3.194 Schlichemtal

Verordnung des Regierungspräsidiums Freiburg über das Naturschutzgebiet »Schlichemtal« vom 13. Oktober 1993 (GBl. v. 30.11.1993, S. 703).

Auf Grund von § 21, § 58 Abs. 2 und § 64 Abs. 1 Nr. 2 des Naturschutzgesetzes (NatSchG) vom 21. Oktober 1975 (GBI. S. 654), zuletzt geändert durch das Biotopschutzgesetz vom 19. November 1991 (GBI. S. 701), wird verordnet:

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

Die in § 2 näher bezeichneten Flächen auf dem Gebiet der Gemeinde Epfendorf, Gemarkungen Harthausen und Epfendorf, und auf dem Gebiet der Gemeinde Dietingen, Gemarkungen Böhringen und Irslingen, Landkreis Rottweil, werden zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung »Schlichemtal«.

§ 2 Schutzgegenstand

 (1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von rund 216,5 ha und befindet sich am Unterlauf der Schlichem zwischen der Böhringer Mühle und der Mündung der Schlichem in den Neckar bei Epfendorf.

Es umfaßt nach dem Stand vom 17. November 1992 auf dem Gebiet der Gemeinde Epfendorf folgende Grundstücke:

Auf der Gemarkung Harthausen die Grundstücke Flurstück - Nrn. 932 - 938, 1108 - 1110, 1112, 1112/1, 1112/2, 1114 - 1117, 1131, 1132, 1134.

Auf der Gemarkung Epfendorf die Grundstücke Flst.Nrn. 843 (teilweise), 901, 903 - 905, 907 - 926, 929 (teilweise), 933 - 938, 939 - 942, 956, 1005, 1006, 1068, 1069/1, 1069/2, 1069/3, 1070, 1070/6, 2462 (teilweise), 2467 - 2477, 2477/1, 2477/2, 2478 - 2484, 2489 - 2514, 2516, 2517, 2528 (teilweise), 2529 (teilweise), 2530, 2531 (teilweise),. 2534, 2536 - 2548.

Auf dem Gebiet der Gemeinde Dietingen umfaßt das Naturschutzgebiet nach dem Stand vom 17.November 1992 folgende Grundstücke:

Auf der Gemarkung Böhringen die Grundstücke Flst Nrn. 932 (teilweise), 935 (teilweise), 940, 940/2, 92 944, 944/1, 944/2, 945, 945/1, 946/1.

Auf der Gemarkung Irslingen die Grundstücke Flst Nrn. 843, 844, 845 (teilweise), 846 - 848 (teilweise), 860 - 862, 869, 870.

 (2) Die Grenzen des Schutzgebietes sind in zwei Karten im Maßstab 1 : 25 000 und 1 : 5 000, jeweils mit Stand vom 17. November 1992, rot eingetragen. Die Karten sind Bestandteil dieser Verordnung. Die Verordnung r Karten wird beim Regierungspräsidium Freiburg und beim Landratsamt Rottweil auf die Dauer von drei Wochen, beginnendem achten Tag nach Verkündung dieser Verordnung im Gesetzblatt, zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt.

 (3) Die Verordnung mit Karten ist nach Ablauf der Auslegungsfrist bei den in Absatz 2 Satz 3 bezeichneten Stellen zur kostenlosen Einsicht durch jedermann währe der Sprechzeiten niedergelegt.

§ 3 Schutzzweck

Wesentlicher Schutzzweck ist die Erhaltung des Schlichemtals

1.           mit seinem Umlaufberg und der schluchtartig in die Schichten des Muschelkalks eingegrabenen Schlichemklamm als einzigartiges erd - und landschaftsgeschichtliches Dokument von besonderer Eigenart u Schönheit;

2.           als reich strukturiertes Gebiet mit Felsbildungen, Steppenheidevorkommen, Schafweiden, Magerrasen, Feuchtwiesen und verschiedenen Waldtypen, die Lebensraum für eine Vielzahl seltener und gefährdeter Tier - und Pflanzenarten sind.

§ 4 Verbote

 (1) Im Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des Schutzgebietes oder seiner Bestandteile, einer nachhaltigen Störung oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen könne

 (2) Insbesondere ist verboten:

1.           bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils geltenden Fassung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen;

2.           Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

3.           die Bodengestalt zu verändern;

4.           Entwässerungs- oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt des Gebiets verändern;

5.           Abfälle oder sonstige Gegenstände zu lagern;

6.           Plakate, Bild - oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen;

7.           Pflanzen - und Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

8.           Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut- , Wohn - oder Zufluchtstätten dieser Tiere zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

9.           die bisherige Grundstücksnutzung zu ändern oder zu intensivieren;

10.       zu zelten, zu lagern Wohnwagen, sonstige Fahrzeuge oder Verkaufsstände aufzustellen oder motorgetriebene Schlitten zu benutzen;

11.       außerhalb von eingerichteten und gekennzeichneten Feuerstellen Feuer zu machen;

12.       ohne zwingenden Grund Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen;

13.       das Starten und Landen von Luftfahrzeugen einschließlich Luftsportgeräten sowie der Aufstieg von Flugmodellen;

14.       das Schutzgebiet außerhalb von befestigten Wegen und markierten Wanderwegen zu betreten;

15.       das Schutzgebiet außerhalb der befestigten Wege und Straßen mit Fahrzeugen aller Art zu befahren;

16.       im Schutzgebiet an Felsen zu klettern oder Höhlen aufzusuchen;

17.       organisierte Veranstaltungen durchzuführen, an denen mehr als 40 Personen teilnehmen oder durch die Lärm in das Schutzgebiet getragen wird;

18.       die Gewässer mit Wasserfahrzeugen aller Art zu befahren.

§ 5 Zulässige Handlungen

§ 4 gilt nicht:

1.           für die ordnungsmäßige Ausübung der Jagd;

2.           für die ordnungsmäßige Ausübung der Fischerei in der bisherigen Art, in der bisherigen Intensität, und im bisherigen Umfang;

3.           für die ordnungsmäßige Ausübung der Landwirtschaft in der bisherigen Art, in der bisherigen Intensität und im bisherigen Umfang mit der Maßgabe, daß Grünland nicht umgebrochen werden darf und das Ausbringen von Flüssigmist unzulässig ist;

4.           für die ordnungsmäßige forstwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art, in der bisherigen Intensität und im bisherigen Umfang mit der Maßgabe, daß
a) im Schonwald Steinethalde und an der Rottweiler Steige nur Pflegemaßnahmen zur Erhaltung der auf diesen Standorten typischen, lichten Bestandesstrukturen in Absprache mit der höheren Naturschutzbehörde durchgeführt werden, wobei anzustreben ist, die Bereiche ehemaliger Schafweiden und Steinbrüche offenzuhalten;
b) die übrigen Wälder der Südhänge als Dauerwald zu bewirtschaften sind mit dem Ziel naturnahe Bestände in der vorhandenen Artenzusammensetzung zu erhalten, jedoch auf Steinschutthalden und Felsen auf eine Förderung des Baumbewuchses verzichtet wird;
c) in den übrigen Wäldern bei der Pflege standortgemäße, einheimische Waldbaumarten gefördert und der Nadelholzanteil reduziert wird;

5.           für die sonstige bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke, Gewässer, Straßen und Wege sowie der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung mit der Maßgabe, daß Hochwasserschutzmaßnahmen in der Schlichem nur mit naturgemäßem Material und ohne Steinverbauungen durchgeführt werden;

6.           für Pflegemaßnahmen, die von der höheren Naturschutzbehörde oder der von ihr beauftragten Stelle angeordnet werden;

7.           für behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen.

§ 6 Befreiungen

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann nach § 63 NatSchG Befreiung erteilt werden.

§ 7 Ordnungswidrigkeiten

Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig eine der nach § 4 dieser Verordnung verbotenen Handlungen vornimmt.

§ 8 Inkrafttreten

Diese Verordnung tritt am Tage nach Ablauf der Auslegungsfrist in Kraft.

 (2) Gleichzeitig tritt im Geltungsbereich dieser Verordnung die Verordnung des Landratsamts Rottweil über das Landschaftsschutzgebiet »Neckartal mit Seitentälern von Rottweil bis Aistaig« vom 1. Februar 1953, veröffentlicht im Schwarzwälder Bote vom 11.Februar 1953, außer Kraft.

FREIBURG I. BR., den 13. Oktober 1993

DR. SCHROEDER