3.137 Biezental-Kirnerberg

Verordnung des Regierungspräsidiums Freiburg als höhere Naturschutzbehörde über das Naturschutzgebiet »Biezental - Kirnerberg« vom 20. September 1984 (GBl. v. 16.11.1984, S. 613).

Auf Grund von §§ 21, 58 Abs. 2 des Gesetzes zum Schutze der Natur, zur Pflege der Landschaft und über die Erholungsvorsorge in der freien Landschaft (Naturschutzgesetz - NatSchG) vom 21. Oktober 1975 (GBI. S. 654), geändert durch das Gesetz über die Verkündung von Rechtsverordnungen (Verkündigungsgesetz - VerkG) vom 11. April 1983 (GBl S. 131), wird verordnet:

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

Die in § 2 näher bezeichneten Flächen auf den Gemarkungen Engen und Zimmerholz, Stadt Engen, Landkreis Konstanz, Werden zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung »Biezental - Kirnerberg«.

§ 2 Schutzgegenstand

 (1) Das Naturschutzgebiet besteht aus zwei Teilgebieten und hat insgesamt eine Größe von ca. 17,4 ha.

Das westliche Teilgebiet umfaßt auf dem Gebiet der Stadt Engen, Gemarkung Zimmerholz, die Grundstücke Flst. Nrn. 1249 (teilweise), 1251, 1254 - 1262, 1264, 1461 (westlicher Teil), 1463/1 und 1464/1. Dieses Teilgebiet wird begrenzt: im Süden durch die Kreisstraße K 6130, im Westen durch den zum Steinbruch führenden öffentlichen Weg, im Norden durch die südlichen Grenzen der Grundstücke Flst. Nrn. 1263 und 1250 und im Osten durch den westlichen Teil des Grundstückes Flst. Nr. 1461.

Das östliche Teilgebiet umfaßt auf dem Gebiet der Stadt Engen, Gemarkung Zimmerholz die Grundstücke Flst. Nrn. 1418, 1419, 1423 - 1425, 1438 (teilweise), 1439, 1440 (teilweise) und auf Gemarkung Engen jeweils den westlichen Teil der Grundstücke Flst. Nrn. 904 - 916 und die Grundstücke Flst. Nrn. 921 - 929, 930/2, 930/3, 930/4, 931 - 933 und 935. Dieses Teilgebiet wird begrenzt: im Süden durch die Kreisstraße K 6130, im Westen durch die Ostgrenzen der Grundstücke Flst. Nrn. 1431, 1430, 1426 und 1437, im Nordwesten durch die südöstlichen Grenzen der Grundstücke Flst. Nrn. 1406, 1405 und 833, im Südosten durch die Westgrenzen der Grundstücke Flst. Nrn. 891 - 903 und im Nordosten durch den westlichen Teil der Grundstücke Flst. Nrn. 904 - 916.

 (2) Die Grenzen des Schutzgebiets sind in zwei Karten im Maßstab 1:25000 bzw. 1:5000 rot eingetragen. Die Karten sind Bestandteil der Verordnung. Die Verordnung mit Karten wird beim Regierungspräsidium Freiburg und beim Landratsamt in Konstanz auf die Dauer von drei Wochen beginnend am achten Tag nach Verkündung dieser Verordnung im Gesetzblatt zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt.

 (3) Die Verordnung mit Karten ist nach ihrer Verkündung bei den in Absatz 2 Satz 3 bezeichneten Stellen zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten niedergelegt.

§ 3 Schutzzweck

Wesentlicher Schutzzweck ist die Erhaltung eines besonders vielgestaltigen Mosaiks wärmeliebender Pflanzengesellschaften mit vielen seltenen und geschützten Tier - und Pflanzenarten.

§ 4 Verbote

 (1) Im Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des Schutzgebietes oder seiner Bestandteile, zu einer nachhaltigen Störung oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen können.

 (2) Insbesondere ist verboten:

1.            bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils geltenden Fassung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen;

2.            Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

3.            die Bodengestalt zu verändern;

4.            Entwässerungs- oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt des Gebiets verändern;

5.            Abfälle oder sonstige Gegenstände zu lagern;

6.            Plakate, Bild - oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen;

7.            Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

8.            Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut- , Wohn - oder Zufluchtsstätten dieser Tiere zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

9.            die Art der bisherigen Grundstücksnutzung zu ändern;

10.        zu zelten, zu lagern, Wohnwagen, sonstige Fahrzeuge oder Verkaufsstände aufzustellen oder motorgetriebene Schlitten zu benutzen;

11.        außerhalb von eingerichteten und gekennzeichneten Feuerstellen Feuer anzumachen;

12.        ohne zwingenden Grund Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen;

13.        die Wege und das Gelände mit Fahrzeugen zu befahren;

14.        zu reiten;

15.        die Wege zu verlassen;

16.        Erholungseinrichtungen aller Art anzulegen;

17.        Hängegleiter in Betrieb zu nehmen.

§ 5 Zulässige Handlungen

§ 4 gilt nicht

1.            für die ordnungsmäßige Ausübung der Jagd;

2.            für die ordnungsmäßige landwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art, in der bisherigen Intensität und im bisherigen Umfang mit der Maßgabe, daß die auf Gemarkung Engen liegenden Grundstücke Flst. Nrn. 904 - 916 (jeweils teilweise) und 925 - 928, 930/3, 930/4 und 933 sowie die Böschung des Grundstückes Flst. Nr. 921 und die auf Gemarkung Zimmerholz liegenden Grundstücke Flst. Nrn. 1438 und 1461 (teilweise) nicht gedüngt und höchstens einmal jährlich, nicht vor dem 1. Juli, gemäht werden dürfen;

3.            für die ordnungsmäßige forstwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art, Intensität und Umfang mit der Maßgabe, daß
a) im Wald auf Gemarkung Zimmerholz Grundstück Flst.Nr. 1249 bis zu einer von West nach Ost 100 m vor der nördlichen Schutzgebietsgrenze verlaufenden gedachten Linie nur die Ernte zufälliger Ergebnisse zulässig ist, wobei Maßnahmen zur Abwehr von Schädlingsbefall statthaft sind;
b) auf den nördlichen Teilflächen von Grundstück Flst.Nr. 1249 und den Grundstücken Flst.Nrn. 1261 und 1262 normale Pflegehiebe bei Wahrung der bestehenden Baumartenzusammensetzung zulässig sind;
c) auf den übrigen mit Kiefern bestockten Grundstücken die Baumartenzusammensetzung nicht geändert werden darf, wobei zur Verwirklichung des Schutzziels das Auslichten, Entbuschen und Entfernen von aufkommendem Jungwuchs nach Maßgabe eines von der Bezirksstelle für Naturschutz und Landschaftspflege aufgestellten Pflegeplans zulässig ist.

§ 6 Schutz - und Pflegemaßnahmen

Die mit Kiefern oder Gebüsch bewachsenen Flächen sind auszulichten, sofern die schützenswerte Bodenvegetation zu stark beschattet wird.

§ 7 Befreiungen

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann nach § 63 NatSchG Befreiung erteilt werden.

§ 8 Ordnungswidrigkeiten

Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer eine nach § 4 dieser Verordnung verbotene Handlung vornimmt.

§ 9 Inkrafttreten

 (1) Diese Verordnung tritt am Tage nach Ablauf der Auslegungsfrist in Kraft.

 (2) Gleichzeitig tritt die Verordnung zum Schutz von Landschaftsteilen des Hegaus im Bereich des Landkreises Konstanz vom 19. September 1952 (veröffentlicht im Südkurier Nr. 151 vom 24. September 1952), insoweit außer Kraft, als sie sich auf den Geltungsbereich dieser Verordnung bezieht.

FREIBURG I. BR., den 20. September 1984

DR. NOTHHELFER