3.048 Lindenberg-Spießenberg

Verordnung des Regierungspräsidiums Freiburg über das Naturschutzgebiet »Lindenberg - Spießenberg« vom 11. Oktober 1995 (GBl. v. 29.02.1996, S. 141).

Auf Grund von §§ 21, 58 Abs. 2 und 64 Abs. 1 Nr. 2 des Naturschutzgesetzes (NatSchG) in der Fassung vom 29. März 1995 (GBI. S. 385) wird verordnet:

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

Die in § 2 näher bezeichneten Flächen auf dem Gebiet der Stadt Stühlingen, Landkreis Waldshut, wird zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung »Lindenberg - Spießenberg«.

§ 2 Schutzgegenstand

 (1) Das Naturschutzgebiet, in einem Waldstück etwa 2 km südwestlich von Stühlingen - Schwaningen gelegen, hat eine Größe von rund 84 ha und umfaßt Teile der Hochfläche im Gewann »Lindenberg« beiderseits des Lindenbergweges sowie im Südwesten in den Gewannen »Wangener Gäßle« und »Dornhau« den Talschluß des Weilerbachtales. Nach dem Stand vom 12. Juni 1992 werden auf Gemarkung Schwaningen, Stadt Stühlingen die Grundstücke Flst. Nrn. 824, 830 bis 834, 865, 866/2, 866/ 3, 867/1, 868/1, 869/1, 871/1 und Teile der Grundstücke Flst.Nrn. 840, 883, auf Gemarkung Stühlingen, Stadt Stühlingen Teile der Grundstücke Flst. Nrn. 1883, 1915/1, sowie auf Gemarkung Unterwangen, Stadt Stühlingen die Grundstücke Flst.Nrn. 583 bis 588 umfaßt.

 (2) Die Grenzen des Schutzgebietes sind in einer Übersichtskarte im Maßstab 1:25000 und in einer Karte im Maßstab 1:5000 Stand jeweils 27. Juli 1992, rot eingetragen. Die Karten sind Bestandteil der Verordnung. Die Verordnung mit Karten wird beim Regierungspräsidium Freiburg in Freiburg i. Br. und beim Landratsamt Waldshut in Waldshut auf die Dauer von drei Wochen, beginnend am achten Tag nach Verkündung dieser Verordnung im Gesetzblatt, zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt.

 (3) Die Verordnung mit Karten ist nach Ablauf der Auslegungsfrist bei den in Absatz 2 Satz 3 bezeichneten Stellen zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten niedergelegt.

§ 3 Schutzzweck

a)      Wesentlicher Schutzzweck ist die Erhaltung und Entwicklung

b)      der für den Naturraum bezeichnenden orchideenreichen Nadelwälder auf der Hochfläche,

c)      der Kalkbuchenwälder an den Hängen,

d)     der in den Wäldern eingestreuten kleinflächigen Lichtungen mit Saumgesellschaften

e)      als Lebensraum einer vielfältigen Tier - und Pflanzenwelt mit seltenen und gefährdeten Arten.

§ 4 Verbote

 (1) In dem Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des Schutzgebietes oder seiner Bestandteile, zu einer nachhaltigen Störung oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen können.

 (2) Insbesondere ist verboten:

1.           bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils geltenden Fassung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen;

2.           Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

3.           die Bodengestalt zu verändern;

4.           Entwässerungs- oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt des Gebietes verändern;

5.           Abfälle oder sonstige Gegenstände zu lagern;

6.           Plakate, Bild - oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen;

7.           Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

8.           Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut- , Wohn - oder Zufluchtstätten dieser Tiere zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

9.           die Art der bisherigen Grundstücksnutzung zu ändern;

10.       zu zelten, zu lagern, Wohnwagen, sonstige Fahrzeuge oder Verkaufsstände aufzustellen oder motorgetriebene Schlitten zu benutzen;

11.       außerhalb von eingerichteten und gekennzeichneten Feuerstellen Feuer anzumachen;

12.       ohne zwingenden Grund Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen;

13.       das Schutzgebiet außerhalb der Wege zu betreten;

14.       auf Wegen unter 2 in Breite Fahrrad zu fahren.

§ 5 Zulässige Handlungen

 (1) § 4 gilt nicht:

1.           für die ordnungsgemäße Ausübung der Jagd mit der Maßgabe, daß die Anlage jagdlicher Einrichtungen, insbesondere die Wahl der Standorte nur im Einvernehmen mit der höheren Naturschutzbehörde zulässig ist;

2.           für die ordnungsgemäße forstwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang mit der Maßgabe, daß
a) auf die Standorte und Wohnstätten von Pflanzen und Tieren, insbesondere gefährdeter und geschützter Arten, größtmögliche Rücksicht zu nehmen ist;
b) nur heimische, standortgerechte Baumarten Verwendung finden, wobei auf der Hochebene Wälder mit vorherrschenden Nadelbäumen und im Weilerbachtal Buchenwälder unter Beteiligung von Baumarten der Schluchtwälder erhalten bleiben sollen;
c) strukturreiche, altersmäßig breit gestaffelte Wälder mit einem überdurchschnittlichen Altholzanteil anzustreben sind;
d) notwendige Kahlhiebe im Gewann »Dornhau« eine Fläche von 1,0 ha, im übrigen von 0,5 ha nicht überschreiten dürfen, wobei angrenzende Kulturen bis zum Stadium des Kronenschlusses anzurechnen sind;
e) der Einsatz von Herbiziden und Düngemitteln verboten ist und die Anwendung von Insektiziden nur in Notsituationen im Einvernehmen mit der höheren Naturschutzbehörde zulässig ist;

3.           für die sonstige bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke, Gewässer, Straßen und Wege sowie der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung;

4.           für die Pflegemaßnahmen, die von der höheren Naturschutzbehörde oder der von ihr beauftragten Stelle angeordnet werden;

5.           für behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen.

 (2) Auf den in der Karte im Maßstab 1 : 5 000 als »Lindenbergweg« und »Spießenberghauptweg« bezeichneten Wegen ist das Reiten zulässig.

§ 6 Befreiungen

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann nach § 63 NatSchG Befreiung erteilt werden.

§ 7 Ordnungswidrigkeiten

 (1) Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig eine der nach § 4 und § 5 Abs. 1 Nr. 2 dieser Verordnung verbotenen Handlungen vornimmt.

 (2) Ordnungswidrig im Sinne von § 33 Abs. 2 Nr. 4 LJagdG handelt, wer in dem Naturschutzgebiet entgegen § 4 in Verbindung mit § 5 Nr. 1 dieser Verordnung die Jagd ausübt.

§ 8 Inkrafttreten

Diese Verordnung tritt am Tage nach Ablauf der Auslegungsfrist in Kraft. Gleichzeitig tritt die vom Landeskulturamt Freiburg am 10. März 1954 getroffene Anordnung über das Naturschutzgebiet Lindenberg, Gemarkung Schwaningen, Landkreis Waldshut außer Kraft.

FREIBURG I. BR., den 11. Oktober 1995

DR.SCHROEDER