3.121 Tannhörnle

Verordnung des Regierungspräsidiums Freiburg als höhere Naturschutzbehörde über das Naturschutzgebiet »Tannhörnle« auf Gemarkung Villingen, Schwarzwald - Baar - Kreis vom 17. September 1982 (GBl. v. 29.10.1982, S. 454).

Auf Grund von § § 21, 58 Abs. 2 und 4 und § 64 Abs. 1 Nr. 2 Naturschutzgesetz (NatSchG) vom 2 1. Oktober 1975 (GBl. S. 654) wird verordnet:

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

Die in § 2 näher bezeichnete Fläche auf dem Gebiet der Stadt Villingen - Schwenningen, Gemarkung Villingen, wird zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung »Tannhörnle«.

§ 2 Schutzgegenstand

 (1) Das Schutzgebiet hat eine Fläche von ca. 24 ha. Die Grenze verläuft im Norden am linken Ufer des Warenbachs, im Westen entlang der Gemeindestraße, dann an der nördlichen und östlichen Grenze des Grundstücks Lgb.Nr. 1339/6 und weiter an der Süd - und Ostgrenze des Grundstücks Lgb. Nr. 1339 sowie der Südgrenze des Grundstücks Lgb. Nr. 1339/3 und weiter bis zum Warenbach.

 (2) Die Grenzen des Schutzgebiets sind in einer Karte im Maßstab 1:25000 und in einer Karte im Maßstab 1:5000 rot eingetragen. Die Verordnung mit Karten wird bei der höheren Naturschutzbehörde in Freiburg verwahrt; eine Ausfertigung befindet sich bei der unteren Naturschutzbehörde in Villingen - Schwenningen. Die Verordnung mit Karten kann während der üblichen Dienststunden eingesehen werden.

§ 3 Schutzzweck

Wesentlicher Schutzzweck ist die Erhaltung der ehemaligen Huteweide »Tannhörnle«

1.            als Lebensraum für zahlreiche, zum Teil vom Aussterben bedrohte Tier - und Pflanzenarten;

2.            als naturhafter Landschaftsteil von besonderer Eigenart und Schönheit;

3.            als Gebiet von hervorragender Bedeutung für die Wissenschaft.

§ 4 Verbote

 (1) Im Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des Schutzgebiets oder seiner Bestandteile, zu einer nachhaltigen Störung oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen können.

 (2) Insbesondere ist verboten:

1.            bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils geltenden Fassung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen;

2.            Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

3.            Steine, Kies, Sand, Lehm oder andere Bodenbestandteile abzubauen, zu entnehmen oder einzubringen oder die Bodengestalt auf andere Weise zu verändern;

4.            Abfälle oder sonstige Gegenstände zu lagern oder abzulagern;

5.            fließende oder stehende Gewässer anzulegen, zu beseitigen oder umzugestalten, Entwässerungsmaßnahmen durchzuführen, Wasser zu entnehmen, Abwasser einzuleiten oder andere Maßnahmen durchzuführen, die den Wasserhaushalt des Gebiets verändern;

6.            zu zelten, zu lagern sowie Wohnwagen, sonstige Fahrzeuge oder Verkaufsstände aufzustellen;

7.            Plakate, Bild - oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen;

8.            die Grundstücksnutzung zu ändern;

9.            Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

10.        Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut- , Wohn - oder Zufluchtsstätten dieser Tiere zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

11.        militärische Übungen abzuhalten;

12.        Modellflugzeuge zu betreiben;

13.        ohne zwingenden Grund Lärm oder sonstige störende Immissionen zu verursachen;

14.        Feuer anzumachen;

15.        das Reiten;

16.        das Gebiet außerhalb der dem öffentlichen Verkehr gewidmeten Wege mit Kraftfahrzeugen aller Art zu befahren.

§ 5 Zulässige Handlungen

§ 4 gilt nicht:

1.            für die ordnungsmäßige Ausübung der Jagd und der Fischerei in der bisherigen Art, in der bisherigen Intensität und im bisherigen Umfang;

2.            für die ordnungsmäßige landwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art, in der bisherigen Intensität und im bisherigen Umfang;

3.            für die ordnungsmäßige Nutzung der Gebüschgruppen, Feld - und Ufergehölze mit der Maßgabe, daß
a) der Baum - und Strauchbewuchs am Warenbach nur einzelstamm - oder abschnittsweise genutzt werden darf und wiederherzustellen ist;
b) die landschaftsprägenden Weidbäume und Gebüschgruppen in der bestehenden räumlichen Anordnung erhalten bleiben müssen und ihr anteiliges Verhältnis zum Grünland nicht verändert werden darf;

4.            für die sonstige, bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke, Gewässer und Wege sowie der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art, im bisherigen Umfang und in der bisherigen Intensität, sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung mit der Maßgabe, daß Unterhaltungs- und Pflegemaßnahmen an den Gewässern im Einvernehmen mit der zuständigen Naturschutzbehörde durchzuführen sind;

5.            für Pflege - und Gestaltungsmaßnahmen, die von der höheren Naturschutzbehörde oder der von ihr beauftragten Stelle angeordnet werden;

6.            für behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen;

7.            für notwendige Handlungen in Ausübung einer amtlichen oder ehrenamtlichen
Überwachungstätigkeit.

§ 6 Pflegemaßnahmen

Zur Verwirklichung des Schutzzwecks ist es erforderlich,

1.            das nicht bewirtschaftete Grünland mindestens alle fünf Jahre, höchstens jedoch einmal im Jahr nach dem 15. September zu mähen oder höchstens alle drei Jahre nach dem 31. Juli mit Schafen, unter Ausschluß von Pferchung, zu beweiden;

2.            bei Beweidung durch Schafe den Gebüschjungwuchs zu entfernen.

§ 7 Befreiungen

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann nach § 63 NatSchG Befreiung erteilt werden.

§ 8 Ordnungswidrigkeiten

Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer eine nach § 4 dieser Verordnung verbotene Handlung vornimmt, soweit die Handlung nicht mit Strafe bedroht, ist.

§ 9 Inkrafttreten

Diese Verordnung tritt am Tage nach ihrer Verkündung in Kraft.

FREIBURG I. BR., den 17. September 1982

ACKENHEIL