3.251 Hüttenberg

Verordnung des Regierungspräsidiums Freiburg über das Naturschutzgebiet »Hüttenberg« vom 23. März 1999 (GBl. v. 29.04.1999, S. 170).

Auf Grund der §§ 21 und 58 Abs.2 des Naturschutzgesetzes (NatSchG) in der Fassung vom 29. März 1995 (GBI. S. 385) wird verordnet:

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

Die in § 2 näher bezeichnete Fläche auf dem Gebiet der Gemeinde Bärenthal, Landkreis Tuttlingen, wird zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung »Hüttenberg«.

§ 2 Schutzgegenstand

 (1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von rund 37 ha.

 (2) Das Gebiet liegt nordöstlich der Gemeinde Bärenthal und umfasst nach dem Stand vom 22. März 1996 auf dem Gebiet der Gemeinde Bärenthal, Gemarkung Bärenthal, die Grund­stücke Flst. Nrn. 585/6 (teilweise), 834 (teilweise), 840, 841/1, 843/1 (teilweise), 1147 bis 1150, 1246/1 (teilweise), 1252, 1253/3 (teilweise), 1259/2, 1272 (teilweise), 1468/2 (teilweise), 1470.

 (3) Die Grenze des Naturschutzgebietes ist in einer Übersichtskarte im Maßstab 1:25000 (Stand März 1999) mit durchgezogener roter Linie sowie in einer Detailkarte im Maßstab 1:2500 (Stand Juni 1998) mit durchgezogener roter, grau angeschummerter Linie, eingetragen. Die Karten sind Bestandteil dieser Verordnung. Die Verordnung mit Karten wird beim Regierungspräsidium Freiburg und beim Landratsamt Tuttlingen auf die Dauer von zwei Wochen, beginnend am Tag nach Verkündung im Gesetzblatt, zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt.

 (4) Die Verordnung mit Karten ist nach Ablauf der Auslegungsfrist bei den in Absatz 3 Satz 3 bezeichneten Stellen zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten niedergelegt.

§ 3 Schutzzweck

Schutzzweck des Naturschutzgebiets ist die Erhaltung des Hüttenbergs als

1.           einzigartiges erd - und landschaftsgeschichtliches Dokument mit seinen landschaftsprägenden Felsbildungen;

2.           Standort seltener Pflanzengesellschaften wie Seggen - Buchenwälder, Blaugras- Buchenwälder, Schlucht- und Blockschuttwälder, Blaugrashalden, Felsfluren und Magerrasen;

3.           Lebensraum für eine Vielzahl seltener und gefährdeter Pflanzen - und Tierarten.

§ 4 Verbote

 (1) In dem Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung, Veränderung oder nachhaltigen Störung im Schutzgebiet oder seines Naturhaushalts oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen oder führen können. Insbesondere sind die in den Absätzen 2 bis 6 genannten Handlungen verboten.

 (2) Zum Schutz von Tieren und Pflanzen ist es verboten,

1.           Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

2.           Standorte besonders geschützter Pflanzen durch Aufsuchen, Fotografieren, Filmen oder ähnliche Handlungen zu beeinträchtigen oder zu zerstören;

3.           Tiere einzubringen, wild lebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut- , Wohn - oder Zufluchtsstätten dieser Tiere zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

4.           wild lebende Tiere an ihren Nist- , Brut- , Wohn - oder Zufluchtsstätten durch Aufsuchen, Fotografieren, Filmen oder ähnliche Handlungen zu stören;

5.           Hunde frei laufen zu lassen.

 (3) Verboten ist es, bauliche Maßnahmen durchzuführen und vergleichbare Eingriffe vorzunehmen, wie

1.           bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen;

2.           Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

3.           fließende oder stehende Gewässer anzulegen, zu beseitigen oder zu verändern sowie Entwässerungs- oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt verändern;

4.           Plakate, Bild - oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen, mit Ausnahme behördlich zugelassener Beschilderungen.

 (4) Bei der Nutzung der Grundstücke ist es verboten,

1.           die Bodengestalt zu verändern, insbesondere durch Aufschüttungen oder Abgrabungen;

2.           Art und Umfang der bisherigen Grundstücksnutzung zu ändern;

3.           neu aufzuforsten oder Christbaum - und Schmuckreisigkulturen und Vorratspflanzungen von Sträuchern und Bäumen anzulegen;

4.           Dauergrünland oder Dauerbrache umzubrechen;

5.           Pflanzenschutzmittel, Düngemittel oder Chemikalien zu verwenden.

 (5) Insbesondere bei Erholung, Freizeit und Sport ist es verboten,

1.           die Wege zu verlassen;

2.           das Gebiet außerhalb befestigter Wege mit Fahrrädern zu befahren;

3.           im Gebiet außerhalb befestigter Wege zu reiten,

4.           das Gebiet mit motorisierten Fahrzeugen aller Art zu befahren, ausgenommen Krankenfahrstühle;

5.           zu zelten, zu lagern, Wohnwagen oder Verkaufsstände aufzustellen oder Kraftfahrzeuge abzustellen;

6.           Luftfahrzeuge aller Art zu betreiben, insbesondere das Starten und Landen von Luftsportgeräten (z.B. Gleitsegel, Hängegleiter, Ultraleichtflugzeuge, Sprungfallschirme) und Freiballonen sowie das Aufsteigenlassen von Flugmodellen,

7.           die Bereiche der Felsen und Felsschutthalden zu betreten und an den Felsen zu klettern.

 (6) Weiter ist es verboten,

1.           Abfälle oder sonstige Gegenstände zu hinterlassen oder zu lagern;

2.           außerhalb amtlich gekennzeichneter Feuerstellen Feuer anzumachen oder zu unterhalten;

3.           Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen.

§ 5 Zulässige Handlungen

 (1) Für die landwirtschaftliche Bodennutzung gelten die Verbote des § 4 nicht, wenn sie ordnungsgemäß und in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang erfolgt, dabei den Boden pflegt, Erosion und Humusabbau vermeidet und wild lebenden Tieren und Pflanzen ausreichenden Lebensraum erhält. Voraussetzung ist weiter, dass

1.           die Grundstücke Flst. - Nrn. 585/6, 1253/3 und 1259/2 nur als Schafweide ohne Düngung, Koppeln und Pferchen genutzt werden;

2.           die Bodengestalt nicht verändert wird;

3.           Dauergrünland und Dauerbrache nicht umgebrochen wird;

4.           Pflanzenschutzmittel nicht verwendet werden.

 (2) Für die forstwirtschaftliche Bodennutzung gelten die Verbote des § 4 nicht, wenn sie ordnungsgemäß und in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang erfolgt. Voraussetzung ist weiter, dass

1.           im Bereich der Felsen, Schutthalden und Blaugrashalden auf eine Förderung des Baumbewuchses verzichtet wird;

2.           in den Seggen - Buchenwäldern ein ungleichaltriger Baumbestand mit lichtem Kronenschluss angestrebt wird,

3.            in den Waldgersten - Buchenwäldern auf weiteres Einbringen gebiets- und standortsfremder Baumarten verzichtet wird, bei Durchforstungen standortsgemäße, einheimische Waldbaumarten gefördert werden und der Nadelholzanteil reduziert wird;

4.           in den Blaugras- Buchenwäldern, in den Ahorn - Linden - Eschen - Schluchtwäldern, in den Ahorn - Linden - Blockwäldern sowie in den weiteren nicht regelmäßig genutzten Waldbeständen nur Nutzungen im Rahmen von Pflegemaßnahmen zur Erhaltung der auf diesen Standorten typischen Bestandesstrukturen und Baumartenzusammensetzungen durchgeführt werden;

5.           Fichtenbestände langfristig in standortgerechte Buchenwald - Gesellschaften überführt werden.

 (3) Für die Ausübung der Jagd gelten die Verbote des § 4 nicht, wenn sie ordnungsgemäß erfolgt. Voraussetzung ist weiter, dass

1.           Hochsitze nur außerhalb von trittempfindlichen Bereichen und nur landschaftsgerecht aus naturbelassenen Rundhölzern errichtet werden;

2.           keine Wildäcker und Futterstellen angelegt werden; Kirrungen nur außerhalb von nach § 24a NatSchG geschützten Biotopen angelegt werden;

3.           keine Tiere eingebracht werden;

4.           das Schutzgebiet im Zusammenhang mit der Ausübung der Jagd nur bei Bedarf und nur auf Wegen mit Kraftfahrzeugen befahren wird.

 (4) Für das Klettern am Rabenfels gelten die Verbote des § 4 nicht unter der Voraussetzung, dass

1.           nur in der Zeit vom 1. August bis 3 1. Dezember jeden Jahres geklettert wird;

2.           nur der als Zone 1 bezeichnete linke Felsteil (Routen 1 - 7) sowie der als Zone III bezeichnete rechte Felsteil (Routen 14 - 3 1) beklettert wird.
Grundlage der Routenbezeichnung ist der »Kletterführer Schwäbische Alb«, Band 3, Ausgabe 1991 von Ralph Stöhr (Panico Alpinverlag/Köngen);

3.           die bestehenden Zuwegungen benutzt und keine neuen Zuwegungen erschlossen werden;

4.           nur bei Tageslicht geklettert wird.

(5) Für erforderliche Einrichtungen der kommunalen Wasserversorgung gelten die Verbote des § 4 nicht.

 (6) Unberührt bleibt auch die sonstige bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke und Gewässer sowie der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung.

§ 6 Schutz - und Pflegemaßnahmen

Schutz - und Pflegemaßnahmen werden durch die höhere Naturschutzbehörde in einem Pflegeplan oder durch Einzelanordnung festgelegt. § 4 dieser Verordnung ist insoweit nicht anzuwenden.

§ 7 Befreiungen

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann nach § 63 NatSchG durch die höhere Naturschutzbehörde Befreiung erteilt werden.

§ 8 Ordnungswidrigkeiten

Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer vorsätzlich oder fahrlässig im Naturschutzgebiet nach § 4 dieser Verordnung verbotene Handlungen vornimmt.

§ 9 Inkrafttreten

 (1) Diese Verordnung tritt am Tage nach Ablauf der Auslegungsfrist in Kraft.

(2) Gleichzeitig tritt im Geltungsbereich dieser Verordnung die Verordnung des Landratsamtes Tuttlingen über das Landschaftsschutzgebiet »Bäratal« vom 4. Juli 1991 außer Kraft.

FREIBURG I. BR., den 23. März 1999

DR. VON UNGERN - STERNBERG