3.232 Eckenfels

Verordnung des Regierungspräsidiums Freiburg über das Naturschutzgebiet »Eckenfels« vom 4. März 1997 (GBl. v. 04.04.1997, S. 117).

Auf Grund der § § 21 und 5 8 Abs. 2 des Naturschutzgesetzes (NatSchG) in der Fassung vom 29. März 1995 (GBI. S. 385) wird verordnet:

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

Die in § 2 näher bezeichneten Flächen auf dem Gebiet der Stadt Oppenau, Ortenaukreis, werden zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung
»Eckenfels«.

§ 2 Schutzgegenstand

 (1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von rd. 32 ha.

 (2) Das Naturschutzgebiet liegt nordöstlich von Oppenau im Ortenaukreis und umfaßt nach dem Stand vom 30. August 1994 auf dem Gebiet der Stadt Oppenau, Gemarkung Lierbach, Teile der Grundstücke Flst. Nr. 41/3, 41/4, 44 und 73.

 (3) Die Grenzen des Naturschutzgebietes sind in einer Übersichtskarte im Maßstab 1:25000 mit durchgezogener roter Linie sowie in einer Detailkarte im Maßstab 1:5000 mit durchgezogener roter, grau angeschummerter Linie eingetragen. Die Karten sind Bestandteil dieser Verordnung. Die Verordnung mit Karten wird beim Regierungspräsidium Freiburg in Freiburg i.Br. und beim Landratsamt Ortenaukreis in Offenburg auf die Dauer von zwei Wochen, beginnend am Tag nach Verkündung im Gesetzblatt, zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt.

 (4) Die Verordnung mit Karten ist nach Ablauf der Auslegungsfrist bei den in Absatz 3 Satz 3 bezeichneten Stellen zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten niedergelegt.

§ 3 Schutzzweck

Schutzzweck des Naturschutzgebietes ist die Erhaltung eines für den Naturraum einzigartigen Felsmassivs mit Blockschutthalden und umgebenden naturnahen Wäldern

·               als Lebensraum für eine Vielzahl gefährdeter, zum Teil vom Aussterben bedrohter Tier - und Pflanzenarten;

·               als Gebiet mit Beispielen für eine besondere historische Waldnutzung (ehemalige Eichenschälwälder) und eine bäuerliche, naturnahe Waldwirtschaft (Femelwald).

§ 4 Verbote

 (1) In dem Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung oder Veränderung im Schutzgebiet, zu einer Veränderung des Naturhaushalts oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen oder führen können, insbesondere die in den Absätzen 2 bis 6 genannten Handlungen.

 (2) Zum Schutz von Tieren und Pflanzen ist es verboten:

1.           Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

2.           Standorte besonders geschützter Pflanzen durch Aufsuchen, Fotografieren, Filmen oder ähnliche Handlungen zu beeinträchtigen oder zu zerstören,

3.           Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut- , Wohn - oder Zufluchtstätten dieser Tiere zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

4.           wildlebende Tiere an ihren Nist- , Brut- , Wohn - oder Zufluchtstätten durch Aufsuchen, Fotografieren, Filmen oder ähnliche Handlungen zu stören;

5.           Hunde frei laufen zu lassen.

 (3) Verboten ist es, bauliche Maßnahmen durchzuführen und vergleichbare Eingriffe vorzunehmen, wie

1.           bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen;

2.           Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

3.           fließende oder stehende Gewässer anzulegen, zu beseitigen oder zu verändern sowie Entwässerungs- oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt verändern;

4.           Plakate, Bild - oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen, mit Ausnahme behördlich zugelassener Beschilderungen.

 (4) Bei der Nutzung der Grundstücke ist es verboten:

5.           die Bodengestalt zu verändern, insbesondere durch Aufschüttungen oder Abgrabungen,'

6.           Art und Umfang der bisherigen Grundstücksnutzung entgegen dem Schutzzweck zu ändern.

 (5) Insbesondere bei Erholung, Freizeit und Sport ist es verboten:

1.           im Felsengebiet des Eckenfelsen zu klettern; zulässig bleibt das Klettern in der Zeit vom 1. Juli eines jeden Jahres bis zum 15. Januar des folgenden Jahres auf den Kletterrouten, die sich zwischen den Felsen »Dezemberweg« und »Kleine Zinne« sowie zwischen den Felsen »Zehnerwäldle« und »Pfingstkante« befinden. Voraussetzung ist weiter, daß
a) die vorhandene Topographie weder auf den Felsen noch unterhalb der Felsen verändert wird;
b) bewachsene Hangkanten nicht betreten werden;
c) Hilfsstoffe (z. B. Magnesia) beim Klettern nur in extrem schwierigen Passagen Anwendung finden;
d) auf den Felsen keine Beschriftungen oder Markierungen angebracht werden; ausgenommen hiervon sind amtlich zugelassene Begrenzungsmarkierungen;
e) die Felsen nicht beleuchtet und keine Nachtkletteraktionen durchgeführt werden.

2.           das Gebiet außerhalb von Wegen, markierten Pfaden und eindeutig eingerichteten Zu - und Abstiegspfaden an den Felsen zum Zwecke des Kletterns zu betreten;

3.           das Gebiet außerhalb befestigter Wege mit Fahrrädern zu befahren;

4.           zu reiten;

5.           das Gebiet mit motorisierten Fahrzeugen aller Art zu befahren, ausgenommen Krankenfahrstühle;

6.           zu zelten, zu lagern, Wohnwagen oder Verkaufsstände aufzustellen oder Kraftfahrzeuge abzustellen;

7.           Luftfahrzeuge, insbesondere Luftsportgeräte und Flugmodelle, zu starten oder zu landen sowie das Gebiet mit Flugmodellen zu überfliegen.

 (6) Weiter ist es verboten:

1.           Abfälle oder sonstige Gegenstände zu hinterlassen oder zu lagern;

2.           Feuer anzumachen oder zu unterhalten;

3.           Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen.

§ 5 Zulässige Handlungen

 (1) Für die forstwirtschaftliche Bodennutzung gelten die Verbote des § 4 nicht, wenn sie ordnungsgemäß und in der bisherigen Art sowie im bisherigen Umfang erfolgt. Voraussetzung ist weiter, daß

1.           bei der Verjüngung standortgerechte Mischbestände heimischer Baumarten begründet werden; dies gilt nicht für die vorhandenen Douglasien - Bestände, deren Verjüngung ohne weitere Einschränkungen zulässig ist;

2.           in den ehemaligen Eichenschälwäldern ein hoher Eichenanteil erhalten bleibt;

3.           Kahlhiebe die Fläche von 0,5 ha nicht überschreiten, wobei angrenzende, noch nicht gesicherte Kulturen auf die Kahlfläche anzurechnen sind;

4.           Forstwirtschaftswege nur im Einvernehmen mit der höheren Naturschutzbehörde neu angelegt oder wesentlich geändert werden,

5.           Holzeinschlag einschließlich der Holzrückearbeiten in einem Abstand von jeweils 100 m beiderseits der Horstplätze der gefährdeten Felsbrüter in der Zeit vom 15. Januar bis zum 30. Juni nicht vorgenommen wird.

 (2) Für die Ausübung der Jagd gelten die Verbote des § 4 nicht, wenn sie ordnungsgemäß und mit der Maßgabe erfolgt, daß der Schutzzweck nicht beeinträchtigt wird. Voraussetzung ist weiter, daß keine Wildäcker angelegt werden.

§ 6 Schutz - und Pflegemaßnahmen

Schutz - und Pflegemaßnahmen werden durch die höhere Naturschutzbehörde in einem Pflegeplan oder durch Einzelanordnung festgelegt. § 4 dieser Verordnung ist insoweit nicht anzuwenden.

§ 7 Befreiungen

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann nach § 63 NatSchG durch die höhere Naturschutzbehörde Befreiung erteilt werden.

§ 8 Ordnungswidrigkeiten

Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer vorsätzlich oder fahrlässig im Naturschutzgebiet nach § 4 dieser Verordnung verbotene Handlungen vornimmt.

§ 9 Inkrafttreten

 (1) Diese Verordnung tritt am Tage nach Ablauf der Auslegungsfrist in Kraft.

 (2) Gleichzeitig treten für den Geltungsbereich dieser Verordnung die Verordnung des Landratsamts Offenburg über das Landschaftsschutzgebiet »Lierbachtal und Kniebisstraße« vom 13. Dezember 1951, die Verordnung des Landratsamts Offenburg über das Naturdenkmal »Eckenfelsen« vom 25. August 1943 sowie die Verordnung des Landratsamts Ortenaukreis über die Beschränkung des Betretens von Teilen der freien Landschaft vom 30. Mai 1980 außer Kraft.

FREIBURG I. BR., den 4. März 1997

DR.SCHROEDER