3.172 Elzhof

Verordnung des Regierungspräsidiums Freiburg über das Naturschutzgebiet »Elzhof« vom 30. April 1990 (GBl. v. 15.06.1990, S. 172).

Auf Grund von §§ 21, 58 Abs. 2 und § 64 Abs. 1 Nr. 2 des Gesetzes zum Schutz der Natur, zur Pflege der Landschaft und über die Erholungsvorsorge in der freien Landschaft (Naturschutzgesetz - NatSchG) vom 21. Oktober 1975 (GBI. S. 654), geändert durch das Gesetz zur Bereinigung des baden - württembergischen Ordnungswidrigkeitenrechts vom 6. Juni 1983 (GBI. S. 199) sowie § 22 Abs. 2 des Landesjagdgesetzes (LJagdG) in der Fassung vom 20. Dezember 1978 (GBI. 1979, S. 12), wird verordnet:

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

Die in § 2 näher bezeichnete Fläche auf dem Gebiet der Gemarkung Schönwald, Gewann Elzhof, Schwarzwald - Baar - Kreis, wird zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung »Elzhof«.

§ 2 Schutzgegenstand

 (1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von rund 29,5 ha. Es umfaßt nach dem Stand vom 20. Juli 1989 auf dem Gebiet der Gemarkung Schönwald die Grundstücke Flst.Nr. 340, 360/2, 361/1, 361/2, 361/5, 361/7 (teilw.) und 361/8.

 (2) Die Grenzen des Schutzgebiets sind in einer Übersichtskarte Maßstab 1:25000 und in einer Karte Maßstab 1:5000 rot eingetragen. Die Karten sind Bestandteil der Verordnung. Die Verordnung mit Karten wird beim Regierungspräsidium Freiburg als höherer Naturschutzbehörde und beim Landratsamt Schwarzwald - Baar - Kreis in Villingen - Schwenningen auf die Dauer von drei Wochen, beginnend am achten Tag nach Verkündung dieser Verordnung im Gesetzblatt, zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt.

 (3) Die Verordnung mit Karten ist nach Ablauf der Auslegungsfrist bei den in Absatz 2 Satz 3 bezeichneten Stellen zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten niedergelegt.

§ 3 Schutzzweck

Wesentlicher Schutzzweck ist die

·               nachhaltige Sicherung eines Abschnitts des Schwarzenbachtals mit Hoch - und
Übergangsmooren, umgebenden Flachmooren, Magerrasen, artenreichen Wirtschaftswiesen, Versteinungen und durchziehenden Gewässern als repräsentativer Landschaftsausschnitt von hervorragender Eigenart und Schönheit;

·               die Sicherung und Erhaltung der Vorkommen einer Vielzahl gefährdeter und seltener Pflanzen - und Tierarten in ihrer typischen Vergesellschaftung;

·               die Erhaltung des Gebiets als Gegenstand landeskundlicher Forschung, insbesondere wegen kaltzeitlicher Reliktvorkommen und der Bedeutung der Torfkörper als vegetationsgeschichtliche Archive.

§ 4 Verbote

 (1) In dein Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des Schutzgebietes oder seiner Bestandteile, zu einer nachhaltigen Störung oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen können.

 (2) Insbesondere ist verboten:

1.           bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauverordnung in der jeweils geltenden Fassung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen;

2.           Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

3.           die Wege im Schutzgebiet zu verlassen;

4.           die Bodengestalt zu verändern;

5.           Entwässerungs- oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt des Gebiets verändern;

6.           anorganische oder organische Düngemittel einzubringen;

7.           chemische Mittel zur Bekämpfung von Schadorganismen oder Pflanzenkrankheiten oder Wirkstoffe auszubringen, die den Entwicklungsablauf von Pflanzen beeinflussen;

8.           Abfälle oder sonstige Gegenstände zu lagern;

9.           Plakate, Bild - oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen;

10.       Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

11.       Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut- , Wohn - oder Zufluchtstätten dieser Tiere zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

12.       die Art der bisherigen Grundstücksnutzung zu ändern;

13.       zu zelten, zu lagern, Wohnwagen, sonstige Fahrzeuge oder Verkaufsstände aufzustellen oder motorgetriebene Schlitten zu benutzen;

14.       Feuerstellen einzurichten oder Feuer anzumachen;

15.       ohne zwingenden Grund Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen;

16.       neue Langlauf - Loipen im Schutzgebiet anzulegen;

17.       Motorsport jeglicher Art auszuüben oder Modellflugzeuge oder Modellboote zu betreiben.

§ 5 Zulässige Handlungen

 (1) § 4 gilt nicht:

1.           für die ordnungsgemäße Ausübung der Jagd mit der Maßgabe, daß im Schutzgebiet außer Drückjagden auf Schalenwild und Fuchs keine Gesellschaftsjagden durchgeführt, Salzlecken, Wildäcker oder dergleichen angelegt und keine neuen Jagdkanzeln mit Ausnahme tragbarer Ansitzleitern installiert und in den Moorbereichen keine Futterstellen errichtet werden;

2.           für die ordnungsgemäße land - und forstwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang mit der Maßgabe, daß
a) in den Waldbeständen auf den Moorstandorten der Grundstücke Lgb.Nr. 360/2 und 361/8 lediglich Pflegemaßnahmen zur Förderung der Spirke zulässig sind und die hierzu erforderlichen Eingriffe im Einvernehmen mit der höheren Naturschutzbehörde erfolgen;
b) forstliche Eingriffe nur nach Absprache mit der höheren Naturschutzbehörde stattfinden dürfen;
c) keine Düngemittel ausgebracht werden dürfen;
d) die in der »Karte der landwirtschaftlichen Nutzung Maßstab 1 : 5 000« dargestellten Nutzflächen nicht ausgedehnt werden dürfen;
e) auf der darin als Weideland gekennzeichneten Fläche der Besatz eine Großvieheinheit (GVE) je ha bezogen auf die jährliche Weidezeit nicht überschreiten darf und das Auftriebsgewicht maximal zwei Tiere je ha nicht übersteigt, wobei ausschließlich die Beweidung mit Rindern ohne Zufüttern zulässig ist;
f) auf den darin als Mähwiese gekennzeichneten Flächen ausschließlich eine jährliche Mahd ab dem 15.Juli erfolgen darf;

3.           für die ordnungsgemäße Fischerei mit der Maßgabe, daß keine regelmäßige Befischung und kein Fischbesatz stattfinden und die fischereiliche Hegepflicht vom Pächter in Absprache mit der höheren Naturschutzbehörde ausgeübt wird;

4.           für die sonstige bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke, Gewässer, Straßen und Wege sowie der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen wie der SSM - Loipe, wobei diese nur schonend angelegt werden und keine künstliche Schneeeinbringung erfolgen darf, zudem ist der Verlauf der Loipe nach Rücksprache mit dem Forstamt Triberg möglichst aus dem Kernbereich des Schutzgebiets zu verlegen, sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung mit der Maßgabe, daß die Unterhaltung der Wiesengräben ausschließlich manuell erfolgen darf;

5.           für Pflegemaßnahmen, die von der höheren Naturschutzbehörde oder der von ihr beauftragten Stelle angeordnet werden;

6.           für behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen.

 (2) Auf dem Weggrundstück Flst. Nr. 361/7 ist das Reiten und Fahren mit bespannten Fahrzeugen zulässig.

§ 6 Schutz und Pflegemaßnahmen

Schutz und Pflegemaßnahmen werden in einem Pflegeplan oder durch Einzelanordnung festgelegt. Soweit Wald betroffen ist, geschieht dies im Einvernehmen mit der Forstverwaltung.

§ 7 Befreiungen

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann nach § 63 NatSchG Befreiung erteilt werden.

§ 8 Ordnungswidrigkeiten

Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig eine der nach § 4 dieser Verordnung verbotenen Handlungen vornimmt.

§ 9 Inkrafttreten

Diese Verordnung tritt am Tage nach Ablauf der Auslegungsfrist in Kraft.

FREIBURG I. BR., den 30. April 1990

DR. NOTHHELFER