3.225 Berghauser Matten

Verordnung des Regierungspräsidiums Freiburg über das Naturschutzgebiet »Berghauser Matten« vom 24. September 1996 (GBl. v. 31.10.1996, S. 667).

Auf Grund der §§ 21, 58 Abs. 2 und § 64 Abs. 1 Nr. 2 des Naturschutzgesetzes (NatSchG) in der Fassung vom 29. März 1995 (GBI. S. 385) wird verordnet:

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

Die in § 2 näher bezeichnete Fläche auf dem Gebiet der Gemeinden Ebringen, Wittnau und Sölden, Landkreis Breisgau - Hochschwarzwald, wird zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung »Berghauser Matten«.

§ 2 Schutzgegenstand

 (1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von rd. 150 ha.

 (2) Es umfaßt wesentliche Teile des ehemaligen Standortübungsplatzes Ebringen der französischen Streitkräfte sowie einige angrenzende Flächen in den Gewannen »Oberer Kienberg«, »Eisenhut«, »Langhard«, »Bergmatten« und »Gräblematten« der Gemarkungen Ebringen, Wittnau und Sölden mit den in der Anlage 1 aufgeführten Grundstücken nach dem Stand vorn 15. November 1994.

 (3) Die Grenzen des Naturschutzgebietes sind in einer Übersichtskarte im Maßstab 1:25000 mit durchgezogener roter Linie sowie in einer Detailkarte im Maßstab 1:5000 mit durchgezogener roter, grau angeschummerter Linie eingetragen. Die Karten sind Bestandteil dieser Verordnung. Die Verordnung mit Karten wird beim Regierungspräsidium Freiburg und beim Landratsamt Breisgau - Hochschwarzwald auf die Dauer von zwei Wochen, beginnend am Tag nach Verkündung im Gesetzblatt, zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt.

 (4) Die Verordnung mit Karten ist nach Ablauf der Auslegungsfrist bei den in Absatz 3 Satz 3 bezeichneten Stellen zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten niedergelegt.

§ 3 Schutzzweck

Schutzzweck des Naturschutzgebietes ist die Erhaltung der Schönberg - Hänge um die Berghauser Kapelle

·               als geologisch und geomorphologisch vielfältiges Gebiet mit Schichten aus dem Trias (Keuper), dem Jura (Schwarz - und Braunjura) und dem Tertiär (Oligozän und vulkanische Erscheinungen),

·               als Bereich mit reich differenzierter Vegetation aus zum Teil von Gebüschen durchsetzten Halbtrockenrasen, Streuobstwiesen, mageren Wirtschaftswiesen und Weiden, aus Feuchtgebieten (Schilfröhricht, Pfeifengraswiese u. a.) sowie aus teilweise aus Sukzession hervorgegangenen Wäldern und sonstigen Gehölzen,

·               als Lebensraum einer Vielzahl von seltenen und gefährdeten Pflanzen - und Tierarten (insbesondere gel, Amphibien, Libellen und Heuschrecken),

·               als Gebiet von besonderer landschaftlicher Schönheit,

·               als Raum zur weiteren Entwicklung ökologisch höherwertiger Vegetationstypen einschließlich der Sukzession zu Wäldern in Teilbereichen,

·               als Forschungsobjekt vor allem für die Biologie und Geologie.

§ 4 Verbote

 (1) In dem Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung, Veränderung oder nachhaltigen Störung im Schutzgebiet oder seines Naturhaushalts oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen oder führen können, insbesondere die in den Absätzen 2 bis 6 genannten Handlungen.

 (2) Zum Schutz von Tieren und Pflanzen ist es verboten:

1.           Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

2.           Standorte besonders geschützter Pflanzen durch Aufsuchen, Fotografieren, Filmen oder ähnliche Handlungen zu beeinträchtigen oder zu zerstören;

3.           Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut- , Wohn - oder Zufluchtstätten dieser Tiere zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

4.           wildlebende Tiere an ihren Nist- , Brut- , Wohn - oder Zufluchtstätten durch Aufsuchen, Fotografieren, Filmen oder ähnliche Handlungen zu stören;

5.           Hunde frei laufen zu lassen.

 (3) Verboten ist es, bauliche Maßnahmen durchzuführen und vergleichbare Eingriffe vorzunehmen, wie

1.           bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen;

2.           Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

3.           fließende oder stehende Gewässer anzulegen, zu beseitigen oder zu verändern sowie Entwässerungs- oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt verändern;

4.           Plakate, Bild - oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen, mit Ausnahme behördlich zugelassener Beschilderungen.

 (4) Bei der Nutzung der Grundstücke ist es verboten:

1.           die Bodengestalt zu verändern, insbesondere durch Aufschüttungen oder Abgrabungen;

2.           Art und Umfang der bisherigen Grundstücksnutzung entgegen dem Schutzzweck zu ändern;

3.           neu aufzuforsten oder Christbaum - und Schmuckreisigkulturen und Vorratspflanzungen von Sträuchern und Bäumen anzulegen;

4.           Dauergrünland oder Dauerbrache umzubrechen;

5.           Pflanzenschutzmittel, Düngemittel oder Chemikalien zu verwenden.

 (5) Insbesondere bei Erholung, Freizeit und Sport ist es verboten:

1.           das Schutzgebiet außerhalb der befestigten Wege, ausgenommen hiervon ist ein Bereich von rund 100 m um die Berghauser Kapelle herum, zu betreten;

2.           das Gebiet außerhalb befestigter Wege mit Fahrrädern zu befahren;

3.           zu reiten;

4.           das Gebiet mit motorisierten Fahrzeugen aller Art zu befahren, ausgenommen Krankenfahrstühle;

5.           zu zelten, zu lagern, Wohnwagen oder Verkaufsstände aufzustellen oder Kraftfahrzeuge abzustellen;

6.           Luftfahrzeuge, insbesondere Luftsportgeräte und Flugmodelle, zu starten oder zu landen sowie das Gebiet mit Luftsportgeräten oder Flugmodellen zu überfliegen.

 (6) Weiter ist es verboten:

1.           Abfälle oder sonstige Gegenstände zu hinterlassen oder zu lagern;

2.           außerhalb amtlich gekennzeichneter Feuerstellen Feuer anzumachen oder zu unterhalten;

3.           Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen.

§ 5 Zulässige Handlungen

§ 4 gilt nicht:

1.           für die ordnungsgemäße landwirtschaftliche Bodennutzung in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang. Voraussetzung ist weiter, daß
a) die Bodengestalt nicht verändert wird,
b) durch Entwässerungs- oder andere Maßnahmen der Wasserhaushalt nicht verändert wird,
c)
Dauergrünland und Dauerbrache nicht umgebrochen werden,
d) Pflanzenschutzmittel nur auf intensiv genutzten landwirtschaftlichen Flächen unter Beachtung der Pflanzenschutzanwendungsverordnung verwendet werden;
e) landwirtschaftliche Produkte außerhalb landwirtschaftlich intensiv genutzter Flächen nicht gelagert werden;
f) auf Dauergrünland keine Gülle oder Jauche aufgebracht wird;
g) Beweidung mit Schafen nur nach der Maßgabe eines im Einvernehmen mit der höheren Naturschutzbehörde geschlossenen Pachtvertrages erfolgt;

2.           für die ordnungsgemäße forstwirtschaftliche Bodennutzung in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang. Voraussetzung ist weiter, daß
a) bei der Bestandspflege und -verjüngung standortgerechte Laubbaum - Misch - Bestände aus gebietsheimischen Arten ausgeformt und begründet werden;
b) notwendige Kahlhiebe die Fläche von 1 ha nicht überschreiten, wobei angrenzende, noch nicht gesicherte Kulturen auf die Hiebfläche anzurechnen sind und im übrigen die Möglichkeiten zu kleinflächigen Hieben auszuschöpfen sind;
c) ein möglichst hoher Anteil von Alt- und Totholz erhalten wird;
d) Entwässerungsmaßnahmen nicht zulässig sind;

3.           für die ordnungsgemäße Ausübung der Jagd in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang. Voraussetzung ist weiter, daß
a) Hochsitze nur außerhalb von trittempfindlichen Bereichen und nur landschaftsgerecht aus naturbelassenen Rundhölzern errichtet werden;
b) Wildäcker nicht sowie Futterstellen und Kirrungen nur in von der Vegetation her unempfindlichen Bereichen angelegt werden;
c) für die natürliche Verjüngung des Waldes und die Erhaltung seltener Pflanzen tragbare Wildbestände hergestellt werden;
d) keine Tiere eingebracht werden;
e) das Schutzgebiet im Zusammenhang mit der Ausübung der Jagd nur bei Bedarf und nur auf Wegen mit Kraftfahrzeugen befahren wird;

4.           für die wissenschaftliche Forschung in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang. Voraussetzung ist weiter, daß diese im Einvernehmen mit der höheren Naturschutzbehörde und in fachlicher Abstimmung mit dem Geologischen Landesamt Baden - Württemberg erfolgt;

5.           für die sonstige bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke und Gewässer sowie der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung.

§ 6 Schutz - und Pflegemaßnahmen

Schutz - und Pflegemaßnahmen werden durch die höhere Naturschutzbehörde in einem Pflegeplan oder durch Einzelanordnung festgelegt. § 4 dieser Verordnung ist insoweit nicht anzuwenden.

§ 7 Befreiungen

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann nach § 63 NatSchG durch die höhere Naturschutzbehörde Befreiung erteilt werden.

§ 8 Ordnungswidrigkeiten

Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer vorsätzlich oder fahrlässig im Naturschutzgebiet nach § 4 dieser Verordnung verbotene Handlungen vornimmt.

§ 9 Inkrafttreten

Diese Verordnung tritt am Tage nach Ablauf der Auslegungsfrist in Kraft. Gleichzeitig tritt die Verordnung des Landratsamtes Breisgau - Hochschwarzwald zum Schutz des flächenhaften Naturdenkmals »Kienberg« vom 3. Februar 1992 sowie für den Geltungsbereich dieser Verordnung die Verordnung des Landratsamtes Breisgau - Hochschwarzwald vom 23. August 1982 über das Landschaftsschutzgebiet »Schönberg« außer Kraft.

FREIBURG I. BR., den 24.September1996

DR.SCHROEDFR

Anlage 1

(zu § 2 Abs. 2)

Verzeichnis der Grundstücke im Naturschutzgebiet »Berghauser Matten« nach dem Stand vom 15. November 1994

Gemarkung Ebringen:

·               5606 (Teil), 7089 - 7098, 7098/1, 7098/2, 7099, 7100, 7102 (Teil), 7103 - 7105, 7107 - 7112, 7282, 7284 - 7286, 7307, 7308 (Teil), 7344 (Teil), 7358 - 7365, 7366 (Teil), 7367 - 7369, 7383 - 7386, 7387 (Teil), 7388, 7457 (Teil), 7458.

Gemarkung Wittnau:

·               213 - 214 (jeweils Teil), 215/1 (Teil), 333 /1 (Teil), 334/1 (Teil), 338/1, 345, 346 /1, 348, 349 - 353 (jeweils Teil).

Gemarkung Sölden:

·               250 (Teil).