3.105 Hausener Aachried

Verordnung des Regierungspräsidiums Freiburg als höhere Naturschutzbehörde über das Naturschutzgebiet »Hausener Aachried« vom 29. März 1979 (GBl. v. 31.05.1979, S. 212).

Auf Grund von §§ 21, 58 Abs. 2 und 4 und § 64 Abs. 1 Nr. 2 des Naturschutzgesetzes (NatSchG) vom 21. Oktober 1975 (GBI. S. 654), geändert durch das Landeswaldgesetz vom 10. Februar 1976 (GBI. S. 99), wird verordnet:

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

Die in § 2 näher bezeichnete Fläche auf dem Gebiet der Stadt Singen, Landkreis Konstanz, wird zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung » Hausener Aachried «.

§ 2 Schutzgegenstand

 (1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von ca. 50 ha. Es umfaßt auf dem Gebiet der Stadt Singen, Gemarkungen Singen, Hausen a.d. Aach und Friedingen, ganz oder teilweise die Gewanne »Rohrwaag«, »Dauchenberg«, »Sauried auf die Aach rechts«, »Schellenwiesen«, »Häsel«, »Römerziel«, »Untere Burst« und »Untere Rohrwiesen«. Es ist begrenzt im Westen durch den Feldweg Flurstück - Nr. 1996 und das Westufer der Aach, im Süden durch die südliche bzw. östliche Grenze der Grundstücke Flurstück - Nrn. 2263, 1935, 1646 und 1616 (Gemarkung Singen), eine die Grundstücke Flurstück - Nrn. 1678 (Gemarkung Singen) und 899 (Gemarkung Friedingen) teilende Linie sowie den Feldweg Flurstück - Nr. 898 (Gemarkung Friedingen), im Osten durch die östliche Grenze der Grundstücke Flurstück - Nrn. 899, 893, 871 und 836 (Gemarkung Friedingen) und im Norden durch die südliche bzw. westliche Grenze der außerhalb des Schutzgebiets liegenden Grundstücke Flurstück - Nrn. 830 (Gemarkung Friedingen), 1058 und 1060 (Gemarkung Hausen a.d. Aach).

 (2) Die Grenzen des Schutzgebietes sind in einer Karte im Maßstab 1:25000 und in einer Karte im Maßstab 1:5000 rot eingetragen. Die Verordnung mit Karten wird bei der höheren Naturschutzbehörde in Freiburg verwahrt; eine Ausfertigung befindet sich bei der unteren Naturschutzbehörde in Konstanz. Die Verordnung mit Karten kann während der üblichen Sprechzeiten eingesehen werden.

§ 3 Schutzzweck

Wesentlicher Schutzzweck ist die Erhaltung des Aachrieds als Lebensraum zahlreicher seltener Pflanzen - und Tierarten, insbesondere Vogelarten, sowie als Landschaft von besonderer Eigenart und Schönheit.

§ 4 Verbote

 (1) In dem Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des Schutzgebietes oder seiner Bestandteile, zu einer nachhaltigen Störung oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen können oder geeignet sind, in anderer Weise dem Schutzzweck zuwiderzulaufen.

 (2) Insbesondere ist verboten:

1.           bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils geltenden Fassung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen;

1.           Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

2.           die Bodengestalt zu verändern;

3.           fließende oder stehende Gewässer anzulegen, zu beseitigen oder umzugestalten oder andere Maßnahmen durchzuführen, die den Wasserhaushalt des Gebiets verändern;

4.           Abfälle oder sonstige Gegenstände zu lagern oder abzulagern;

5.           Plakate, Bild - oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen;

6.           Modellflugzeuge zu betreiben;

7.           Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

8.           Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut- , Wohn - oder Zufluchtstätten dieser Tiere zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

9.           Grünland in Acker oder Wald umzuwandeln oder die Grundstücksnutzung in anderer Weise zu ändern oder zu intensivieren;

10.       außerhalb von Ackerland chemische Mittel zur Bekämpfung von Schadorganismen oder Pflanzenkrankheiten auszubringen;

11.       zu zelten, zu lagern oder Wohnwagen, sonstige Fahrzeuge oder Verkaufsstände aufzustellen;

12.       in der Zeit vom 1. März bis 31. August die Wege zu verlassen;

13.       Feuer anzumachen;

14.       ohne zwingenden Grund Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen.

§ 5 Zulässige Handlungen

§ 4 gilt nicht:

1.           für die ordnungsmäßige Ausübung der Jagd und der Fischerei in der bisherigen Art, in der bisherigen Intensität und im bisherigen Umfang;

2.           für die ordnungsmäßige land - und forstwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art, in der bisherigen Intensität und im bisherigen Umfang mit der Maßgabe, daß
a) auf den als Grünland genutzten Flächen in der Zeit vom 1. April bis zum ersten Schnitt keine Maßnahmen der Bodenbearbeitung wie Abschleppen, Walzen und Düngen durchgeführt werden dürfen, soweit nicht Witterung oder Bodenverhältnisse zu einer Überschreitung des Endtermins für die Frühjahrsarbeiten (31. März) zwingen;
b) auf Flächen, die bisher unter regelmäßigem Einsatz von Düngemitteln bewirtschaftet wurden, die Art der Grünlandnutzung sowie Art und Menge der Düngung freigestellt sind;
c) die vorhandene Bestockung nur mit standortgerechten Laubgehölzen verjüngt werden darf;

3.           für die sonstige, bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke, Gewässer, Straßen und Wege sowie der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung;

4.           für Pflegemaßnahmen, die von der höheren Naturschutzbehörde oder der von ihr beauftragten Stelle angeordnet werden;

5.           für behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen.

§ 6 Schutz - und Pflegemaßnahmen

Zum Schutz, zur Erhaltung und zur Pflege des Naturschutzgebietes ist es erforderlich, das Grünland - soweit es nicht beweidet wird - mindestens alle 2 Jahre zwischen Oktober und Februar zu mähen und das Mähgut aus dem Schutzgebiet zu entfernen.

§ 7 Befreiungen

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann nach § 63 NatSchG Befreiung erteilt werden.

§ 8 Ordnungswidrigkeiten

Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig eine der nach § 4 dieser Verordnung verbotenen Handlungen vornimmt.

§ 9 Inkrafttreten

Diese Verordnung tritt am Tage nach ihrer Verkündung in Kraft.

FREIBURG I. BR., den 29. März 1979

DR. PERSON