3.171 Buchhalde-Oberes Donautal

Verordnung des Regierungspräsidiums Freiburg über das Naturschutzgebiet »Buchhalde - Oberes Donautal« vom 20. Dezember 1989 (GBl. v. 16.02.1990, S. 55).

Auf Grund von § 21, § 58 Abs. 2 und § 64 Abs. 1 Nr. 2 des Gesetzes zum Schutz der Natur, zur Pflege der Landschaft und über die Erholungsvorsorge in der freien Landschaft (Naturschutzgesetz - NatSchG) vom 21. Oktober 1975 (GBI. S. 654), geändert durch das Gesetz zur Bereinigung des baden - württembergischen Ordnungswidrigkeitenrechts vom 6. Juni 1983 (GBI. S. 199) wird verordnet:

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

Die in § 2 näher bezeichnete Fläche der Gemarkungen Mühlheim und Fridingen an der Donau, Landkreis Tuttlingen, wird zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung »Buchhalde - Oberes Donautal«.

§ 2 Schutzgegenstand

 (1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von rund 303,5 ha.

 (2) Es umfaßt auf den Gemarkungen Mühlheim a. D. und Fridingen a. D. folgende Gewanne bzw. Teile davon:

Felsenhalde, Espach, Unter der Buchhalde, Espachhalde, Obere Wiesen, Buchhalde, Birkenlochallmand, Birkenloch, Oberes und Unteres Birkenloch, Vogelwiesen, Hindlestal, Gruben, Obere Bindwag, Breitfels und Jenseits der Bära sowie die Donau in diesem Bereich und die alte Donau (Fluß Nr. 2/1 und 2/2).

 (3) Die Grenzen des Schutzgebietes sind in zwei Karten im Maßstab 1:25000 und 1:5000 rot eingetragen. Die Karten sind Bestandteil dieser Verordnung. Die Verordnung mit Karten wird beim Regierungspräsidium Freiburg und beim Landratsamt Tuttlingen auf die Dauer von drei Wochen, beginnend am achten Tag nach Verkündung dieser Verordnung im Gesetzblatt, zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt.

 (4) Die Verordnung mit Karten ist nach ihrer Verkündung bei den in Absatz 3 Satz 3 bezeichneten Stellen zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten niedergelegt.

§ 3 Schutzzweck

Wesentlicher Schutzzweck ist die Erhaltung des oberen Donautals

1.           als einzigartiges erd - und landschaftsgeschichtliches Dokument von besonderer Eigenart und Schönheit;

2.           als Lebensraum für eine Vielzahl seltener, gefährdeter und zum großen Teil vom Aussterben bedrohter Pflanzenarten, Pflanzengesellschaften und Tierarten.

§ 4 Verbote

 (1) Im Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des Schutzgebietes oder seiner Bestandteile, zu einer nachhaltigen Störung oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen können.

 (2) Insbesondere ist verboten:

1.           bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils geltenden Fassung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen;

2.           Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

3.           die Bodengestalt zu verändern;

4.           Entwässerungs- oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt des Gebietes verändern;

5.           Abfälle oder sonstige Gegenstände zu lagern;

6.           Plakate, Bild - oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen;

7.           Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

8.           Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut- , Wohn - oder Zufluchtstätten dieser Tiere zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

9.           die bisherige Grundstücksnutzung zu ändern oder zu intensivieren;

10.       zu zelten, zu lagern, Wohnwagen, sonstige Fahrzeuge oder Verkaufsstände aufzustellen oder motorgetriebene Schlitten zu benutzen;

11.       außerhalb von eingerichteten und gekennzeichneten Feuerstellen Feuer zu machen;

12.       ohne zwingenden Grund Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen;

13.       Luftfahrzeuge einschließlich Hängegleiter und Gleitsegel sowie Flugmodelle zu betreiben bzw. das Schutzgebiet in einer Höhe unter 150 m zu überfliegen;

14.       das Schutzgebiet außerhalb von befestigten Wegen und markierten Wanderwegen zu betreten, insbesondere an Felsen zu klettern oder Höhlen aufzusuchen, bzw. mit Fahrrädern oder ähnlichem zu befahren;

15.       organisierte Veranstaltungen durchzuführen, die geeignet sind, eine größere Anzahl von Menschen (ab 40 Personen) anzulocken oder Lärm in das Naturschutzgebiet zu tragen;

16.       die Gewässer mit Wasserfahrzeugen aller Art zu befahren.

 (3) Unberührt bleiben Bestand und Entwicklung der an das Naturschutzgebiet angrenzenden Industrie - und Gewerbebetriebe im Rahmen der jeweils zulässigen baulichen Nutzung.

§ 5 Zulässige Handlungen

§ 4 gilt nicht:

1.           für die ordnungsgemäße Ausübung der Jagd;

2.           für die ordnungsgemäße Ausübung der Fischerei in der bisherigen Art, in der bisherigen Intensität und im bisherigen Umfang;

3.           für die ordnungsgemäße landwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art, in der bisherigen Intensität und im bisherigen Umfang;

4.           für die ordnungsgemäße forstwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art, in der bisherigen Intensität und im bisherigen Umfang mit der Maßgabe, daß auf den
a) gelb markierten Teilflächen bei Pflegeeingriffen nur einzelstammweise Nutzung erfolgt und bei der Verjüngung wieder Bestände aus Buche und anderen standortsgemäßen, einheimischen Laubbaumarten begründet werden;
b) blau markierten Teilflächen der Wald als Dauerwald zu bewirtschaften ist; hierzu gehören gezielte Entnahmen von Einzelstämmen und Baumgruppen zur Förderung ankommender Naturverjüngung und Pflegemaßnahmen zur Erhaltung stufiger Bestandesstrukturen;
c) grün markierten Teilflächen nur Pflegemaßnahmen zur Erhaltung der auf diesen Standorten typischen Bestandesstruktur der Steppenheidewälder in Absprache mit der höheren Naturschutzbehörde erfolgen;
d) braun markierten Teilflächen der Wald wie unter 4 c) behandelt und die Pflege der Wachholderheiden im Einvernehmen mit der höheren Naturschutzbehörde durchgeführt wird;
e) übrigen, nördlich der Donau gelegenen Teilflächen bei der Pflege standortsgemäße, einheimische Laubbaumarten gefördert und der Nadelbaumanteil reduziert wird; als Zielbestockung sind Buchen - Laubbaum - Bestände mit einer Beimischung von bis zu 20 vom Hundert Fichten angestrebt;
f) übrigen, südlich der Donau gelegenen Teilflächen im Rahmen von Pflege und Verjüngung Mischbestände mit einem Laubbaumanteil von mindestens 30 vom Hundert ausgeformt werden;
g) wobei für alle unter a) - f) genannten Waldflächen gilt, daß die Anlage von Erholungseinrichtungen und der Bau von befestigten Waldwegen nur im Einvernehmen mit der höheren Naturschutzbehörde durchgeführt werden darf;

5.           für die sonstige bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke, Gewässer, Schienenanlagen, Straßen und Wege sowie der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung;

6.           für die Benutzung eines Motorschlittens zu Reparaturarbeiten bei Stromausfällen durch die Energieversorgung Schwaben AG;

7.           für die Durchführung des vom Alpenverein in der im Gewann Felsenhalde liegenden Höhle einmal jährlich veranstalteten »Felshöhlenfestes« in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang;

8.           für das Befahren und das Begehen durch Gruppen aus Anlaß von religiösen Veranstaltungen in der Kirchenruine Mariahilf auf dem Welschenberg.

§ 6 Befreiungen

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann nach § 63 NatSchG Befreiung erteilt werden.

§ 7 Ordnungswidrigkeiten

Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig eine der nach § 4 dieser Verordnung verbotenen Handlungen vornimmt.

§ 8 Inkrafttreten

 (1) Die se Verordnung tritt am Tage nach Ablauf der Auslegungsfrist in Kraft.

 (2) Gleichzeitig tritt im Geltungsbereich dieser Verordnung das Naturschutzgebiet »Hintelestal« des Württembergischen Kultusministeriums als höherer Naturschutzbehörde vom 1. Oktober 1937 (Regierungsanzeiger für Württemberg Nr. 114 vom 9. Oktober 1937) außer Kraft.

FREIBURG I. BR., den 20. Dezember 1989

DR. NOTHHELFER