3.102 Weitenried

Verordnung des Regierungspräsidiums Freiburg als höhere Naturschutzbehörde über las Naturschutzgebiet »Weitenried« vom 7. Juni 1978 (GBl. v. 31.07.1978, S. 382).

Auf Grund der §§ 21, 58 Abs. 2 und 4 sowie 64 Abs. 1 Nr. 2 des Naturschutzgesetzes vom 21. Oktober 1975 (GBI. S. 654), geändert durch das Landeswaldgesetz vom 10 Februar 1976 (GBI. S. 99), wird verordnet:

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

Die in § 2 näher bezeichnete Fläche auf dem Gebiet der Stadt Singen, Stadtteil Beuren a. d. Aach sowie der Gemeinden Steißlingen und Volkertshausen, Landkreis Konstanz, werden zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung »Weitenried«.

§ 2 Schutzgegenstand

 (1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von ca. 205 ha. Es umfaßt nach dem Stand vom 1. Juli 1976

1.           auf dem Gebiet der Stadt Singen, Stadtteil Beuren a. d. Aach, die Grundstücke Flst. - Nrn. 11 Aach (teilweise), 271, 272, 272/1, 273 - 278, 303, 304/1, 317/1, 317/2, 317/3, 318 - 320, 323, 1455 - 1463, 1464/1, 1465, 1468/1, 1469/1, 1470/1, 1471/1, 1617, 1618, 1619/1, 1620, 1628 - 1630, 1630/2 und 1659 (Bach, teilweise);

1.           auf dem Gebiet der Gemeinde Steißlingen die Grundstücke Flst. - Nrn. 4941 (teilweise), 4942/1, 4944, 4944/1, 4945/1, 4945/2, 4947, 4947/1, 4953/1, 4954, 4955. 4955/1, 4956, 4957/1, 4957/2, 4957/3, 4958, 4962. 4963, 4965 - 4967, 4967/1, 4968, 4969, 4971, 4972, 4973 Aach, 4974, 4974/1, 4975 - 4978, 4980, 4982 - 4985. 4987, 4987/1, 4989, 4990, 4995, 4996/1, 4997 - 4999, 4999/1, 5001, 5001/1, 5002, 5003/1, 5003/2, 5003/3, 5004, 5004/1, 500511, 5006, 5007/1, 5007/2, 5008/1, 5012/1, 5013, 5013/1, 5013/2, 5013/3, 5013/4, 5014/1, 5018, 5019, 5021 - 5029, 5029/1, 5030 - 5033, 5034/1, 5034/2, 5035, 5036, 5036/2, 5038, 5039/1, 5039/2, 5040 - 5043, 5044/1, 5044/2, 5045, 5047 - 5050, 5052 bis 5058, 5060 - 5063, 5065 - 5067, 5069 - 5071, 5071/1, 5072, 5073, 5074/1, 5074/2, 5075, 5077, 5078, 5080 bis 5086, 5088 - 5090, 5090/2, 5090/3, 5091/1, 5091/2, 5091/3, 5092, 5094, 5096 - 5101, 5103 - 5106, 5108 bis 5110, 5111/1, 5111/2, 5111/3, 5112 - 5117, 5118/1, 5118/2, 5118/3, 5118/4, 5118/5, 5121, 5123 – 5126, 5128 - 5131, 5135 - 5139, 5141, 5143, 5144, 5147 - 5154, 5156, 5157, 5158/1, 5158/2, 5159 - 5163, 5164/1, 5167, 5168, 5169/1, 5169/2, 5170, 5171, 5171/1, 5173 - 5175, 5177, 5178, 5180, 5180/3, 5180/4, 5181/1, 8289 (Weg), 8290 (Weitenriedgraben, teilweise) und 8402 - 8421;

2.           auf dem Gebiet der Gemeinde Volkertshausen die Grundstücke Flst. - Nrn. 45/1 Aach (teilweise), 1813/1 (teilweise), 1815 (teilweise) und 1766 (teilweise).

 (2) Die Grenzen des Schutzgebietes sind in einer Karte im Maßstab 1:25000 und in einer Karte im Maßstab 1:5000 rot eingetragen. Die Verordnung mit Karten wird bei der höheren Naturschutzbehörde in Freiburg i. Br. verwahrt; eine Ausfertigung befindet sich bei der unteren Naturschutzbehörde in Konstanz. Die Verordnung mit Karten kann während der üblichen Sprechzeiten eingesehen werden.

§ 3 Schutzzweck

Wesentlicher Schutzzweck ist die Erhaltung des Weitenrieds

1.           als Aufenthaltsgebiet, insbesondere Brutgebiet, Nahrungsbiotop und Mauserplatz seltener, zum Teil vom Aussterben bedrohter Vogelarten;

2.           als Lebensraum einer seltenen Feuchtgebietsflora;

3.           als weiträumige naturhafte Landschaft mit Ausblick auf die nahen Hegauberge.

§ 4 Verbote

 (1) In dem Schutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des Schutzgebietes oder seiner Bestandteile, zu einer nachhaltigen Störung oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen können.

 (2) Insbesondere ist verboten:

1.           bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen;

2.           Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

3.           Geländemulden aufzufüllen oder auf andere Weise die Bodengestalt zu verändern;

4.           fließende oder stehende Gewässer anzulegen, zu beseitigen oder umzugestalten, Grundstücke zu entwässern, insbesondere neue Gräben anzulegen oder vorhandene Gräben zu vertiefen oder zu verbreitern, Stauschwellen oder Durchlässe abzusenken oder andere Maßnahmen durchzuführen, die den Wasserhaushalt des Gebietes verändern;

5.           Abfälle oder sonstige Gegenstände zu lagern oder abzulagern;

6.           Plakate, Bild - oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen;

7.           Modellflugzeuge zu betreiben;

8.           Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

9.           Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut- , Wohn - oder Zufluchtstätten dieser Tiere zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

10.       Grünland in Acker oder Wald umzuwandeln oder die Grundstücksnutzung in anderer Weise zu ändern oder zu intensivieren;

11.       zu zelten, zu lagern, Wohnwagen, sonstige Fahrzeuge oder Verkaufsstände aufzustellen;

12.       in der Zeit vom 1. März bis 31. August die Wege zu verlassen;

13.       ohne zwingenden Grund Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen.

§ 5 Zulässige Handlungen

§ 4 gilt nicht:

1.           für die ordnungsmäßige Ausübung der Jagd und der Fischerei;

2.           für die ordnungsmäßige land - und forstwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art, in der bisherigen Intensität und im bisherigen Umfang mit folgender Maßgabe:
a) Auf den als Grünland genutzten Flächen dürfen in der Zeit vorn 1. April bis zum 1. Schnitt keine Maßnahmen der Bodenbearbeitung wie Abschleppen, Walzen oder Düngen durchgeführt werden. Der Endtermin für die Bodenbearbeitung im Frühjahr (1. April) darf überschritten werden, soweit Witterung oder Bodenverhältnisse dazu zwingen.
b) Auf Flächen, die bisher unter Einsatz von Düngemitteln bewirtschaftet wurden, sind die Art der Grünlandnutzung sowie Art und Menge der Düngung freigestellt;

3.           für die sonstige bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke und Gewässer sowie der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung;

4.           für Pflegemaßnahmen, die von der höheren Naturschutzbehörde oder der von ihr beauftragten Stelle angeordnet werden;

5.           für behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen;

6.           für notwendige Handlungen in Ausübung einer amtlichen oder ehrenamtlichen
Überwachungstätigkeit.

§ 6 Schutz - und Pflegemaßnahmen

Zum Schutz, zur Erhaltung und zur Pflege des Gebietes ist es erforderlich, das Grünland - soweit es nicht beweidet wird - mindestens alle zwei Jahre in der Zeit von Oktober bis Februar zu mähen und das Mähgut aus dem Schutzgebiet zu entfernen.

§ 7 Befreiungen

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann die höhere Naturschutzbehörde nach § 63 Naturschutzgesetz Befreiung erteilen.

§ 8 Ordnungswidrigkeiten

Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 Naturschutzgesetz handelt, wer in dem Schutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig eine nach § 4 dieser Verordnung verbotene Handlung vornimmt.

§ 9 Inkrafttreten

Diese Verordnung tritt am Tage nach ihrer Verkündung in Kraft.

FREIBURG I. BR., den 7. Juni 1978

DR. PERSON