3.112 Bohlinger Aachried

Verordnung des Regierungspräsidiums Freiburg als höhere Naturschutzbehörde über das Naturschutzgebiet »Bohlinger Aachried« vom 10. November 1981 (GBl. v. 11.12.1981,
S. 578).

Auf Grund von § 21 und § 58 Abs. 2 des Gesetzes zum Schutz der Natur, zur Pflege der Landschaft und über die Erholungsvorsorge in der freien Landschaft (Naturschutzgesetz - NatSchG) vom 21. Oktober 1975 (GBI. S. 654) wird verordnet:

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

Die in § 2 näher bezeichnete Fläche auf dem Gebiet der Stadt Singen, Gemarkung Bohlingen, Landkreis Konstanz, wird zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung »Bohlinger Aachried«.

§ 2 Schutzgegenstand

 (1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von rund 22 ha. Es erstreckt sich von Grundstück Flurstück - Nr. 3068/1 im Westen auf Gemarkung Bohlingen bis zu den Grundstücken Flurstück - Nrn. 2805, 2817/1, 2817, 2768/1 und 2742 im Osten in wechselnder Breite entlang der Aach. Es ist im Süden begrenzt durch das Südufer der Aach und des Mühlkanals. Im Norden folgt die Schutzgebietsgrenze der Nordgrenze des Feldwegs Flurstück - Nr. 2785, der Westgrenze des Grundstücks Flurstück - Nr. 2974/1, der Nordgrenze des Feldwegs Flurstück - Nr. 2773, der Westgrenze des Grundstücks Flurstück - Nr. 2753, der West- und Nordgrenze des Grundstücks Flurstück - Nr. 2748, der Nordgrenze des Feldwegs Flurstück - Nr. 2736/1, der Nordgrenze des Grundstücks Flurstück - Nr. 2744, dem Böschungsfuß auf dem Grundstück Flurstück - Nr. 2737 und der Nordgrenze des Grundstücks Flurstück - Nr. 2742.

(2) Die Grenzen des Schutzgebiets sind in zwei Karten des Regierungspräsidiums Freiburg (Maßstab 1:25000 und 1:5000) rot eingetragen. Die Verordnung mit Karten wird bei der höheren Naturschutzbehörde in Freiburg i. Br. verwahrt; eine Ausfertigung befindet sich bei der unteren Naturschutzbehörde in Konstanz. Die Verordnung mit Karten kann während der üblichen Sprechzeiten eingesehen werden.

§ 3 Schutzzweck

Schutzzweck ist die Erhaltung des Bohlinger Aachrieds

1.           als Feuchtgebiet, das zahlreichen, zum Teil vom Aussterben bedrohten Pflanzen - und Tierarten Lebensraum bietet;

1.           als ein die Kulturlandschaft der Aachniederung bereichernder naturhafter Landschaftsteil.

§ 4 Verbote

 (1) In dem Schutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des Schutzgebiets oder seiner Bestandteile, zu einer nachhaltigen Störung oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen können.

 (2) Insbesondere ist verboten:

1.           bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen;

2.           Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

3.           Steine, Kies, Sand, Lehm, Torf oder andere Bodenbestandteile einzubringen, abzubauen oder zu entnehmen oder die Bodengestalt auf andere Weise zu verändern;

4.           Abfälle oder sonstige Gegenstände zu lagern oder abzulagern;

5.           fließende oder stehende Gewässer anzulegen, zu beseitigen oder zu verändern, Wasser zu entnehmen, Abwässer einzuleiten, Grundstücke zu entwässern, Stauschwellen oder Durchlässe abzusenken oder andere Maßnahmen durchzuführen, die den Wasserhaushalt des Gebiets verändern;

6.           Boote oder andere schwimmende Anlagen zu verankern, zu befestigen oder Stege zu errichten;

7.           Plakate, Bild - oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen;

8.           Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

9.           Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut- , Wohn - oder Zufluchtstätten dieser Tiere zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

10.       Grünland in Acker oder Wald umzuwandeln oder die bisherige Grundstücksnutzung in anderer Weise zu ändern oder zu intensivieren;

11.       chemische Mittel zur Bekämpfung von Schadorganismen oder Pflanzenkrankheiten oder Wirkstoffe auszubringen, die den Entwicklungsablauf von Pflanzen beeinflussen;

12.       zu zelten, zu lagern oder Wohnwagen, sonstige Fahrzeuge oder Verkaufsstände aufzustellen;

13.       ohne zwingenden Grund Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen;

14.       Motorsport jeglicher Art auszuüben oder Modellflugzeuge oder Modellboote zu betreiben;

15.       das Gebiet außerhalb von Wegen zu betreten;

16.       Feuer anzumachen.

§ 5 Zulässige Handlungen

§ 4 gilt nicht:

1.           für die ordnungsmäßige Ausübung der Jagd;

2.           für die ordnungsmäßige Ausübung der Fischerei vom Südufer der Aach und des Mühlkanals aus in der bisherigen Art, in der bisherigen Intensität und im bisherigen Umfang;

3.           für die landwirtschaftliche Nutzung auf den in der Schutzgebietskarte Maßstab 1:5000 farblich (gelb und grün) gekennzeichneten Flächen mit der Maßgabe, daß
a) die mit grüner Farbe gekennzeichneten Flächen ordnungsmäßig als Grünland genutzt werden dürfen;
b) die mit gelber Farbe gekennzeichneten Flächen nicht gedüngt und höchstens einmal im Jahr zwischen 15. September und 15. März gemäht werden dürfen;

4.           für die sonstige bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke, Gewässer und Wege sowie der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art, in der bisherigen Intensität und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung mit der Maßgabe,
a) daß die Gräben, einschließlich der Hauptabzugsgräben, nicht breiter und tiefer als bisher geräumt werden dürfen;
b) daß von den Hauptabzugsgräben, den Lachengraben ausgenommen, abwechselnd immer nur die Hälfte geräumt und immer nur eine Grabenseite ausgemäht werden darf;
c) daß Wald - und Ufergehölze nicht in ihrem Bestand beeinträchtigt oder verändert werden dürfen;

5.           für Pflege - und Gestaltungsmaßnahmen, die von der höheren Naturschutzbehörde oder der von ihr beauftragten Stelle angeordnet werden;

6.           für behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen;

7.           für notwendige Handlungen in Ausübung einer amtlichen oder ehrenamtlichen
Überwachungstätigkeit.

§ 6 Pflegemaßnahmen

Zur Verwirklichung des Schutzzwecks ist es erforderlich, die Streuwiesen mindestens alle zwei Jahre, höchstens jedoch einmal im Jahr, zwischen dem 15. September und 15. März zu mähen und das Mähgut aus dem Schutzgebiet zu entfernen.

§ 7 Befreiungen

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann die höhere Naturschutzbehörde nach § 63 NatSchG Befreiung erteilen.

§ 8 Ordnungswidrigkeiten

Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 Naturschutzgesetz handelt, wer in dem Schutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig eine nach § 4 dieser Verordnung verbotene Handlung vornimmt, soweit die Handlung nicht mit Strafe bedroht ist.

§ 9 Inkrafttreten

Diese Verordnung tritt am Tage nach ihrer Verkündung in Kraft.

FREIBURG I. BR., den 10. November 1981

DR. NOTHHELFER