3.118 Litzelsee

Verordnung des Regierungspräsidiums Freiburg als höhere Naturschutzbehörde über das Naturschutzgebiet »Litzelsee« auf Gemarkungen Steißlingen und Böhringen, Landkreis Konstanz vom 23. November 1981 (GBl. v. 9.01.1982, S. 29).

Auf Grund von § 21 und § 58 Abs. 2 des Gesetzes zum Schutz der Natur, zur Pflege der Landschaft und über die Erholungsvorsorge in der freien Landschaft (Naturschutzgesetz - NatSchG) vom 21. Oktober 1975 (GBI. S. 54) wird verordnet:

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

Die in § 2 näher bezeichneten Flächen auf dem Gebiet der Gemeinde Steißlingen und der Stadt Radolfzell, Ortsteil Böhringen, Landkreis Konstanz, werden zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung »Litzelsee«.

§ 2 Schutzgegenstand

 (1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von ca. 55,4 ha. Es umfaßt den Litzelsee und ihn umgebende Waldflächen. Das Schutzgebiet ist wie folgt begrenzt: im Norden durch die Bundesautobahn A 881 Singen - Radolfzell; im Osten durch den Mühlbach, den Sauriedgraben und die Ostgrenze des Grundstücks Flst. Nr. 2431; im Südosten durch die südöstliche Grenze des Grundstücks Flst. Nr. 682/1 und der nordwestlichen Grenze des Wegegrundstücks Flst. Nr. 684; im Südwesten durch die nordöstliche Grenze des Wegegrundstücks Flst. Nr. 79, die südwestliche Grenze des Grundstücks Flst. Nr. 2431, durch eine Verbindungslinie zwischen den Grenzsteinen Nr. 64 und Nr. 27 des Gemeindewalddistrikts I »Hard« auf Gemarkung Böhringen, sowie durch die Gemarkungsgrenze Steißlingen - Böhringen; im Nordwesten durch einen zwischen den Grenzsteinen Nr. 26 und 27 des Grundstücks Flst. Nr. 8277/1 der Gemarkung Steißlingen nach Nordosten verlaufenden Waldweg sowie die Grenze zwischen Privat- und Gemeindewald, im Gewann »Lachen«.

 (2) Die Grenzen des Schutzgebiets sind in einer Karte im Maßstab 1:25000 und in einer Karte Maßstab 1:5000 rot eingetragen. Die Verordnung mit Karten wird bei der höheren Naturschutzbehörde in Freiburg verwahrt; eine Ausfertigung befindet sich bei der unteren Naturschutzbehörde in Konstanz. Die Verordnung mit Karten kann während der üblichen Sprechzeiten eingesehen werden.

§ 3 Schutzzweck

Wesentlicher Schutzzweck ist die Erhaltung des Litzelsees und seiner Umgebung als erdgeschichtlich bedeutende, eiszeitlich geprägte Landschaft mit Toteislöchern, Terrassenbildungen und Endmoränenwall sowie der Wasserfläche, Ufer - und Verlandungszone des Litzelsees als Lebensraum einer für Feuchtgebiete typischen, zum Teil vom Aussterben bedrohten Flora und Fauna.

§ 4 Verbote

 (1) Im Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des Schutzgebietes oder seiner Bestandteile, zu einer nachhaltigen Störung oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen können.

 (2) Insbesondere ist verboten:

1.            bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils geltenden Fassung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen;

2.            Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

3.            Steine, Kies, Sand, Lehm oder andere Bodenbestandteile abzubauen, zu entnehmen oder einzubringen oder die Bodengestalt auf andere Weise zu verändern;

4.            Abfälle oder sonstige Gegenstände zu lagern oder abzulagern;

5.            fließende oder stehende Gewässer anzulegen, zu beseitigen oder umzugestalten, Entwässerungsmaßnahmen durchzuführen, Wasser zu entnehmen, Abwasser einzuleiten oder andere Maßnahmen durchzuführen, die den Wasserhaushalt des Gebiets verändern;

6.            am Litzelsee Stege zu errichten, Wasserfahrzeuge oder andere schwimmende Anlagen in den See einzubringen oder auf dem See mit Wasserfahrzeugen zu fahren;

7.            zu zelten, zu lagern sowie Wohnwagen, sonstige Fahrzeuge oder Verkaufsstände aufzustellen;

8.            Plakate, Bild - oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen;

9.            die Grundstücksnutzung zu ändern;

10.        Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

11.        Tiere einzubringen, wild lebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut- , Wohn - oder Zufluchtsstätten dieser Tiere zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

12.        Feuer anzumachen;

13.        ohne zwingenden Grund Lärm oder sonstige störende Immissionen zu verursachen.

§ 5 Zulässige Handlungen

§4 gilt nicht:

1.            für die ordnungsmäßige landwirtschaftliche Nutzung im bisherigen Umfang;

2.            für die ordnungsmäßige Ausübung der Jagd;

3.            für die ordnungsmäßige Ausübung der Fischerei mit der Maßgabe, daß
a) diese nur von den in der Schutzgebietskarte Maßstab 1:5000 mit blauer Farbe gekennzeichneten Standplätzen aus betrieben werden darf;
b) Fischfutter nicht in den Litzelsee eingebracht werden darf;

4.            für die ordnungsmäßige forstwirtschaftliche Nutzung, mit der Maßgabe, daß
a) der Waldbestand, in unmittelbarer Nähe des Litzelsees (in der Schutzgebietskarte Maßstab 1:5000 mit gelber Farbe umrandet) nur mit standortgemäßen einheimischen Laubbaumarten verjüngt werden darf;
b) die dem Ufer des Litzelsees am nächsten stehenden Bäume nur einzelstammweise verjüngt werden dürfen;
c) Forstwegebau nur im Einvernehmen mit der höheren Naturschutzbehörde durchgeführt werden darf;

5.            für behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen.

§ 6 Befreiungen

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann nach § 63 NatSchG Befreiung erteilt werden.

§ 7 Ordnungswidrigkeiten

Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer eine nach § 4 dieser Verordnung verbotene Handlung vornimmt.

§ 8 Inkrafttreten

 (1) Diese Verordnung tritt am Tage nach ihrer Verkündung in Kraft.

 (2) Gleichzeitig tritt die Verordnung des ehemaligen Landratsamtes Stockach zur Sicherung von Naturdenkmalen im Landkreis Stockach vom 21. Oktober 1939, veröffentlicht in der »Bodenseerundschau« am 25. Oktober 1939, insoweit außer Kraft, als sie sich auf den Geltungsbereich dieser Verordnung bezieht.

FREIBURG i. BR., den 23. November 1981

DR. NOTHHELFER