3.164 Dingelsdorfer Ried

Verordnung des Regierungspräsidiums Freiburg über das Naturschutzgebiet »Dingelsdorfer Ried« vom 8. September 1988 (GBl. v. 18.11.1988, S. 359).

Auf Grund von §§ 21, 58 Abs. 2 und 4 und § 64 Abs. 1 Nr. 2 des Gesetzes zum Schutz der Natur, zur Pflege der Landschaft und über die Erholungsvorsorge in der freien Landschaft (Naturschutzgesetz - NatSchG) vom 21. Oktober 1975 (GBI. S. 654), geändert durch das Gesetz zur Bereinigung des baden - württembergischen Ordnungswidrigkeitenrechts vom 6. Juni 1983 (GBI. S. 199) und § 22 Abs. 2 Landesjagdgesetz in der Fassung vom 20. Dezember 1978 (GBI. 1979 S. 12) wird verordnet:

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

Die in § 2 näher bezeichnete Fläche auf den Gemarkungen Dettingen und Dingelsdorf der Stadt Konstanz, Landkreis Konstanz, wird zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung »Dingelsdorfer Ried«.

§ 2 Schutzgegenstand

 (1) Das Schutzgebiet hat eine Größe von ca. 25,1 ha. Es umfaßt auf dem Gebiet der Gemarkung Dettingen das Grundstück Flst. - Nr. 1383 und auf dem Gebiet der Gemarkung Dingelsdorf die Grundstücke Flst. - Nrn. 1666, 1667, 1668, 1669, 1670, 1671, 1672, 1673, 1674, 1675, 1676, 1679, 1680, 1680/1 und 1680/2.

 (2) Die Grenzen des Schutzgebietes sind in zwei Karten des Regierungspräsidiums Freiburg (Maßstab 1:25000 und 1:5000) rot eingetragen. Die Karten sind Bestandteil dieser Verordnung. Die Verordnung mit Karten wird beim Regierungspräsidium Freiburg, beim Landratsamt Konstanz und beim Bürgermeisteramt Konstanz auf die Dauer von drei Wochen, beginnend am achten Tag nach der Verkündung dieser Verordnung im Gesetzblatt, zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt.

 (3) Die Verordnung mit Karten ist nach ihrer Verkündung bei den in Absatz 2 Satz 3 bezeichneten Stellen zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten niedergelegt.

§ 3 Schutzzweck

Schutzzweck ist die Erhaltung des Feuchtgebietes »Dingelsdorfer Ried« als Standort seltener Pflanzengesellschaften und als Lebensraum einer Vielzahl seltener geschützter Tier - und Pflanzenarten.

§ 4 Verbote

 (1) In dem Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des Schutzgebietes oder seiner Bestandteile, zu einer nachhaltigen Störung oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen können oder geeignet sind, in anderer Weise dem Schutzzweck zuwiderzulaufen.

 (2) Insbesondere ist verboten:

1.           bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils geltenden Fassung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen;

2.           Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

3.           im Uferbereich und in Röhrichtbeständen das Anlegen und Betreten von Pfaden; das Betretungsverbot gilt nicht für den bestehenden Trimmdichpfad sowie markierte oder in Wanderkarten aufgeführte Wege;

4.           Stätten für Sport, Spiel bzw. Erholungseinrichtungen aller Art anzulegen;

5.           Flugplätze anzulegen, Flugmodelle und motorbetriebene Spielmodelle zu Wasser, zu Land und in der Luft zu betreiben;

6.           die Bodengestalt zu verändern;

7.           Entwässerungs- oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt des Gebietes verändern;

8.           das Tauchen, Baden und Befahren der Wasserflächen mit Wasserfahrzeugen aller Art einschließlich Segelsurfbrettern, Luftmatratzen oder dergleichen;

9.           Abfälle oder sonstige Gegenstände zu lagern;

10.       Plakate, Bild - oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen;

11.       Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

12.       aus den Weihern Plankton für Futterzwecke zu entnehmen;

13.       Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier, Nester oder sonstige Brut- , Wohn - oder Zufluchtstätten dieser Tiere zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

14.       die Art der bisherigen Grundstücksnutzung zu ändern;

15.       zu zelten, zu lagern, Wohnwagen, sonstige Fahrzeuge oder Verkaufsstände aufzustellen oder motorgetriebene Schlitten zu benützen;

16.       außerhalb von eingerichteten und gekennzeichneten Feuerstellen Feuer anzumachen;

17.       die Wege zu verlassen;

18.       Volkswanderungen oder andere Veranstaltungen durchzuführen, die geeignet sind, eine größere Zahl von Menschen (ab 40 Personen) anzulocken;

19.       Hunde frei laufen zu lassen;

20.       ohne zwingenden Grund Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen.

§ 5 Zulässige Handlungen

§ 4 gilt nicht:

1.           für die ordnungsgemäße Ausübung der Jagd mit der Maßgabe, daß höchstens fünf Jagdhochsitze einschließlich Ansitzleitern und keine Wildfütterungsstellen eingerichtet werden;

2.           für die ordnungsgemäße Ausübung der Fischerei mit der Maßgabe, daß
a) Angeln nur vom Weg aus zulässig ist und nicht mehr als zwei Personen gleichzeitig angeln dürfen;
b) das Einsetzen nicht einheimischer Tierarten unzulässig ist;
c) die Weiher nur in einem zeitlichen Abstand von mindestens vier Jahren zwischen dem 15. Oktober und dem 15. November abgelassen werden dürfen;
d) keine Fischfütterung zulässig ist;

3.           für die ordnungsgemäße forstwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art, in der bisherigen Intensität und im bisherigen Umfang mit der Maßgabe, daß bei forstlichen Pflegemaßnahmen einheimische Laubgehölze gefördert werden und die Nadelholzbestände mit Ausnahme der zwei Kieferwäldchen zwischen den Waldgrenzsteinen 158 - 159 und 104 - 105 nach Endnutzung in einen Laubmischwald mit einheimischen, standortgemäßen Arten umgewandelt werden;

4.           für die sonstige, bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke, Gewässer, Straßen und Wege sowie der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung;

5.           für Pflegemaßnahmen, die von der höheren Naturschutzbehörde oder der von ihr beauftragten Stelle angeordnet werden;

6.           für behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen.

§ 6 Befreiungen

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann nach § 63 NatSchG Befreiung erteilt werden.

§ 7 Ordnungswidrigkeiten

Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer in dem Schutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig eine nach § 4 dieser Verordnung verbotene Handlung vornimmt, soweit die Handlung nicht mit Strafe bedroht ist.

§ 9 Inkrafttreten

 (1) Diese Verordnung tritt am Tage nach Ablauf der Auslegungsfrist in Kraft.

 (2) Gleichzeitig tritt die Verordnung zum Schutz von Landschaftsteilen im Bereich des Bodanrücks im Landkreis Konstanz vom 1.Juli 1966 (veröffentlicht im Südkurier Nr. 153 vom 7. Juli 1966) insoweit außer Kraft, als sie sich auf den Geltungsbereich dieser Verordnung bezieht.

FREIBURG I. BR., den 8. September 1988

DR. NOTHHELFER