3.158 Plattenmoos

Verordnung des Regierungspräsidiums Freiburg als höhere Naturschutzbehörde über das Naturschutzgebiet »Plattenmoos« vom 26. Juni 1986 (GBl. v. 29.08.1986, S. 297).

Auf Grund von § § 21, 58 Abs. 2 und § 64 Abs. 1 Nr. 2 des Gesetzes zum Schutz der Natur, zur Pflege der Landschaft und über die Erholungsvorsorge in der freien Landschaft (Naturschutzgesetz - NatSchG) vom 21. Oktober 1975 (GBl S. 654), geändert durch das Gesetz zur Bereinigung des baden - württembergischen Ordnungswidrigkeitenrechts vom 6. Juni 1983 (GBl S. 199), wird verordnet:

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

Die in § 2 näher bezeichnete Fläche auf dem Gebiet der Gemarkung Oberauchen, Gemeinde Brigachtal, und den Gemarkungen Pfaffenweiler und Tannheim, Stadt Villingen - Schwenningen, Schwarzwald - Baar - Kreis, wird zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung » Plattenmoos «.

§ 2 Schutzgegenstand

 (1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von rund 55,9 ha. Es umfaßt auf dem Gebiet der Gemarkung Oberauchen, Gemeinde Brigachtal, einen Teil des Grundstücks Flst. Nr. 459, auf dem Gebiet der Gemarkung Pfaffenweiler, Stadt Villingen - Schwenningen, die Grund­stücke Flst. Nrn. 1035, 1039 und 1040 und auf dem Gebiet der Gemarkung Tannheim, Stadt Villingen - Schwenningen, die Grundstücke Flst. Nrn. 2110, 2111 und 2112 (teilweise).

 (2) Die Grenzen des Schutzgebietes sind in einer Übersichtskarte im Maßstab 1:25000 und in einer Karte im Maßstab 1:5000 mit einer durchgezogenen roten Linie eingetragen. Maßgebend ist der äußere Rand der roten Linie. Diese Karten sowie eine Karte der Waldbewirtschaftung im Maßstab 1:5000 sind Bestandteil der Verordnung. Die Verordnung mit Karten wird beim Regierungspräsidium Freiburg, beim Landratsamt Schwarzwald - Baar - Kreis und bei der Stadt Villingen - Schwenningen auf die Dauer von drei Wochen, beginnend am achten Tag nach Verkündigung dieser Verordnung im Gesetzblatt, zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt.

(3) Die Verordnung mit Karten ist nach Ablauf der Auslegungsfrist bei den in Absatz 2 Satz 4 bezeichneten Stellen zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten niedergelegt.

§ 3 Schutzzweck

Wesentlicher Schutzzweck ist die Erhaltung eines, teilabgetorften ehemaligen Hochmoores. Die hohe Schutzwürdigkeit ergibt sich insbesondere aufgrund

·               der Lage des vielfältig gegliederten Feuchtgebietes in der Stufenrandmulde zwischen Buntsandstein und Muschelkalk,

·               der großen Biotopvielfalt, die u. a. Hoch - und Übergangsmoorflächen mit Moorwäldern und Bruchwaldgebüschen, Naß - und Feuchtwiesen enthält,

·               des Vorkommens zahlreicher seltener und teilweise vom Aussterben bedrohter Tier - und Pflanzenarten.

§ 4 Verbote

 (1) In dem Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des Schutzgebietes oder seiner Bestandteile, zu einer nachhaltigen Störung oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen können.

 (2) Insbesondere ist verboten:

1.           bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils geltenden Fassung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen;

2.           Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

3.           die Bodengestalt zu verändern;

4.           Entwässerungs- oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt des Gebietes verändern, Fremdwasser in das Schutzgebiet einzuleiten oder vorhandene Wasserläufe zu verändern, sowie Gewässer neu anzulegen;

5.           Abfälle oder sonstige Gegenstände zu lagern;

6.           Plakate, Bild - oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen;

7.           Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

8.           Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut- , Wohn - oder Zufluchtstätten dieser Tiere zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

9.           die Art der bisherigen Grundstücksnutzung zu ändern oder zu intensivieren;

10.       zu zelten, zu lagern, Wohnwagen, sonstige Fahrzeuge oder Verkaufsstände aufzustellen oder motorgetriebene Schlitten zu benutzen;

11.       Feuerstellen einzurichten oder Feuer anzumachen;

12.       ohne zwingenden Grund Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen;

13.       Flugmodelle zu betreiben;

14.       Motorsport jeglicher Art auszuüben;

15.       die Wege zu verlassen.

§ 5 Zulässige Handlungen

§ 4 gilt nicht:

1.           für die ordnungsgemäße Ausübung der Jagd;

2.           für die ordnungsgemäße landwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art, in der bisherigen Intensität und im bisherigen Umfang;

3.           für die ordnungsgemäße forstwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art, in der bisherigen Intensität und im bisherigen Umfang mit der Maßgabe, daß auf der in der Waldbewirtschaftungskarte Maßstab 1:5000
a) grün markierten Teilfläche nur absterbendes Holz entnommen werden darf;
b) den übrigen Teilflächen starke Jungbestandspflege durchzuführen ist mit dem Ziel, Bäume mit solitärem Charakter zu erziehen; Forle und Birke haben Vorrang vor Fichte;
c) auf den Blößen Enthurstungsmaßnahmen zu Lasten der Fichte durchzuführen sind;
d) auf allen Flächen Waldwegebau unzulässig ist;

4.           für die sonstige bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke sowie der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art, Intensität und Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung. Dies gilt insbesondere auch für die genehmigte Wasserentnahme am Tiefbrunnen (Grundstück Flst. Nr. 2110 der Gemarkung Tannheim) und für die ordnungsgemäße Unterhaltung der beiden Entwässerungsgräben entlang der südöstlichen Grenze (Grundstück Flst. Nr. 2112 der Gemarkung Tannheim, Wolfsbach) sowie an der nördlichen Grenze (Hofbächle);

5.           für Pflegemaßnahmen, die von der höheren Naturschutzbehörde oder der von ihr beauftragten Stelle angeordnet werden.

§ 6 Befreiungen

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann nach § 63 NatSchG Befreiung erteilt werden.

§ 7 Ordnungswidrigkeiten

Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig eine nach § 4 dieser Verordnung verbotenen Handlungen vornimmt.

§ 8 Inkrafttreten

Diese Verordnung tritt am Tage nach Ablauf der Auslegungsfrist in Kraft.

FREIBURG I, BR., den 26. Juni 1986

DR. NOTHHELFER