3.173 Fischerweihermoor

Verordnung des Regierungspräsidiums Freiburg über das Naturschutzgebiet »Fischerweihermoor« vom 12. Juli 1990 (GBl. v. 14.09.1990, S. 281).

Auf Grund von § 2 1, § 58 Abs. 2 und § 64 Abs. 1 Nr. 2 des Gesetzes zum Schutz der Natur, zur Pflege der Landschaft und über die Erholungsvorsorge in der freien Landschaft (Naturschutzgesetz - NatSchG) vom 21. Oktober 1975 (GBI. S. 654), geändert durch das Gesetz zur Bereinigung des baden - württembergischen Ordnungswidrigkeitenrechts vom 6. Juni 1983 (GBI. S. 199), sowie auf Grund von § 22 Abs. 2 Landesjagdgesetz in der Fassung vom 20. Dezember 1978 (GBI. 1979 S. 12) wird verordnet:

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

Die in § 2 näher bezeichneten Flächen auf Gemarkung Kaltbrunn, Gemeinde Allensbach, Landkreis Konstanz, werden zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung »Fischerweihermoor«.

§ 2 Schutzgegenstand

 (1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von rund 54,4ha. Es umfaßt die Grundstücke Flst. - Nrn. 414 (teilweise), 415, 416, 416/1, 417, 418, 419, 432 (teilweise), 432/2, 432/3, 432/4, 432/5, 432/6, 432/7, 432/8, 432/10, 432/11 der Gemarkung Kaltbrunn, Gemeinde Allensbach.

 (2) Die Grenzen des Schutzgebietes sind in zwei Karten des Regierungspräsidiums Freiburg (Maßstab 1:25000 und 1:5000) rot eingetragen. Die Karten sind Bestandteil der Verordnung. Die Verordnung mit Karten wird beim Regierungspräsidium Freiburg, beim Landratsamt Konstanz und bei der Gemeinde Allensbach auf die Dauer von drei Wochen, beginnend am achten Tag nach Verkündung dieser Verordnung im Gesetzblatt, zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt.

 (3) Die Verordnung mit Karten ist nach ihrer Verkündung bei den in Absatz 2 Satz 3 bezeichneten Stellen zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten niedergelegt.

§ 3 Schutzzweck

Wesentlicher Schutzzweck ist die Erhaltung des reich strukturierten Feuchtgebietes »Fischerweihermoor« als Lebensraum für eine Vielzahl seltener und geschützter Tier - und Pflanzenarten.

§ 4 Verbote

 (1) Im Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des Schutzgebietes oder seiner Bestandteile, zu einer nachhaltigen Störung oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen können.

 (2) Insbesondere ist verboten:

1.           bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils geltenden Fassung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen;

2.           Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

3.           die Bodengestalt zu verändern;

4.           Entwässerungs- oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt des Gebietes verändern;

5.           Abfälle oder sonstige Gegenstände zu lagern sowie Klärschlämme oder Müllkompost auszubringen;

6.           Plakate, Bild - oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen;

7.           Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

8.           Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut- , Wohn - oder Zufluchtstätten dieser Tiere zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

9.           die Art der bisherigen Grundstücksnutzung zu ändern;

10.       zu zelten, zu lagern, Wohnwagen, sonstige Fahrzeuge oder Verkaufsstände aufzustellen oder motorgetriebene Schlitten zu benutzen;

11.       außerhalb von eingerichteten und gekennzeichneten Feuerstellen Feuer anzumachen;

12.       ohne zwingenden Grund Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen;

13.       die Wege zu verlassen;

14.       Stätten für Sport und Spiel bzw. Erholungseinrichtungen aller Art anzulegen;

15.       Hunde frei laufen zu lassen.

§ 5 Zulässige Handlungen

§ 4 gilt nicht:

1.           für die ordnungsgemäße Ausübung der Jagd mit der Maßgabe, daß außerhalb des Waldes und der regelmäßig genutzten Wiesen keine Wildfütterungsstellen eingerichtet werden;

2.           für die ordnungsgemäße landwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art, in der bisherigen Intensität und im bisherigen Umfang mit der Maßgabe, daß
a) auf den Grundstücken Flst. Nrn.432/2, 432/3, 432/5, 432/7, 432/8 und 432/10 nur die Nutzung als Dauergrünland mit zweimaligem Schnitt pro Jahr zulässig ist, keine Entwässerungsmaßnahmen durchgeführt und weder Flüssigmist noch Klärschlämme ausgebracht werden dürfen;
b) auf dem Grundstück Flst. Nr. 432 außerhalb der Moorbereiche nur die Nutzung als Dauergrünland mit zweimaligem Schnitt oder extensive Weidenutzung (maximal 15 Stück Rindvieh im Schutzgebiet) zulässig ist, keine Entwässerungsmaßnahmen durchgeführt und kein Flüssigmist ausgebracht werden darf;
c) die übrigen Grundstücke nur als Streuwiese mit einmaliger Mahd ab 1. Oktober und ohne Entwässerungsmaßnahmen genutzt werden dürfen;

3.           für die ordnungsmäßige forstwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art, in der bisherigen Intensität und im bisherigen Umfang mit der Maßgabe, daß bei forstlichen Pflegemaßnahmen einheimische, standortgemäße Laubhölzer gefördert werden; die Möglichkeit der vorübergehenden Holzlagerung entlang des am südlichen Rand des Schutzgebietes verlaufenden Waldweges bleibt unberührt;

4.           für die sonstige bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke, Gewässer, Straßen und Wege sowie der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung, sowie den erforderlichen Ausbau der K 6169 im Einvernehmen mit der höheren Naturschutzbehörde;

5.           für Pflegemaßnahmen, die von der höheren Naturschutzbehörde oder der von ihr beauftragten Stelle angeordnet werden;

6.           für behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen.

§ 6 Befreiungen

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann nach § 63 NatSchG Befreiung erteilt werden.

§ 7 Ordnungswidrigkeiten

Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer eine nach § 4 dieser Verordnung verbotene Handlung vornimmt.

§ 8 Inkrafttreten

Diese Verordnung tritt am Tage nach Ablauf der Auslegungsfrist in Kraft.

FREIBURG I. BR., den 12. Juli 1990

DR. NOTHHELFER