3.120 Bodenseeufer auf Gemarkung Markelfingen

Verordnung des Regierungspräsidiums Freiburg als höhere Naturschutzbehörde über das Naturschutzgebiet »Bodenseeufer« auf Gemarkung Markelfingen vom 10. September 1982 (GBl. v. 15.10.1982, S. 446).

Auf Grund von §§ 21, 58 Abs. 2 und 4 des Gesetzes zum Schutz der Natur, zur Pflege der Landschaft und über die Erholungsvorsorge in der freien Landschaft (Naturschutzgesetz - NatSchG) vom 21. Oktober 1975 (GBl S. 654) wird verordnet:

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

Die in § 2 näher bezeichneten Flächen auf dem Gebiet der Stadt Radolfzell, Ortsteil Markelfingen, Landkreis Konstanz, werden zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung »Bodenseeufer«.

§ 2 Schutzgegenstand

 (1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von ca. 26,2 ha. Es umfaßt den Uferstreifen zwischen Bahnlinie und Bodensee, der sich von dem Grundstück Flst. Nr. 1711 im Westen bis zum Grundstück Flst. Nr. 321 im Süden jeweils einschließlich) erstreckt sowie eine ca. 50 m breite Wasserfläche (bezogen auf die seeseitigen Grenzen der Ufergrundstücke), ausgenommen das Freizeitgelände im Gewann »Kleine Espen« (Badeplatz, Campingplatz, Trockenliegeplatz, öffentliche Grünfläche).

 (2) Die Grenzen des Schutzgebietes sind in einer Karte im Maßstab 1:25000 und in einer Karte Maßstab 1:5000 rot eingetragen. Die Verordnung mit Karten wird bei der höheren Naturschutzbehörde in Freiburg verwahrt; eine Ausfertigung befindet sich bei der unteren Naturschutzbehörde in Konstanz. Die Verordnung mit Karten kann während der üblichen Dienststunden eingesehen werden.

§ 3 Schutzzweck

Wesentlicher Schutzzweck ist die Erhaltung des Bodenseeufers als Lebensraum zahlreicher, zum Teil vom Rückgang oder Aussterben bedrohter Pflanzen - und Tierarten sowie als Landschaft von besonderer Eigenart und Schönheit.

§ 4 Verbote

 (1) In dem Schutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des Schutzgebietes oder seiner Bestandteile, zu einer nachhaltigen Störung oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen können oder geeignet sind, in anderer Weise dem Schutzzweck zuwiderzulaufen.

 (2) Insbesondere ist verboten:

1.            bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils geltenden Fassung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen;

2.            Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

3.            die Bodengestalt zu verändern;

4.            fließende oder stehende Gewässer anzulegen, zu beseitigen oder umzugestalten oder andere Maßnahmen durchzuführen, die den Wasserhaushalt des Gebietes verändern;

5.            Bojen oder andere schwimmende Anlagen zu verankern oder zu befestigen oder Stege zu errichten;

6.            Abfälle oder sonstige Gegenstände zu lagern oder abzulagern;

7.            Plakate, Bild - oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen;

8.            Modellflugzeuge zu betreiben;

9.            Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

10.        Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut- , Wohn - oder Zufluchtsstätten dieser Tiere zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

11.        Grünland in Acker oder Wald umzuwandeln oder die bisherige Grundstücksnutzung in anderer Weise zu ändern oder zu intensivieren;

12.        chemische Mittel zur Bekämpfung von Schadorganismen oder Pflanzenkrankheiten oder Wirkstoffe auszubringen, die den Entwicklungsablauf von Pflanzen beeinflussen;

13.        zu zelten, zu lagern oder Wohnwagen, sonstige Fahrzeuge oder Verkaufsstände aufzustellen;

14.        die Sportfischerei vom Ufer aus;

15.        das Gebiet mit Kraftfahrzeugen zu befahren;

16.        das Gebiet außerhalb von Wegen zu betreten;

17.        Wasserfahrzeuge aller Art und Segelsurfbretter zu lagern;

18.        zu baden, das Ablegen oder Anlegen mit Wasserfahrzeugen aller Art und Segelsurfbrettern;

19.        Feuer anzumachen;

20.        ohne zwingenden Grund Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen;

21.        Hunde frei laufen zu lassen.

§ 5 Zulässige Handlungen

 (1) § 4 gilt nicht:

1.            für die ordnungsmäßige Ausübung der Jagd und der Berufsfischerei in der bisherigen Art, in der bisherigen Intensität und im bisherigen Umfang;

2.            für die ordnungsmäßige landwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art, in der bisherigen Intensität und im bisherigen Umfang im Gewann »Große Espen« mit der Maßgabe, daß Streuwiesen nur einmal im Jahr zwischen 1. September und 15. März gemäht werden dürfen;

3.            für die ordnungsmäßige forstwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art, in der bisherigen Intensität und im bisherigen Umfang, mit der Maßgabe, daß der Pappelhybrid - Bestand auf den Flurstücken 282, 283 und 284 nach Abtrieb mit standortgemäßen, einheimischen Laubholzarten zu bestocken ist;

4.            für die sonstige, bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke und Wege und der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art, in der bisherigen Intensität und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung;

5.            für Pflegemaßnahmen, die von der höheren Naturschutzbehörde oder der von ihr beauftragten Stelle angeordnet werden;

6.            für behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen.

 (2) In den Gewannen »Große Espen« von Grundstück Flst. Nr. 267 (einschließlich) bis Grundstück Flst. Nr. 285 (einschließlich) und »Binsenschachen« auf den Grundstücken Flst. Nrn. 289 und 321 gelten § 4 Nr. 14 und Nr. 18 nicht. § 4 Nr. 16 gilt mit der Maßgabe, daß der Uferstreifen betreten werden darf, wobei der vorhandene Uferbewuchs in seinem Bestand nicht beeinträchtigt oder verändert werden darf.

§ 6 Pflegemaßnahmen

Zur Verwirklichung des Schutzzwecks ist es erforderlich, die Streuwiesen mindestens alle 3 Jahre, höchstens jedoch einmal im Jahr zwischen 1. September und 15. März zu mähen und das Mähgut aus dem Schutzgebiet zu entfernen.

§ 7 Befreiungen

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann nach § 63 NatSchG Befreiung erteilt werden.

§ 8 Ordnungswidrigkeiten

Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer eine nach § 4 dieser Verordnung verbotene Handlung vornimmt, soweit die Handlung nicht mit Strafe bedroht ist.

§ 9 Inkrafttreten

 (1) Diese Verordnung tritt am Tage nach ihrer Verkündung in Kraft.

 (2) Gleichzeitig tritt die Anordnung des Landratsamtes Konstanz zum Schutz von Landschaftsteilen im Bereich des Bodenseeufers des Landkreises Konstanz vom 13. August 1952 (Südkurier vom 26. August 1952) insoweit außer Kraft, als sie sich auf den Geltungsbereich dieser Verordnung bezieht.

FREIBURG I. BR., den 10. September 1982

DR. NOTHHELFER