlichen Bereichen errichtet werden;
b) keine Wildäcker und Wildfütterungsstellen eingerichtet und Kirrungen nicht im Gewässerrandstreifen und im Bereich von Quellen erfolgen;

4.            ordnungsgemäße Ausübung der Fischerei mit der Maßgabe, daß im Schwarzbach zwischen Eisenbahnbrücke (östl. Schutzgebietsgrenze) und der ehemaligen Neubaumündung auf einer Strecke von ca. 500 m die Fischerei vom 15. März bis 15. August ruht; innerhalb dieser Strecke ist die Fischerei von zwei Uferstellen aus zulässig (siehe Detailkarte);

5.            Hochwasserschutzmaßnahmen, die im Einvernehmen mit der höheren Naturschutzbehörde festgestellt werden;

6.            behördlich angeordneten oder zugelassenen Schutz- und Pflegemaßnahmen.

 

(2) Unberührt bleibt auch die sonstige bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke und Gewässer sowie der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung.

 

§ 6 Befreiungen

 

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann nach § 63 NatSchG Befreiung erteilt werden.

 

§ 7 Ordnungswidrigkeiten

 

Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer vorsätzlich oder fahrlässig nach § 4 dieser Verordnung verbotene Handlungen vornimmt.

 

§ 8 Inkrafttreten

 

Diese Verordnung tritt am Tage nach Ablauf der Auslegungsfrist in Kraft.

 

Karlsruhe, den 30. Juli 1997

Hämmerle