3.153 Briglirain

Verordnung des Regierungspräsidiums Freiburg als höhere Naturschutzbehörde über das Naturschutzgebiet »Briglirain« vom 3. Dezember 1985 (GBl. v. 24.01.1986, S. 15).

Auf Grund von § § 21, 58 Abs. 2 und § 64 Abs. 1 Nr. 2 des Gesetzes zum Schutz der Natur, zur Pflege der Landschaft und über die Erholungsvorsorge in der freien Landschaft (Naturschutzgesetz - NatSchG) vom 21. Oktober 1975 (GBI. S. 654), zuletzt geändert durch das Landesplanungsgesetz vom 10. Oktober 1983 (GBI. S. 621), wird verordnet:

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

Die in § 2 näher bezeichneten Flächen auf dem Gebiet der Stadt Furtwangen und der Gemeinde Schönwald im Schwarzwald, Schwarzwald - Baar - Kreis, werden zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung »Briglirain«.

§ 2 Schutzgegenstand

 (1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von rund 27 ha. Es umfaßt die Grundstücke Flst. Nrn. 510 (teilweise) und 506 (teilweise) auf Gemarkung Furtwangen und das Grundstück Flst.Nr. 427 (teilweise) auf Gemarkung Schönwald im Schwarzwald.

Das Schutzgebiet wird begrenzt:

im Osten in den Gewannen »Untere Matte« und »Hausmatte« durch den dortigen Bach unter Einschluß des Bachbettes; im Gewann »Gründleacker« durch die Böschungsoberkante, die das Wirtschaftsgrünland vom Streuwiesenbereich trennt;

im Norden zum Teil durch die Gemarkungsgrenze Schönwald/Furtwangen und die Oberläufe der Elz unter Einschluß des Bachbettes und seiner Ufer;

im Westen durch den Weg zwischen dem Grenzstein Nr. 79 und der Wegegabelung; daran anschließend durch den Stichweg, welcher über den Grenzstein »Brücklerain 2« bis zur Grundstücksgrenze im Gewann »Spitzwald« führt; im Süden durch den Waldrand und den Weg.

 (2) Die Grenzen des Schutzgebietes sind in einer Karte im Maßstab 1:25000 und in einer Karte Maßstab 1:5000 rot eingetragen. Die in dieser Verordnung geregelte Waldbewirtschaftung ist in einer Waldbewirtschaftungskarte Maßstab 1:5000 näher dargestellt. Die Karten sind Bestandteil dieser Verordnung. Die Verordnung mit Karten wird beim Regierungspräsidium Freiburg in Freiburg und beim Landratsamt Schwarzwald - Baar - Kreis in Villingen - Schwenningen auf die Dauer von drei Wochen, beginnend am achten Tag nach Verkündung dieser Verordnung im Gesetzblatt, zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt.

 (3) Die Verordnung mit Karten ist nach Ablauf der Auslegungsfrist bei den in Absatz 2 Satz 4 bezeichneten Stellen zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten niedergelegt.

§ 3 Schutzzweck

Schutzzweck ist

·               die Erhaltung des in seinem Wasserhaushalt relativ gering gestörten Moorkomplexes aus Hang - , Nieder - , Übergangs- und Hochmoorbereichen in noch gut ausgeprägter Zonierung;

·               die Sicherung des Lebensraumes von stark zurückgehenden Pflanzengesellschaften und von Pflanzenarten, die in ihrer Existenz bedroht sind.

§ 4 Verbote

 (1) In dem Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des Schutzgebietes oder seiner Bestandteile, zu einer nachhaltigen Störung oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen können.

 (2) Insbesondere ist verboten:

1.            bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils geltenden Fassung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen;

2.            Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

3.            die Bodengestalt zu verändern, insbesondere Torf abzubauen;

4.            Entwässerungs- oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt des Gebietes verändern, Fremdwasser in das Schutzgebiet einzuleiten oder vorhandene Wasserläufe zu verändern, sowie Gewässer neu anzulegen;

5.            Abfälle, Fäkalien, Bauschutt, Erdaushub und ähnliche mineralische Bodenbestandteile einzubringen oder sonstige Gegenstände zu lagern;

6.            Plakate, Bild - oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen;

7.            Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

8.            Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut- , Wohn - oder Zufluchtsstätten dieser Tiere zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

9.            die Art der bisherigen Grundstücksnutzung zu ändern oder zu intensivieren;

10.        zu zelten, zu lagern, Wohnwagen, sonstige Fahrzeuge oder Verkaufsstände aufzustellen oder motorgetriebene Schlitten zu benutzen;

11.        Feuerstellen einzurichten oder Feuer anzumachen;

12.        ohne zwingenden Grund Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen;

13.        Ski - oder Langlauf - Loipen im Schutzgebiet anzulegen;

14.        anorganische oder organische Düngemittel einzubringen;

15.        chemische Mittel zur Bekämpfung von Schadorganismen oder Pflanzenkrankheiten oder Wirkstoffe auszubringen, die den Entwicklungsablauf von Pflanzen beeinflussen;

16.        Motorsport jeglicher Art auszuüben oder Modellflugzeuge oder Modellboote zu betreiben.

§ 5 Zulässige Handlungen

§ 4 gilt nicht:

1.            für die ordnungsgemäße Ausübung der Jagd;

2.            für die ordnungsgemäße land - und forstwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art, der bisherigen Intensität und im bisherigen Umfang mit der Maßgabe, daß
a) die jährliche Beweidungsdauer von 5 Monaten, nämlich von Mitte Mai bis Mitte Oktober nicht überschritten werden darf;
b) die bisherigen Weideflächen des Grundstücks Flst.Nr. 510 auf Gemarkung Furtwangen mit höchstens 12 Stück Rindvieh beschickt werden dürfen;
c) die in der »Karte der Waldbewirtschaftung Maßstab 1:5000« dargestellten Wirtschaftswaldflächen nicht ausgedehnt werden dürfen;
d) forstliche Eingriffe in den Moorwald (= nicht Wirtschaftswald) im Zentrum und im Nordteil des Schutzgebietes nur nach Absprache mit der höheren Naturschutzbehörde stattfinden dürfen;
e) keine Düngemittel ausgebracht werden dürfen;

3.            für die sonstige bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke, Gewässer, Straßen und Wege sowie der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung;

4.            für Pflegemaßnahmen, die von der höheren Naturschutzbehörde oder der von ihr beauftragten Stelle angeordnet werden;

5.            für behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen;

6.            für die Anlage der bisher bestehenden Langlaufloipe, die als Teil des Fernskiwanderweges Schonach - Belchen innerhalb von 6 Meter Abstand entlang des Weges an der schmalsten Stelle des Naturschutzgebietes verläuft.

§ 6 Schutz - und Pflegemaßnahmen

Zur langfristigen Sicherung des Schutzzweckes kann es erforderlich werden, insbesondere in den Borstgras- und Flügelginsterweiden und im Gewann »Gründlematte« den Gehölzanflug zu entfernen.

§ 7 Befreiungen

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann nach § 63 NatSchG Befreiung erteilt werden.

§ 8 Ordnungswidrigkeiten

Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer im Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig eine nach § 4 dieser Verordnung verbotene Handlung vornimmt.

§ 9 Inkrafttreten

Diese Verordnung tritt am Tage nach Ablauf der Auslegungsfrist in Kraft.

FREIBURG I. BR., den 3. Dezember 1985

DR.NOTHHELFER