3.215 Hungerbühl-Weiherwiesen

Verordnung des Regierungspräsidiums Freiburg über das Naturschutzgebiet »Hungerbühl - Weiherwiesen« vom 10.Januar 1996 (GBl. v. 06.03.1996, S.193).

Auf Grund von §§ 21, 58 Abs. 2 und 64 Abs. 1 Nr. 2 des Naturschutzgesetzes (NatSchG) in der Fassung vom 29. März t995 (GBI. S. 385) wird verordnet:

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

Die in § 2 näher bezeichneten Flächen auf dem Gebiet der Stadt Sulz, Landkreis Rottweil, werden zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung »Hungerbühl - Weiherwiesen«.

§ 2 Schutzgegenstand

 (1 ) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von rund 39,5 ha und liegt rund 1,5 km östlich der Ortschaft Mühlheim am Bach.

Es umfaßt nach dem Stand vom 27. Januar 1994 auf dem Gebiet der Stadt Sulz, Gemarkung Mühlheim am Bach, die Grundstücke Flst. - Nrn. 2430 - 2450, 2451/1, 2451/2, 2452 - 2454, 2772 (teilweise), 2773 - 2780, 2781/1, 2781/2, 2781/3, 2782 - 2785, 2816 - 2818, 2819/1, 2819/2, 2820 - 2828, 2830, 2831, 2833.

 (2) Die Grenzen des Naturschutzgebietes sind in einer Übersichtskarte im Maßstab 1:25000 mit durchgezogener roter Linie sowie in einer Detailkarte im Maßstab 1:2500 mit durchgezogener roter, grau angeschummerter Linie, jeweils mit Stand vom 7. Februar 1995, eingetragen. Die Karten sind Bestandteil dieser Verordnung. Die Verordnung mit Karten wird beim Regierungspräsidium Freiburg in Freiburg i. Br. und beim Landratsamt Rottweil in Rottweil auf die Dauer von drei Wochen, beginnend am achten Tag nach Verkündung dieser Verordnung im Gesetzblatt, zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt,

 (3) Die Verordnung mit Karten ist nach Ablauf der Auslegungsfrist bei den in Absatz 2 Satz 3 bezeichneten Stellen zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten niedergelegt.

§ 3 Schutzzweck

Wesentlicher Schutzzweck ist die Erhaltung des reich strukturierten Gebietes mit seinem Mosaik aus Magerweiden, Streuobstbeständen. Hecken, Brachen, Schilfröhrichten, Großseggenrieden, Mähwiesen, bachbegleitenden Hochstaudenfluren und Saumgesellschaften als Lebensraum für zahlreiche seltene und gefährdete Tier - und Pflanzenarten.

§ 4 Verbote

 (1) Im Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des Schutzgebietes oder seiner Bestandteile, zu einer nachhaltigen Störung oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen können.

 (2) Insbesondere ist verboten:

1.           bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils geltenden Fassung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen;

2.           Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

3.           die Bodengestalt zu verändern;

4.           Entwässerungs- oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt des Gebietes verändern sowie die Wasserqualität durch das Einbringen von Stoffen zu beeinflussen;

5.           Abfälle oder sonstige Gegenstände zu lagern;

6.           Plakate, Bild - oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen;

7.           Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

8.           Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut- , Wohn - oder Zufluchtstätten dieser Tiere zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

9.           die Art der bisherigen Grundstücksnutzung zu ändern;

10.       zu zelten, zu lagern, Wohnwagen, sonstige Fahrzeuge oder Verkaufsstände aufzustellen oder motorgetriebene Schlitten zu benutzen;

11.       außerhalb von eingerichteten und gekennzeichneten Feuerstellen Feuer anzumachen;

12.       ohne zwingenden Grund Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen;

13.       das Starten und Landen von Luftfahrzeugen einschließlich Luftsportgeräten sowie der Aufstieg von Flugmodellen;

14.       in Röhrichtbeständen und Großseggenrieden Pfade anzulegen oder solche zur betreten.

§ 5 Zulässige Handlungen

§ 4 gilt nicht:

1.           für die ordnungsmäßige Ausübung der Jagd mit den Maßgaben, daß
a) Ansitze im gesamten Schutzgebiet nur landschaftsangepaßt und in einfacher Bauweise errichtet werden dürfen; im Bereich der Riede und Röhrichte ist eine Errichtung nur in den Ufergehölzen des Weiherbaches zulässig;
b) Futterstellen im Bereich der Riede und Röhrichte unzulässig sind;
c) das Anlegen von Schußschneisen im Bereich der Riede und Röhrichte unzulässig ist;
d) im gesamten Schutzgebiet keine Kirrungen und Wildäcker angelegt werden dürfen;

2.           für die ordnungsmäßige Ausübung der Fischerei in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang;

3.           für die ordnungsmäßige landwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art, in der bisherigen Intensität und im bisherigen Umfang mit der Maßgabe, daß
a) die in der Schutzgebietskarte im Maßstab 1 : 2 500 gepunktet markierten Bereiche (Grundstücke Flst. Nrn. 2777 (teilweise), 2775, 2774 (teilweise), 2776, 2781/3 (teilweise), 2778 (teilweise), 2779 (teilweise) und 2780 (teilweise,) nur
 - als Schafweide ohne Düngung, ohne Pferch und ohne Koppelhaltung sowie
 - als Jungviehweide (Jungvieh bis höchstens 300 kg Lebendgewicht) ohne Düngung mit einem Besatz von höchstens fünf Großvieheinheiten pro Hektar für den Zeitraum von einer Woche jeweils im Juni und September jeden Jahres genutzt werden dürfen;
b) die in der Schutzgebietskarte im Maßstab 1 : 2 500 schräg schraffierten Bereiche (Grundstücke Flst. Nrn. 2712 (teilweise), 2783, 2784 und 2785) nur als Streuobstwiese ohne mineralische Düngung genutzt werden dürfen; zulässig bleibt eine Erhaltungsdüngung mit Phosphat- und Kalidüngern im Abstand von drei Jahren;
c) die Grundstücke Flst.Nrn. 2430 - 2442 nur als Wiese ohne mineralische Düngung und ohne Entwässerung genutzt werden dürfen, wobei entlang des Weiherbaches ein 3 - 5 Meter breiter Streifen nicht gemäht werden darf;
d) auf den in der Schutzgebietskarte im Maßstab 1 : 2 500 gekreuzt markierten Bereichen mit Schilfröhrichten und Seggenrieden (Grundstücke Flst.Nrn. 2443 - 2454, 2816 - 2828, 2830 - 2831, 2833) nur eine unregelmäßige Mahd auf Teilflächen in mehrjährigem Abstand mit blind endenden Mähstreifen ohne Düngung und Entwässerung zulässig ist;

4.           für die sonstige bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke, Gewässer, Straßen und Wege sowie der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung;

5.           für Pflegemaßnahmen, die von der höheren Naturschutzbehörde oder der von ihr beauftragten Stelle angeordnet werden;

6.           für behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen.

§ 6 Befreiungen

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann nach § 63 NatSchG Befreiung erteilt werden.

§ 7 Ordnungswidrigkeiten

Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig eine der nach § 4 dieser Verordnung verbotenen Handlungen vornimmt.

§ 8 Inkrafttreten

Diese Verordnung tritt am Tage nach Ablauf der Auslegungsfrist in Kraft.

FREIBURG I. BR., den 10. Januar 1996

DR. SCHROEDER