2.210 Mauermer und Bammentaler Elsenztal

 

Verordnung des Regierungspräsidiums Karlsruhe über das Naturschutzgebiet »Mauermer und Bammentaler Elsenztal (Gemeinden Bammental, Mauer und Meckesheim, Rhein-Neckar-Kreis) vom 12.Dezember 1997 (GBl. v. 13.02.1998, S. 41).

 

Auf Grund von § § 21, 58 Abs. 2 des Naturschutzgesetzes (NatSchG) in der Fassung vom 29. März 1995 (GBI. S. 385) wird verordnet:

 

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

 

Die in § 2 näher bezeichneten Flächen auf dem Gebiet der Gemeinden Bammental, Mauer und Meckesheim werden zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung »Mauermer und Bammentaler Elsenztal«.

 

§ 2 Schutzgegenstand

 

(1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von rund 163 ha. Kernstück ist die Talweitung des Elsenztals zwischen Mauer im Süden und dem Bammentaler Ortsteil Reilsheim im Norden. Die Kernzone (siehe Karte A) mit etwa 37 ha umfaßt folgende Gewanne: »Altes Bruch«, »Neubruch«, »Kohlacker« und »Spitzwiesen« (Gemarkung Bammental) und »Im wüsten Bruch«, »Bruch« und »Bruchrainwiesen« (Gemarkung Mauer).

 

·               Auf der Gemarkung Mauer sind darüber hinaus Teile des »Storchenbaumwaldes« sowie die Wiesenflächen der Gewanne »Petersberg« und »Brunnenwiesen« Bestandteil des Schutzgebietes. Die zur Gemeinde Meckesheim gehörende Wiese im Gewann »Mauerer Straße« nördlich der Kläranlage ist ebenfalls in das Schutzgebiet integriert; die südliche Elsenzquerung der Ortsumgehung Mauer der B 45 ist die Südgrenze.

·               Auf der Gemarkung Bammental umfaßt das Schutzgebiet neben der Talaue die Streuobstwiesen der westlichen Talflanke. Im Norden - südlich Reilsheim - endet das Schutzgebiet mit der Nordgrenze der Gewanne »Harlache«, »Altes Bruch«, »Neubruch«, »Untere Ölwiesen« und »Lachenwiesen«. Rechts der Elsenz ist auf der Bammentaler Gemarkung das Gewann »Ober der Wasserung« ebenfalls Teil des Schutzgebietes.

 

(2) Die Grenzen des Naturschutzgebietes sind in Übersichtskarten im Maßstab 1:25000 und 1:5000 (Karte A einschließlich Kernzone) mit durchgezogener roter Linie sowie in sieben Detailkarten im Maßstab 1:2500 mit durchgezogener roter, grau angeschummerter Linie eingetragen. Die Karten sind Bestandteil dieser Verordnung. Die Verordnung mit Karten wird beim Regierungspräsidium Karlsruhe und beim Landratsamt Rhein-Neckar-Kreis in Heidelberg auf die Dauer von zwei Wochen, beginnend am Tag nach Verkündung dieser Verordnung im Gesetzblatt, zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt.

 

(3) Die Verordnung mit Karten ist nach Ablauf der Auslegungsfrist bei den in Absatz 2 Satz 3 bezeichneten Stellen zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten niedergelegt.

 

§ 3 Schutzzweck

 

Schutzzweck des Naturschutzgebietes ist:

1.            die Erhaltung und Förderung
a) des natürlichen Bachlaufes der Elsenz mit ihren Steilufern, Prall- und Gleithängen und einem extensiv genutzten Gewässerrandstreifen,
b) des bachbegleitenden Silberweiden-Erlenwaldes mit seinen vorgelagerten Gebüschen und Hochstaudenfluren,
c) der besonders trittempfindlichen und von stark gefährdeten Vögeln besiedelten Naßwiesen, Seggenriede und Röhrichte,
d) der übrigen Auewiesen und -wälder,
e) der Wiesen, Halbtrockenrasen, Gebüsche, Gehölze und Obstbäume der Talflanken,
f) der Altholzbestände im »Storchenbaumwald«
als vernetzte Lebensräume der auf Bachufer, Feuchtgebiete, Wiesen, Hochstaudenfluren, Hecken und Wälder angewiesenen Tier- und Pflanzenarten;

2.            die Beruhigung der Lebensräume besonders störempfindlicher und stark gefährdeter Vogelarten;

3.            die Erhaltung und Förderung der hydrologischen Funktion der Aue;

4.            die Erhaltung eines bedeutsamen und typischen Landschaftsbildes.

 

§ 4 Verbote

 

(1) In dem Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung, Veränderung oder nachhaltigen Störung im Schutzgebiet oder seines Naturhaushalts oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen oder führen können. Insbesondere sind die in den Absätzen 2 bis 6 genannten Handlungen verboten.

 

(2) Zum Schutz von Tieren und Pflanzen ist es verboten:

1.            Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

2.            Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut-, Wohn- oder Zufluchtstätten dieser Tiere zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

3.            Hunde frei laufen zu lassen.

 

(3) Verboten ist es, bauliche Maßnahmen durchzuführen und vergleichbare Eingriffe vorzunehmen, wie:

1.            bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen;

2.            Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

3.            fließende oder stehende Gewässer anzulegen, zu beseitigen oder zu verändern sowie Entwässerungs- oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt verändern;

4.            Plakate, Bild- oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen, mit Ausnahme behördlich zugelassener Beschilderungen.

 

(4) Bei der Nutzung der Grundstücke ist es verboten:

1.            die Bodengestalt zu verändern, insbesondere durch Auffüllungen oder Abgrabungen;

2.            die Art der bisherigen Grundstücksnutzung entgegen dem Schutzzweck zu ändern;

3.            neu aufzuforsten oder Christbaum- und Schmuckreisigkulturen und Vorratspflanzungen von Sträuchern und Bäumen anzulegen;

4.            Dauergrünland oder Dauerbrache umzubrechen;

5.            Pflanzenschutzmittel oder Düngemittel zu verwenden;

6.            Koppeln oder Pferche zu betreiben;

7.            den Gewässerrandstreifen ackerbaulich zu nutzen.

 

(5) Insbesondere bei Erholung, Freizeit und Sport ist es verboten:

1.            die befestigten Wege in der Kernzone (§ 2 Abs.1) zu verlassen;

2.            das Gebiet außerhalb befestigter Wege zu befahren; zulässig sind Fahrräder auf Wegen über zwei Meter Breite und Krankenfahrstühle;

3.            zu reiten, außer auf besonders ausgewiesenen Wegen;

4.            zu zelten, zu lagern, Wohnwagen oder Verkaufsstände aufzustellen oder Kraftfahrzeuge abzustellen;

5.            Luftfahrzeuge aller Art zu betreiben, insbesondere das Starten und Landen von Luftsportgeräten und FreibalIonen sowie das Aufsteigen von Flugmodellen, zulässig sind unmotorisierte Luftsportgeräte in den Gewannen Erster Winkel, Breitwiesen, Im Brühl, Petersburg und Brunnenwiesen der Gemarkung Mauer;

6.            die Elsenz mit motorbetriebenen Wasserfahrzeugen oder nicht motorbetriebenen Wasserfahrzeugen gewerblich zu nutzen.

 

(6) Weiter ist es verboten:

1.            Abfälle oder sonstige Gegenstände zu hinterlassen oder zu lagern;

2.            Feuer anzumachen oder zu unterhalten;

3.            Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen.

 

§ 5 Zulässige Handlungen

 

(1) Die Verbote des § 4 gelten nicht für die:

1.            ordnungsgemäße landwirtschaftliche Bodennutzung in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang mit der Maßgabe, daß
a) die Bodengestalt nicht verändert wird;
b) durch Entwässerungs- oder andere Maßnahmen der Wasserhaushalt nicht verändert wird;
c) Dauergrünland oder Dauerbrache nicht umgebrochen wird;
d) Pflanzenschutzmittel nur auf Ackerflächen verwendet werden, auf Wiesen bleibt die punktuelle Bekämpfung des Ampfers zulässig;
e) Bäume, Hecken, Gebüsche sowie Böschungen nicht beseitigt oder zerstört werden;
f) angestrebt wird, die ackerbauliche Nutzung im Gewässerrandstreifen in Dauergrünlandnutzung zu überführen; hierzu sollen Extensivierungsverträge abgeschlossen werden; die ackerbauliche Nutzung kann von der höheren Naturschutzbehörde durch Einzelanordnung ausgeschlossen werden; in diesem Fall ist Entschädigung in Anlehnung an § 47 NatSchG zu gewähren;
g) in der Kernzone (§ 2 Abs. 1) Pferchen und Koppelhaltung unterbleiben, wobei die Koppelhaltung von Schafen ohne Zusatzfütterung vom 1. Juni bis 31. Dezember zulässig bleibt; die Düngung nicht zwischen dem 15. März und 1. Juni erfolgt und die Wiesenmahd nicht vor der Hochblüte des Glatthafers zulässig ist;
h) in dem übrigen Gebiet Pferchen und Koppelhaltung unterbleiben, wobei die Koppelhaltung von Schafen und Rindern ohne Zusatzfütterung ganzjährig zulässig bleibt;
das Recht, die landwirtschaftliche Nutzung wieder aufzunehmen, die auf Grund vertraglicher Bewirtschaftungsbeschränkungen oder der Teilnahme an einem Extensivierungs- oder Stillegungsprogramm zeitweise eingeschränkt oder aufgegeben war, bleibt unberührt;

2.            ordnungsgemäße Ausübung der forstwirtschaftlichen Bodennutzung in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang mit der Maßgabe, daß
- nur standortheimische Gehölze gepflanzt werden;
- der Schutzzweck, insbesondere der langfristige Erhalt der Altholzbestände, bei der Forsteinrichtung im »Storchenbaumwald« berücksichtigt wird;

3.            ordnungsgemäße Ausübung der Jagd mit der Maßgabe, daß
a) Hochsitze nur landschaftsgerecht, aus naturbelassenen Hölzern und außerhalb von trittempfindlichen Bereichen errichtet werden;
b) keine Wildäcker und Wildfütterungsstellen eingerichtet und Kirrungen nicht im Gewässerrandstreifen und nicht in der Kernzone (§ 2 Abs. 1) erfolgen;

4.            ordnungsgemäße Ausübung der Fischerei in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang;

5.            Hochwasserschutzmaßnahmen;

6.            behördlich angeordneten und zugelassenen Schutz- und Pflegemaßnahmen;

7.            für die Anbindung der Industriestraße Bammental an die B 45 (neu).

 

(2) Unberührt bleibt auch die sonstige bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke und Gewässer sowie der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung.

 

§ 6 Befreiung

 

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann nach § 63 NatSchG Befreiung erteilt werden.

 

§ 7 Ordnungswidrigkeiten

 

Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer vorsätzlich oder fahrlässig nach § 4 dieser Verordnung verbotene Handlungen vornimmt.

 

§ 8 Inkrafttreten

 

Diese Verordnung tritt am Tage nach Ablauf der Auslegungsfrist in Kraft.

 

Karlsruhe, den 12. Dezember 1997

Hämmerle