3.114 Kapellenhalde - Wüster See

Verordnung des Regierungspräsidiums Freiburg als höhere Naturschutzbehörde über das Naturschutzgebiet »Kapellenhalde - Wüster See« vom 2. Oktober 1981 (GBl. v. 11.12.1981, S. 571).

Auf Grund von § 21, § 58 Abs. 2 des Gesetzes zum Schutz der Natur, zur Pflege der Landschaft und über die Erholungsvorsorge in der freien Landschaft (Naturschutzgesetz - NatSchG) vom 21. Oktober 1975 (GBl. S. 1654) wird verordnet:

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

Die in § 2 näher bezeichnete Fläche auf dem Gebiet der Gemeinde Dettighofen, Ortsteil Baltersweil, und der Gemeinde Jestetten, Landkreis Waldshut, wird zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung » Kapellenhalde - Wüster See«.

§ 2 Schutzgegenstand

 (1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von ca. 17,3 ha. Es umfaßt die Grundstücke Flst. Nr. 261 und 1002 auf Gemarkung Baltersweil und einen Teil des Grundstücks Flst. Nr. 2330 auf Gemarkung Jestetten.

 (2) Die Grenzen des Naturschutzgebiets sind in zwei Karten des Regierungspräsidiums Freiburg (Maßstab 1:25000 und Maßstab 1:5000) rot eingetragen. Die Verordnung mit Karten wird beim Regierungspräsidium Freiburg als höhere Naturschutzbehörde verwahrt; eine Ausfertigung befindet sich beim Landratsamt Waldshut als untere Naturschutzbehörde in Waldshut- Tiengen. Die Verordnung mit Karten kann während der üblichen Sprechzeiten eingesehen werden.

§ 3 Schutzzweck

Wesentlicher Schutzzweck ist die Erhaltung

1.           der Waldbestände im Gewann »Kapellenhalde« als Wuchsort für den Märzenbecher (Leucojum vernum) und Überwinterungsgebiet für Amphibien,

1.           der Riedflächen im Gewann »Wüster See« als regional bedeutsames Feuchtgebiet.

§ 4 Verbote

 (1) In dem Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des Schutzgebietes oder seiner Bestandteile, zu einer nachhaltigen Störung oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen können oder geeignet sind, in anderer Weise dem Schutzzweck zuwiderzulaufen.

 (2) Insbesondere ist verboten:

1.           bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils geltenden Fassung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen;

2.           Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

3.           Plakate, Bild - oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen;

4.           die Bodengestalt zu verändern;

5.           Abfälle oder sonstige Gegenstände zu lagern oder abzulagern;

6.           fließende oder stehende Gewässer anzulegen, zu beseitigen oder umzugestalten, Entwässerungsmaßnahmen durchzuführen, vorhandene Gräben zu verbreitern oder zu vertiefen oder auf andere Weise den Wasserhaushalt des Gebiets zu verändern;

7.           Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen, oder zu zerstören;

8.           Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut- , Wohn - oder Zufluchtsstätten dieser Tiere zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

9.           Wald auszustocken, die Grundstücksnutzung zu ändern oder zu intensivieren;

10.       chemische Mittel zur Bekämpfung von Schadorganismen oder Pflanzenkrankheiten oder Wirkstoffe, die den Entwicklungsablauf von Pflanzen beeinflussen, auszubringen;

11.       zu zelten, zu lagern, Wohnwagen, sonstige Fahrzeuge oder Verkaufsstände aufzustellen;

12.       das Schutzgebiet außerhalb der Wege zu betreten und Hunde frei laufen zu lassen;

13.       Feuer anzumachen außerhalb der eingerichteten und gekennzeichneten Feuerstellen;

14.       ohne zwingenden Grund Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen.

§ 5 Zulässige Handlungen

 (1) § 4 gilt nicht:

1.           für die ordnungsmäßige Ausübung der Jagd;

2.           für die ordnungsmäßige landwirtschaftliche Nutzung als Grünland in der bisherigen Art, in der bisherigen Intensität und im bisherigen Umfang;

3.           für die ordnungsmäßige forstwirtschaftliche Nutzung mit der Maßgabe, daß die Waldbestände nur mit standortgemäßen, einheimischen Laubbaumarten verjüngt werden dürfen;

4.           für die hoheitliche Grenzüberwachung der Zollverwaltung;

5.           für die sonstige, bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke und Wege sowie der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen (wie z. B. das Ölbachfest) in der bisherigen Art im bisherigen Umfang und in der bisherigen Intensität sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung;

6.           für Pflege - und Gestaltungsmaßnahmen, die von der höheren Naturschutzbehörde oder der von ihr beauftragten Stelle angeordnet werden;

7.           für behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen;

8.           für notwendige Handlungen in Ausübung einer amtlichen oder ehrenamtlichen
Überwachungstätigkeit.

§ 6 Befreiungen

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann nach § 63 NatSchG Befreiung erteilt werden.

§ 7 Ordnungswidrigkeiten

Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig eine der nach § 4 dieser Verordnung verbotenen Handlungen vornimmt.

§ 8 Inkrafttreten

Diese Verordnung tritt am Tage nach ihrer Verkündung in Kraft.

FREIBURG I. BR., den 2. Oktober 1981

DR.NOTHHELFER