3.131 Heudorfer Ried

Verordnung des Regierungspräsidiums Freiburg als höhere Naturschutzbehörde und obere Jagdbehörde über das Naturschutzgebiet »Heudorfer Ried« vom 30. Dezember 1983 (GBl. v. 10.02.1984, S. 97).

Auf Grund von §§ 21, 58 Abs. und 4 des Gesetzes zum Schutz der Natur, zur Pflege der Landschaft und über die Erholungsvorsorge in der freien Landschaft (Naturschutzgesetz - NatSchG) vom 21. Oktober 1975 (GBI. S. 654), geändert durch das Gesetz über die Verkündung von Rechtsverordnungen (Verkündungsgesetz - VerkG) vom 11. April 1983 (GBI. S. 131) und von § 22 Landesjagdgesetz in der Fassung vom 20. Dezember 1978 (GBl. 1979 S. 12) wird verordnet:

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

Die in § 2 näher bezeichnete Fläche auf dem Gebiet der Gemeinde Eigeltingen, Gemarkung Heudorf, Landkreis Konstanz, wird zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung »Heudorfer Ried«.

§ 2 Schutzgegenstand

 (1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von ca. 21,5 ha. Es umfaßt die Grundstücke Flst.Nrn. 681/3 (teilweise), 867, 869/1 und 869/2 der Gemarkung Heudorf, Gemeinde Eigeltingen.

 (2) Die Grenzen des Schutzgebietes sind in zwei Karten Maßstab 1:25000 und 1:2500 (Karte der Pachtverhältnisse) rot eingetragen. Die Karten sind Bestandteil der Verordnung. Die Verordnung mit Karten wird beim Regierungspräsidium Freiburg und beim Landratsamt Konstanz auf die Dauer von drei Wochen beginnend am achten Tag nach Verkündung dieser Verordnung im Gesetzblatt zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt.

 (3) Die Verordnung mit Karten ist nach ihrer Verkündung bei den in Abs. 2 Satz 3 bezeichneten Stellen zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten niedergelegt.

§ 3 Schutzzweck

Schutzzweck ist die Erhaltung des Heudorfer Rieds als Lebensraum für eine Vielzahl seltener, zum Teil vom Aussterben bedrohter Tier - und Pflanzenarten.

§ 4 Verbote

 (1) In dem Schutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des Schutzgebietes oder seiner Bestandteile, zu einer nachhaltigen Störung oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen können.

 (2) Insbesondere ist verboten:

1.            bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils geltenden Fassung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen;

2.            Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

3.            Steine, Kies, Sand, Lehm, Torf oder andere Bodenbestandteile einzubringen, abzubauen oder zu entnehmen oder die Bodengestalt auf andere Weise zu verändern;

4.            Abfälle oder sonstige Gegenstände zu lagern oder abzulagern;

5.            fließende oder stehende Gewässer anzulegen, zu beseitigen oder zu verändern, Wasser zu entnehmen, Abwässer einzuleiten, Grundstücke zu entwässern, Stauschwellen oder Durchlässe abzusenken oder andere Maßnahmen durchzuführen, die den Wasserhaushalt des Gebietes verändern;

6.            Boote oder andere schwimmende Anlagen zu verankern, zu befestigen oder Stege zu errichten;

7.            Plakate, Bild - oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen;

8.            Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

9.            Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut- , Wohn - oder Zufluchtsstätten dieser Tiere zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

10.        Grünland neu einzusäen, in Acker oder Wald umzuwandeln oder die bisherige Grundstücksnutzung in anderer Weise zu ändern oder zu intensivieren;

11.        chemische Mittel zur Bekämpfung von Schadorganismen oder Pflanzenkrankheiten oder Wirkstoffe auszubringen, die den Entwicklungsablauf von Pflanzen beeinflussen;

12.        zu zelten, zu lagern oder Wohnwagen, sonstige Fahrzeuge oder Verkaufsstände aufzustellen;

13.        ohne zwingenden Grund Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen;

14.        Motorsport jeglicher Art auszuüben oder Modellflugzeuge zu betreiben;

15.        das Gebiet außerhalb von Wegen zu betreten;

16.        das Anlegen von Erholungseinrichtungen aller Alt;

17.        die Durchführung von Volkswanderungen und vergleichbaren Veranstaltungen mit Gruppen von mehr als 40 Teilnehmern;

18.        Feuer anzumachen.

§ 5 Zulässige Handlungen

§ 4 gilt nicht:

1.            für die ordnungsmäßige Ausübung der Jagd mit der Maßgabe, daß neben den zwei bestehenden keine weiteren Jagdhochsitze errichtet werden;

2.            für die ordnungsmäßige landwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art, in der bisherigen Intensität und im bisherigen Umfang mit der Maßgabe, daß auf den in der Karte der Pachtverhältnisse Maßstab 1:25000 gekennzeichneten Teilflächen
a) Nr. 1 und 4 keine Nutzung stattfindet;
b) Nr. 1b und 1c Nutzung als einschürige Wiese ohne Düngungen stattfindet, wobei der Wiesenschnitt nicht vor dem 1. September erfolgen darf; c) Nr. 1 - 3 Nutzung als Wiese stattfindet, wobei der 1. Schnitt nicht vor dem 15. Juni erfolgen darf;
d) Nr. 1a Nutzung als mehrschürige Wiese ohne Düngung stattfindet;

3.            für die sonstige, bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke, Gewässer und Wege sowie der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art, in der bisherigen Intensität und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung mit der Maßgabe, daß
a) neue Gräben nicht angelegt und die vorhandenen, einschließlich der Hauptabzugsgräben, nicht breiter und tiefer als bisher geräumt werden dürfen;
b) bei Änderung der Vorflutverhältnisse außerhalb des Schutzgebietes an dessen Grenze niveauerhaltende Stauvorrichtungen angebracht werden müssen;

4.            für Pflege - und Gestaltungsmaßnahmen, die von der höheren Naturschutzbehörde oder der von ihr beauftragten Stelle angeordnet werden;

5.            für behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen;

6.            für notwendige Handlungen in Ausübung einer amtlichen oder ehrenamtlichen
Überwachungstätigkeit.

§ 6 Befreiungen

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann die höhere Naturschutzbehörde nach § 63 NatSchG Befreiung erteilen.

§ 7 Ordnungswidrigkeiten

Wer vorsätzlich oder fahrlässig

1.            eine der nach § 4 dieser Verordnung verbotenen Handlungen vornimmt, handelt ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG;

2.            entgegen § 5 Abs. 1 die Jagd ausübt, handelt ordnungswidrig im Sinne des § 33 Abs. 2 Nr. 4 Landesjagdgesetz.

§ 8 Inkrafttreten

Diese Verordnung tritt am Tage nach Ablauf der Auslegungsfrist in Kraft.

FREIBURG I. BR., den 30. Dezember 1983

DR. NOTHHELFER