3.096 Ohrberg

Verordnung des Regierungspräsidiums Freiburg als höhere Naturschutzbehörde über das Naturschutzgebiet »Ohrberg« vom 16. Dezember 1976 (GBl. v. 29.12.1976, S. 640).

Auf Grund von §§ 21, 58 Abs. 2 und 4 und § 64 A bs. 1 Nr. 2 des Naturschutzgesetzes (NatSchG) vom 21. Oktober 1975 (Ges.Bl. S. 654) wird verordnet:

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

Die in § 2 näher bezeichnete Fläche auf dem Gebiet der Gemeinde Oberrotweil, Ortsteil Schelingen, Landkreis Breisgau - Hochschwarzwald, wird zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung Naturschutzgebiet »Ohrberg«.

§ 2 Schutzgegenstand

 (1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von ca. 9,6 ha. Es umfaßt von der Gemarkung Oberrotweil, Ortsteil Schelingen, die Grundstücke Lgb. Nr. 156 bis 175 und 2229 sowie Teile der Grundstücke Lgb. Nr. 234 bis 241, 24111, 242 bis 245, 2231, 2232 und 2234.

 (2) Die Grenzen des Naturschutzgebietes sind in einer Karte im Maßstab 1:25000 und in einer Flurkarte im Maßstab 1:5000 rot eingetragen. Die Verordnung mit Karten wird bei der höheren Naturschutzbehörde in Freiburg verwahrt; eine Ausfertigung befindet sich bei der unteren Naturschutzbehörde in Freiburg. Die Verordnung mit Karten kann während der üblichen Sprechzeiten eingesehen werden.

§ 3 Schutzzweck

Wesentlicher Schutzzweck ist die Erhaltung des Ohrbergs, insbesondere seiner Südwest- , Süd - und Südosthänge mit ihren als Studien - und Forschungsobjekt international bedeutsamen geologischen Aufschlüssen und ihren artenreichen Gesellschaften seltener zum Teil vom Aussterben bedrohter Pflanzen - und Tierarten.

§ 4 Verbote

 (1) In dem Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung oder Veränderung im Schutzgebiet oder seines Naturhaushalts oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen oder führen können.

 (2) Insbesondere ist verboten:

1.           bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen;

1.           Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

2.           Steine oder andere Bodenbestandteile abzubauen oder die Bodengestalt auf andere Weise zu verändern;

3.           Maßnahmen durchzuführen, die den Wasserhaushalt des Gebiets verändern;

4.           Abfälle oder sonstige Gegenstände zu lagern oder abzulagern;

5.           Plakate, Bild - oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen;

6.           Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

7.           zu düngen;

8.           chemische Mittel zur Bekämpfung von Schadorganismen oder Pflanzenkrankheiten auszubringen;

9.           Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut- , Wohn - oder Zufluchtstätten dieser Tiere zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

10.       die Grundstücksnutzung zu ändern oder zu intensivieren;

11.       zu zelten, zu lagern, Wohnwagen, sonstige Fahrzeuge oder Verkaufsstände aufzustellen;

12.       in der Zeit vom 1. März bis 31. Oktober die Wiesenflächen zu betreten;

13.       Feuer anzumachen;

14.       ohne zwingenden Grund Lärm oder sonstige störende Immissionen zu verursachen.

§ 5 Zulässige Handlungen

§ 4 gilt nicht:

1.           für die ordnungsmäßige Ausübung der Jagd;

2.           für die ordnungsgemäße land - und forstwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang mit der Maßgabe, daß
a) kein Dünger und keine chemischen Mittel zur Bekämpfung von Schadorganismen und Pflanzenkrankheiten ausgebracht werden dürfen;
b) die Baumartenzusammensetzung des Waldes nicht verändert und der Baumbestand nur einzelstammweise genutzt werden darf;

3.           für Pflegemaßnahmen, die von der höheren Naturschutzbehörde oder der von ihr beauftragten Stelle angeordnet werden;

4.           für behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen;

5.           für notwendige Handlungen im Rahmen einer amtlichen oder ehrenamtlichen Überwachungstätigkeit.

§ 6 Befreiungen

 (1) Von den Verboten des § 4 kann die höhere Naturschutzbehörde im Einzelfall auf Antrag Befreiung erteilen, wenn

1.           überwiegende öffentliche Belange die Befreiung erfordern oder

2.           der Vollzug der Bestimmung zu einer offenbar nicht beabsichtigten Härte führen würde und die Abweichung mit den öffentlichen Belangen vereinbar ist.

 (2) Die Befreiung kann unter Auflagen oder Bedingungen sowie widerruflich oder befristet erteilt werden. Zur Sicherstellung der Erfüllung von Auflagen kann Sicherheitsleistung verlangt werden.

§ 7 Schutz - und Pflegemaßnahmen

Zum Schutz, zur Erhaltung und zur Pflege des Naturschutzgebiets ist es insbesondere erforderlich:

1.           die Wiesen mindestens alle zwei Jahre, höchstens jedoch einmal im Jahr jeweils im Spätsommer oder Herbst zu mähen und das Mähgut aus dem Naturschutzgebiet zu entfernen;

2.           die geologischen Aufschlüsse von sichtbehinderndem Bewuchs freizuhalten.

§ 8 Ordnungswidrigkeiten

Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig eine nach § 4 dieser Verordnung verbotene Handlung vornimmt.

§ 9 Inkrafttreten

Diese Verordnung tritt am Tage nach ihrer Verkündung in Kraft.

FREIBURG i. Br., den 16. Dezember 1976

DR. PERSON