3.220 Klippeneck

Verordnung des Regierungspräsidiums Freiburg über das Naturschutzgebiet »Klippeneck« vom 22. April 1996 (GBl. v. 07.06.1996, S. 387).

Auf Grund der §§ 21 und 58 Abs. 2 des Naturschutzgesetzes (NatSchG) in der Fassung vom 29. März 1995 (GBI. S. 385) wird verordnet:

Allgemeine Vorschriften

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

Die in § 2 näher bezeichnete Fläche auf dem Gebiet der Gemeinde Denkingen, Landkreis Tuttlingen, wird zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung »Klippeneck«.

§ 2 Schutzgegenstand

 (1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von rd. 9,2 ha und liegt östlich der Gemeinde Denkingen in der Nähe des Klippenecks. Es umfaßt nach dem Stand vom 24. Mai 1995 auf dem Gebiet der Gemeinde Denkingen, Gemarkung Denkingen, die Grundstücke Flst. Nrn. 6397/2, 6398, 6400, 6403, 6405, 6406, 6409, 6411, 6413/2, 6418/1, 6418/2, 6420, 6421/1, 6421/2, 6424/2, 6425/1, 6426/2, 6427/1, 6428/1, 6428/4, 6430, 6433, 6439/1, 6440/2, 6441/1, 6500/1, 6501/2, 6508/2, 6522, 6523, 6530/3, 6530/5, 6532, 6533/4, 6534/1, 6535/1, 6535/4, 6536/1, 6540/2,6540/3.

 (2) Die Grenzen des Naturschutzgebietes sind in einer Übersichtskarte im Maßstab 1:25000 mit durchgezogener roter Linie sowie in einer Detailkarte im Maßstab 1:2500 mit durchgezogener roter, grau angeschummerter Linie, jeweils mit Stand vom 24. Mai 1995, eingetragen. Die Karten sind Bestandteil dieser Verordnung. Die Verordnung mit Karten wird beim Regierungspräsidium Freiburg in Freiburg und beim Landratsamt Tuttlingen in Tuttlingen auf die Dauer von zwei Wochen, beginnend am Tag nach Verkündung dieser Verordnung im Gesetzblatt, zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt.

 (3) Die Verordnung mit Karten ist nach Ablauf der Auslegungsfrist bei den in Absatz 2 Satz 3 bezeichneten Stellen zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten niedergelegt.

§ 3 Schutzzweck

Schutzzweck des Naturschutzgebietes ist die Erhaltung eines natürlichen waldfreien Sonderstandorts am Albtrauf bei Denkingen als

·               einzigartiges erd - und landschaftsgeschichtliches Dokument;

·               Wuchsort einer seltenen Reliktflora aus der nacheiszeitlichen Wärmeiszeit;

·               Lebensraum für eine Vielzahl seltener und gefährdeter Pflanzenarten, Pflanzengesellschaften und Tierarten.

§ 4 Verbote

 (1) In dem Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung oder Veränderung im Schutzgebiet oder seines Naturhaushalts oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen oder führen können, insbesondere die in den Absätzen 2 bis 6 genannten Handlungen.

 (2) Zum Schutz von Tieren und Pflanzen ist es verboten:

1.           Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

2.           Standorte besonders geschützter Pflanzen durch Aufsuchen, Fotografieren, Filmen oder ähnliche Handlungen zu beeinträchtigen oder zu zerstören;

3.           Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut- , Wohn - oder Zufluchtstätten dieser Tiere zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

4.           wildlebende Tiere an ihren Nist- , Brut- , Wohn - oder Zufluchtstätten durch Aufsuchen, Fotografieren, Filmen oder ähnliche Handlungen zu stören;

5.           Hunde frei laufen zu lassen.

 (3) Verboten ist es, bauliche Maßnahmen durchzuführen und vergleichbare Eingriffe vorzunehmen, wie

1.           bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen;

2.           Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

3.           fließende oder stehende Gewässer anzulegen, zu beseitigen oder zu verändern sowie Entwässerungs- oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt verändern;

4.           Plakate, Bild - oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen, mit Ausnahme behördlich zugelassener Beschilderungen.

 (4) Bei der Nutzung der Grundstücke ist es verboten:

1.           die Bodengestalt zu verändern, insbesondere durch Aufschüttungen oder Abgrabungen;

2.           Art und Umfang der bisherigen Grundstücksnutzung entgegen dem Schutzzweck zu ändern;

3.           neu aufzuforsten oder Christbaum - und Schmuckreisigkulturen und Vorratspflanzungen von Sträuchern und Bäumen anzulegen;

4.           Dauergrünland oder Dauerbrache umzubrechen;

5.           Pflanzenschutzmittel, Düngemittel oder Chemikalien zu verwenden.

 (5) Insbesondere bei Erholung, Freizeit und Sport ist es verboten:

1.           das Schutzgebiet außerhalb von Wegen zu betreten;

2.           das Gebiet außerhalb befestigter Wege mit Fahrrädern zu befahren;

3.           zu reiten;

4.           das Gebiet mit motorisierten Fahrzeugen aller Art zu befahren, ausgenommen Krankenfahrstühle;

5.           zu zelten, zu lagern, Wohnwagen oder Verkaufsstände aufzustellen oder Kraftfahrzeuge abzustellen;

6.           Luftfahrzeuge einschließlich Luftsportgeräten zu starten und zu landen sowie Flugmodelle aufsteigen zu lassen;

7.           an den Felsen zu klettern.

 (6) Weiter ist es verboten:

1.           Abfälle oder sonstige Gegenstände zu hinterlassen oder zu lagern;

2.           außerhalb amtlich gekennzeichneter Feuerstellen Feuer anzumachen oder zu unterhalten;

3.           Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen.

§ 5 Zulässige Handlungen

 (1) § 4 gilt nicht:

1.           für die ordnungsgemäße Ausübung der Jagd in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang mit der Maßgabe, daß
a) dafür notwendige Hochsitze nur landschaftsangepaßt in einfacher Holzbauweise errichtet werden dürfen;
b) die Anlage und Einrichtung von Fütterungsstellen untersagt ist;

2.           für die ordnungsgemäße forstwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art, in der bisherigen Intensität und im bisherigen Umfang mit der Maßgabe, daß
a) im Bereich der Felshalden, Schutthalden und Steinbrüche auf den Grundstücken Flst. Nrn. 6433 und 6400 auf eine Förderung des Baumbewuchses verzichtet wird und nur Pflegemaßnahmen in Absprache mit der höheren Naturschutzbehörde zulässig sind;
b) in den nicht regelmäßig genutzten Waldbeständen (a. r. B.) forstliche Maßnahmen nur zur Erhaltung der auf diesen Standorten typischen Bestandesstruktur der Steppenheidewälder in Absprache mit der höheren Naturschutzbehörde durchgeführt werden;
c) in den übrigen Waldbeständen bei der Pflege standortgemäße einheimische Laubbaumarten gefördert und der Anteil an Nadelbäumen reduziert wird; als Zielbestockung sind Buchen - Laubbaumbestände mit einer geringen Beimischung von Nadelbäumen anzustreben;

3.           a)für das Überfliegen des Naturschutzgebietes im Rahmen der ordnungsgemäßen Durchführung des Flugbetriebes des Segelfluggeländes »Klippeneck«;
b) für das Überfliegen des Naturschutzgebietes anläßlich von Luftverkehrsveranstaltungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang;
c) für die zur Sicherheit des Flugbetriebes angeordneten Maßnahmen der Luftfahrtbehörde.

 (2) Unberührt bleiben auch:

1.           die sonstigen bisher rechtmäßigerweise ausgeübten Nutzungen der Grundstücke und Gewässer sowie der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung;

2.           die Regelungen des vom Innenministerium Baden - Württemberg am 30. Dezember 1965 festgelegten beschränkten Bauschutzbereiches für das Segelfluggelände »Klippeneck«.

§ 6 Schutz - und Pflegemaßnahmen

Schutz - und Pflegemaßnahmen werden durch die höhere Naturschutzbehörde in einem Pflegeplan oder durch Einzelanordnung festgelegt. § 4 dieser Verordnung ist insoweit nicht anzuwenden.

§ 7 Befreiungen

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann nach § 63 NatSchG durch die höhere Naturschutzbehörde Befreiung erteilt werden.

§ 8 Ordnungswidrigkeiten

Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer vorsätzlich oder fahrlässig im Naturschutzgebiet eine der nach § 4 dieser Verordnung verbotenen Handlungen vornimmt.

§ 9 Inkrafttreten

 (1) Diese Verordnung tritt am Tage nach Ablauf der Auslegungsfrist in Kraft.

 (2) Gleichzeitig tritt im Geltungsbereich dieser Verordnung die Verordnung des Landratsamts Tuttlingen über das Landschaftsschutzgebiet »Albtrauf zwischen Balgheim und Gosheim mit Dreifaltigkeitsberg, Klippeneck und Lemberg« vom 9. April 1991 außer Kraft.

FREIBURG I. BR., den 22. April 1996

DR.SCHROEDER