2.216 Stollhofener Platte

 

Verordnung des Regierungspräsidiums Karlsruhe über das Naturschutzgebiet "Stollhofener Platte" (Gemeinde Rheinmünster, Landkreis Rastatt) vom 21. Dez.1998 (GBl. v. 17.02.1999, S. 69).

 

Auf Grund der §§ 21 und 58 Abs. 2 des Naturschutzgesetzes (NatSchG) in der Fassung vom 29. März 1995 (GBI. S. 385) wird verordnet:

 

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

 

Die in § 2 näher bezeichneten Flächen auf dem Gebiet der Gemeinde Rheinmünster, Gemarkungen Söllingen und Stollhofen, werden zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung "Stollhofener Platte".

 

§ 2 Schutzgegenstand

 

(1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von rund 207 ha. Es umfasst Flächen südwestlich, südlich und südöstlich des Flughafens Karlsruhe/Baden-Baden. Es wird im wesentlichen begrenzt im Westen entlang der Gewanne Viehweg, Jägerstück, Wolfackerfeld und Giereneck, im Süden und Osten entlang der K 3761 mit Ausnahme des Gewanns Wirbelfeld und weiter im Norden entlang der ehemaligen Zufahrtsstraße zum Schiftunger Tor. Von dort verläuft die Grenze am Rande des südlichen Dispersals und des inneren Flugplatzzaunes.

 

(2) Die Grenzen des Naturschutzgebietes sind in einer Übersichtskarte im Maßstab 1:25000 flächig rot sowie in einer Detailkarte im Maßstab 1:5000 mit durchgezogener roter Linie eingetragen. Die Karten sind Bestandteil dieser Verordnung. Die Verordnung mit Karten wird beim Regierungspräsidium Karlsruhe und beim Landratsamt Rastatt auf die Dauer von zwei Wochen, beginnend am Tag nach Verkündung dieser Verordnung im Gesetzblatt, zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt.

 

(3) Die Verordnung mit Karten ist nach Ablauf der Auslegungsfrist bei den in Absatz 2 Satz 3 bezeichneten Stellen zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten niedergelegt.

 

§ 3 Schutzzweck

 

Schutzzweck des Naturschutzgebietes ist die Erhaltung und Förderung eines großflächigen Biotopkomplexes auf der Niederterrasse, der aufgrund einer über Jahrzehnte sehr extensiven Nutzung eines militärischen Sperrgebiets entstanden ist. Dazu gehören:

1.            die landesweit in ihrer Größe und Qualität einzigartigen Grünland- und Trockenrasen-Biotoptypen unterschiedlicher Ausprägungen wie Silbergrasfluren, Sandrasen und Straußgraswiesen sowie Heidekrautbestände;

2.            die von diesen Offenlandbiotopen hochgradig abhängige und darauf spezialisierte Flora und Fauna mit der landesweit höchsten Anzahl der in Sandgebieten vorkommenden Stechimmenarten sowie einem einzigartigen Vorkommen von Großschmetterlingen und vieler anderer gefährdeter Insektenarten;

3.            die im Wald liegenden Trockenrasen, Heidekrautflächen und Sukzessionsflächen, insbesondere als Lebensraum für teilweise vom Aussterben bedrohte Vogelarten.

 

§ 4 Verbote

 

(1) In dem Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung, Veränderung oder nachhaltigen Störung im Schutzgebiet oder seines Naturhaushalts oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen oder führen können. Insbesondere sind die in den Absätzen 2 bis 6 genannten Handlungen verboten.

 

(2) Zum Schutz von Tieren und Pflanzen ist es verboten:

1.            Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

2.            Standorte besonders geschützter Pflanzen durch Aufsuchen, Fotografieren, Filmen oder ähnliche Handlungen zu beeinträchtigen oder zu zerstören;

3.            Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder die Brut-, Wohn- oder Zufluchtstätten dieser Tiere zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

4.            wildlebende Tiere an ihren Nist-, Brut-, Wohn- oder Zufluchtstätten durch Aufsuchen, Fotografieren, Filmen oder ähnliche Handlungen zu stören;

5.            Hunde frei laufen zu lassen.

 

(3) Verboten ist es, bauliche Maßnahmen durchzuführen und vergleichbare Eingriffe vorzunehmen, wie:

1.            bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen;

2.            Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

3.            fließende oder stehende Gewässer anzulegen, zu beseitigen oder zu verändern sowie Entwässerungs- oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt verändern;

4.            Plakate, Bild- oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen, mit Ausnahme behördlich zugelassener Beschilderungen.

 

(4) Bei der Nutzung der Grundstücke ist es verboten:

1.            die Bodengestalt zu verändern, insbesondere durch Auffüllungen oder Abgrabungen;

2.            die Art der bisherigen Grundstücksnutzung zu ändern;

3.            Dauergrünland oder Dauerbrache umzubrechen;

4.            Pflanzenschutzmittel oder Düngemittel zu verwenden;

5.            neu aufzuforsten oder Christbaum- und Schmuckreisigkulturen und Vorratspflanzungen von Sträuchern und Bäumen anzulegen.

 

(5) Insbesondere bei Erholung, Freizeit und Sport ist es verboten:

1.            die Wege zu verlassen;

2.            die Wege zu befahren; zulässig sind Fahrräder auf Wegen über zwei Meter Breite und Krankenfahrstühle;

3.            außerhalb der besonders ausgewiesenen Wege zu reiten;

4.            zu zelten, zu lagern, Wohnwagen oder Verkaufsstände aufzustellen oder Kraftfahrzeuge abzustellen;

5.            organisierte Veranstaltungen durchzuführen.

 

(6) Weiter ist es verboten:

1.            Abfälle oder sonstige Gegenstände zu hinterlassen oder zu lagern;

2.            außerhalb amtlich gekennzeichneter Feuerstellen Feuer zu machen oder zu unterhalten;

3.            Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen.

 

§ 5 Zulässige Handlungen

 

(1) Abweichend von § 4 ist es zulässig, die forstwirtschaftliche Bodennutzung auszuüben, wenn sie in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang und ordnungsgemäß im Sinne des Naturschutzgesetzes erfolgt. Voraussetzung ist weiter, daß die gesetzlich geschützten Biotope im Wald erhalten bleiben.

 

(2) Abweichend von § 4 ist e s zulässig, die Jagd auszuüben, wenn sie ordnungsgemäß im Sinne des Naturschutzgesetzes erfolgt. Voraussetzung ist weiter, daß:

1.            Hochsitze nur außerhalb von trittempfindlichen Bereichen und nur landschaftsgerecht aus naturbelassen Hölzern errichtet werden;

2.            keine Wildäcker oder Futterstellen angelegt werden;

3.            für die natürliche Wiederverjüngung der vorkommenden Waldgesellschaften angepaßte Wildbestände angestrebt werden;

 

(3) Unberührt bleiben auch die sonstige bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke und Gewässer, der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang und deren Unterhaltung und Instandsetzung sowie von der höheren Naturschutzbehörde zugelassene Schutz- und Pflegemaßnahmen.

 

§ 6 Besondere Vorschriften für den Flughafen Karlsruhe/Baden-Baden

 

(1) Der Betrieb des Flughafens Karlsruhe/Baden-Baden ist zu gewährleisten. Dies gilt insbesondere für Maßnahmen zur Sicherheit des Flugbetriebs sowie für Unterhaltungs- und Instandsetzungsmaßnahmen. § 4 dieser Verordnung ist insoweit nicht anzuwenden.

 

(2) Die nach Absatz 1 erforderlichen Maßnahmen sind unter größtmöglicher Beachtung des Schutzzwecks durchzuführen. Sie sind der höheren Naturschutzbehörde rechtzeitig vorher anzuzeigen, soweit sie nicht nach anderen gesetzlichen Vorschriften einer Gestattung bedürfen. Der Biotopschutz nach § 24a NatSchG bleibt unberührt.

 

§ 7 Befreiungen

 

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann die höhere Naturschutzbehörde nach § 63 NatSchG Befreiung erteilen.

 

§ 8 Ordnungswidrigkeiten

 

Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer vorsätzlich oder fahrlässig im Naturschutzgebiet nach §§ 4 oder 5 dieser Verordnung verbotene Handlungen vornimmt.

 

§ 9 Inkrafttreten

 

Diese Verordnung tritt am Tage nach Ablauf der Auslegungsfrist in Kraft.

 

Karlsruhe , den 21.Dez.1998

Regierungspräsidium Karlsruhe

G. Hämmerle