3.135 Bussenried

Verordnung des Regierungspräsidiums Freiburg als höhere Naturschutzbehörde und obere Jagdbehörde über das Naturschutzgebiet »Bussenried« vom 27. Juni 1984 (GBl. v. 10.08.1984, S. 513).

Auf Grund von §§ 21, 58 Abs. 2 des Gesetzes zum Schutz der Natur, zur Pflege der Landschaft und über die Erholungsvorsorge in der freien Landschaft (Naturschutzgesetz - NatSchG) vom 21. Oktober 1975 (GBI. S.654), geändert durch das Gesetz über die Verkündung von Rechtsverordnungen (Verkündungsgesetz - VerkG) vom 11. April 1983 (GBI. S. 131), sowie auf Grund von § 22 Abs. 1 des Landesjagdgesetzes vom  20. Dezember 1978 (GBI. 1979 S. 12) wird verordnet:

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

Die in § 2 näher bezeichnete Fläche auf dem Gebiet der Gemeinde Allensbach, Gemarkung Hegne, Landkreis Konstanz, wird zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung »Bussenried«.

§ 2 Schutzgegenstand

 (1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von ca. 10,5 ha. Es umfaßt auf dem Gebiet der Gemeinde Allensbach, Gemarkung Hegne die Grundstücke Flst. Nrn. 233, 234, 235, 236, 237 und 238 und wird begrenzt: im Norden und Nordwesten von einem zwischen Schutzgebiet und Wald verlaufenden Forstweg, im Süden und Südwesten ebenfalls von einem zwischen Schutzgebiet und Wald verlaufenden Forstweg; im Westen durch die Forstwege verbindende Ostgrenze des Grundstücks Flst. Nr. 7191; im Osten von dem entlang der Schutzgebietsgrenze, die gleichzeitig Gemarkungsgrenze ist, verlaufenden Wald.

 (2) Die Grenzen des Schutzgebiets sind in zwei Karten im Maßstab 1:25000 bzw. 1:1500 rot eingetragen. Die Karten sind Bestandteil der Verordnung. Die Verordnung mit Karten wird beim Regierungspräsidium Freiburg und beim Landratsamt in Konstanz auf die Dauer von drei Wochen beginnend am achten Tag nach Verkündung dieser Verordnung im Gesetzblatt zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt.

 (3) Die Verordnung mit Karten ist nach ihrer Verkündung bei den in Absatz 2 Satz 3 bezeichneten Stellen zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten niedergelegt.

§ 3 Schutzzweck

Wesentlicher Schutzzweck ist die Erhaltung des »Bussenrieds« als letztem noch intakten Zwischenmoor im Bodanrück, das Lebensraum einer Vielzahl seltener und z. , T. stark gefährdeter Tier - und Pflanzenarten ist.

§ 4 Verbote

 (1) Im Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des Schutzgebietes oder seiner Bestandteile, zu einer nachhaltigen Störung oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen können.

 (2) Insbesondere ist verboten:

1.            bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils geltenden Fassung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen;

2.            Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

3.            die Bodengestalt zu verändern;

4.            Entwässerungs- oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt des Gebietes verändern;

5.            Abfälle oder sonstige Gegenstände zu lagern;

6.            Plakate, Bild - oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen;

7.            Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

8.            Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut- , Wohn - oder Zufluchtstätten dieser Tiere zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

9.            die Art der bisherigen Grundstücksnutzung zu ändern;

10.        zu zelten, zu lagern, Wohnwagen, sonstige Fahrzeuge oder Verkaufsstände aufzustellen oder motorgetriebene Schlitten zu benutzen;

11.        Feuer anzumachen;

12.        ohne zwingenden Grund Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen;

13.        die Wege mit Fahrzeugen zu befahren;

14.        zu reiten;

15.        die Wege zu verlassen;

16.        Erholungseinrichtungen aller Art anzulegen.

§ 5 Zulässige Handlungen

§ 4 gilt nicht:

1.            für die ordnungsgemäße Ausübung der Jagd mit der Maßgabe, daß höchstens 2 Jagdhochsitze und keine Wildfütterungsstellen eingerichtet werden;

2.            für die ordnungsgemäße landwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art, Intensität und Umfang mit der Maßgabe, daß die Wiesen auf den Grundstücken, Flst. Nrn. 233, 235, 236 und 237, nur als extensive Wiesen mit einmaliger Mahd, nicht vor 1. Oktober und ohne Düngung, genutzt werden dürfen;

3.            für die ordnungsgemäße forstwirtschaftliche Nutzung auf Grundstück Flst. Nr. 234.

§ 6 Schutz - und Pflegemaßnahmen

Bei fortschreitender Verbuschung der zentralen Moorfläche ist diese nach Maßgabe eines Pflegeplans wieder auszulichten. Brachliegende Streuwiesen sind alle zwei Jahre, frühestens ab 1. Oktober, zu mähen und das Mähgut aus dem Naturschutzgebiet zu entfernen. Der Wasserstand des Schutzgebiets ist bei Bedarf entsprechend dem Schutzziel zu regulieren.

§ 7 Befreiungen

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann nach § 63 NatSchG Befreiung erteilt werden.

§ 8 Ordnungswidrigkeiten

Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer eine nach § 4 dieser Verordnung verbotene Handlung vornimmt.

§ 9 Inkrafttreten

 (1) Diese Verordnung tritt am Tage nach Ablauf der Auslegungsfrist in Kraft.

 (2) Gleichzeitig tritt die Verordnung zum Schutz von Landschaftsteilen im Bereich des Bodanrücks, im Landkreis Konstanz vom 1. Juli 1966 (veröffentlicht im Südkurier Nr. 153 vom 7. Juli 1966) insoweit außer Kraft, als sie sich auf den Geltungsbereich dieser Verordnung bezieht.

FREIBURG I. BR., den 27. Juni 1984

DR. NOTHHELFER