3.146 Rappennestgießen

Verordnung des Regierungspräsidiums Freiburg über das Naturschutzgebiet »Rappennestgießen« vom 3. Juli 1985 (GBl. v. 15.08.1985, S. 248).

Auf Grund von § § 21, 58 Abs. 2 und § 64 Abs. 1 Nr. 2 des Gesetzes zum Schutz der Natur, zur Pflege der Landschaft und über die Erholungsvorsorge in der freien Landschaft (Naturschutzgesetz - NatSchG) vom 21. Oktober 1975 (GBl. S. 654), geändert durch das Gesetz zur Bereinigung des baden - württembergischen Ordnungswidrigkeitenrechts vom 6. Juni 1983 (GBl S. 199), wird verordnet:

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

Die in § 2 näher bezeichnete Fläche auf dem Gebiet der Stadt Vogtsburg, Landkreis Breisgau - Hochschwarzwald, wird zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung »Rappennestgießen«.

§ 2 Schutzgegenstand

 (1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von rund 53 ha. Es umfaßt nach dem Stand vom 1. Juli 1983 auf dem Gebiet der Stadt Vogtsburg a. K. Teile der Grundstücke Flst. Nrn. 3115 und 3115/1 der Gemarkung Burkheim.

 (2) Die Grenzen des Schutzgebietes sind in einer Übersichtskarte Maßstab 1:25000 und in einer Karte Maßstab 1:5000 rot eingetragen. Die Karten sind Bestandteil dieser Verordnung. Die Verordnung mit Karten wird beim Regierungspräsidium Freiburg in Freiburg i.Br. und beim Landratsamt Breisgau - Hochschwarzwald in Freiburg i.Br. auf die Dauer von drei Wochen, beginnend am achten Tag nach Verkündung dieser Verordnung im Gesetzblatt, zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt.

 (3) Die Verordnung mit Karten ist nach ihrer Verkündung bei den in Absatz 2 Satz 3 bezeichneten Stellen zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten niedergelegt.

§ 3 Schutzzweck

Wesentlicher Schutzzweck ist die Erhaltung des Gebietes mit seinen für die Rheinaue charakteristischen Quellteichen, Schluten, Altwassern, Uferzonen und Wäldern

·               als Lebensraum für zahlreiche Tier - und Pflanzengesellschaften mit seltenen, z.T. vom Aussterben bedrohten Arten;

·               als naturhafter Landschaftsteil von besonderer Eigenart und Schönheit sowie

·               als Objekt für die Wissenschaft.

§ 4 Verbote

 (1) In dem Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des Schutzgebietes oder seiner Bestandteile, zu einer nachhaltigen Störung oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen können.

 (2) Insbesondere ist verboten:

1.            bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils geltenden Fassung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen;

2.            Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

3.            die Bodengestalt zu verändern;

4.            Entwässerungs- oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt des Gebietes verändern, sowie die Wasserqualität durch Einbringen von Stoffen zu beeinflussen;

5.            Abfälle oder sonstige Gegenstände zu lagern;

6.            Plakate, Bild - oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen;

7.            Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

8.            Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut- , Wohn - oder Zufluchtsstätten dieser Tiere zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

9.            die Art der bisherigen Grundstücksnutzung zu ändern;

10.        zu zelten, zu lagern, Wohnwagen, sonstige Fahrzeuge oder Verkaufsstände aufzustellen;

11.        das Schutzgebiet außerhalb der Wege zu betreten;

12.        zu baden oder den Tauchsport auszuüben;

13.        die Quelltöpfe (in der Karte 1 : 5 000 blau umrandet) mit Wasserfahrzeugen aller Art zu befahren;

14.        die Sportfischerei auszuüben;

15.        Feuer anzumachen;

16.        ohne zwingenden Grund Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen.

§ 5 Zulässige Handlungen

§ 4 gilt nicht:

1.            für die ordnungsgemäße Ausübung der Jagd;

2.            für die ordnungsgemäße Ausübung der Berufsfischerei sowie der Fischerei durch Mitglieder der historischen Fischerzunft Burkheim in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang mit der Maßgabe, daß
a) Veränderungen an den Gewässern sowie der Ufervegetation nur mit Zustimmung der höheren Naturschutzbehörde erfolgen dürfen; dies gilt auch für die Anlage von Stegen und Bootsanlegestellen;
b) die Gewässer nur mit Wasserfahrzeugen ohne Motor befahren werden dürfen;

3.            für die ordnungsgemäße landwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art, im bisherigen Umfang und in der bisherigen Intensität;

4.            für die ordnungsgemäße forstwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art, im bisherigen Umfang und in der bisherigen Intensität mit der Maßgabe, daß
a) entlang der Gewässer auf einer ca. 10 m breiten Zone die natürliche uferbegleitende Bestockung erhalten oder wiederhergestellt wird,
b) bei der Verjüngung standortgemäße, rheinauenheimische Laubbaumbestände begründet werden, deren Zusammensetzung sich an den potentiellen natürlichen Waldgesellschaften orientiert,
c) die Möglichkeiten zu femelartiger Bestandserhaltung ausgeschöpft werden und im übrigen notwendige Kahlhiebe die Fläche von 2 ha nicht überschreiten, wobei angrenzende Kulturen bis zu einem Bestandsalter von fünf Jahren auf die Kahlfläche anzurechnen sind;

5.            für die sonstige bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke, Gewässer, Straßen und Wege sowie der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung; der Gemeingebrauch an den Gewässern ist keine Nutzung im Sinne dieser Vorschrift;

6.            für Pflegemaßnahmen, die von der höheren Naturschutzbehörde oder der von ihr beauftragten Stelle angeordnet werden;

7.            für behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen.

§ 6 Schutz - und Pflegemaßnahmen

Schutz - und Pflegemaßnahmen werden im Bedarfsfall von der höheren Naturschutzbehörde angeordnet.

§ 7 Befreiungen

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann nach § 63 NatSchG Befreiung erteilt werden.

§ 8 Ordnungswidrigkeiten

Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig eine der nach § 4 dieser Verordnung verbotenen Handlungen vornimmt.

§ 9 Inkrafttreten

 (1) Diese Verordnung tritt am Tage nach Ablauf der Auslegungsfrist in Kraft.

 (2) Gleichzeitig tritt die Verordnung des Landratsamtes Breisgau - Hochschwarzwald vom 17.Januar 1983 über das flächenhafte Naturdenkmal »Rappennest- Gießen«, verkündet am 26.Januar 1983 in der »Badischen Zeitung«, außer Kraft.

FREIBURG I. BR., den 3. Juli 1985

DR. NOTHHELFER