3.155 Bündtlisried

Verordnung des Regierungspräsidiums Freiburg als höhere Naturschutzbehörde über das Naturschutzgebiet »Bündtlisried« vom 20. Februar 1986 (GBl. v. 09.04.1986, S. 115).

Auf Grund von §§ 21, 58 Abs. 2 und 4 und § 64 Abs. 1 Nr. 2 des Gesetzes zum Schutz der Natur, zur Pflege der Landschaft und über die Erholungsvorsorge in der freien Landschaft (Naturschutzgesetz - NatSchG) vom 21. Oktober 1975 (GBI. S. 654), zuletzt geändert durch Art. 49 der Anpassungsverordnung des Innenministeriums vom 19. März 1985 (GBI. S. 71), wird verordnet:

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

Die in § 2 näher bezeichnete Fläche auf der Gemarkung Allensbach der Gemeinde Allensbach im Landkreis Konstanz wird zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung »Bündtlisried«.

§ 2 Schutzgegenstand

 (1) Das Schutzgebiet hat eine Größe von ca. 15,1 ha. Es wird begrenzt durch einen rundum verlaufenden Waldweg und zwar im Osten durch den westlichen Rand des Waldweges von dem Waldgrenzstein 26 bis zu dem Waldgrenzstein 41; im Süden durch den Nordrand des Waldweges von dem Waldgrenzstein 41 bis zu dem Waldgrenzstein 76; im Westen durch den östlichen Rand des Waldweges von dem Waldgrenzstein 79 bis zu dem Waldgrenzstein 90; im Norden durch den südlichen Rand des Waldweges von dem Waldgrenzstein 90 bis zu dem Waldgrenzstein 26.

 (2) Die Grenzen des Schutzgebietes sind in zwei Karten des Regierungspräsidiums Freiburg (Maßstab 1:25000 und 1:5000) rot eingetragen. Die Karten sind Bestandteil dieser Verordnung. Die Verordnung mit Karten wird beim Regierungspräsidium Freiburg und beim Landratsamt Konstanz auf die Dauer von drei Wochen, beginnend am achten Tag nach Verkündung dieser Verordnung im Gesetzblatt, zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt.

 (3) Die Verordnung mit Karten ist nach ihrer Verkündung bei den in Abs. 2 Satz 3 bezeichneten Stellen zu kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten niedergelegt.

§ 3 Schutzzweck

Schutzzweck ist die Erhaltung des Feuchtgebietes »Bündtlisried« als Standort seltener Pflanzengesellschaften und als Lebensraum einer Vielzahl seltener und geschützter Tier - und Pflanzenarten.

§ 4 Verbote

 (1) In dem Schutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des Schutzgebietes oder seiner Bestandteile, zu einer nachhaltigen Störung oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen können.

 (2) Insbesondere ist verboten:

1.            bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen;

2.            Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

3.            Steine, Kies, Sand, Lehm, Torf oder andere Bodenbestandteile einzubringen, abzubauen oder zu entnehmen oder die Bodengestalt auf andere Weise zu verändern;

4.            Abfälle oder sonstige Gegenstände zu lagern oder abzulagern;

5.            fließende oder stehende Gewässer anzulegen, zu beseitigen oder zu verändern, Wasser zu entnehmen, Abwässer einzuleiten, Grundstücke zu entwässern, Stauschwellen oder Durchlässe abzusenken oder andere Maßnahmen durchzuführen, die den Wasserhaushalt des Gebietes verändern;

6.            Boote oder andere schwimmende Anlagen zu verankern, zu befestigen oder Stege zu errichten;

7.            Plakate, Bild - oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen;

8.            Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

9.            Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder andere Brut- , Wohn - und Zufluchtstätten dieser Tiere zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

10.        Grünland in Acker oder Wald umzuwandeln oder die bisherige Grundstücksnutzung in anderer Weise zu ändern oder zu intensivieren;

11.        chemische Mittel zur Bekämpfung von Schadorganismen oder Pflanzenkrankheiten oder Wirkstoffe auszubringen, die den Entwicklungsablauf von Pflanzen beeinflussen;

12.        zu zelten, zu lagern oder Wohnwagen, sonstige Fahrzeuge oder Verkaufsstände aufzustellen;

13.        ohne zwingenden Grund Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen;

14.        Motorsport jeglicher Art auszuüben oder Flugmodelle oder Modellboote zu betreiben;

15.        das Gebiet außerhalb von Wegen zu betreten;

16.        Feuer anzumachen;

17.        das Gebiet in einer Höhe unter 300 m zu überfliegen.

§ 5 Zulässige Handlungen

§ 4 gilt nicht:

1.            für die ordnungsmäßige Ausübung der Jagd;

2.            für die ordnungsmäßige landwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art, in der bisherigen Intensität und im bisherigen Umfang mit der Maßgabe, daß
a) auf den Grundstücken Flst. Nrn. 2155, 2156, 2157, 2158, 2223/1, 2223/2, 2224/1, 2225/1, 2225/2 und 2229 nur die Nutzung als Dauergrünland zulässig ist;
b) die übrigen Grundstücke nur als Streuwiese mit einmaliger Mahd ab 1.Oktober genutzt werden dürfen;

3.            für die ordnungsmäßige forstwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art, in der bisherigen Intensität und im bisherigen Umfang mit der Maßgabe, daß bei forstlichen Pflegemaßnahmen einheimische, standortgemäße Laubgehölze gefördert werden und die Nadelholzbestände auf Teilen der Grundstücke Flst. Nrn. 2167, 2194, 2195, 2196, 2197, 2200, 2204, 2210/1, 2213, 2214, 2215, 2216, 2217, 2218, 2220, 2220/1, und 2227 nach Endnutzung in Laubmischwaldbestände mit einheimischen, standortgemäßen Arten umgewandelt werden;

4.            für die sonstige bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke, Gewässer, Straßen und Wege sowie der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung;

5.            für Pflegemaßnahmen, die von der höheren Naturschutzbehörde oder der von ihr beauftragten Stelle angeordnet werden;

6.            für behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen.

§ 6 Pflegemaßnahmen

Zur Verwirklichung des Schutzzweckes ist es erforderlich, die ehemaligen Streuwiesen im Südwesten und Nordwesten des Naturschutzgebietes einmal im Jahr zwischen 1. Oktober und 15. März zu mähen und das Mähgut aus dem Schutzgebiet zu entfernen.

§ 7 Befreiungen

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann die höhere Naturschutzbehörde nach § 63 NatSchG Befreiung erteilen.

§ 8 Ordnungswidrigkeiten

Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 1 NatSchG handelt, wer in dem Schutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig eine nach § 4 dieser Verordnung verbotene Handlung vornimmt, soweit die Handlung nicht mit Strafe bedroht ist.

§ 9 Inkrafttreten

 (1) Diese Verordnung tritt am Tage nach Ablauf der Auslegungsfrist in Kraft.

 (2) Gleichzeitig tritt die Verordnung zum Schutz von Landschaftsteilen im Bereich des Bodanrücks im Landkreis Konstanz vom 1. Juli 1966 (veröffentlicht im Südkurier Nr. 153 vom 7. Juli 1966) insoweit außer Kraft, als sie sich auf den Geltungsbereich dieser Verordnung bezieht.

FREIBURG I. BR., den 20. Februar1986

DR. NOTHHELFER