3.117 Schanderied

Verordnung des Regierungspräsidiums Freiburg als höhere Naturschutzbehörde über das Naturschutz - und Landschaftsschutzgebiet "Schanderied" vom 17. November 1981 (GBl. v. 29.12.1981, S. 624).

Aufgrund von §§ 21, 22 und § 58 Abs. 2 des Gesetzes zum Schutz der Natur, zur Pflege der Landschaft und über die Erholungsvorsorge in der freien Landschaft (Naturschutzgesetz - NatSchG) vom 21. Oktober 1975 (GBl. S. 654) wird verordnet:

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

Die in den §§ 2 bis 4 näher bezeichneten Flächen auf dem Gebiet der Stadt Stockach, Ortsteil Wahlwies und der Gemeinde Bodman - Ludwigshafen, Ortsteil Bodman, Landkreis Konstanz, werden zum Natur - bzw. Landschafts­schutzgebiet erklärt. Das Schutzgebiet führt die Bezeichnung "Schanderied".

§ 2 Schutzgegenstand

Das Schutzgebiet hat eine Größe von rund 111 ha. Es besteht aus dem Schanderied (Naturschutzgebiet) und einem Geländegürtel der das Naturschutzgebiet in wechselnder Breite im Norden, Osten und Süden umschließt (Landschaftsschutzgebiet).

§ 3 Naturschutzgebiet

 (1) Das Naturschutzgebiet hat eine Fläche von rd. 54 ha.

 (2) Es ist begrenzt:

·               im Norden auf Gemarkung Wahlwies durch eine gerade Linie zwischen der Bahnunterführung im Gewann »Bestecken« und der Südwestecke des Grundstücks Flurstück - Nr. 1830/1, durch die West- bzw. Nordwestgrenze der Grundstücke Flurstück - Nrn. 1830/1, 1830/2, 1830/3 und 1831 bis 1836, der Nordgrenze der Grundstücke Flurstück - Nrn. 1836 bis 1838, und der West- , Nord - und Ostgrenze des Grundstücks Flurstück - Nr. 1843 sowie auf Gemarkung Bodman durch den Bachlauf zwischen den Gewannen »In der Viehweide« und »In der Erlenwies«;

·               im Osten auf Gemarkung Bodman durch die Südostgrenze des Grundstücks Flurstück - Nr. 2806, durch eine gerade Linie zwischen dem Stein 187 der Gemarkungsgrenze und der Nordecke des Grundstücks Flurstück - Nr. 1093, die Nordostgrenze dieses Grundstücks und den Graben Flurstück - Nr. 2549 / 1;

·               im Süden auf Gemarkung Bodman durch die Südgrenze der Grundstücke Flurstück - Nrn. 1103 und 1096 sowie auf Gemarkung Wahlwies durch den Wöschgraben, eine gerade, vom Wöschgraben in nordwestlicher Richtung verlaufender Linie, die das Grundstück Flurstück - Nr. 1751/1 in etwa halbiert und auf dem Grundstück Flurstück - Nr. 1751/2 zur Südecke des Grundstückes Flurstück - Nr. 1753 abknickt, die Südgrenze der Grundstücke Flurstück - Nrn. 1753 und 1763 bis 1765;

·               im Westen durch den Böschungsfuß des Bahndamms.

§ 4 Landschaftsschutzgebiet

 (1) Das Landschaftsschutzgebiet hat eine Größe von rd. 57 ha.

 (2) Seine innere Grenze bildet die Grenze des Naturschutzgebietes. Nach außen ist es begrenzt:

·               im Norden durch die Kreisstraße 6118;

·               im Osten auf Gemarkung Bodman durch eine Verbindungslinie zwischen der Einmündung der Kreisstraße 6118 in die Bundesstraße 34 und der Ostecke des Grundstücks Flurstück - Nr. 1090 sowie jeweils der Ostgrenzen der Grundstücke Flurstück - Nrn. 1090, 1093, 1094, 1095, 1105 und 1104 und der Nordwestseite des Grundstücks Flurstück - Nr. 1168/1;

·               im Süden durch eine gerade Linie zwischen der Westecke des Grundstücks Flurstück - Nr. 1168/1 und der Südecke des Grundstücks Flurstück - Nr. 1172;

·               im Südwesten durch die Südwestgrenze des Grundstücks Flurstück - Nr. 1172, eine gerade Linie zwischen der Westecke des Grundstücks Flurstück Nr. 1172 und der Südecke des Grundstücks Flurstück - Nr. 1796 sowie dem Feldweg Flurstück - Nr. 1795/1;

·               im Westen durch den Böschungsfuß des Bahndamms.

§ 5 Karten

 (1) Die Grenzen des Schutzgebiets sind in zwei Karten des Regierungspräsidiums Freiburg (Maßstab 1:25000 und 1:5000) rot (Naturschutzgebiet) bzw. grün (Landschaftsschutzgebiet) eingetragen. Die Verordnung mit Karten wird bei der höheren Naturschutzbehörde in Freiburg verwahrt, eine Ausfertigung befindet sich bei der unteren Naturschutzbehörde in Konstanz. Die Verordnung mit Karten kann während der üblichen Sprechzeiten eingesehen werden.

 (2) Im Schutzgebiet liegt der Flugplatz Stahringen - Wahlwies, für den ein beschränkter Bauschutzbereich nach § 17 LuftVG besteht.

§ 6 Schutzzweck

Wesentlicher Schutzzweck ist die Erhaltung des Schanderieds

1.           als Lebensraum zahlreicher zum Teil vom Aussterben bedrohter Pflanzen - und Tierarten,

1.            als naturhafte Riedlandschaft von besonderer Eigenart und Schönheit.

§ 7 Verbote - Natur - und Landschaftsschutzgebiet

In dem Schutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des Naturschutzgebietes oder seiner Bestandteile oder zu einer nachhaltigen Störung im Naturschutzgebiet führen können, den Charakter des Gebiets verändern oder dem Schutzzweck in anderer Weise zuwiderlaufen.

§ 8 Verbote - Naturschutzgebiet

In dem Naturschutzgebiet ist insbesondere verboten:

1.           bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen;

2.            Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

3.            Flugplätze, einschließlich Modellflugplätzen, anzulegen oder zu verändern oder Modellflugzeuge zu betreiben;

4.            Stätten für Sport oder Spiel anzulegen oder Motorsport jeglicher Art zu betreiben;

5.            zu zelten, zu lagern oder Wohnwagen, sonstige Fahrzeuge oder Verkaufsstände aufzustellen;

6.            Plakate, Bild - oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen;

7.            Steine, Kies, Sand, Lehm, Torf oder andere Bodenbestandteile einzubringen, zu entnehmen oder abzubauen oder die Bodengestalt auf andere Weise zu verändern;

8.            Abfälle oder sonstige Gegenstände zu lagern oder abzulagern;

9.            fließende oder stehende Gewässer anzulegen, zu beseitigen oder umzugestalten, Wasser zu entnehmen, Abwasser einzuleiten, Grundstücke zu entwässern oder andere Maßnahmen durchzuführen, die den Wasserhaushalt des Gebiets verändern;

10.        Grünland in Acker oder Wald umzuwandeln oder die bisherige Grundstücksnutzung in anderer Weise zu ändern oder zu intensivieren;

11.        chemische Mittel zur Bekämpfung von Schadorganismen oder Pflanzenkrankheiten oder Wirkstoffe auszubringen, die den Entwicklungsablauf von Pflanzen beeinflussen;

12.        Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

13.        Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut- , Wohn - oder Zufluchtstätten dieser Tiere zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

14.        ohne zwingenden Grund Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen;

15.        die Wege zu verlassen;

16.        Feuer anzumachen.

§ 9 Verbote - Landschaftsschutzgebiet

In dem Landschaftsschutzgebiet ist zur Erhaltung des Charakters des Schutzgebiets und zur Erhaltung des Naturschutzgebietes insbesondere verboten:

1.            den Naturhaushalt zu schädigen;

2.            die Nutzungsfähigkeit der Naturgüter nachhaltig zu stören;

3.            das Landschaftsbild nachteilig zu ändern, oder die natürliche Eigenart der Landschaft auf andere Weise zu beeinträchtigen;

4.            den Naturgenuß oder den Erholungswert der Landschaft zu beeinträchtigen;

5.            Anlagen oder Einrichtungen zu schaffen oder Handlungen vorzunehmen, die sich nachteilig auf den Naturhaushalt im Naturschutzgebiet, insbesondere auf die geschützte Pflanzen - und Tierwelt auswirken.

§ 10 Erlaubnis- Landschaftsschutzgebiet

 (1) Handlungen im Landschaftsschutzgebiet, die den Charakter des Gebiets verändern oder dem Schutzzweck zuwiderlaufen können, bedürfen der schriftlichen Erlaubnis.

Dies gilt insbesondere für die in § 8 Nrn. 1 - 9 aufgeführten Handlungen im Landschaftsschutzgebiet.

 (2) Die Erlaubnis ist zu erteilen, wenn die Handlung nicht gegen § 7 oder § 9 verstößt oder ein solcher Verstoß durch Auflagen oder Bedingungen ausgeräumt werden kann.

 (3) Die Erlaubnis wird durch eine nach anderen Vorschriften notwendige Gestattung ersetzt, wenn diese mit Zustimmung der zuständigen Naturschutzbehörde ergeht.

§ 11 Zulässige Handlungen

Die §§ 7 - 10 gelten nicht:

1.            für die ordnungsmäßige Durchführung des Flugbetriebs auf dem Segelfluggelände Stahringen Wahlwies im genehmigten Umfang;

2.            für die zur Sicherung des Flugbetriebes angeordneten Maßnahmen der Luftfahrtbehörde;

3.            für die ordnungsmäßige Ausübung der Jagd;

4.            für die ordnungsmäßige landwirtschaftliche Nutzung, im Naturschutzgebiet jedoch nur in der bisherigen Art, in der bisherigen Intensität und im bisherigen Umfang;

5.            für die ordnungsmäßige forstwirtschaftliche Nutzung, im Naturschutzgebiet in der bisherigen Art, in der bisherigen Intensität und im bisherigen Umfang mit der Maßgabe, daß Gehölze nur mit standortgerechten einheimischen Laubbaumarten verjüngt werden dürfen;

6.            für das Entfernen oder Verändern von Gehölzen, sofern es aus flugsicherheitlichen Gründen erforderlich ist. Das Entfernen und Verändern von Gehölzen soll in der Zeit vom 1. November bis zum 31. Januar erfolgen;

7.            für die sonstige, bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke, Gewässer und Wege sowie der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art, im bisherigen Umfang und in der bisherigen Intensität sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung mit der Maßgabe, daß Entwässerungsgräben nicht verbreitert oder vertieft und Ufergehölze nicht in ihrem Bestand beeinträchtigt oder verändert werden dürfen;

8.            für Pflege - und Gestaltungsmaßnahmen, die von der höheren Naturschutzbehörde oder der von ihr beauftragten Stelle angeordnet werden;

9.            für notwendige Handlungen im Rahmen der vom Regierungspräsidium übertragenen Betreuung des Gebiets;

10.        für notwendige Handlungen in Ausübung einer amtlichen oder ehrenamtlichen Überwachungstätigkeit;

11.        für behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen.

§ 12 Pflegemaßnahmen

Zur Pflege und Erhaltung des Naturschutzgebietes ist es erforderlich, die Riedwiesen mindestens alle zwei Jahre, höchstens jedoch einmal im Jahr in der Zeit vom 1. Oktober bis 15. März zu mähen und das Mähgut aus dem Schutzgebiet zu entfernen.

§ 13 Befreiungen

Von den Verboten der §§ 7 - 9 dieser Verordnung kann nach § 63 des Naturschutzgesetzes Befreiung erteilt werden.

§ 14 Ordnungswidrigkeiten

Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer vorsätzlich oder fahrlässig

1.            nach §§ 7 bis 9 dieser Verordnung verbotene Handlungen vornimmt,

2.            entgegen § 10 dieser Verordnung ohne vorherige schriftliche Erlaubnis Handlungen vornimmt, die den Charakter des Gebiets verändern oder dem Schutzzweck zuwiderlaufen können.

§ 15 Inkrafttreten

Diese Verordnung tritt am Tage nach ihrer Verkündung in Kraft.

Freiburg i.Br., den 17. November 1981

Dr. Nothhelfer