3.138 Hohenkarpfen

Verordnung des Regierungspräsidiums Freiburg als höhere Naturschutzbehörde über das Naturschutzgebiet »Hohenkarpfen« vom 19. Oktober 1984 (GBl. v. 30.11.1984, S. 642).

Auf Grund der §§ 21 und 58 Abs. 2 und 4 des Gesetzes zum Schutz der Natur, zur Pflege der Landschaft und über die Erholungsvorsorge in der freien Landschaft (Naturschutzgesetz - NatSchG) vom 21. Oktober 1975 (GBI. S. 654) wird verordnet:

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

Die in § 2 näher bezeichnete Fläche auf dem Gebiet der Gemarkung Hausen o. V, Landkreis Tuttlingen, wird zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung »Hohenkarpfen«.

§ 2 Schutzgegenstand

 (1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von ca. 13,5 ha. Es umfaßt die Grundstücke Flst. Nrn. 2006, 2013, 2014, 2015, 2121, 2122,2124 und 2003 (teilweise) der Gemeinde Hausen o. V.

 (2) Die Grenzen des Schutzgebietes sind in zwei Karten im Maßstab 1:25000 bzw. 1:2500 rot eingetragen. Die Karten sind Bestandteil der Verordnung. Die Verordnung mit Karten wird beim Regierungspräsidium Freiburg und beim Landratsamt in Tuttlingen auf die Dauer von drei Wochen, beginnend am achten Tag nach Verkündung dieser Verordnung im Gesetzblatt, zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt.

 (3) Die Verordnung mit Karten ist nach ihrer Verkündung bei den in Absatz 2 Satz 3 bezeichneten Stellen zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten niedergelegt.

§ 3 Schutzzweck

Wesentlicher Schutzzweck ist die Erhaltung des »Hohenkarpfens«, dessen Überreste der Burganlage nach §§ 12 und 15 im Denkmalbuch eingetragen sind,

1.            als einzigartiges erdgeschichtliches Dokument, das in seiner Eigenart und Schönheit von besonderer Bedeutung für die Landschaft der Baar ist;

2.            als Lebensraum für eine Vielzahl seltener Tier - und Pflanzenarten.

§ 4 Verbote

 (1) In dem Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des Schutzgebietes oder seiner Bestandteile, zu einer nachhaltigen Störung oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen können oder geeignet sind, in anderer Weise dem Schutzzweck zuwiderzulaufen.

 (2) Insbesondere ist verboten:

1.            bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils geltenden Fassung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen;

2.            Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

3.            Anlagen und Einrichtungen für Erholungszwecke zu errichten;

4.            die Bodengestalt zu verändern;

5.            Entwässerungs- oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt des Gebietes verändern;

6.            Abfälle oder sonstige Gegenstände zu lagern oder abzulagern;

7.            Plakate, Bild - oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen;

8.            Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

9.            Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut- , Wohn - oder Zufluchtsstätten dieser Tiere zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

10.        zu zelten, zu lagern, Wohnwagen, sonstige Fahrzeuge oder Verkaufswagen aufzustellen;

11.        Modellflugzeuge zu betreiben;

12.        mit Hängegleitern zu starten;

13.        die Grundstücksnutzung zu ändern oder zu intensivieren;

14.        das Schutzgebiet außerhalb der Wege und Pfade zu betreten;

15.        außerhalb von eingerichteten und gekennzeichneten Feuerstellen Feuer anzumachen;

16.        chemische Mittel zur Bekämpfung von Schadorganismen oder Pflanzenkrankheiten auszubringen;

17.        ohne zwingenden Grund Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen.

§ 5 Zulässige Handlungen

§ 4 gilt nicht:

1.            für die ordnungsgemäße Ausübung der Jagd;

2.            für die ordnungsgemäße landwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art in der bisherigen Intensität und im bisherigen Umfang mit der Maßgabe, daß
a) Wiesen nicht umgebrochen oder aufgeforstet werden dürfen;
b) auf den Wiesen nur extensive Beweidung mit Schafen ohne Koppel und ohne Anlage eines Pferches stattfinden darf;
c) Gebüsch - und Baumgruppen in der bestehenden räumlichen Anordnung erhalten bleiben müssen und ihr anteiliges Verhältnis zum Grünland nicht verändert werden darf;

3.            für die sonstige bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke in der bisherigen Art, im bisherigen Umfang und in der bisherigen Intensität sowie ihrer Unterhaltung;

4.            für Pflegemaßnahmen, die von der höheren Naturschutzbehörde oder der von ihr beauftragten Stelle angeordnet werden;

5.            für behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen;

6.            für notwendige Handlungen in Ausübung einer amtlichen oder ehrenamtlichen Überwachungstätigkeit.

§ 6 Befreiungen

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann die höhere Naturschutzbehörde nach § 63 NatSchG Befreiung erteilen.

§ 7 Ordnungswidrigkeiten

Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer vorsätzlich oder fahrlässig eine nach § 4 dieser Verordnung verbotene Handlung vornimmt.

§ 8 Inkrafttreten

Diese Verordnung tritt am Tage nach Ablauf der Auslegungsfrist in Kraft.

 (2) Gleichzeitig tritt die Verordnung zum Schutze der Landschaftsteile und Landschaftsbestandteile im Kreis Tuttlingen vom 11. Januar 1944, soweit sie sich auf den Geltungsbereich dieser Verordnung bezieht, außer Kraft.

FREIBURG I. BR., den 19. Oktober 1984

DR.NOTHHELFER