3.187 Hinterwörth-Laast (2 Teilgebiete)

Verordnung des Regierungspräsidiums Freiburg über das Naturschutzgebiet »Hinterwörth - Laast« vom 14. April 1992 (GBl. v. 25.08.1992, S. 586).

Auf Grund von §§ 21, 58 und 64 des Naturschutzgesetzes (NatSchG) vom 21. Oktober 1975 (GBI. S. 654), zuletzt geändert durch das Gesetz zur Umsetzung der Richtlinie des Rates vom 27. Juni 1985 über die Umweltverträglichkeitsprüfung bei bestimmten öffentlichen und privaten Projekten (85/337/EWG) vom 12. Dezember 1991 (GBI. S.848), und der §§ 22 und 33 des Landesjagdgesetzes (LJagdG) in der Fassung vom 20. Dezember 1978 (GBI. 1979 S. 12) wird verordnet:

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

Die in § 2 näher bezeichneten Flächen auf dem Gebiet der Stadt Rheinau, Ortenaukreis, werden zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung »Hinterwörth - Laast«.

§ 2 Schutzgegenstand

 (1) Das Naturschutzgebiet besteht aus zwei Teilflächen und hat eine Größe von insgesamt rund 82 ha.

Es umfaßt auf Gemarkung Helmlingen die Grundstücke Flst. - Nrn. 1211/1 bis 1211/18 und 1241 bis 1243 sowie Teile der Grundstücke Flst. - Nrn. 1208, 1208/3 und 1245, auf Gemarkung Memprechtshofen die Grundstücke Flst. - Nrn. 618/1, 619 und 61914.sowie Teile der Grundstücke Flst. - Nrn. 621, 622 und 1560 und auf Gemarkung Freistett die Grundstücke Flst. - Nrn. 4128 bis 4135, 4135/1 bis 4135/3, 4136 bis 4138, 4139/1, 4139/2, 4140, 4141/1, 4141/2, 4142 bis 4144, 4145/1, 4147 bis 4159, 4160/1 ' 4161/1, 4162 bis 4164, 4276 und 4276/1 sowie Teile der Grundstücke Flst. - Nrn. 3122/11, 4050, 4126,4127, 4160, 4275/2, 4275/3, 5270, 5276 und 5280 bis 5286 nach dem Stand vom 17. Juli 1985.

Die Grenze des Schutzgebiets verläuft auf dem östlich des Grundstückes Flst. - Nr. 1245 gelegenen teil des Grundstückes Flst. - Nr. 1208 der Gemarkung Helmlingen nördlich der Böschungsoberkante des Hellewasser - Ufers im Abstand von 5 m zu ihr, auf dem Grundstück Flst. - Nr. 622 der Gemarkung Memprechtshofen im Abstand von 5 m zur gemeinsamen Grenze mit dem Grundstück Flst. - Nr. 621, auf den Grundstücken Flst. - Nrn. 5270, 5276 und 5280 bis 5286 der Gemarkung Freistett im Abstand von 5 m von der nordwestlichen Grenze dieser Grundstücke und auf dem Grundstück Flst. - Nr. 4126 der Gemarkung Freistett am nördlichen und südlichen Ufer des dortigen Grabens im Abstand von 5 m zur Mittelwasserlinie.

 (2) Die Grenzen des Schutzgebietes sind in einer Übersichtskarte im Maßstab 1:25000 und in einer Karte im Maßstab 1:5000 rot eingetragen. Die Karten sind Bestandteil der Verordnung. Die Verordnung mit Karten wird beim Regierungspräsidium Freiburg in Freiburg i. Br. und beim Landratsamt Ortenaukreis in Offenburg auf die Dauer von drei Wochen, beginnend am achten Tag nach Verkündung dieser Verordnung im Gesetzblatt, zur kostenlosen Einsicht durch jedermann hrend der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt.

 (3) Die Verordnung mit Karten ist nach Ablauf der Auslegungsfrist bei den in Absatz 2 Satz 3 bezeichneten Stellen zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten niedergelegt.

§ 3 Schutzzweck

Wesentlicher Schutzzweck ist die Erhaltung der beiden Teilflächen mit Altwässern, Auenwäldern sowie ökologisch wertvollen Grünlandformen

·               als Lebensraum für gefährdete Lebensgemeinschaften mit seltenen und in ihrem Bestand bedrohten Pflanzen - und Tierarten;

·               als Objekt für die Wissenschaft, insbesondere die Biologie.

§ 4 Verbote

 (1) In dem Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des Schutzgebietes oder seiner Bestandteile, zu einer nachhaltigen Störung oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen können

 (2) Insbesondere ist verboten:

1.           bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils geltenden Fassung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen;

2.           Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

3.           die Bodengestalt zu verändern;

4.           Entwässerungs- oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt des Gebietes verändern, insbesondere fließende oder stehende Gewässer anzulegen, zu beseitigen oder umzugestalten, sowie die Wasserqualität durch Einbringen von Stoffen zu beeinflussen;

5.           Abfälle oder sonstige Gegenstände zu lagern;

6.           Plakate, Bild - oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen;

7.           Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

8.           Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut- , Wohn - oder Zufluchtstätten dieser Tiere zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

9.           die Art der bisherigen Grundstücksnutzung zu verändern;

10.       zu zelten, zu lagern, Wohnwagen, sonstige Fahrzeuge oder Verkaufsstände aufzustellen;

11.       Schilfbereiche und die Wiese auf dem Grundstück Flst. - Nr. 4126 der Gemarkung Freistett zu betreten;

12.       Feuer außerhalb von eingerichteten und gekennzeichneten Feuerstellen anzumachen;

13.       ohne zwingenden Grund Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen;

14.       Hunde frei laufen zu lassen.

§ 5 Zulässige Handlungen

§ 4 gilt nicht:

1.           für die ordnungsmäßige Ausübung der Jagd in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang mit der Maßgabe, daß unzulässig ist
a) die Jagd auf Wasservögel am Wasser (Entenstrich),
b)
das Anfüttern von Wasservögeln,
c) die Jagdausübung in Schilfbereichen des Hellewassers mit Ausnahme der jagdrechtlich gebotenen Nachsuche nach krankgeschossenem, schwerkrankem oder kümmerndem Wild sowie in der Zeit vom 1.Oktober bis 31.Januar das gelegentliche Durchdrücken des Schilfs,
d) die Durchführung von Leistungsprüfungen für jagdliche Gebrauchshunde mit Ausnahme von zwei Prüfungen jährlich in der Zeit vom 20. September bis 15. November am Hellewasser westlich des Rheinniederungs- Kanals, wobei das Schilf nicht beeinträchtigt werden darf;

2.           für die ordnungsmäßige Ausübung der Fischerei in der bisherigen Art, im bisherigen Umfang und in der bisherigen Intensität;

3.           für die ordnungsmäßige Nutzung landwirtschaftlicher Grundstücke in der bisherigen Art, im bisherigen Umfang und in der bisherigen Intensität mit der Maßgabe, daß auf den im Schutzgebiet gelegenen Flächen der Grundstücke Flst. - Nr. 1208 der Gemarkung Helmlingen, Flst. - Nr. 622 der Gemarkung Memprechtshofen sowie Flst. - Nrn. 4126, 5270, 5276 und 5281 bis 5286 der Gemarkung Freistett unzulässig ist
a) der Umbruch von Grünland,
b) das Ausbringen von Dünger und
c) das Entfernen von Gehölzen, soweit dies nicht zur ordnungsmäßigen abschnittsweisen Bestandspflege erforderlich ist;

4.           für die ordnungsmäßige Nutzung forstwirtschaftlicher Grundstücke in der bisherigen Art, im bisherigen Umfang und in der bisherigen Intensität mit der Maßgabe, daß
a) Stieleichen unter Berücksichtigung ihrer holzwirtschaftlichen Verwertbarkeit möglichst lange zu erhalten sind,
b) bei einer Verjüngung standortgerechte Laubbaum - Mischbestände begründet werden - auf geeigneten Standorten der tiefen Hartholzaue insbesondere mit Stieleichen - , deren Zusammensetzung sich an der potentiellen natürlichen Vegetation orientiert, wobei Ahorn nicht und Hybridpappeln nicht flächig und nicht an oberirdischen Gewässern gepflanzt werden dürfen,
c)
Kahlhiebe eine Fläche von 2 ha nicht überschreiten dürfen, wobei angrenzende, noch nicht gesicherte Kulturen auf die Kahlfläche anzurechnen sind; jedoch dürfen Erlen - und Erlen - Eschen - Bestände nur bis zur Gruppengröße geräumt werden;

5.           für die sonstige, bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke, Gewässer, Straßen und Wege sowie der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung; die Unterhaltung der Gewässer, einschließlich der uferbegleitenden Vegetation, ist im Einvernehmen mit der höheren Naturschutzbehörde durchzuführen;

6.           für Pflegemaßnahmen, die von der höheren Naturschutzbehörde oder der von ihr beauftragten Stelle angeordnet werden;

7.           für behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen.

§ 6 Schutz - und Pflegemaßnahmen

 (1) Die höhere Naturschutzbehörde kann verlangen, daß die im Schutzgebiet gelegenen Ackerflächen auf dem Grundstück Flst. - Nr. 1208 der Gemarkung Helmlingen und Flst. - Nrn. 4126, 5270, 5276 und 5281 bis 5286 der Gemarkung Freistett gegen Zahlung eines angemessenen Ausgleichs in Dauergrünland umgewandelt werden.

 (2) Im übrigen können Schutz - und Pflegemaßnahmen von der höheren Naturschutzbehörde gemäß § 18 Abs. 1 NatSchG angeordnet werden.

§ 7 Befreiungen

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann nach § 63 NatSchG Befreiung erteilt werden.

§ 8 Ordnungswidrigkeiten

 (1) Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig eine der nach § 4 dieser Verordnung verbotenen Handlungen vornimmt.

 (2) Ordnungswidrig im Sinne des § 33 Abs. 2 Nr. 4 LJagdG handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig entgegen § 5 Nr. 1 dieser Verordnung die Jagd ausübt.

§ 9 Inkrafttreten

Diese Verordnung tritt am Tage nach Ablauf der Auslegungsfrist in Kraft.

FREIBURG I. BR., den 14. April 1992

DR. SCHROEDER