3.145 Waldmatten

Verordnung des Regierungspräsidiums Freiburg über das Naturschutzgebiet »Waldmatten« vom 15. Mai 1985 (GBl. v. 12.07.1985, S. 211).

Auf Grund von §§ 21, 58 Abs. 2 des Gesetzes zum Schutz der Natur, zur Pflege der Landschaft und über die Erholungsvorsorge in der freien Landschaft (Naturschutzgesetz
- NatSchG) vom 21. Oktober 1975 (GBl S. 654), geändert durch das Gesetz zur Bereinigung des baden - württembergischen Ordnungswidrigkeitenrechts von 6. Juni 1983 (GBl. S. 199), wird verordnet:

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

Die in § 2 näher bezeichnete Fläche auf dem Gebiet der Gemeinde Schwanau, Ortenaukreis, wird zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung »Waldmatten«.

§ 2 Schutzgegenstand

 (1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von rd. 48 ha. Es umfaßt auf dem Gebiet der Gemeinde Schwanau, Gemarkung Wittenweier, die Grundstücke Flst. Nr. 1128/2 (teilweise) und 1128/3 (teilweise) sowie auf Gemarkung Nonnenweier die Grundstücke Flst. Nr. 3430 (teilweise), 3513 bis 3518, 3519 (teilweise), 3520, 3522 bis 3535, 3556 bis 3579, 3580 (teilweise), 3594 bis 3651, 3653, 3654 bis 3656, 3657 (teilweise), 3664 bis 3669, 3679 (teilweise), 27 (teilweise), 27/5 (teilweise) und 27/7.

 (2) Die Grenzen des Schutzgebietes sind in einer Übersichtskarte im Maßstab 1:25000 und in einer Karte im Maßstab 1:5000 rot eingetragen. Die Karten sind Bestandteil der Verordnung. Die Verordnung mit Karten wird beim Regierungspräsidium Freiburg in Freiburg i. Br. und beim Landratsamt Ortenaukreis in Offenburg auf die Dauer von drei Wochen, beginnend am achten Tag nach Verkündung dieser Verordnung im Gesetzblatt, zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt.

 (3) Die Verordnung mit Karten ist nach ihrer Verkündung bei den in Absatz 2 Satz 3 bezeichneten Stellen zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten niedergelegt.

§ 3 Schutzzweck

Schutzzweck ist die Erhaltung der »Waldmatten« als Lebensraum seltener und z. Teil vom Aussterben bedrohter Tier - und Pflanzenarten, insbesondere des Großen Brachvogels und der Bekassine.

§ 4 Verbote

 (1) In dem Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des Schutzgebietes oder seiner Bestandteile, zu einer nachhaltigen Störung oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen können oder geeignet sind, in anderer Weise dem Schutzzweck zuwiderzulaufen.

 (2) Insbesondere ist verboten:

1.            bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils geltenden Fassung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen;

2.            Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

3.            die Bodengestalt zu verändern;

4.            Entwässerungs- oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt des Gebietes verändern;

5.            Abfälle oder sonstige Gegenstände zu lagern;

6.            Plakate, Bild - oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen;

7.            Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

8.            Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut- , Wohn - oder Zufluchtsstätten dieser Tiere zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

9.            die Art der bisherigen Grundstücksnutzung zu ändern oder zu intensivieren;

10.        zu zelten, zu lagern oder Wohnwagen, sonstige Fahrzeuge oder Verkaufsstände aufzustellen;

11.        Feuer anzumachen;

12.        ohne zwingenden Grund Lärm Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen;

13.        das Schutzgebiet in der Zeit vom 1. März bis 31. August eines jeden Jahres außerhalb der Wege zu betreten;

14.        Flugmodelle in dem Schutzgebiet zu betreiben;

15.        chemische Mittel zur Bekämpfung von Schadorganismen oder Pflanzenkrankheiten außerhalb von Ackerflächen auszubringen.

§ 5 Zulässige Handlungen

§ 4 gilt nicht:

1.            für die ordnungsmäßige Ausübung der Jagd;

2.            für die ordnungsmäßige landwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art, in der bisherigen Intensität und im bisherigen Umfang mit der Maßgabe, daß auf den als Grünland genutzten Flächen in der Zeit vom 10. April bis zum ersten Schnitt grundsätzlich keine Maßnahmen der Bodenbearbeitung, wie Abschleppen, Walzen und Düngen, durchgeführt werden dürfen und nach dem 10. April solche Bodenbearbeitungsmaßnahmen nur zulässig sind, wenn und soweit sie wegen der Witterung oder der Bodenverhältnisse nicht vorher erledigt werden konnten;

3.            für die sonstige bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke, Gewässer, Straßen und Wege sowie der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung; das Ausputzen der Gräben ist jedoch erst nach Beendigung des zweiten Schnittes der Wiesen zulässig;

4.            für Pflegemaßnahmen, die von der höheren Naturschutzbehörde oder der von ihr beauftragten Stelle angeordnet werden;

5.            für behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen.

§ 6 Schutz - und Pflegemaßnahmen

Zum Schutz, zur Erhaltung und zur Pflege des Naturschutzgebietes ist es erforderlich, von dem nicht mehr bewirtschafteten Grünland östlich des von Süd nach Nord durch das Grundstück Flst. Nr. 3580 führenden Weges jährlich zwischen Oktober und Februar jeweils ein Drittel der Fläche zu mähen und das Mähgut aus dem Schutzgebiet zu entfernen.

§ 7 Befreiungen

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann nach § 63 NatSchG Befreiung erteilt werden.

§ 8 Ordnungswidrigkeiten

Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig eine der nach § 4 dieser Verordnung verbotenen Handlungen vornimmt.

§ 9 Inkrafttreten

Diese Verordnung tritt am Tage nach Ablauf der Auslegungsfrist in Kraft.

FREIBURG I. BR., den 15. Mai 1985

DR. NOTHHELFER